Die Bedeutung von Spielräumen für die frühkindliche Entwicklung
Der SpielRaum bietet Kindern verschiedener Altersgruppen die Möglichkeit, in einer entsprechend vorbereiteten Umgebung das zu tun, was sie von sich aus tun möchten und wofür sie aufgrund ihrer Entwicklung bereit sind - und das ganz ohne angeleitet oder gedrängt zu werden. Dies fördert die natürliche Eigenaktivität und Selbstbestimmung des Kindes.
Es gibt altershomogene Gruppen, deren Einteilung es den Kindern ermöglicht, in Ruhe und ungestört zu spielen, da sie sich nicht vor den Aktivitäten kleinerer oder größerer Kinder schützen müssen. Der Raum und das Angebot vermitteln den Kindern Ruhe und Sicherheit in Form von Zeit, die das Kind hat, um selbst zu entscheiden, wann es, womit und wie lange spielen will.
Der Spielraum gibt Eltern die Möglichkeit, die Eigenaktivität ihrer Kinder zu beobachten und kennen zu lernen. Dies ist ein wichtiger Aspekt, um die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes besser zu verstehen.

Pikler®SpielRäume: Ein Ort für Eltern und Kinder
Pikler®SpielRäume sind Orte für Eltern und ihre Kinder, die von einer Pikler®Pädagogin geleitet werden. Im Pikler-Spielraum entdecken Kinder im Alter von etwa 6 Monaten bis 3 Jahren eine altersgerecht vorbereitete Umgebung, die zu freier Bewegung und selbstbestimmtem Spiel einlädt - ganz ohne Eingreifen von Erwachsenen.
Die Gruppen sind altershomogen zusammengesetzt. Das Besondere: Die Eltern begleiten ihre Kinder durch aufmerksames Beobachten, ohne aktiv einzugreifen. Dieser Leitsatz der Pikler-Pädagogik eröffnet dem Kind vielfältige Lernchancen durch achtsame Begegnung und beziehungsorientiertes Handeln.
Kommunikation und Kooperation im Alltag
Sprechen wir von Anfang an mit dem Kind und bereiten es auf unsere Handlungen vor, lernt es uns zuzuhören. Wird es aktiv in Pflegehandlungen einbezogen, erlebt es Kooperation.
Ein Beispiel: Wenn Eltern Lea die Anti-Rutsch-Socken anziehen möchten, zeigen sie sie ihr vorher und sagen, dass sie ihr jetzt diese Socken anziehen möchten, und warten kurz ab, bis das Kind mit der Aufmerksamkeit bei ihnen ist. Dann wird das Füßchen genommen und das Kind angeschaut - und es wird entweder auf den Schoß zum Anziehen gesetzt oder, wenn es schon größer ist, um Mithilfe gebeten. So erfährt das Kind, dass es aktiv mitwirken darf. Es wird nicht einfach nur versorgt, sondern ist ein Teil des Geschehens.

Freie Bewegung und Selbstständigkeit fördern
Ein Kind muss nicht an der Hand geführt werden, um gehen zu lernen. Wenn es die Möglichkeit hat, sich vom Liegen bis zum freien Gehen in seinem eigenen Tempo zu entwickeln, wird es sicherer in seinen Bewegungen und lernt, besser auf sich aufzupassen.
Die Spiel- und Bewegungsgeräte im Spielraum sind so gestaltet, dass Kinder sie ihrem Alter und Entwicklungsstand entsprechend selbstständig nutzen können - ohne Hilfe eines Erwachsenen.
Ein Beispiel: Nora beginnt, am Pikler-Dreieck hochzuklettern. Die Bezugsperson setzt sich in ihrer Nähe auf den Boden, hält Blickkontakt und legt die Hände ebenfalls auf die Sprossen. So wird dem Kind gezeigt: „Ich bin da, halte mich auch fest - greife aber nicht ein.“ Wird es unsicher, wird ruhig gesagt: „Du kannst wieder runtergehen.“ So lernt das Kind: Ich spüre, was ich mache. Ich darf auch umkehren.

Ganzheitliche Förderung durch freies Spiel
Im Spielraum erlebt das Kind durch das freie Spiel eine ganzheitliche Förderung seiner frühkindlichen Entwicklung - in einem sicheren und entspannten Umfeld. Beim selbstgewählten Tun kann es logisches Denken aufbauen und erste Ursache-Wirkung-Zusammenhänge erkennen: „Wenn ich etwas stoße, fällt es um.“ Es sammelt Erfahrungen im Bereich der Statik: Was steht stabil, was kippt?
All diese Erfahrungen stärken nicht nur die kognitiven Fähigkeiten, sondern fördern auch die Konzentration, Selbstständigkeit und innere Motivation.
Soziale Entwicklung und Konfliktbewältigung
Kleinkinder stehen noch am Anfang ihres sozialen Lernens. Zum ersten Mal in einer Gruppe zu sein bedeutet, sich selbst im Verhältnis zu anderen zu entdecken - „Wer bin ich? Wer sind die anderen?“ Dabei sind Konflikte ganz natürlich.
Ein Beispiel: Alex möchte das Lastauto, mit dem Pia gerade spielt, und versucht, es ihr wegzunehmen. Wenn beide Kinder bereits in einer Phase sind, in der sie einfache Regeln verstehen können, kann die Bezugsperson reagieren, indem sie ruhig ihre Hand auf das Lastauto legt und zu Alex sagt: „Damit spielt jetzt Pia.“ So erlebt Alex eine klare, aber respektvolle Grenze - und beide Kinder erfahren, dass ihre Bedürfnisse gesehen und ernst genommen werden.

Spiel und Bewegung im häuslichen Umfeld gestalten
Spielen und Bewegung sind für Kinder oft eins. Zum Spielen, Toben und Ausprobieren, was es schon alles kann, braucht das Kleinkind deshalb ausreichend Raum. Grundsätzlich gilt: Vor dem Spiel- und Forscherdrang von Zwei- oder Dreijährigen ist nichts sicher.
Statt den ganzen Tag lang immer wieder „Nein!“ sagen zu müssen, ist es deshalb besser, Sie verstauen Gegenstände, die für das Kind gefährlich sind oder Ihnen lieb und teuer sind, außer Reichweite Ihres Kindes und richten Ihre Wohnung auch sonst auf die zunehmende Bewegungs- und Entdeckungsfreude Ihres Kindes ein:
- Deponieren Sie in den unteren Schrankbereichen nur Gegenstände, die nicht so schnell kaputt gehen können und für Ihr Kind ungefährlich sind.
- Bücher in den unteren Regalfächern können beispielsweise durch alte Zeitschriften oder Kataloge ersetzt werden - damit beschäftigt sich Ihr Kind sicher gerne!
- Räumen Sie in der Küche Töpfe, Pfannen und Haushaltsgegenstände aus Plastik ganz nach unten. Ihr Kind hat eine Menge Freude mit dem Aus- und Einräumen, und Sie können gleichzeitig in Ruhe das Essen vorbereiten.
Richten Sie Ihrem Kind dauerhaft oder vorübergehend „Tobe-Ecken“ ein - vielleicht eine alte Matratze mit vielen Kissen und Decken zum „Abpolstern“. Ohne großen Aufwand lässt sich in der Wohnung eine richtige „Bewegungslandschaft“ erstellen, zum Beispiel mit einem Krabbeltunnel, Sitzwürfeln, Kartons, Stühlen und vielem mehr.
Tipp: Mit Kleinkindern ist es einfach nicht möglich, dass die Wohnung immer tipptopp aussieht. Besonders in Städten wohnen die Menschen oft sehr eng zusammen, und viele Wohnungen sind hellhörig. Aus Rücksicht auf Nachbarn versuchen Eltern dann, ihre Kinder am Hüpfen, Rennen, mit dem Auto oder Dreirad im Flur fahren oder am lauten „Schreien“ zu hindern. Aber das sind wichtige Lebensäußerungen der Kinder! Deshalb: Versuchen Sie sich mit den Mieterinnen und Mietern in Ihrer unmittelbaren Umgebung gut zu stellen.

Die Bedeutung der Anwesenheit von Bezugspersonen
Eltern geben sich oft sehr viel Mühe, aus dem Kinderzimmer ein wahres Spielparadies zu zaubern - und dennoch wollen insbesondere Kleinkinder oft nicht in ihrem Kinderzimmer spielen. Das liegt daran, dass Kinder in diesem Alter noch sehr die Ermunterung, Sicherheit und Verfügbarkeit der Erwachsenen brauchen. Je jünger ein Kind ist, desto enger ist es an seine Bezugspersonen gebunden und desto größer ist sein Bedürfnis nach Nähe und Zugehörigkeit.
Deshalb: „Schieben“ Sie Ihr Kind nicht ins Kinderzimmer ab. Richten Sie in dem Raum, in dem Sie sich aufhalten, eine kleine Spielecke ein, damit Ihr Kind Sie sehen kann. Damit reduzieren Sie auch automatisch die ständigen Aufräumarbeiten. Verlegen Sie kleine Tätigkeiten ins Kinderzimmer. Nähen, bügeln oder Briefe schreiben können Sie auch dort. Dann wird auch dieser Raum „bewohnt“ und erinnert das Kind nicht nur an „ins Bett gehen und schlafen müssen“.
Spiel und Bewegung im Freien
Wenn Sie einen Garten haben, dann ist das für Kinder im Kleinkindalter ein wunderbarer Ort zum Spielen und Bewegen:
- Lassen Sie sich von Ihrem Kind im Garten „helfen“: beim Ernten, beim Mähen, beim Reparieren des Zauns. Kleine Handreichungen (Nägel reichen, Steinchen forttragen etc.) geben Kindern eine enorme Bestätigung.
- Legen Sie zusammen mit Ihrem Kind ein kleines Beet an, in dem es etwas pflanzen darf.
- Stellen Sie im Sommer ein Zelt im Garten auf. Ihre Kinder werden es als „eigenes Haus“ für sich entdecken und begeistert darin spielen.
- Wasserspiele mit Eimern oder Gartenschlauch, im Planschbecken etc. sind für Kinder das größte Fest - aber auch eine Gefahrenquelle. Deshalb immer dabeibleiben, wenn Ihr Kind mit und am Wasser spielt!
- Achten Sie auf Sicherheit im Garten.
Tipp: Falls Sie keinen Garten haben: Stellen Sie doch Ihrem Kind einen eigenen Blumenkasten auf die Fensterbank. Dann hat es die Möglichkeit, sich einen eigenen kleinen „Kräutergarten“ anzulegen und zu pflegen.
Kinder drängt es meist ins Freie, um dort zu spielen und sich auszutoben. Geben Sie diesem Bedürfnis so oft wie möglich nach. Denn viel frische Luft, auch bei Wind und Wetter, tut Ihrem Kind gut. Bei Stadtkindern ist das manchmal gar nicht so einfach und vielleicht mit etwas mehr Zeit und Mühe verbunden. Versuchen Sie trotzdem, Ihrem Kind jeden Tag Gelegenheit zum Spielen im Freien zu geben.

Wichtige Anlaufpunkte insbesondere in der Stadt sind Spielplätze und Parks. Dort kann Ihr Kind an der frischen Luft spielen und sich austoben. Ausflüge ins Schwimmbad oder an einen Badesee, in den Wald oder zu einem Bach bieten Kindern viele schöne Anregungen und Spielmöglichkeiten. Vielleicht geht ja eine befreundete Mutter oder ein befreundeter Vater mit seinem Kind auch mit, und Sie können gemeinsam fahren?
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