Oft heißt es: "Väter können alles, außer stillen." Dies ist zwar richtig, bedeutet aber keineswegs, dass Männer sich aus der Verantwortung stehlen können, wenn das Kind die Brust bekommt. Die Einstellung des Vaters zum Thema Stillen hat durchaus Einfluss auf Mutter und Säugling. Zudem wird häufig unterschätzt, wie anstrengend das Stillen ist: Ein Neugeborenes muss mehrmals am Tag und in der Nacht in kurzen Abständen gestillt werden - hier ist vielseitige Unterstützung durch den Partner unerlässlich.

Die Vorteile des Stillens
Stillen ist die biologische Norm für Menschenkinder und bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind. Kinder, die gestillt werden, sind weniger anfällig für Allergien, Übergewicht und Krankheiten wie Morbus Crohn. Alexander Kusinski, Diplom-Sozialpädagoge, betont zudem, dass Muttermilch die beste Ernährungsquelle für ein Kind darstellt, da sie die optimale Zusammensetzung und Temperatur für ein gesundes Wachstum aufweist. Ebenso wichtig ist die enge Bindung zwischen Mutter und Kind, die beim Stillen entsteht.
Einfluss des Vaters auf den Stillprozess
Die Rolle des Vaters beim Stillen ist oft unterschätzt, hat aber einen erheblichen Einfluss auf den Erfolg. Wenn Väter eingebunden sind und verstehen, wie das Stillen funktioniert und wie oft gestillt werden muss, können sie ihre Partnerin besser unterstützen. Mildi Karin Sand, Familienbegleiterin und Stillberaterin, betont, dass viele Väter sich ihrer wichtigen Rolle nicht bewusst sind.
Praktische Unterstützung durch den Vater
Die Unterstützung durch den Vater kann vielfältig sein und beginnt oft mit der Übernahme praktischer Aufgaben rund um das Stillen. Dazu gehört:
- Schaffung einer gemütlichen Atmosphäre: Den Stillplatz vorbereiten, Kissen und Decken reichen, für Entspannung sorgen.
- Pflege des Babys: Wickeln, baden, wiegen und massieren des Säuglings.
- Emotionale Unterstützung: Nähe anbieten, Gesellschaft leisten und Interesse am Stillprozess zeigen.
- Übernahme von Haushaltsaufgaben: Kochen und die Bewältigung des "Mental Loads".
- Unterstützung in der Nacht: Das Baby nachts durch die Wohnung tragen oder zum Stillen bringen und wickeln.
- Versorgung der Mutter: Der Mutter etwas zu trinken und zu essen reichen, da stillende Frauen einen erhöhten Bedarf haben.
- Organisation von Besuchen: In den ersten Wochen die Anzahl der Besucher koordinieren, um der Mutter Ruhe zu gönnen.

In den ersten Monaten werden Babys oft in kurzen Abständen gestillt, da Muttermilch schnell verdaut wird. Dies macht auch die Nächte anstrengend. Väter können hier eine wichtige entlastende Rolle einnehmen.
Erfahrungen von Vätern während der Stillzeit
Die Erfahrungen von Vätern während der Stillzeit sind oft ambivalent. Einerseits wissen sie um die positiven Aspekte des Stillens, andererseits sind sie sich ihrer rein unterstützenden Rolle bewusst, da sie biologisch bedingt nicht stillen können. Dies kann zu Abhängigkeit von der Mutter führen, was als schwierig empfunden werden kann. Manche Väter fühlen sich durch die enge Bindung zwischen Mutter und Kind ausgeschlossen oder werden eifersüchtig, während andere die innige Zeit zwischen Mutter und Kind positiv erleben. Eine aktive Einbindung des Vaters kann diese Gefühle mildern.
Umgang mit Stillproblemen
Wenn das Stillen nicht reibungslos funktioniert, kann der Vater eine wichtige Stütze sein. Er kann:
- Die Kontaktdaten einer Stillberaterin oder Hebamme bereithalten.
- Seine Frau dabei unterstützen, die Ursachen für die Probleme zu finden.
- Eine entspannte Atmosphäre schaffen, da Anspannung und Stress das Stillen negativ beeinflussen können.
- Das Kind abnehmen, um der Mutter Pausen zu ermöglichen.
- Keinesfalls die Schuld bei der Frau suchen oder sich im Internet unsachlich informieren.
Es ist wichtig zu akzeptieren, wenn eine Mutter nicht stillen möchte, und die Entscheidung der Mutter zu respektieren.
Einfluss der Stillzeit auf die Vater-Kind-Bindung
Obwohl Stillen eine primäre Methode zur schnellen und festen Bindung zwischen Mutter und Kind ist, sind Väter hier oft außen vor. Mindi Karin Sand betont, dass Stillen nicht nur ein Bedürfnis nach Nahrung ist, sondern auch nach Körperkontakt, Entspannung und Bindung. Diese Bedürfnisse können auch auf andere Weise gestillt werden. Väter können durch Tragen, Wiegen oder Spielen eine ebenso gute Bindung zu ihrem Kind aufbauen. Alexander Kusinski vergleicht das Tragen des Kindes durch den Vater mit dem Stillen durch die Mutter, da es eine ähnliche innige Bindung schaffen kann.
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Teilnahme an Stillkursen
Die Meinungen zur Teilnahme von Vätern an Stillkursen gehen auseinander. Mildi Karin Sand befürwortet die Teilnahme von Vätern an Stillvorbereitungskursen und Stillberatungen, um das Wissen über Stillen und Babyversorgung zu erweitern. Alexander Kusinski vertritt die Ansicht, dass reine Stillkurse Frauen vorbehalten sein sollten, um ihnen einen intimen Raum für diese Situation zu geben.
Vorbereitung auf die Stillzeit in der Schwangerschaft
Schon während der Schwangerschaft ist offene Kommunikation entscheidend. Paare sollten über ihre Gefühle sprechen, da Stillen sowohl für Mütter als auch für Väter anstrengend sein kann. Die mentale Unterstützung ist hierbei von großer Bedeutung. Es ist wichtig, klare Absprachen über die Aufgabenverteilung zu treffen und zu akzeptieren, dass Väter genauso gut Aufgaben übernehmen können. Elternzeit und Teilzeitarbeit können Modelle sein, um eine gleichmäßigere Verteilung der Betreuungsaufgaben zu ermöglichen.
Konfliktpunkte wie Eifersucht
Eifersucht kann ein Thema während der Stillzeit sein. Väter sollten jedoch verstehen, dass die enge Bindung zwischen Mutter und Kind die Bindung zum Vater nicht schwächt. Eine hohe Sicherheit und viele enge Bindungen sind für das Kind von Vorteil.
Veränderung der Vateraufgaben im Laufe der Stillzeit
Die durchschnittliche Stilldauer in Deutschland liegt bei etwa acht Monaten, was unter der Empfehlung der WHO liegt. Je älter das Kind wird und je mehr Beikost eingeführt wird, desto mehr verändern sich die Aufgaben des Vaters. Er kann aktiv bei der Beikostfütterung helfen und wird zunehmend zum Spielpartner, der dem Kind die Welt erklärt. Nach dem ersten Lebensjahr entwickelt das Kind neue Fähigkeiten, und das Stillen wird zu einem Teil des Familienalltags. Wenn die Mutter abpumpt, kann der Vater die Flaschenfütterung übernehmen und so eine wichtige Bezugsperson werden.
Das Stillen als gemeinsames Projekt
Stillen ist keineswegs nur ein Frauenthema. Je besser der Vater informiert ist und die Mutter unterstützt, desto besser funktioniert oft das Stillen. Väter können einen großen Einfluss darauf haben, ob und wie lange eine Frau stillt. Sie sollten sich über die Vorteile des Stillens informieren und sich auf mögliche Probleme vorbereiten. Die Schaffung eines ruhigen und geschützten Ambientes, das Anfeuern der Partnerin und die Ermöglichung von Ruhepausen sind entscheidend. Auch nach dem Abstillen ist die Unterstützung des Vaters wichtig. Durch das Tragen, Wickeln und Spielen kann der Vater eine starke Bindung zum Kind aufbauen und sich als wichtige Bezugsperson etablieren.
Studien zeigen, dass die Einstellung des Vaters zum Stillen maßgeblich beeinflusst, wie lange und erfolgreich gestillt wird. Offene Kommunikation, gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame Erleben der Elternschaft sind Schlüssel für eine positive Stillzeit und eine starke Familienbindung.