Sinneswahrnehmung und Interaktion im Mutterleib: Wie Babys ihre Welt entdecken

Babys nehmen im Mutterleib mehr wahr, als viele vermuten. Jeden Tag sammeln sie neue Sinneseindrücke, manche davon prägen das Kind ein Leben lang. Bereits in Mamas Bauch werden somit einige Grundlagen für die Persönlichkeit eines Babys gelegt. Schon im Mutterleib nehmen Babys ihre Umgebung wahr. Sie reagieren auf Reize, Geräusche, Gerüche, Geschmäcker und Licht. Sogar die Gefühle der Mutter lösen Reaktionen beim Baby aus.

Die Entwicklung der Sinne im Detail

Tastsinn: Die erste Erkundung der Welt

Bereits ab der 7. Schwangerschaftswoche reagiert die Haut eines Babys auf Reize. Davon gibt es im Mutterleib einige. Dein Kind fühlt das Fruchtwasser auf seiner Haut, es spürt den Rhythmus deiner inneren Organe und nimmt das Klopfen deines Herzens wahr. Vor allem die Lippen bilden ein wichtiges „Instrument“ des Babys, um seine Umgebung zu fühlen, denn in den Lippen laufen besonders viele Nerven zusammen. Auch nach der Geburt bilden die Lippen und die Zunge das bevorzugte Tastorgan eines Babys.

Etwa ab der 12. SSW ist ein Baby dazu in der Lage, auch mit seinen winzigen Fingerchen erste Sinnesreize wahrzunehmen. Bereits in diesem frühen Schwangerschaftsstadium sind die Finger von empfindlichen Tastzellen durchzogen. Sie ermöglichen es deinem Kind, seine Umgebung zu ertasten und zu spüren.

Der Tastsinn ist bei der Geburt der am besten entwickelte Sinn. Neugeborene und Säuglinge haben einen besonders guten Tastsinn im Lippen-Zungenbereich, weshalb sie ihre Umgebung hauptsächlich mit dem Mund erforschen. Da auf Lippen und Zunge überdurchschnittlich viele Hautrezeptoren sitzen, bringt das Baby ein ausgefeiltes Rüstzeug fürs Saugen und Schlucken mit. Und beim Trinken und Nuckeln an der Brust oder am Schoppensauger meißelt das Baby sozusagen sein Feinwerkzeug für die spätere Sprachmotorik.

Der Tast- oder Taktilsinn, das Wahrnehmen über die Sinneszellen in der Haut, ist der erste aller Sinne überhaupt, der sich entwickelt. Bereits ab der 5. Schwangerschaftswoche spürt der Embryo Berührungen an den Lippen, bereits im Alter von acht Wochen soll ein Embryo auf zarte Berührungen reagieren und in der 12. Woche ist der Tastsinn am ganzen Körper ausgebildet. In der 13. Woche hat das Ungeborene schon so ein gutes Gefühl für seinen eigenen Körper, dass es seinen eigenen Mund und seinen Daumen zuordnen und am Daumen lutschen kann.

Ansonsten muss sich der Tastsinn erst noch weiter ausbilden. Abgeschlossen ist dies erst nach dem 2. Lebensjahr. Neugeborene wissen zum Beispiel, dass sie berührt werden, können aber nicht genau orten, wo. Damit sich der Tast- und Gleichgewichtssinn optimal entwickeln, brauchen Babys Bewegung und viel direkten Hautkontakt.

Expert*innen gehen davon aus, dass das Ungeborene schon in der achten Schwangerschaftswoche (8. SSW) auf taktile Außenreize reagiert. Also, etwa wenn seine Mama die Hand auf ihren Bauch legt oder ihn streichelt.

Geschmackssinn: Die kulinarische Reise im Fruchtwasser

Etwa ab der 11. SSW bilden sich auf der Zunge eines Babys die ersten Geschmacksknospen aus. Um die 12. SSW herum beginnt es, Fruchtwasser zu trinken. Es dauert jedoch bis zur 20. SSW, bis dein Baby zwischen Geschmäckern differenzieren und erste Vorlieben entwickeln kann. Es kann Süßes, Bitteres oder Gewürze im Fruchtwasser schmecken.

Das Fruchtwasser ist im Grunde wie eine Suppe für dein Baby, die in ihrer Geschmacksrichtung variiert. Alles, was du isst, kommt bei deinem Baby an. Hierzu gibt es verschiedene wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Fruchtwasser den Geschmack der Speisen annimmt, die die Mutter zu sich nimmt. Bei der Geburt sind die Geschmacksknospen bereits ausgeprägt. Der Geschmackssinn ist voll funktionsfähig. Die geschmacklichen Differenzierungsmöglichkeiten lernt ein Baby erst nach der Geburt kennen.

Experimente mit Saccharin-Injektionen ins Fruchtwasser zeigten, dass Babys Süßes bereits im Mutterleib bevorzugen. Für diese Studien wurde dem Fruchtwasser durch eine Kanüle zunächst eine bitter schmeckende Substanz hinzugefügt. Die ungeborenen Babys hörten direkt mit dem Trinken auf - ein ganz natürlicher Instinkt, der sich aus evolutionsbiologischer Sicht leicht erklären lässt, da giftige Pflanzen oder unreife Früchte bitter schmecken.

Wenn Sie beim Inder oder Vietnamesen essen - scharf und mit interessanten Gewürzen -, kommt dieser Genuss etwa eine Stunde später auch bei Ihrem Baby an, denn starke Aromen wie zum Beispiel Curry „würzen“ das Fruchtwasser. Die Moleküle der Gewürzstoffe wandern durch die Membran zwischen mütterlichem und kindlichem Kreislauf über die Nabelschnur direkt in den Körper des Babys. Und schon bald gibt seine Haut etwas von diesem Aroma wieder ans Fruchtwasser ab. Um die 20. Schwangerschaftswoche herum sind die Riechzellen in der Nasenschleimhaut da, die Rezeptoren für Düfte. Dazu hat das Ungeborene noch eine Überfülle von Geschmacksknospen in Zunge und Gaumen - dreimal so viele wie beim erwachsenen Gourmet! Dieser ganze Geschmacksapparat wartet nur darauf, angeregt zu werden.

Geruchssinn: Eine noch unausgereifte Wahrnehmung

Bereits in der 8. SSW bilden sich in der Nase erste Riechknospen und auch die Anlagen im Gehirn für den Geruchssinn bilden sich aus. Erst ab der 28. SSW sind Babys dazu in der Lage, in ihrer flüssigen Umgebung Gerüche wahrzunehmen. Allerdings vermischen sich diese Eindrücke mit den Eindrücken, die sie durch das Schmecken sammeln. Im Mutterleib kann der Geruchssinn durch die flüssige Umgebung noch nicht richtig eingesetzt werden.

Obwohl sich der Geruchssinn im Mutterleib mit dem Geschmackssinn vermischt, sind Babys nach der Geburt in der Lage, anhand des Geruches der Muttermilch schnell die Brustwarzen zu finden. Wissenschaftlerinnen vermuten, dass auch der Geruch des Öls, das die Montgomery-Drüsen produzieren, dazu beiträgt, dass Babys die Brust allein „ansteuern“. Der Geruch des Öls soll dem des Fruchtwassers ähneln.

Ab der 10. Woche können Babys theoretisch riechen, allerdings schwimmt die Nase im Fruchtwasser. Der Geruchssinn ist deshalb eng mit dem Geschmackssinn verbunden: Babys lernen das Riechen, indem sie das Fruchtwasser schlucken.

Gehörsinn: Laute Geräusche und vertraute Stimmen

Etwa in der 12. SSW verknöchern die Gehörknöchelchen. Ab der 15. SSW ist ein Baby in der Lage, zu hören. In der ersten Zeit nimmt es Schallwellen noch nicht mit den Ohren auf. Etwa ab der 25. SSW ist das Gehör eines Babys ausgereift. Nun nimmt es die Geräusche nicht mehr nur über den Schädelknochen, sondern über die Ohren wahr.

In erster Linie hören Babys die Geräusche, die durch das Atmen, den Darm und den Kreislauf der Mutter erzeugt werden. Dein Kind hört also das Schlagen deines Herzens, das Rauschen deines Blutes - selbst deine Verdauungsgeräusche nimmt es wahr. Dein Kind reagiert daher in erster Linie auf sehr laute Geräusche von außen, die trotz des Lärms im Inneren deines Körpers zu deinem Baby durchdringen. Bei einem lauten Knall wie dem Zufallen einer Autotür spürst du vielleicht, wie es in deinem Bauch zusammenzuckt.

Die Stimme der Mutter bildet eine Ausnahme. Babys nehmen sie über die sogenannte Knochenleitung wahr. Das bedeutet: Deine Stimme gelangt über die Wirbelsäule und den Beckenknochen direkt zu deinem Kind. Aber auch die Stimme deines Partners wird dein Baby wahrnehmen, wenn er mit normaler Lautstärke in der Nähe deines Bauches spricht. Tiefe Frequenzen wie Männerstimmen dringen gut zu Babys durch.

Der Gehörsinn ist bei der Geburt voll funktionsfähig. Babys haben im Endstadium der Schwangerschaft die Fähigkeit, das Gehörte abzuspeichern. Dein Baby wird den Klang deiner Stimme nach der Geburt wiedererkennen. Wenn du deinem Baby in der Schwangerschaft immer ein bestimmtes Lied vorsingst, wird ihm auch die Melodie vertraut sein.

Ab der 26. Schwangerschaftswoche nehmen Ungeborene Außengeräusche wahr. So lernen sie zum Beispiel, die Stimme der Mutter zu erkennen. "Auch Rhythmen oder Melodieverläufe können die Babys im Mutterleib ganz dumpf wahrnehmen. Doch die Obertöne fehlen noch," erklärt Professor Rainer Schönweiler. Allerdings haben Wissenschaftler noch nicht eindeutig belegen können, wie Musik auf Ungeborene wirkt. "Es ist denkbar, dass Hörgewohnheiten bereits im Bauch geprägt werden. Deswegen zeigen Kinder hierzulande nach der Geburt möglicherweise eher auf westliche als auf asiatische Musik eine Reaktion", sagt Schönweiler.

Die gute Nachricht für alle schwangeren Klassikmuffel: Der Mozarteffekt, dass klassische Musik im Stile Mozarts Kinder klüger machen soll, ist ebenfalls nicht belegt. Seine Kompositionen haben zwar alles, was die neuronale Programmierung begünstigt - also eine nachvollziehbare Struktur, feste Rhythmen und sich wiederholende Melodien. Aber auch Pop- oder Rockmusik dürfen zum Beispiel auf der Baby-Playliste stehen. Denn letztendlich strahlt das Wohlgefühl der Mutter auch auf das Ungeborene aus.

Zwar nimmt das Kind die Stimmen im Bauch erst ab der 18. Schwangerschaftswoche wahr, nur gedämpft und neben vielen anderen lauten Geräuschen aus dem Bauchraum wie Magengrummeln, Herzschlag und Blutrauschen eher entfernt, dennoch freut es sich über die Aufmerksamkeit. Auch das Hören von Musik - diese sollte dir natürlich zusagen - kann dem Ungeborenen gefallen. Bekannt ist unter anderen, dass sich Stücke von Mozart, Vivaldi, Beethoven und Co vorteilhaft auf das Kind im Mutterleib auswirken.

Babys lieben es, gewiegt zu werden. Von Anfang an. Heißt: Schon ab der 12. bis 14. Schwangerschaftswoche reagiert das Innenohr auf rhythmisches Auf und Ab. Es funkt den Reiz ins Gehirn und aktiviert dort die Bereiche, die für Wohlbehagen und Ruhe sorgen. Natürlich schaukeln Sie mit jeder Ihrer Bewegungen Ihr Kleines im Bauch. Sie können ihm aber eine Freude machen, wenn Sie die Treppe nehmen statt den Lift - das Wippen kommt beim Kind intensiv an.

Sehsinn: Hell und Dunkel, aber noch kein klares Bild

Um die 12. SSW herum kann ein Baby durch die geschlossenen Lider Hell und Dunkel wahrnehmen. Erst ab der 25. SSW wird dein Baby zum ersten Mal seine Augen öffnen. Inwiefern ein ungeborenes Baby tatsächlich bereits sehen kann, ist nicht vollständig erforscht. Dass eine Lichtstimulation stattfindet, gilt jedoch als gesichert, schließlich reagieren Babys nachweislich auf Lichtreize. Wenn du eine Taschenlampe auf deinen Bauch richtest, schaut dein Baby neugierig in diese Richtung. Das machen sich Hebammen manchmal zunutze.

Im Mutterleib ist die Entwicklung des Sehvermögens noch nicht abgeschlossen. Nach der Geburt entwickelt es sich noch längere Zeit entscheidend weiter. Das Gehirn des Babys muss das Sehen lernen, indem es über optische Sinnesreize Erfahrungen sammelt und die zum Verarbeiten der Informationen notwendigen Nervenverbindungen bildet. Auch das Blickfeld ist nach der Geburt noch sehr begrenzt. Erst mit rund drei Monaten können Säuglinge ein bewegtes Objekt mit dem Blick verfolgen, denn erst dann entwickelt sich das beidäugige Sehen. Bis ein Kleinkind die Tiefe eines Raumes oder Entfernungen abschätzen kann, vergehen Jahre. Der Sehsinn entwickelt sich somit lange nach der Geburt noch weiter aus.

Ab der 25. Woche etwa öffnet das Ungeborene die Augen, die Sehnerven sind entwickelt, und die Regionen im Gehirn, die Gesehenes speichern, warten auf Futter. Obwohl es nur etwa ein Prozent des Lichts bis zum Baby schafft, ist es drin nicht dunkel. Sondern wie in einem Zimmer mit dichten roten Samtvorhängen, bei Sonnenschein. Deshalb: die Wintersonne ausnutzen - wenn sie mal durchs Fenster strahlt, den nackten Bauch ins Licht halten.

Schmerzempfinden: Eine umstrittene Frage

Umgekehrt können Ungeborene aber auch Schmerzen empfinden. Es ist heute kaum vorstellbar, dass man Babys im Mutterleib noch in den 70er Jahren ein Schmerzempfinden absprach. Frühgeborene Babys wurden damals sogar ohne Narkose operiert. Heute weiß man, wie schrecklich das war. Ab wann das Schmerzempfinden genau einsetzt, ist wissenschaftlich aber immer noch umstritten. Ältere Studien gehen von der 24. SSW aus. Einige neuere Studien vermuten hingegen, dass das Schmerzempfinden beim Fötus deutlich früher einsetzt, etwa ab der 12. SSW.

Die Emotionale Verbindung: Gefühle teilen im Mutterleib

Babys bekommen im Mutterleib sehr viel mit. Wenn du beispielsweise gestresst bist, steigt dein Cortisolspiegel. Cortisol ist ein körpereigenes Hormon, das an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt ist und bei Stress vermehrt freigesetzt wird. Über die Nabelschnur erreicht das Cortisol dein Baby - und zwar bereits nach wenigen Pulsschlägen. Das fanden Mediziner bei Messungen des Nabelschnurblutes heraus. Das Cortisol sorgt dann auch bei deinem Baby für Unruhe. Manche Babys bewegen sich nervös hin und her.

Umgekehrt gelangen aber auch deine Endorphine und andere Glückshormone zu deinem Kind, wenn du glücklich und entspannt bist. Du teilst also auch deine Freude mit deinem Baby. Es merkt, dass es dir gut geht - und fühlt sich ebenfalls pudelwohl. Embryologen fanden im Rahmen einer Studie heraus, dass die Rezeptoren für die Glücksbotenstoffe im embryonalen Gehirn bereits früh gut ausgereift sind. Für die Studie baten die Forscher Mütter, sich eine besonders schöne Situation vorzustellen. Dabei wurden die Gehirnströme der Ungeborenen gemessen. Die Messungen zeigten, dass die Ausschläge der Kurven kleiner wurden, nachdem die werdenden Mütter an etwas Schönes gedacht hatten.

Ein seelisches Auf und Ab ist in der Schwangerschaft normal. Sicher haben auch dir deine Hormone schon das ein oder andere Schnippchen geschlagen und für Gefühlschaos gesorgt. Du musst deswegen kein schlechtes Gewissen haben. Pränatal-Psychologen stimmen darin überein, dass negative Gefühle wichtig für ein Kind sind. So lernt das Gehirn eines Babys bereits im Mutterleib, auch weniger schöne Eindrücke zu verarbeiten. Nachdem sich dein Gefühlschaos wieder gelegt hat, werden die negativen Empfindungen bei deinem Baby direkt gelöscht. Denn: Babys leben im Mutterleib sehr im Augenblick. Ungefiltert kommen negative Botenstoffe wie Cortisol ohnehin nicht bei deinem Kind an. Der weibliche Körper verfügt über clevere Schutzmechanismen, um das Ungeborene vor Stress zu schützen. Du darfst also ruhig auch einmal wütend oder traurig sein. Das hat keine negativen Folgen. Wenn du merkst, dass du nur noch gestresst bist, solltest du etwas unternehmen.

Lange bevor Ihr Kleines das Licht der Welt erblickt, nimmt es an Ihrem Leben teil. Sind Sie glücklich und entspannt, tut es Ihnen Ihr Ungeborenes gleich: Es strampelt freudig oder schwimmt entspannt in Ihrer Gebärmutter, seine Pulsfrequenz wird niedriger. Wenn Sie hingegen gestresst, verärgert oder traurig sind, kommen diese negativen Gefühle auch bei Ihrem Nachwuchs an. Manche Babys werden dann unruhig, andere krümmen sich ganz klein zusammen.

Ärger gehabt auf der Arbeit? Streit mit Ihrem Partner? Nicht schön. Aber die Schwangerschaft findet nun mal nicht außerhalb des normalen Lebens statt. Es gibt neue, tröstliche Erkenntnisse der Pränatal-Psychologen: Ungeborene, so sagen sie, sind äußerst versöhnliche Wesen. Hat sich bei der werdenden Mutter ein Gefühlssturm wieder gelegt (und damit der Adrenalinspiegel im Blut), nehmen die Kleinen das unmittelbar wahr. Ruhe und Versöhnung löschen die weniger angenehmen Erfahrungen, an denen Babys im Bauch auch teilhaben. Und: Harmonie um jeden Preis ist gar nicht erstrebenswert. Denn nur mit seelischem Auf und Ab lernt das Gehirn, auch nicht ganz so tolle Eindrücke zu bewältigen.

Interaktion und Förderung im Mutterleib

Berührungen: Die erste Form der Kommunikation

Um die 21. SSW herum nimmt dein Baby deine Berührungen von außen immer mehr wahr. Es spürt, wenn du die Hand auf deinen Bauch legst. Probiere es aus! Versuche eine Stelle zu ertasten, die sich nach Köpfchen oder Rücken anfühlt und streichle sanft darüber.

Der Babybauch ist mehr als nur ein Symbol für ein neu entstehendes Leben. Jeder Babybauch ist einmalig. Doch ganz egal, ob flach, groß oder klein: Er ist der erste bewusste Berührungspunkt zwischen Eltern und Kind. Das Ungeborene ist ab der 8. SSW in der Lage, Veränderungen in seiner Umgebung zu spüren und reagiert auf Reize von außen wie z. B. Berührungen.

Das Baby nimmt die liebevollen Berührungen von Mama und Papa wahr, z. B. wenn sie ihre Hand auf den Bauch legen und ihn voller Vorfreude streicheln. Genauso spürt die Mutter während der Schwangerschaft die Bewegungen und Tritte des ungeborenen Kindes. Für Eltern besteht damit während der Schwangerschaft die faszinierende Möglichkeit, bewusst mit ihrem Baby im Bauch zu interagieren, um so eine erste Bindung zu ihm aufzubauen.

Verbinden Sie die Babybauchpflege beispielsweise mit zärtlichen Berührungen beim Eincremen oder Einölen. Auch eine entspannende Babybauchmassage gefällt Mutter und Kind. Grundsätzlich gilt die Regel: Wenn es Ihnen gut geht, dann geht es auch dem Baby gut. Babybauchmassagen eignen sich deshalb ausgezeichnet als sinnliche Entspannungsübung - egal, ob allein oder mit dem Partner. Gleichzeitig nehmen Sie über das Berühren des Bauchs Kontakt mit Ihrem Baby auf. Legen Sie die Hände oberhalb des Bauchnabels flach auf den Bauch und führen damit langsame, kreisende Bewegungen aus. Unterhalb des Bauchnabels massieren oder streicheln Sie mit den Fingerspitzen weiter. Wenn Sie bei der Massage aufmerksam sind, merken Sie, wie das Baby auf die sanften Berührungen auf den Bauch reagiert.

Wenn die Mutter vom Vater eine Ölmassage am Bauch erhält, entspannt das Kind. Zum einen, weil es die Berührungen auf seinem eigenen Körper spürt. Zum anderen, weil es die Glückshormone seiner Mutter abbekommt.

Schottische Wissenschaftler*innen der University of Dundee beobachteten mithilfe von 4D-Ultraschall-Videos die Reaktionen von 28 ungeborenen Kindern, als die Mutter, der Vater oder jemand Fremdes den Babybauch streichelte. Im Experiment zeigte sich, dass die ungeborenen Kinder im 2. und 3. Trimester deutlich stärker auf Streicheleinheiten der Mutter reagierten, als wenn andere Personen den Babybauch streichelten. Die Babys berührten die Wand des Uterus signifikant häufiger, wenn dort die Hand der Mama entlang strich. Ihre Reaktion auf fremde Berührungen fiel dagegen viel geringer aus. "Mütter berühren während der Schwangerschaft spontan, aber auch zielgerichtet ihren Bauch, um mit ihrem Baby zu kommunizieren. Wir konnten zeigen, dass die Kinder auf die Berührung der Mutter reagieren. Jede Stimulation dieser Art kann die Entwicklung des Fötus und das Bonding zwischen Baby und Eltern fördern“, erklärt Viola Marx, Psychologie-Doktorandin und Leiterin der Studie.

Die wenigsten Reaktionen zeigten die Ungeborenen, wenn der eigene Vater den Babybauch berührte - noch weniger, als wenn Fremde den Bauch streichelten. Dr. Emese Nagy, Co-Autorin der Studie, glaubt, es könne ebenfalls an der Art der Berührung liegen: „Während die Mutter genau weiß, in welcher Position ihr Baby sich gerade befindet, und wie viel Druck sie auf ihren Bauch ausüben kann, streicheln Väter wohl instinktiv sehr sanft, aus Angst, der Partnerin oder dem Kind weh zu tun.“

Musik und Stimme: Vertraute Klänge beruhigen

Du möchtest deinem Baby Musik vorspielen? Das ist eine wunderbare Idee! Die teilweise sehr ruhigen Notenfolgen von klassischer Musik sind grundsätzlich eine gute Wahl. Hörst du dagegen lieber Rock und Pop, wird dein Baby dies ebenfalls mögen. Hast du schon eine Spieluhr für den Nachwuchs? Dann nimm dir doch am Abend etwas Zeit und mach es dir auf dem Sofa bequem. Leg dann die aufgezogene Spieluhr auf eine Decke auf den Bauch und schau nach, was passiert. Viele Babys fangen an, sich zu bewegen und auf die Musik zu reagieren. Später dann, wenn dein Baby geboren ist, kann es sich an die Melodie erinnern.

Das Singen von Kinderliedern, das Erzählen und Vorlesen von Geschichten ist ebenfalls verbreitet. Vor allem das Singen wirkt magisch auf das Ungeborene. Es verliebt sich in die Stimme, die es hört. Es merkt sich die Lieder. Wer ihm nach der Geburt die gleichen Lieder vorsingt, kann es leichter beruhigen, da es sich an die Lieder erinnert.

Die Stimme der Mutter bildet eine Ausnahme. Babys nehmen sie über die sogenannte Knochenleitung wahr. Das bedeutet: Deine Stimme gelangt über die Wirbelsäule und den Beckenknochen direkt zu deinem Kind. Aber auch die Stimme deines Partners wird dein Baby wahrnehmen, wenn er mit normaler Lautstärke in der Nähe deines Bauches spricht. Tiefe Frequenzen wie Männerstimmen dringen gut zu Babys durch.

Ab der 20. Schwangerschaftswoche entwickelt sich der Hörsinn des ungeborenen Kindes. Harmonische Töne können eine beruhigende Wirkung auf das Baby im Bauch haben. Allerdings sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass die vorgespielten Töne durch die Bauchdecke sowohl leiser als auch verfremdet beim Kind ankommen. Entsprechend gilt auch die Vorstellung als überholt, dass sich klassische Musik z. B. von Mozart positiv auf die spätere Intelligenz auswirkt. Abzuraten ist außerdem von einer lauten Dauerbeschallung. Setzen Sie deshalb lieber auf begrenzte „Musikstunden“ mit ruhiger Musik, die auch Ihnen persönlich gefällt. Wenn Sie lautere, schnelle Musik hören möchten, tun Sie dies am besten über Kopfhörer, um das das Baby nicht zu stören.

Obwohl es nur etwa ein Prozent des Lichts bis zum Baby schafft, ist es drin nicht dunkel. Sondern wie in einem Zimmer mit dichten roten Samtvorhängen, bei Sonnenschein. Deshalb: die Wintersonne ausnutzen - wenn sie mal durchs Fenster strahlt, den nackten Bauch ins Licht halten.

Bewegung und Sport: Schaukeln und Entspannen

Sanftes Schaukeln beim Schwimmen: Die langsamen, weichen Bewegungen im Wasser lassen das Kleine in Ihrem Bauch sanft vor sich hinschaukeln - und das mag es! Auch für werdende Mütter ist Schwimmen ideal: Der immer schwerer werdende Bauch fühlt sich im Wasser plötzlich wieder federleicht an, der Rücken wird entlastet, Kreuzschmerzen gemindert. Außerdem lassen sich so Kondition und Muskeln nebenbei stärken. Besprechen Sie aber zuvor mit Ihrem Frauenarzt, wie intensiv Sie Sport treiben dürfen.

Tanzen macht gute Laune: Wenn Sie eine passionierte Tänzerin sind, die vor der Schwangerschaft regelmäßig beim Training war, werden Sie dieses vermutlich auch dann weiterführen, wenn Sie ein Baby erwarten. Aber auch dann, wenn Sie nur ab und an mal tanzen gehen, sollten Sie sich diese Ausflüge weiterhin gönnen. Durch die weichen Bewegungen werden Verspannungen gelockert und der Körper mit besonders viel Sauerstoff versorgt. Dieser kommt natürlich auch bei Ihrem Baby an. Zudem setzt Tanzen Glückshormone frei.

Generell ist Sport in der Schwangerschaft eine gute Sache. "Denn die Fitness der Mutter fördert auch die des Kindes. Der Vorteil des Tanzens im Vergleich zu Mannschafts- oder Kampfsportarten: Durch den fehlenden Gegnerkontakt ist das Risiko geringer, sich zu verletzen", sagt Sportpsychologin Marion Sulprizio. Ob Salsa, Bauchtanz oder Zumba, die Auswahl an Tanzarten ist groß. "Während beim Partnertanz das harmonische Miteinander im Fokus steht, trainiert Zumba die Ausdauer und die Fitness. Doch es gilt: Die Schwangere sollte keine Sprünge oder unkontrollierten Bewegungen machen und die empfohlene Herzfrequenz nicht überschreiten", rät die Expertin. Deshalb eher ungeeignet, weil zu ruckartig: Hip Hop, Streetdance oder Stepptanz. Generell lautet die Empfehlung: sich nicht zu sehr anstrengen und eventuell zwischendurch den Puls messen.

Die Mutter stimuliert den Gleichgewichtssinn allein durch ihre Bewegungen. Gleichzeitig „trainiert“ das Kind das Gleichgewicht, indem es strampelt und seine Lage im Bauch verändert. Es behagt ihm zu schaukeln und sich um sich selber zu drehen - es übt damit gleichzeitig für das Leben nach der Geburt.

Ein glückliches Paar streichelt den Babybauch der werdenden Mutter, um die Bindung zum Ungeborenen zu stärken.

Die Entstehung eines neuen Menschenlebens - 3D VR 360° Video

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