Schafsmilch und ihre Rolle bei der Behandlung von Neurodermitis

Kosmetische Pflegeprodukte, wie beispielsweise Seifen, enthalten häufig Milch verschiedener Tierarten, darunter Ziegen- oder Schafsmilch. Diese Produkte werden oft als besonders "natürlich" wahrgenommen.

Beobachtungen und Studien zur Milchverträglichkeit bei Neurodermitis

Mediziner der Universität Melbourne stellten fest, dass Patienten wiederholt mit anaphylaktischen Reaktionen und Urtikaria nach dem Verzehr von Ziegenmilchprodukten in die Klinik kamen. Dies veranlasste sie zu einer genaueren Untersuchung von sieben Patienten im Alter zwischen 25 und 61 Jahren. Mit Ausnahme einer Person litten alle Probanden an allergischer Rhinitis, atopischer Dermatitis oder Asthma bronchiale.

Über mehrere Jahre hinweg verwendeten alle sieben Studienteilnehmer Seife mit Ziegenmilch, unter anderem zur Behandlung ihrer entzündlichen Hauterkrankung. Die Forscher führten Pricktests durch, bei denen nicht nur Ziegenmilchextrakt, sondern auch Schafsmilchjoghurt, Kamelmilch, Mozzarella aus Büffelmilch und Kuhmilch getestet wurden. Aus Sicherheitsgründen wurde auf frische Ziegenmilch verzichtet.

Alle sieben untersuchten Personen zeigten eine positive Reaktion im Pricktest auf Ziegenmilchextrakt und Schafsmilchjoghurt. Drei Patienten reagierten ausschließlich auf Ziegen- und Schafsmilch, während vier weitere auf mindestens ein anderes Milchprodukt (Büffelmozzarella, Kuh- oder Kamelmilch) ansprachen. Die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper spiegelte diese Ergebnisse wider. Es wurde eine Kreuzreaktivität der Patientenseren mit Ziegenmilch und daraus hergestellten Hautpflegeprodukten festgestellt.

Die Forscher schlussfolgern daraus einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Verwendung solcher Produkte und der Entstehung von Sensibilisierungen.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis, auch bekannt als atopische Dermatitis, atopisches Ekzem oder endogenes Ekzem, ist eine weit verbreitete chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft. Insbesondere bei Babys und Kindern ist sie häufig anzutreffen, wobei 10 bis 20 % Anzeichen von Ekzemen aufweisen.

Der Verlauf der Neurodermitis kann von leicht mit wenigen Symptomen bis hin zu wechselhaften oder sehr schweren Formen reichen, die mit deutlichen Einschränkungen im Alltag einhergehen können. Umso wichtiger ist ein umfassendes Wissen über diese Hauterkrankung für ein möglichst unbeschwertes Leben.

Schema des Aufbaus der menschlichen Haut mit Epidermis, Dermis und Subkutis.

Aufbau der Haut und gestörte Hautschutzbarriere

Die Oberhaut (Epidermis) besteht aus der Basalschicht, der Stachelzellschicht und der Hornschicht. Die Hornschicht, der äußerlich sichtbare Teil der Haut, schützt den Körper vor äußeren Einflüssen und Feuchtigkeitsverlust und erneuert sich kontinuierlich.

Bei Neurodermitis ist die Funktion der natürlichen Hautschutzbarriere gestört. Dies betrifft auch das Mikrobiom der Haut, eine Ansammlung nützlicher Mikroorganismen, die vor unerwünschten Bakterien schützt. Dieses Ungleichgewicht führt zu trockener Haut und erhöht die Durchlässigkeit für schädliche Allergene, Bakterien und Pilze, was Entzündungen begünstigen kann.

Ursachen und genetische Veranlagung

Die genauen Ursachen von Neurodermitis sind noch nicht vollständig geklärt. Es ist jedoch bekannt, dass eine genetische Veranlagung zu trockener Haut und einer Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems eine große Rolle spielt. Menschen mit dieser Veranlagung neigen vermehrt zur Entwicklung von Neurodermitis.

Triggerfaktoren bei Neurodermitis

Zusätzlich zur genetischen Veranlagung gibt es weitere Einflussfaktoren, sogenannte Trigger, die atopische Dermatitis und ihre Schübe begünstigen können. Dazu zählen:

  • Äußere Einflüsse: Die Haut ist täglich einer Vielzahl von Umwelteinflüssen ausgesetzt, die das Erscheinungsbild von Neurodermitis beeinflussen können.
  • Stress: Erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen beeinflusst das Immunsystem und die Haut, schwächt die Hautschutzbarriere und begünstigt Entzündungen.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel können als Trigger wirken und Schübe begünstigen. Molkereiprodukte und Eier, wie Ziegen- oder Schafsmilch, können hier eine Rolle spielen. Die individuelle Verträglichkeit ist hierbei entscheidend.
Infografik, die verschiedene Triggerfaktoren für Neurodermitis aufzeigt (z.B. Stress, Ernährung, Umwelt).

Symptome der Neurodermitis

Das Hauptsymptom der Neurodermitis ist Juckreiz, der von schwach bis sehr stark auftreten kann. Neurodermitis ohne Juckreiz ist eher untypisch. Intensives Reiben oder Kratzen verstärkt den Juckreiz.

Die Erkrankung geht mit einem variablen Hautausschlag einher. Während eines Schubs treten gerötete Hautstellen mit starkem Juckreiz auf. Es können sich auch Bläschen bilden, die nässen.

Trockene und empfindliche Haut

Sehr trockene und empfindliche Haut ist ein typisches Merkmal der geschwächten Hautschutzbarriere bei Neurodermitis. Häufiges Kratzen kann zu einer Verdickung und Verhornung der Haut führen (Lichenifikation), wodurch die Haut lederartig aussieht und eine bräunliche, graue oder rötliche Färbung annehmen kann.

Betroffene Hautstellen

Neurodermitis kann verschiedene Körperstellen betreffen:

  • Gesicht: Bevorzugt an den Lippen und um den Mund. Bei Kindern tritt oft das Leckekzem auf, bei dem häufiges Lecken die sensible Lippenhaut zusätzlich beansprucht.
  • Augenbereich: Juckende, allergische Ekzeme an den Augenlidern oder zwischen den Augenbrauen. Zusammenhang mit atopischer Keratokonjunktivitis (AKK), einer nichtinfektiösen Bindehautentzündung.
  • Hals und Nacken: Reizung durch Kleidung wie Rollkragenpullover, Hemden oder Schals, insbesondere aus Wolle.
  • Kopfhaut: Juckreiz, Spannungsgefühle, Schuppenbildung; bei vermehrtem Kratzen können nässende Stellen entstehen.
  • Arme, Armbeugen, Ellenbogen, Beine und Kniekehlen: Treten vor allem bei Säuglingen auf.
  • Hände: Stark beansprucht durch tägliches Waschen, was zu Trockenheit, Juckreiz und Spannungsgefühlen führen kann. Betroffen sind Handrücken, Handinnenfläche, Handgelenke und Finger.
  • Füße: Verstärkung der Symptome durch das Tragen von Socken und Schuhen.
Illustration, die typische Stellen für Neurodermitis-Symptome am Körper zeigt.

Neurodermitis bei Babys und Kindern

Die ersten Anzeichen von Neurodermitis treten oft bereits im zweiten oder dritten Lebensmonat auf. Bei Babys zeigt sich die Erkrankung vor allem im Gesicht, auf der Kopfhaut sowie an den Außenseiten von Armen und Beinen. Milchschorf auf der Kopfhaut kann ein frühes Symptom sein, bedeutet aber nicht zwangsläufig die Entwicklung von Neurodermitis.

Im Kindergarten- und Schulalter verschiebt sich das Erscheinungsbild. Die Anzeichen treten vermehrt an Kniekehlen, Armbeugen und Handgelenken auf (Beugeekzem). Diese Stellen neigen zur Lichenifikation.

Neurodermitis im Erwachsenenalter

Eine Schwangerschaft kann durch hormonelle Veränderungen das Immunsystem beeinflussen und die Neurodermitis-Symptome bei Schwangeren verstärken, bevorzugt im zweiten und dritten Trimester.

Auch während der Wechseljahre können hormonelle Einflüsse Neurodermitis begünstigen. Im mittleren Alter äußert sich die Erkrankung oft durch stark juckende Knötchen.

Hautekzeme, die erstmals im Alter auftreten, können andere Ursachen haben als eine frühkindliche Neurodermitis. Experten vermuten hier oft einen Zusammenhang mit Umwelteinflüssen wie Luftverschmutzung, insbesondere bei Personen ohne genetische Veranlagung.

Behandlung und Pflege bei Neurodermitis

Die Behandlung von Neurodermitis erfordert Aufmerksamkeit und Geduld, da die Erkrankung chronisch verläuft. Ziele sind die Linderung der Symptome und die Verlängerung der abstand zwischen den Schüben.

Hausmittel als Unterstützung

Einfache Hausmittel können zur Linderung der Symptome in akuten Phasen beitragen. Dazu gehören:

  • Kühle Wickel oder Kompressen: Wirken beruhigend und juckreizmildernd.
  • Sude aus Kamillenblüten oder schwarzem Tee: Traditionelle Mittel zur äußerlichen Anwendung.
  • Heilerde, Kokosöl, Quark: Werden häufig, insbesondere im Gesicht, angewendet.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit von Hausmitteln individuell variieren kann und nicht immer wissenschaftlich belegt ist.

Ärztliche Behandlung

Bei Anzeichen eines Ekzems ist eine hautärztliche Abklärung grundsätzlich empfehlenswert. Der Hautarzt kann Neurodermitis zuverlässig diagnostizieren und eine individuelle Therapie beraten, die medikamentöse Behandlungen (z.B. mit Kortison), Lichttherapie oder Klimatherapie umfassen kann. Regelmäßige Kontrolltermine sind sinnvoll.

Dr. med. Richard Travnik, Dermatologe und Allergologe, bestätigt, dass Neurodermitis nicht ansteckend ist. Die Dauer akuter Schübe ist individuell verschieden und kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen reichen.

Die richtige Hautpflege

Die richtige Hautpflege ist von zentraler Bedeutung zur Milderung des Erscheinungsbildes von Neurodermitis. Wasser entzieht der Haut bei der Reinigung Lipide und Feuchtigkeit. Viele herkömmliche Reinigungsprodukte können aufgrund ihres pH-Wertes die Hautschutzbarriere schwächen.

Es ist wichtig, den natürlichen pH-Wert der Haut möglichst wenig zu beeinflussen. Cremes bei Neurodermitis sollten keine irritierenden Inhaltsstoffe wie Duftstoffe, Farbstoffe oder Konservierungsstoffe enthalten.

Sonnenschutz

Zu Neurodermitis neigende Haut ist besonders sonnenempfindlich. Die geschwächte Hautschutzbarriere ermöglicht ein leichteres Eindringen von UV-Strahlen, was das Risiko für Sonnenbrand, vorzeitige Hautalterung und Zellschäden erhöht und Schübe begünstigen kann.

Ein zuverlässiger und hochwirksamer Sonnenschutz ist daher unerlässlich. Sonnenschutzmittel sollten keine allergieauslösenden Zusatzstoffe enthalten, einen hohen Lichtschutzfaktor aufweisen und eine feuchtigkeitsspendende, leicht einziehende Textur haben.

LIPIKAR-Produkte von La Roche-Posay

Die LIPIKAR-Produkte von La Roche-Posay sind speziell auf empfindliche, trockene und zu Ekzemen neigende Haut abgestimmt. Sie enthalten Sheabutter und Thermalwasser aus La Roche-Posay.

  • LIPIKAR Surgras Duschcreme: Reinigt sanft und spendet Feuchtigkeit.
  • LIPIKAR Eczema Med: Ein Medizinprodukt zur schnellen Linderung von Hautentzündungen, das Feuchtigkeit spendet und das Hautmikrobiom ausgleicht.
  • LIPIKAR Baume AP+M: Ein dreifach wirksamer Balsam, der die Haut beruhigt, Juckreiz mildert, pflegt und die Hautschutzbarriere stärkt.
  • LIPIKAR Stick AP+: Beruhigt gereizte Haut sofort und mildert Juckreiz.
  • LIPIKAR Xerand: Eine regenerierende Handcreme für sehr trockene Hände, die Feuchtigkeit spendet und den Wiederaufbau der Hautschutzbarriere unterstützt.

LIPIKAR ist die führende Körperpflege- und Hygieneserie in Europa für empfindliche, sehr trockene und zu Neurodermitis neigende Haut.

Produktabbildungen der LIPIKAR-Serie von La Roche-Posay.

Ganzheitliches Konzept

Ein ganzheitliches Konzept, das mögliche Auslöser berücksichtigt und eine abgestimmte Hautpflege beinhaltet, ist für das komplexe Erscheinungsbild der Neurodermitis besonders wichtig.

Ergänzende Therapien und Lebensstiländerungen

Zur Verbesserung der Lebensqualität bei Neurodermitis kann eine individuell abgestimmte Behandlung beitragen. Ergänzend sind bestimmte Lebensstiländerungen empfehlenswert.

Behandlung von Begleiterkrankungen

Begleiterkrankungen wie Hautinfektionen, Allergien, Diabetes mellitus, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder andere hormonelle Erkrankungen sollten stets bestmöglich in Absprache mit einem Arzt behandelt werden, da sie sich ungünstig auf die Haut auswirken können.

Ernährung bei Neurodermitis

Eine ausgewogene Ernährung ist essenziell. Es wird empfohlen, Lebensmittel zu meiden, die akute Schübe auslösen können. Hochwertige Pflanzenöle spenden der Haut wertvolle Fette.

Generell wirken sich folgende Nahrungsmittel günstig auf die atopische Dermatitis aus:

  • Getreide und Hülsenfrüchte: Vollkornprodukte, Hirse, Hafer, Dinkel, Kartoffeln, Linsen, Bohnen, Erbsen, Mais.
  • Obst: Trockenfrüchte, süße Äpfel, Wassermelone, Mango, Birnen, Bananen.
  • Gemüse: Salate, Spargel, Zucchini, Kohl, Salatgurke.
  • Nüsse und Kerne: Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Mandeln.
  • Getränke: Wasser, ungesüßte Tees, Fruchtsaftschorlen.
  • Fleisch: Pute, Rind, Lamm, Hühnchen.
  • Milchprodukte: Milch, junger Käse, Frischkäse.

Fisch und Meeresfrüchte werden oft nicht gut vertragen. Alle genannten Lebensmittel sind nur geeignet, wenn keine Allergien vorliegen.

Visuell ansprechende Darstellung einer ausgewogenen Ernährung mit Lebensmitteln, die bei Neurodermitis günstig sind.

Naturstoffe und Kleidung

Kleidung aus Baumwolle, Seide und Leinen wird gut vertragen, da sie die Belüftung unterstützt und Wärmestau reduziert.

Stressmanagement

Der Versuch, Stress zu vermeiden, ist wichtig. Bewährte Entspannungstechniken umfassen:

  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelentspannung
  • Yoga
  • Meditation
  • Tai Chi
  • Qigong

Auch Sport kann beim Stressabbau helfen, wobei auf passende Kleidung geachtet werden sollte, um übermäßiges Schwitzen zu vermeiden.

Tagebuch führen oder App nutzen

Das Führen eines Symptomtagebuchs oder die Nutzung einer App hilft, mögliche Trigger und förderliche Verhaltensweisen zu identifizieren. Tägliche Dokumentation von Befinden, Stresslevel, Hautkontakt, Wetter, Aktivitäten, Ernährung, Hautzustand und Hautgefühl kann wertvolle Informationen liefern.

Bei Kindern sollten Eltern die Führung des Tagebuchs übernehmen und es als festes Ritual in den Alltag integrieren, um den Austausch zu fördern und entscheidende Informationen nicht zu übergehen.

Schafsmilchseife als spezifische Pflegeoption

Eine palmölfreie Schafmilchseife wird als ideal für Menschen mit sehr empfindlicher Haut beschrieben, insbesondere zur Linderung von Neurodermitis und anderen Hautreizungen. Schafmilch besitzt einen dreimal höheren Fett- und Proteingehalt als Kuhmilch und wirkt beruhigend, pflegend und glättend auf die Haut.

Die beschriebene Seife enthält keine Duftstoffe, Konservierungsstoffe oder Farbstoffe und wurde mit hautpflegenden Ölen und Fetten wie Sheabutter, Olivenöl und Kokosöl hergestellt. Sie ist daher besonders für Allergiker geeignet.

Zusätzlich enthält die Seife reine Tussahseide (ungebleichte Rohseide des japanischen Eichenseidenspinners), deren Proteine ein seidiges Hautgefühl hinterlassen. Die Seife ist mit 25% überfettet und wird in Handarbeit hergestellt.

Studien und Erkenntnisse zu Neurodermitis

Etwa jedes zehnte bis fünfzehnte Kind leidet an Neurodermitis, was sie zu einer der häufigsten Hauterkrankungen macht. Die Krankheit kann bereits im Säuglingsalter auftreten, aber auch ein späteres Einsetzen ist möglich.

Hautbild und Formen der Neurodermitis

Das Hautbild bei Neurodermitis kann stark variieren und umfasst typischerweise trockene, schuppende Haut, starken Juckreiz, klar begrenzte Rötungen und Ekzeme (häufig an Händen, Füßen, Ellenbeugen, Kniekehlen und Brustwarzen), feine Risse (zwischen Fingern und Zehen, hinter Ohren), Milchschorf bei Säuglingen, stark juckende Knoten, eingerissene Lippen und Mundwinkel, verdickte Haut und Glanznägel.

Sonder- und Minimalformen umfassen:

  • Pityriasis alba: Fleckenweise aufgehellte, schuppende Haut.
  • Pulpitis und Rhagaden: Rissige Fingerkuppen (Pulpitis) und Risse zwischen Fingern/Zehen, hinter oder unter den Ohren (Rhagaden).
  • Xerose: Charakteristische trockene Haut mit erhöhter Anfälligkeit für Risse, Infektionen und Schuppenbildung.
  • Cheilitis: Lippenentzündung mit Rissen, die chronisch werden kann.
  • Ekzeme: An Händen, Füßen, Brustwarzen, Beugen (Ellenbogen, Kniekehlen, Achseln, Leiste).
  • Milchschorf: Verkrustungen, vor allem auf der Kopfhaut bei Säuglingen.
  • Dyshidrotisches Ekzem: Zahlreiche Bläschen an Händen und Füßen, die stark jucken und oft von schuppenden, ringförmigen Hautveränderungen begleitet werden.

Schweregradeinschätzung mit SCORAD

Der SCORAD (Severity Scoring of Atopic Dermatitis) ist ein international standardisiertes Punktesystem zur Beurteilung des Schweregrads von Neurodermitis bei Säuglingen, Kleinkindern und Erwachsenen.

  • Ausmaß der Neurodermitis: Bewertung der betroffenen Körperstellen anhand von Punktwerten und Grafiken zur Ermittlung des prozentualen Anteils der erkrankten Körperoberfläche.
  • Intensität der Hautveränderungen: Bewertung von Hauttrockenheit, Rötung, Hautvergröberung, Verdickung, Krustenbildung (Nässen), Ödemen, Papeln und Abschürfungen auf einer Skala von 0 bis 3.
  • Subjektive Symptome: Juckreiz, Kratzdrang und Schlaflosigkeit werden vom Betroffenen selbst auf einer Skala von 0 bis 10 eingestuft.

Die Auswertung ergibt:

  • Unter 25 Punkten: Leichte Neurodermitis
  • 25 bis 60 Punkten: Mittelschwere Form
  • Über 60 Punkten: Schwere Form (maximal 103 Punkte)

Der SCORAD dient der Therapieentscheidung und der objektiven Bewertung des Behandlungserfolgs.

Ursachen und Auslöser: Genetische und Umweltfaktoren

Neurodermitis weist einen erblichen Faktor auf; das Risiko steigt, wenn Eltern betroffen sind. Die Erkrankung tritt gehäuft im städtischen Bereich auf. Vermutet wird, dass ein "gelangweiltes" Immunsystem, das sich gegen eigentlich harmlose Reize richtet (Auto-Immunreaktion), eine Rolle spielt.

Die Chemie des Alltags (Pestizide, Putzmittel etc.) kann Reizstoffe verändern und das Immunsystem belasten. Eine geringe Keimzahl in der Umwelt kann dazu führen, dass das Immunsystem überreagiert.

Weitere Auslöser

Die Auslöser sind vielfältig:

  • Mechanische Reize: Kratzende oder enge Kleidung.
  • Temperaturen: Wechsel zwischen Hitze und Kälte.
  • Reizstoffe: Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, Nahrungsmittel (Milch, Nüsse, Meeresfrüchte).
  • Stress: Schwächt den Körper und kann Neurodermitis auslösen oder verschlimmern.
  • Infektionen: Schwächen den Organismus.
  • Schwitzen: Feuchte Haut ist anfälliger.
  • Mangelzustände: Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren können das Hautbild verschlimmern.
  • Lebensmittelzusatzstoffe (E-Nummern): Können die Darmflora stören und die Hautgesundheit negativ beeinflussen.
  • Stoffwechselstörungen und Darmmilieu-Störungen: Beeinträchtigen die Nährstoffversorgung und schwächen den Körper.

Dokumentation zur Identifizierung von Auslösern

Ein detailliertes Tagebuch oder eine Atopiker-App hilft bei der gezielten Vermeidung von Auslösern und der Anpassung von Pflege und Therapie.

Ernährung bei Neurodermitis: Fette und Vitamine

Da der Haut bei Neurodermitis oft Fett fehlt, ist eine gute Versorgung mit diesem Nährstoff wichtig. Gesunde Quellen sind fetter Seefisch und Pflanzenöle. Eine ausgewogene Versorgung mit Vitaminen durch viel frisches Obst und Gemüse ist ebenfalls ratsam. Ausschlussdiäten können helfen, Unverträglichkeiten aufzudecken.

Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend, unterstützen Herz und Gefäße, das Immunsystem und sind wichtig für die Haut, insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis.

Omega-3-Fettsäuren finden sich in fettem Seefisch (Lachs, Makrele etc.), Fischöl, Krillöl, pflanzlichen Ölen (Hanföl, Rapsöl, Leinöl) sowie Saaten (Hanfsaat, Chia Samen) und Nüssen (Walnüsse).

Bei Neurodermitis ist der Bedarf an Omega-Fettsäuren erhöht. Eine gezielte Erhöhung der Aufnahme kann durch mehrere Portionen fetten Seefisch pro Woche, tägliche Aufnahme von Chia-Samen oder Nahrungsergänzungsmittel erfolgen.

Das empfohlene Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren liegt bei 5:1. Im Durchschnitt liegt es jedoch eher bei 20:1, was bei Neurodermitis problematisch sein kann, da ein Überangebot an entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren die Erkrankung verschlimmern kann.

Boost für deine Haut: Die Bedeutung von Omega-3 bei Neurodermitis | Folge 104

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