Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt seit 2005 weltweit Frauen, nach einer Entbindung eine Wartezeit von mindestens 24 Monaten bis zur nächsten Schwangerschaft einzuhalten. Diese Empfehlung basierte primär auf Studien aus Schwellenländern, die bei kürzeren Wartezeiten von unter 18 Monaten erhöhte Risiken für das ungeborene Kind aufzeigten. Jüngste Forschungen von einem internationalen Team aus Australien, Finnland, Norwegen und den USA haben jedoch die Zweckmäßigkeit dieser zweijährigen Wartezeit in Ländern mit hohem Einkommen und guter Gesundheitsversorgung untersucht. Dabei konzentrierte sich das Team auf drei Hauptkomplikationen: Frühgeburt, spontane Frühgeburt und Mangelgeburt (SGA).

Methodik der Studie
Für die Analyse wurden Daten aus Gesundheitsregistern von Australien (1980-2016), Finnland (1987-2017), Norwegen (1980-2016) und den USA (Kalifornien 1991-2012) herangezogen. Diese Daten umfassten insgesamt 5.521.211 Entbindungen von 3.849.193 Frauen. Im Gegensatz zu früheren Studien berücksichtigte das aktuelle Forschungsteam auch Totgeburten ab der 22. Schwangerschaftswoche. Ausgeschlossen wurden Mütter, die jünger als 14 Jahre oder deren Alter unbekannt war. Zur Gewährleistung präziser Ergebnisse wurden die Frauen nach ihrem Alter in 5-Jahres-Schritten gruppiert. Darüber hinaus verglichen die Forschenden nicht nur einzelne Frauen miteinander, sondern auch die Schwangerschaften von Frauen, die mehrere Kinder geboren hatten.
Ergebnisse der internationalen Kohortenstudie
Die Analysen ergaben ein deutlich erhöhtes Risiko für spontane Frühgeburten bei Schwangerschaftsintervallen von weniger als 6 Monaten. Bei Wartezeiten unter 12 Monaten sowie über 24 Monaten war das Risiko für das Auftreten einer der untersuchten Komplikationen (Frühgeburt, spontane Frühgeburt, Mangelgeburt) erhöht. Bemerkenswert ist, dass bei einer Wartezeit von über 5 Jahren bis zur nächsten Schwangerschaft die Häufigkeit aller drei Komplikationen anstieg.
Zusätzliche Risiken für die Mutter
Eine separate Harvard-Studie aus dem Jahr 2018, die 148.544 Schwangerschaften analysierte, untersuchte auch die Risiken für die werdende Mutter. Dieses Forscherteam stellte fest, dass bei Wartezeiten unter 12 Monaten für Frauen in allen Altersgruppen erhöhte Risiken für das Ungeborene bestanden. Insbesondere bei Frauen ab 35 Jahren erhöhte sich bei kurzer Wartezeit das Risiko für schwerwiegende Komplikationen, die von Intensivbehandlung bis hin zum Tod reichen konnten.

Individuelle Faktoren und Empfehlungen
Grundsätzlich hängen die Risiken für Schwangerschaftskomplikationen nicht nur vom Alter der Frau ab, sondern auch von bestehenden Vorerkrankungen. Schwangerschaft und Geburt stellen eine erhebliche Belastung für den mütterlichen Organismus dar. Wenn mehrere Schwangerschaften kurz aufeinanderfolgen, kann sich der Körper der Mutter nicht ausreichend erholen, was die Belastung weiter erhöht.
Frühere Studien, wie die von Laura Schummers von der Harvard School of Public Health, untersuchten die Gesundheitsrisiken schnell aufeinanderfolgender Schwangerschaften in verschiedenen Altersgruppen. Die Auswertung von 148.544 Einlingsschwangerschaften in British Columbia (Kanada) zwischen 2004 und 2014 zeigte, dass Frauen über 35 Jahren, die weniger als sechs Monate nach der Geburt wieder schwanger wurden, ein 1,2-prozentiges Risiko für schwerwiegende Komplikationen oder Tod trugen. Bei jüngeren Frauen zwischen 20 und 34 Jahren war das Risiko für sie selbst nicht erhöht, jedoch stieg die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche auf 8,5 Prozent, wenn nur sechs Monate zwischen den Schwangerschaften lagen.
Die Autoren der Harvard-Studie merkten an, dass für Frauen in Industrieländern, die heutzutage bei der Geburt ihres ersten Kindes älter sind als früher, eine kurz aufeinanderfolgende Schwangerschaft trotz des beobachteten Risikoanstiegs eine rationale Entscheidung sein kann. Eine pauschale Empfehlung für ein längeres Intervall sei nicht immer sinnvoll, da dies dazu führen könnte, dass Frauen weniger Kinder bekommen, als sie sich wünschen.
Optimale Intervallgestaltung
Die Auswertung der kanadischen Studie legte nahe, dass ein Abstand von 12 bis 18 Monaten zwischen der letzten Geburt und einer erneuten Schwangerschaft als günstig angesehen werden kann. Werden Frauen bereits nach zwölf oder weniger Monaten wieder schwanger, nimmt das Risiko für medizinische Schwierigkeiten zu. Das Risiko lebensgefährlicher Komplikationen für die Mutter erhöhte sich durch einen geringen Schwangerschaftsabstand primär bei Frauen über 35 Jahren. Mit einem Abstand von 18 Monaten sank dieses Risiko deutlich.
Die Forscher der Harvard-Studie schlagen ein „optimales Intervall zwischen den Schwangerschaften“ von etwa 18 Monaten vor, mit einem Spielraum von zwölf bis 24 Monaten. Sie betonen, dass trotz eines erhöhten Risikos eine kurze Schwangerschaftspause eine „rationale Entscheidung“ sein kann, insbesondere angesichts des gestiegenen Alters von Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes und damit verbundenem Zeitdruck.
Die überraschenden Auswirkungen einer Schwangerschaft
Faktoren, die das Fehlgeburtsrisiko beeinflussen
Etwa 7-10 % aller Schwangerschaften enden als Fehlgeburt, meist innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen. Bei 1-2 % aller Schwangerschaften kommt es zu wiederholten Fehlgeburten (zwei oder mehr). Wenn alle bisherigen Schwangerschaften in einer Fehlgeburt endeten, sprechen Fachleute von "primären rezidivierenden Fehlgeburten", bei mindestens einer ausgetragenen Schwangerschaft von "sekundären rezidivierenden Fehlgeburten".
Die Ursachen für wiederholte Fehlgeburten sind vielfältig. In vielen Fällen sind sie auf statistische Wahrscheinlichkeit oder Pech zurückzuführen, ohne dass eine spezifische zugrundeliegende Ursache identifiziert werden kann. Dennoch gibt es Faktoren, die das Risiko einer Fehlgeburt leicht erhöhen können:
- Alter der Frau: Das Risiko steigt ab 35 Jahren leicht und ab 40 Jahren deutlich an.
- Stress: Persönlicher oder beruflicher Stress wird häufig bei Frauen mit mehreren Fehlgeburten beobachtet, auch wenn kein direkter kausaler Zusammenhang bewiesen ist.
- Rauchen: Gilt als moderater Risikofaktor.
- Untergewicht: Deutliches Untergewicht kann den Schwangerschaftsverlauf negativ beeinflussen.
In seltenen Fällen können medizinische Gründe für wiederholte Fehlgeburten vorliegen. Eine genaue Abklärung ist bei mehr als zwei Fehlgeburten sinnvoll und kann umfassen:
- Chromosomenstörungen bei Eltern: Z.B. eine balancierte Translokation.
- Erkrankungen der Mutter: Fehlbildungen der Gebärmutter, Myome, Zervixinsuffizienz (Muttermundschwäche), hormonelle Störungen oder Schilddrüsenerkrankungen. Eine Untersuchung auf TSH und TPO-Antikörper wird empfohlen.
- Neigung zu Blutgerinnseln: Z.B. Antiphospholipid-Syndrom (APS). Ein Screening auf APS (Lupus-Antikoagulanz, Anticardiolipin-Antikörper) wird nach zwei Aborten empfohlen.
Mit entsprechender Behandlung, wie dem Ausgleich von Hormonspiegeln, der Gabe von blutverdünnenden Medikamenten (Acetylsalicylsäure, Heparin) und konsequenter Überwachung, haben auch Frauen mit wiederholten Fehlgeburten gute Aussichten auf eine erfolgreiche nachfolgende Schwangerschaft. Eine Rauchpause, Einschränkung des Alkoholkonsums und eine Gewichtsreduktion zur Erreichung eines normalen BMI werden ebenfalls empfohlen.
Die Studie der Universität von British Columbia wies darauf hin, dass Frauen, die weniger als sechs Monate nach einer Geburt erneut schwanger wurden, häufiger aus einkommensschwachen Gebieten stammten, eine lückenhafte Schwangerschaftsvorsorge hatten und eher rauchten. Dies deutet darauf hin, dass solche Faktoren ebenfalls den Schwangerschaftsausgang beeinflussen können. Unabhängig von den genauen Ursachen - ob körperliche Erholung oder Begleitfaktoren ungeplanter Schwangerschaften - unterstreicht die Forschung die Bedeutung eines angemessenen Intervalls zwischen den Schwangerschaften.
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