Belastung von Silikon- und Latex-Schnullern mit Bisphenol A (BPA)

Schnuller sind für viele Eltern ein unverzichtbarer Helfer, um schreiende Babys zu beruhigen, den natürlichen Saugreflex zu stillen und ihnen ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Doch eine Untersuchung der Umweltschutzorganisation BUND hat ergeben, dass einige Silikon- und Latex-Schnuller hoch mit Chemikalien belastet sind, insbesondere mit Bisphenol A (BPA). Diese Substanz steht im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein und verschiedene negative Auswirkungen auf die Entwicklung und Gesundheit von Säuglingen und Kleinkindern zu haben.

Gesundheitliche Bedenken bezüglich Bisphenol A

Bisphenol A (BPA) ist eine chemische Verbindung, die unter anderem bei der Herstellung von Kunststoffen wie Polycarbonat eingesetzt wird. Die BUND-Untersuchung ergab, dass alle zehn zufällig ausgewählten Latex- und Silikon-Schnuller in einer Stichprobe Bisphenol A enthielten. Die Substanz steht im Verdacht,:

  • Unfruchtbarkeit hervorzurufen,
  • Schädigungen der Gehirnentwicklung zu verursachen,
  • und das Risiko für Brustkrebs zu erhöhen.

Säuglinge und Kleinkinder gelten als besonders empfindlich gegenüber hormonähnlichen Schadstoffen wie BPA. Hormone spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Organen, und die Exposition gegenüber künstlichen hormonähnlichen Stoffen kann das empfindliche Gleichgewicht der natürlichen Hormone stören. Dies kann zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen, die sich oft erst im späteren Leben manifestieren.

Konzentration von BPA in Schnullern

Die höchsten Konzentrationen an Bisphenol A wurden in den Kunststoffschildchen der untersuchten Schnuller gefunden, die den eigentlichen Schnullersauger halten. Diese Schildchen bestanden mit einer Ausnahme aus Polycarbonat. In sechs von zehn Saugteilen wurde die gefährliche Chemikalie ebenfalls entdeckt. Fünf von sechs untersuchten Schnullerfabrikaten gaben nach einer Stunde BPA in Mengen zwischen ein und zehn Mikrogramm pro Liter in eine speichelähnliche Salzlösung ab. Lediglich aus einem mit "BPA-free" beworbenen Schnuller des Herstellers MAM traten keine nachweisbaren Mengen aus.

Es ist bekannt, dass Kinder dazu neigen, alles in den Mund zu nehmen, und das Kunststoffschildchen steht beim Saugen in ständiger Berührung mit den Lippen des Kindes. In diesem sensiblen Anwendungsbereich haben hormonell wirksame Schadstoffe nichts zu suchen, so die Einschätzung der Umweltschutzorganisation.

Schema, das die verschiedenen Teile eines Schnullers zeigt, mit Hervorhebung des Kunststoffschildchens und des Saugteils und möglicher BPA-Migration.

Herstellerreaktionen und Forderungen des BUND

Auf die Ergebnisse der BUND-Untersuchung reagierten einige Hersteller. Mehrere Unternehmen gaben an, ausschließen zu können, dass Bisphenol A im Saugteil ihrer Schnuller vorhanden sei, obwohl die BUND-Untersuchung dies infrage stellte. Der Hersteller NUK betonte, dass seine Schnuller keine Gesundheitsgefährdung darstellten und ein beauftragtes Labor bestätigt habe, dass die untersuchten Silikon- und Latexsaugteile nachweislich kein Bisphenol A enthielten. NUK räumte jedoch ein, dass bei einigen Modellen "glasklare Kunststoffteile" für Mundplatten und Ringe sowie Knöpfe aus Polycarbonat hergestellt würden, in dem Spuren von Bisphenol enthalten sein könnten.

Der BUND forderte die Hersteller auf, bei der Produktion der Kunststoffschilde auf Polycarbonat zu verzichten und künftig auf Bisphenol A zu verzichten. Dieses Verbot müsse sich nicht nur auf Schnuller und Babyflaschen erstrecken, sondern auf alle Kleinkinderartikel und Produkte, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.

Gesetzliche Regelungen und Verbraucherschutz

Aktuell gibt es keine einheitlichen gesetzlichen Grenzwerte für die Freisetzung von BPA aus Schnullern. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat zwar einen TDI-Wert (tolerable daily intake) von 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag festgelegt, der angibt, welche tägliche Aufnahmemenge als gesundheitlich unbedenklich gilt. Der BUND hält diesen Wert jedoch für zu hoch und fordert, dass auch Schnuller ohne BPA auskommen sollten. Anders als bei Körperpflegeprodukten müssen Hersteller von Spielzeug, Möbeln oder Textilien die Chemikalien nicht kennzeichnen, was die Erkennung belasteter Produkte erschwert und aufwendige Labortests erfordert.

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Unterschiedliche Testergebnisse und Empfehlungen

Während die BUND-Untersuchung eine weit verbreitete Belastung mit BPA feststellte, kamen andere Tests zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine IMTEST-Untersuchung von fünf beliebten Marken ergab, dass alle getesteten Schnuller frei von gefährlichen Chemikalien waren, einschließlich Bisphenol A und PAKs (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Die Experten des Labors Qima fanden bei keinem der getesteten Modelle gesundheitsgefährdende Stoffe. Dennoch gab es Unterschiede bei Geruch, Geschmack und Preis.

Der BUND empfiehlt Eltern, beim Einkauf Schnuller zu bevorzugen, deren Schilde nicht aus Polycarbonat bestehen und die als "Bisphenol-A-frei" oder "BPA-free" gekennzeichnet sind. Das Auskochen der Schnuller, wie von den Herstellern empfohlen, kann in einigen Fällen sogar zu einer Erhöhung der BPA-Werte führen, da durch Erhitzen Bisphenol A leichter aus Polycarbonat gelöst wird.

Materialien, Formen und Pflege von Schnullern

Materialien

Moderne Schnuller bestehen meist aus Silikon oder Naturkautschuklatex. Silikon ist transparent, geschmacksneutral und langlebig, aber etwas fester. Latex ist weicher und natürlicher, hat aber eine kürzere Lebensdauer und kann nach Sonneneinstrahlung oder häufigem Auskochen schneller porös werden. Latex kann zudem Allergien auslösen. Für Kinder mit Zähnen wird oft ein Latexsauger empfohlen, da er reißfester ist.

Formen

Die Form des Schnullers kann ebenfalls eine Rolle spielen. Kiefergerechte Sauger mit unten abgeflachtem Saugteil sollen der Zunge mehr Raum lassen und einem offenen Biss vorbeugen. Rundsauger (Kirschform) sind symmetrisch und können beliebig in den Mund gesteckt werden. Es gibt jedoch keine Schnullerform, die pauschal als bedenkenlos hinsichtlich Zahn- und Kieferfehlstellungen empfohlen werden kann. Eine zu lange Nutzung, unabhängig von der Form, kann zu Zahn- und Kieferfehlbildungen führen.

Hygiene und Pflege

Die Hygiene von Schnullern ist entscheidend. Vor dem ersten Gebrauch sollten sie ausgewaschen und ausgekocht oder sterilisiert werden. Tägliches Waschen unter heißem Wasser und ein- bis zweimal wöchentliches Auskochen sind empfehlenswert. Das Ablecken des Schnullers durch die Eltern sollte vermieden werden, um die Übertragung von Kariesbakterien zu verhindern. Schnuller sollten regelmäßig, spätestens alle 4-6 Wochen oder bei sichtbaren Beschädigungen, ausgetauscht werden.

Illustration, die verschiedene Schnullerformen zeigt (kiefergerecht, rund, tropfenförmig) und deren möglicher Einfluss auf die Zahnentwicklung.

Entwöhnung vom Schnuller

Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr wird empfohlen, dass Kinder lernen, auf den Schnuller zu verzichten, da das kindliche Kieferwachstum dann eventuelle Schäden noch ausgleichen kann. Belastende Lebensveränderungen sollten bei der Entscheidung für den richtigen Zeitpunkt zur Entwöhnung berücksichtigt werden. Es gibt verschiedene Methoden, wie das Abgewöhnen unterstützt werden kann, beispielsweise durch den Austausch des Schnullers gegen ein Geschenk für "Große" oder durch feierliche Rituale.

Es ist wichtig zu betonen, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Die Belastung mit Bisphenol A in Schnullern trägt jedoch zur Gesamtbelastung mit hormonell aktiven Schadstoffen bei. Eltern wird geraten, auf Produkte zu achten, die als BPA-frei gekennzeichnet sind, und die Entwicklung weiterer Tests und Empfehlungen zu verfolgen.

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