Neuroblastom: Prognose und Behandlung bei Säuglingen und Kindern

Das Neuroblastom ist ein bösartiger Tumor, der aus Zellen des sympathischen Nervensystems hervorgeht und vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern auftritt. Es entwickelt sich typischerweise im Bereich der Nebennieren oder entlang der Wirbelsäule im Hals-, Brustkorb- oder Bauchbereich. Obwohl es sich nicht um einen Hirntumor handelt, kann es sich bis in den Halsbereich ausbreiten.

Die Ursachen für die Entstehung eines Neuroblastoms sind weitgehend ungeklärt. Es handelt sich um embryonale Tumoren, die bereits im frühen Fetalstadium entstehen können. Genetische Veränderungen spielen eine Rolle, wobei nur ein kleiner Teil der Fälle familiär bedingt ist; die meisten entstehen spontan. Risikofaktoren in der Schwangerschaft, wie unbekannte Virusinfektionen oder Umwelteinflüsse, werden erforscht.

Die Symptome eines Neuroblastoms sind vielfältig und hängen stark von der Lage des Tumors und dem Ausmaß der Metastasierung ab. Anfangs können Symptome fehlen oder unspezifisch sein, was oft zu einer späten Diagnose führt. Mögliche Anzeichen sind:

  • Schwellungen im Hals- oder Bauchbereich
  • Atemnot
  • Lähmungserscheinungen
  • Verstopfung oder Probleme beim Stuhlgang
  • Harnstau
  • Horner-Syndrom (hängendes Augenlid, verengte Pupille, vermindertes Schwitzen auf einer Gesichtshälfte) bei Tumoren im Halsbereich
  • Bluthochdruck, übermäßiges Schwitzen, anhaltender Durchfall in seltenen Fällen
  • Knochenschmerzen durch Metastasen
  • Allgemeine Symptome wie Schmerzen, Fieber, Blässe, schlechter Allgemeinzustand bei fortgeschrittener Erkrankung
  • Opsoklonus-Myoklonus-Syndrom (OMS) in seltenen Fällen
Schema des menschlichen Körpers mit Hervorhebung der häufigsten Lokalisationen von Neuroblastomen: Nebennieren, entlang der Wirbelsäule (Hals, Brust, Bauch, Becken).

Diagnose des Neuroblastoms

Die Diagnose eines Neuroblastoms erfordert eine umfassende Untersuchung. Dazu gehören:

  • Körperliche Untersuchung und Anamnese: Erfassung der Symptome und der Krankengeschichte.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Ultraschall (Sonografie): Zur Darstellung von Tumoren im Hals- und Bauchraum sowie Lymphknotenbefall.
    • Magnetresonanztomografie (MRT): Detaillierte Darstellung von Tumorgröße, Lage und Beziehung zu benachbarten Strukturen.
    • Computertomografie (CT): Alternative oder ergänzende Methode zur MRT, insbesondere bei bestimmten Fragestellungen.
    • 123I-MIBG-Szintigrafie: Eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der sich eine schwach radioaktiv markierte Substanz in fast allen Neuroblastom-Zellen anreichert, um Metastasen zu identifizieren. Bei MIBG-negativen Tumoren können alternative Szintigrafiemethoden wie die PET-FDG zum Einsatz kommen.
  • Laboruntersuchungen:
    • Tumormarker: Bestimmung von Katecholaminen (Abbauprodukte von Hormonen) und NSE (Neuronenspezifische Enolase) im Blut und Urin, die bei Neuroblastomen oft erhöht sind.
  • Knochenmarkuntersuchung: Entnahme von Knochenmarkproben zur mikroskopischen Untersuchung auf Krebszellen, da das Knochenmark häufig von Metastasen betroffen ist.
  • Biopsie: Feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe des Tumors zur Sicherung der Diagnose und zur molekulargenetischen Charakterisierung.

Diese Untersuchungen helfen nicht nur bei der Diagnosesicherung, sondern auch bei der Bestimmung des Ausbreitungsstadiums und der Aggressivität des Tumors, was für die Therapieplanung entscheidend ist.

MIBG Treatment Explained - Isabella Santos Foundation

Krankheitsstadien und Prognose

Die Prognose des Neuroblastoms ist stark abhängig von verschiedenen Faktoren, darunter das Alter des Patienten, das Stadium der Erkrankung und die biologischen Eigenschaften des Tumors (z. B. molekulargenetische Merkmale und Aggressivität).

Die Einteilung erfolgt nach dem International Neuroblastoma Risk Group Staging System (INRG), das bereits vor der Operation anhand von Risikofaktoren auf bildgebenden Verfahren das Stadium bestimmt. Früher wurde auch die INSS-Klassifikation verwendet.

Die Hauptstadien sind:

  • Stadium 1: Lokal begrenzter Tumor, vollständig chirurgisch entfernbar.
  • Stadium 2: Lokal begrenzter Tumor, teilweise oder nicht vollständig entfernbar, mit oder ohne Befall benachbarter Lymphknoten.
  • Stadium 3: Fortgeschrittener lokaler Tumor, der sich über die Lymphknoten hinaus in der Nähe ausbreitet, aber keine Fernmetastasen bildet.
  • Stadium 4: Tumor mit Fernmetastasen in entfernten Lymphknoten, Knochenmark, Knochen, Leber oder anderen Organen.
  • Stadium 4S: Eine Sonderform, die nur bei Säuglingen auftritt und begrenzte Metastasen in Haut, Leber und/oder Knochenmark (<10% Befall) aufweist.

Allgemein gilt:

  • Jüngere Kinder (insbesondere im Säuglingsalter) und Patienten mit lokal begrenzten Tumoren (Stadium 1 und 2) haben in der Regel eine bessere Prognose. Die 5-Jahres-Überlebensraten können hier über 95 % liegen.
  • Bei fortgeschrittenen Stadien (3 und 4) und älteren Kindern ist die Prognose ernster. Die Überlebensraten bei Hochrisiko-Neuroblastomen haben sich durch intensive Therapien jedoch auf über 50 % verbessert.
  • Tumorausreifung (Differenzierung): Manche Neuroblastome können im Laufe der Zeit ausreifen und sich weniger aggressiv verhalten.
  • Tumorrückbildung (Regression): Eine Besonderheit ist die spontane Rückbildung, die insbesondere bei Tumoren im frühen Säuglingsalter (Stadium 4S) beobachtet wird. Auch lokalisierte Neuroblastome bei jungen Patienten können sich ohne Therapie zurückbilden.
Infografik, die die Überlebensraten für verschiedene Risikogruppen von Neuroblastomen darstellt.

Therapie des Neuroblastoms

Die Behandlung des Neuroblastoms ist multimodal und wird individuell auf das Kind, das Tumorstadium und die biologischen Eigenschaften des Tumors zugeschnitten. Sie findet in spezialisierten kinderonkologischen Zentren statt.

Therapieformen

  • Operation: Ziel ist die vollständige Entfernung des Tumors. Bei großen Tumoren kann eine neoadjuvante Chemotherapie zur Verkleinerung vorausgehen. Wenn eine vollständige Entfernung nicht möglich ist, kann eine Tumordebulking (Massenreduktion) erfolgen, gefolgt von weiterer Therapie.
  • Chemotherapie: Einsatz verschiedener Medikamente (z. B. Vincristin, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Etoposid, Cisplatin) zur Abtötung von Krebszellen. Bei Hochrisikotumoren wird oft eine hochdosierte Chemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation durchgeführt.
  • Strahlentherapie: Kann bei bestimmten Risikogruppen oder inoperablen Tumoren eingesetzt werden.
  • Immuntherapie: Nutzt das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung der Tumorzellen, oft mit monoklonalen Antikörpern (z. B. gegen das Oberflächenantigen GD-2).
  • MIBG-Therapie: Behandlung mit hochradioaktiv markiertem MIBG, das sich in den Tumorzellen anreichert.
  • Retinoide: Medikamente (chemisch verwandt mit Vitamin A), die das Risiko eines Rückfalls bei Hochrisikopatienten reduzieren können.
  • Therapiestudien: Teilnahme an klinischen Studien kann Zugang zu neuen Behandlungsansätzen ermöglichen.
Schematische Darstellung der verschiedenen Therapieansätze bei Neuroblastomen (Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, Immuntherapie).

Behandlung von Rückfällen (Rezidiven)

Ein Rückfall (Rezidiv) ist bei Hochrisiko-Neuroblastomen leider möglich. Die Planung der Therapie eines Rezidivs berücksichtigt die bereits erfolgte Behandlung, den Zeitraum des Rückfalls und das Vorhandensein von Metastasen. Neben den Standardtherapieformen können hierbei auch neuere Ansätze wie die MIBG-Therapie oder immuntherapeutische Behandlungen zum Einsatz kommen. Kombinationstherapien, wie die aus einer Stammzelltransplantation und Immuntherapie, zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Steigerung der Überlebensraten.

Die Forschung konzentriert sich intensiv darauf, die biologische Heterogenität von Neuroblastomen besser zu verstehen und darauf basierend neue, gezieltere Therapien zu entwickeln. Dies beinhaltet die Analyse auf zellulärer Ebene, den Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Identifizierung von Angriffspunkten und die Nutzung von "Liquid Biopsies" zur Früherkennung von Rückfällen.

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