Während der Stillzeit ist die Ernährung der Mutter von entscheidender Bedeutung, um sowohl ihre eigene Gesundheit als auch die ihres Babys zu gewährleisten. Es gibt viele Mythen und Unsicherheiten bezüglich bestimmter Lebensmittel, insbesondere im Hinblick auf die Vermeidung von Verdauungsproblemen wie Blähungen und Koliken beim Säugling. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte der Ernährung für stillende Mütter, mit besonderem Fokus auf Obstsorten wie Pflaumen und die allgemeine Frage nach Einschränkungen im Speiseplan.
Die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung in der Stillzeit
Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung ist essenziell für stillende Mütter. Sie versorgt nicht nur die Mutter mit der nötigen Energie und den Nährstoffen, die sie für die Milchproduktion und ihre eigene Erholung benötigt, sondern auch das Baby mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen für sein Wachstum und seine Entwicklung. Die Initiative "Gesund ins Leben" empfiehlt das "5-am-Tag-Prinzip", das eine ausreichende Zufuhr von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Milchprodukten und Proteinquellen sicherstellt.
Nährstoffbedarf stillender Mütter
Stillende Mütter haben einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen. Dazu gehören:
- Eiweiß: Wichtig für die Milchbildung und Geweberegeneration. Gute Quellen sind Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Soja, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte sowie Nüsse und Kerne.
- Jod: Essentiell für die Entwicklung des Nervensystems des Babys. Fisch (mindestens zweimal pro Woche, davon einmal fettreicher Meeresfisch), Jodsalz, Meeresfrüchte, Milchprodukte und Eier sind gute Jodlieferanten.
- Folsäure: Wichtig für die Zellteilung und Blutbildung. Spinat, Grünkohl, Feldsalat, Erbsen, Kichererbsen, Sojabohnen, weiße Bohnen, Linsen, Erdnüsse, Quinoa und Weizenkeime sind reich an Folsäure.
- Eisen, Mineralstoffe und Vitamine: Diese sind in einer vielfältigen Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten enthalten.
Ein erhöhter Kalorienbedarf von etwa 400 bis 600 Kalorien pro Tag ist normal, um die Milchproduktion zu gewährleisten. Eine langsame Gewichtsabnahme von maximal 2 kg pro Monat ist in der Stillzeit ratsam.

Obst in der Stillzeit: Mythen und Fakten
Obst ist ein wichtiger Lieferant von Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen und sollte auch während der Stillzeit nicht vom Speiseplan gestrichen werden. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich bestimmter Obstsorten, die angeblich Verdauungsprobleme beim Baby verursachen könnten. Wissenschaftliche Belege dafür, dass bestimmte Obstsorten generell zu Blähungen oder einem wunden Po beim Baby führen, sind rar.
Pflaumen und Steinobst
Pflaumen sind bekannt für ihre verdauungsfördernde Wirkung und können bei Verstopfungen helfen. Obwohl sie zu den blähenden Lebensmitteln gezählt werden, gehen Darmgase in der Regel nicht in die Muttermilch über. Experten raten jedoch, bei der Einführung von Pflaumen und anderem Steinobst wie Kirschen zunächst mit kleinen Mengen zu beginnen, um die individuelle Verträglichkeit des Babys zu beobachten. Sollten Probleme auftreten, kann die jeweilige Obstsorte vorübergehend vom Speiseplan gestrichen werden.
Zitrusfrüchte und Beeren
Saure Obstsorten wie Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen, Grapefruits) und Beeren (Erdbeeren, Himbeeren) werden manchmal mit einem wunden Babypopo in Verbindung gebracht. Dies wird auf die Fruchtsäuren zurückgeführt, die bei manchen Babys zu Hautreizungen führen können. Auch hier gilt: Beobachten Sie Ihr Baby. Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine bestimmte Obstsorte Probleme verursacht, reduzieren Sie die Menge oder lassen Sie sie vorübergehend weg.
Trockenobst
Trockenobst ist eine gute Alternative, sollte aber aufgrund des höheren Kaloriengehalts nur in Maßen verzehrt werden.
Verdächtige Lebensmittel und Verdauungsprobleme beim Baby
Viele Mütter machen sich Sorgen über Lebensmittel, die angeblich Blähungen, Bauchschmerzen oder einen wunden Po beim Baby verursachen könnten. Dazu gehören häufig:
- Blähende Gemüsesorten: Kohl (Brokkoli, Sauerkraut, Kohlrabi, Wirsing), Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen).
- Zwiebeln und Knoblauch.
- Vollkornprodukte (bei besonders sensiblen Kindern).
- Milchprodukte (bei diagnostizierter Kuhmilchunverträglichkeit).
Es ist wichtig zu betonen, dass wissenschaftliche Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Lebensmitteln und den Beschwerden des Babys oft fehlen. Die Reaktion des Babys ist sehr individuell. Wenn Sie vermuten, dass ein bestimmtes Lebensmittel Probleme verursacht, können Sie es für 1-2 Wochen weglassen und beobachten, ob sich die Symptome bessern. Ein Ernährungstagebuch kann hierbei hilfreich sein.

Die Rolle der Ernährung bei Koliken und Blähungen
Während Darmgase und Ballaststoffe nicht direkt in die Muttermilch übergehen, können Metaboliten aus dem mütterlichen Stoffwechsel theoretisch Einfluss nehmen. Studien deuten darauf hin, dass bei einigen Babys Kuhmilch, Kohl und Zwiebeln mit Koliken in Verbindung gebracht werden könnten, der Effekt ist jedoch oft nicht stark ausgeprägt. Bei Kuhmilch kann dies auf eine allergische Reaktion auf Kuhmilchprotein zurückzuführen sein.
Getränke in der Stillzeit
Die Flüssigkeitszufuhr ist für stillende Mütter sehr wichtig. Etwa zwei Liter pro Tag werden empfohlen, vorzugsweise Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees.
Kaffee und Koffein
Kaffee ist in Maßen erlaubt. Zwei bis maximal drei Tassen pro Tag sind in Ordnung, da Koffein in die Muttermilch übergeht. Bei einem unruhigen Baby sollte der Konsum reduziert werden. Gleiches gilt für Schwarztee.
Alkohol
Alkohol und Stillen vertragen sich nicht. Es wird vom vollständigen Verzicht auf Wein, Bier und Schnaps abgeraten, da Alkohol über die Muttermilch an das Baby weitergegeben wird. Wenn Alkohol unvermeidlich ist, sollten bestimmte Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, wie Stillen vor dem Konsum und die Wahl von Getränken mit niedrigem Alkoholgehalt. Die maximale Trinkmenge pro Woche sollte zwei Gläser nicht überschreiten.
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Medikamente und Rauchen in der Stillzeit
Bei der Einnahme von Medikamenten ist stets Rücksprache mit einem Arzt oder einer Hebamme unerlässlich. Paracetamol und Ibuprofen gelten in normalen Mengen als sicher. Bestimmte Medikamente sollten gemieden oder nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden.
Rauchen während der Stillzeit sollte unbedingt vermieden werden, da Nikotin schädliche Inhaltsstoffe in die Muttermilch überträgt und über lange Zeit nachweisbar bleibt.
Lebensmittel, die den Geschmack der Muttermilch verändern können
Die Muttermilch kann ihren Geschmack je nach mütterlicher Ernährung verändern. Wenn ein Baby die Milch ablehnt, nachdem die Mutter bestimmte Lebensmittel konsumiert hat, sollte sie darauf achten. Gewürze wie Knoblauch können den Geschmack beeinflussen, während scharfe Gewürze wie Chili, Curry oder Ingwer laut Studien das Aroma der Muttermilch nicht verändern.
Kräuter und Gewürze: Einfluss auf die Milchbildung
Einige Kräuter und Gewürze können die Milchbildung beeinflussen:
- Milchbildungshemmend: Salbei, Pfefferminze, Petersilie, Hibiskus.
- Milchbildungsanregend: Dill, Brennnessel, Basilikum, Fenchel, Kümmel, Kreuzkümmel, Anis.
Mütter mit geringer Milchproduktion sollten auf milchbildungshemmende Kräuter verzichten, während Mütter mit sehr viel Milch auf milchbildungsanregende Kräuter zurückhaltend sein sollten.
Allergien beim Säugling und die Ernährung der Mutter
Obwohl Stillkinder seltener unter Allergien leiden als Flaschenkinder, können Unverträglichkeiten vorkommen. Symptome wie Koliken, Hautausschlag, Durchfall oder Erbrechen können auf eine Lebensmittelunverträglichkeit hinweisen. Eine Ausschlussdiät unter ärztlicher Aufsicht kann helfen, Auslöser zu identifizieren. Oft reagieren Babys auf Milchprodukte.

Fazit: Keine pauschalen Verbote, sondern individuelle Beobachtung
Grundsätzlich gibt es in der Stillzeit keine allgemeingültige "Stilldiät" oder pauschal verbotene Lebensmittel, mit der Ausnahme von Alkohol. Die Ernährung der Mutter wird oft überschätzt als Einflussfaktor auf das Babyverhalten. Viele Mütter können essen, was ihnen schmeckt, in Maßen. Die individuelle Reaktion des Babys ist entscheidend. Prophylaktische Einschränkungen sind in der Regel nicht notwendig. Bei Unsicherheiten oder anhaltenden Problemen ist die Rücksprache mit einem Arzt, einer Hebamme oder einer Stillberatung ratsam.