Die Syphilis, auch als Lues bekannt, ist eine systemische Infektionskrankheit, die durch das gramnegative Bakterium Treponema pallidum (subspecies pallidum) verursacht wird. Der Mensch ist das einzige Reservoir dieses Erregers. Die Krankheit verläuft in verschiedenen Stadien und wird in eine Früh- und eine Spätform unterteilt. Während die Zahl der gemeldeten Syphilisfälle bei Erwachsenen in den letzten Jahren, mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung während der COVID-19-Pandemie, stetig angestiegen ist, liegt die Zahl der Fälle von konnataler Syphilis (Syphilis bei Neugeborenen und Kindern) seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 konstant niedrig bei ein bis sieben Fällen pro Jahr.

Eine Übertragung von Treponema pallidum auf den Fötus, die sogenannte diaplazentare Übertragung, kann zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft erfolgen, gehäuft jedoch nach der 16./18. Schwangerschaftswoche. Die Infektion des Fötus ist auch im Stadium der späten Latenz der Mutter möglich, sofern diese nicht oder nur ungenügend behandelt wurde. Die Übertragungsraten bei unbehandelter Syphilis variieren je nach Stadium der mütterlichen Infektion erheblich: bei primärer Syphilis liegen sie bei 29 %, bei sekundärer Syphilis bei 59 %, bei frühlatenter Syphilis bei 50 % und im späten Latenzstadium bei 13 %.
Unbehandelte oder unzureichend behandelte Syphilis in der Schwangerschaft birgt erhebliche Risiken für das Kind. Dazu zählen ein erhöhtes Risiko für Spontanaborte, Totgeburten, Frühgeburtlichkeit und Hydrops fetalis (Wassersucht des Fötus) sowie eine erhöhte neonatale Sterblichkeit. Eine Infektion des Kindes ist auch während der Passage durch die Geburtswege möglich.
Diagnostik und Screening in der Schwangerschaft
Im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge ist ein serologisches Screening jeder Schwangeren auf Syphilis zu empfehlen. Diese sogenannte Lues-Suchreaktion (LSR) erfolgt mittels Immunoassay. Bei Schwangeren mit erhöhter Risikoanamnese (z. B. Risikokontakt, Prostitution, Drogenmissbrauch, Einwanderung aus Regionen mit hoher Syphilis-Inzidenz) sollte die LSR zu Beginn des dritten Trimenons wiederholt werden, um das Risiko einer kongenitalen Syphilis zu minimieren.
Bei positiver LSR sind ein Bestätigungstest und gegebenenfalls eine erweiterte Diagnostik unerlässlich. Hierzu gehören spezifische IgG-/IgM-Antikörper-Tests (z. B. FTA-Abs-Test) und nicht-treponemenspezifische Tests zum Nachweis von Cardiolipin-Antikörpern (z. B. VDRL-Test). Ein negativer IgM-Befund schließt eine Therapiebedürftigkeit nicht aus. Die Erhebung der Anamnese spielt eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung serologischer Befunde und der Therapieentscheidung.
Zusätzlich wird bei Erstdiagnose einer Syphilis in der Schwangerschaft, sofern noch nicht erfolgt, ein HIV-Test empfohlen. Ultraschallkontrollen (DEGUM-Stufe II/III) ab der 18. bis 21. Schwangerschaftswoche werden ebenfalls angeraten. Bei auffälligen Ultraschallbefunden wie Hepatomegalie (Lebervergrößerung), Aszites (Bauchwasser) oder Hydrops fetalis sollte eine invasive Pränataldiagnostik (DNA-Nachweis mittels PCR im Fruchtwasser und Fetalblut, IgM-Antikörper und VDRL-Bestimmung im Fetalblut) durchgeführt werden.
Therapie der Syphilis
Die Standardtherapie der Syphilis, auch während der Schwangerschaft, ist die Gabe von Benzathin-Benzylpenicillin. Die Dosierung richtet sich nach dem Infektionsstadium und ist in aktuellen Leitlinien detailliert beschrieben.
Bei Penicillinallergie oder Unverträglichkeit werden alternative Antibiotika wie Doxycyclin oder Erythromycin eingesetzt. Bei Schwangeren mit Penicillinallergie ist besondere Vorsicht geboten, da einige Alternativen für den Fötus schädlich sein können. In solchen Fällen kann eine Desensibilisierung zur Ermöglichung einer Penicillintherapie erwogen werden.
Die Behandlung der Syphilis erfordert in der Regel eine längere Therapiedauer, oft mehrere Wochen, um eine vollständige Ausheilung zu gewährleisten. Auch nach abgeschlossener Therapie sind regelmäßige serologische Kontrollen über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren wichtig, um einen Therapieerfolg zu überwachen und mögliche Re-Infektionen oder Reaktivierungen frühzeitig zu erkennen.
STDs: Syphilis Treatment
Syphilis beim Neugeborenen und Kind
Bei positiver Syphilis-Serologie in der Schwangerschaft wird zur Kontrolle des Schwangerschaftsausgangs die Untersuchung von Nabelschnurblut und mütterlicher Blutprobe empfohlen. Bei Neugeborenen mit Verdacht auf angeborene Syphilis sind eine gründliche körperliche Untersuchung und weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich. Dazu können Hautabstriche, Bluttests der Mutter und des Neugeborenen, eine Spinalpunktion zur Untersuchung des Liquors und Röntgenaufnahmen der Knochen gehören.
Die frühe angeborene Syphilis manifestiert sich typischerweise in den ersten drei Lebensmonaten. Mögliche Symptome sind Hautausschläge, Blasenbildung an Handflächen und Fußsohlen, Schwellungen der Lymphknoten, Leber- und Milzvergrößerung, Nasensekretion, Risse um Mund und Nase. In selteneren Fällen können Augen- oder Gehirnentzündungen, Krampfanfälle oder geistige Behinderungen auftreten.
Die späte angeborene Syphilis entwickelt sich nach dem zweiten Lebensjahr und kann zu chronischen Augenproblemen (bis hin zur Erblindung), Zahn- und Gesichtsknochenfehlbildungen sowie Taubheit führen. Die Diagnose der späten angeborenen Syphilis stützt sich auf die klinische Untersuchung und Bluttests.
Die Behandlung der angeborenen Syphilis erfolgt primär mit Penicillin, das intravenös oder intramuskulär verabreicht wird. Bei Augenentzündungen können zusätzlich Kortikosteroide eingesetzt werden.
Prävention von Syphilis während der Schwangerschaft
Die wichtigste Maßnahme zur Prävention der Syphilis bei Schwangeren und ihren Kindern ist die konsequente Durchführung der Mutterschaftsvorsorgeuntersuchungen, einschließlich des routinemäßigen Syphilis-Screenings. Bei positivem Befund ist eine umgehende und adäquate Behandlung der Mutter entscheidend, um die Übertragung auf das Kind zu verhindern.
Darüber hinaus ist die Aufklärung über sexuell übertragbare Infektionen und die Förderung von "Safer Sex", insbesondere bei Risikogruppen, von großer Bedeutung. Dies umfasst die konsequente Verwendung von Kondomen bei sexuellen Kontakten.

Das Robert Koch-Institut (RKI) spielt eine zentrale Rolle bei der Überwachung und Bekämpfung von Syphilis in Deutschland. Die RKI-Ratgeber bieten Fachkreisen detaillierte Informationen zur Diagnostik und Therapie, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
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