Naturkind Honig im Test: Qualität und Reinheit im Fokus

Honig ist nicht nur ein köstliches Naturprodukt, sondern wird auch für seine gesundheitlichen Vorteile, insbesondere seine antibakterielle Wirkung, geschätzt. Angesichts der Vielfalt im Handel ist es jedoch ratsam, nicht zu jedem beliebigen Honig im Regal zu greifen. ÖKO-TEST hat in der Vergangenheit Honigprodukte untersucht, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Reinheit, Herkunft und Naturbelassenheit gelegt wurde.

Umfassende Honigtests: Methoden und Kriterien

Bei der Untersuchung von Honigprodukten fließen verschiedene Kriterien in die Bewertung ein. Dazu gehören:

  • Bestätigte Herkunft: Die tatsächliche Herkunft des Honigs muss nachvollziehbar sein.
  • Sensorik: Geschmack, Geruch, Farbe und Konsistenz sind wichtige Indikatoren für die Qualität.
  • Naturbelassenheit: Es wird geprüft, ob der Honig auf natürliche Weise verarbeitet wurde.
  • Fremdzucker: Anzeichen für die Zugabe von Zuckersirup oder anderen Zuckern werden aufgedeckt.
  • Mögliche Verunreinigungen: Die Abwesenheit von schädlichen Rückständen steht im Fokus.
  • Sedimente: Das Vorhandensein von unerwünschten Ablagerungen wird untersucht.

Für die Tests wurden in der Regel cremige, zähe Honigvarianten untersucht. Ausnahmen bilden natürliche flüssige Honige wie Akazienhonig.

Grafik mit den wichtigsten Testkriterien für Honig

Ergebnisse von ÖKO-TEST und Stiftung Warentest

ÖKO-TEST untersuchte 19 Honigprodukte, darunter 16 Bio-Blütenhonige und drei konventionell hergestellte Produkte. Von den getesteten Produkten schnitten acht mit "sehr gut" ab, drei mit "gut" und zwei mit "befriedigend". Sechs Honige erhielten die Bewertung "mangelhaft" oder "ungenügend". Die Preisunterschiede bei den Siegern waren erheblich, von etwas über 4 Euro bis zu 9 Euro für 500 Gramm. Bekannte Marken wie Langnese, Dennree und Glück fielen durchweg mit "ungenügend" durch, oft aufgrund von Hinweisen auf Fremdzucker oder erhöhten Hydroxymethylfurfural-Werten, die auf Erhitzen und damit auf einen Verlust der Naturbelassenheit hindeuten.

Die Stiftung Warentest hat 34 Honige aus Deutschland untersucht. Das Ergebnis war ernüchternd: Mal schmeckte der Honig fremdartig, mal enthielt er Rückstände von Antibiotika, und häufig stimmten die Angaben auf dem Etikett nicht mit dem Inhalt überein. 18 Sorten wurden als "mangelhaft" eingestuft, zehn davon hätten gar nicht erst als Honig verkauft werden dürfen. Geschmackliche Auffälligkeiten wurden bei Mischblütenhonigen von Aldi Nord, Immenhof und Kaiser's Tengelmann festgestellt, die nach einem Bienenabwehrmittel schmeckten. Auch die Marken Norma Sommerland und Schneekoppe Extra-Auslese zeigten geschmackliche Beeinträchtigungen durch Rauch. Bei der Untersuchung auf Rückstände wurden in einigen Honigen Antibiotika wie Verunreinigungen von Nitrofuranen (in Kaiser's Tengelmann/Naturkind und Wal Mart/Great Value) gefunden, die EU-weit verboten sind. Der Bio-Akazienhonig Grünes Land enthielt Streptomycin, und Langnese Weißtannenhonig wies Tetracyclin auf. Immerhin 14 Honige schnitten gut ab, darunter Mischblütenhonige von Biophar, Gepa Lacandona und Tip sowie Akazienhonige von Stöckmann, Allos und Eden.

Wie wirken Antibiotika?!

Besondere Prüfungen und Kritikpunkte

Die Stiftung Warentest untersuchte auch 24 Blütenhonige, wobei kein einziger die Note "sehr gut" erreichte. 14 Honige erhielten die Note "gut", darunter überwiegend ausländische Produkte. Fünf deutsche Honige wurden als "gut" bewertet. Drei Honige erhielten "befriedigend", sechs "ausreichend". Die beiden getesteten Honige im D.I.B.-Glas, abgefüllt von Bienenwirtschaft Meißen und Fürsten-Reform, erhielten die Note "ausreichend" aufgrund von HMF-Gehalt und Invertase-Aktivität. Die Bezeichnung "Spitzenqualität vom Imker" wurde kritisch hinterfragt, da die Qualitätsansprüche höher sein müssten. Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB) kritisierte die mangelnde Neutralität und die politische Motivation des Tests und bemängelte den Verzicht auf die DNA-Methode zur Authentizitätsprüfung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Herkunftsangabe. Die schwammige Bezeichnung "Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern" wurde als unzureichend für Verbraucherinformationen kritisiert. Auch die sensorischen Merkmale wurden bewertet, wobei untypische Geschmacksrichtungen wie "kohlartig" bei Blütenhonig negativ auffielen. Bei ausländischen Honigmischungen führten leichte Rauchnoten, die in der internationalen Sensorik als "off-flavours" gelten, nicht zu Abzügen, was von der Stiftung Warentest als typisch für Honige aus Lateinamerika eingestuft wurde.

Honigfälschungen und neue Analysemethoden

Besondere Besorgnis erregten Berichte über Honigfälschungen. In einer Untersuchung, bei der Proben von deutschen Supermärkten in einem estnischen Labor mittels DNA-Analyse getestet wurden, stellten 25 von 30 Honigen (80%) Verfälschungen fest. Die europäischen Berufsimker vermuten, dass Fruktosesirup, hergestellt von genetisch modifizierten Bakterien, zugesetzt wird, um die üblichen Labortests zu bestehen. Diese Sirupe ahmen das natürliche Zuckerprofil von Honig nach und sind für das menschliche Auge und die gängigen Analysemethoden schwer zu erkennen. Die Imker kritisieren, dass solche Produkte legal mit den EU-Honig-Direktiven übereinstimmen können, obwohl sie nicht dem natürlichen Honig entsprechen.

Schema zur Unterscheidung von echtem Honig und Fälschungen

Die Imker fordern strengere Kontrollen und weisen darauf hin, dass Preise unter 5 Euro für 500g Honig pro Endverbraucher kaum wirtschaftlich sein können, wenn man von echter Produktion ausgeht. Sie vermuten, dass hinter den niedrigen Preisen hochentwickelte Fälschungen stecken, die von Laboren nur schwer oder gar nicht entdeckt werden können. Die Berufsimker haben sich mit Importeuren und dem Lebensmittelhandel zusammengeschlossen, um dem Betrug auf den Grund zu gehen und wenden sich an die europäische Kommission, Regierungen und Polizeibehörden, da solche Fälschungen in großem Stil als organisierte Kriminalität betrachtet werden.

Waldhonig und Naturkind Honig im Detail

Die Entstehung von Waldhonig beginnt bei Läusen, die Pflanzensaft aus Bäumen saugen und diesen dann ausscheiden. Bienen sammeln diesen Saft und verarbeiten ihn zu Waldhonig. Da Waldhonig sehr begehrt ist, wird er oft fälschlicherweise als solcher etikettiert. Falsche Waldhonige können durch ihre elektrische Leitfähigkeit entlarvt werden, da sie weniger Mineralstoffe enthalten als echte Waldhonige. Öko-Test prüfte 26 Proben Waldhonig, wobei fünf davon nicht als Waldhonig hätten angeboten werden dürfen. Selbst direkt beim Imker gekaufte Honige waren nicht immer frisch oder schonend behandelt, was sich in den Werten für Invertase (ein Indikator für Frische) und HMF (ein Indikator für Alterung) zeigte.

Die Marke Naturkind, eine Eigenmarke von Kaiser's Tengelmann, steht für Lebensmittel aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft und trägt zusätzlich das EU-BIO-Logo und das deutsche BIO-Siegel. Die Einhaltung der Kriterien wird von unabhängigen, staatlich zugelassenen Kontrollstellen überprüft. Dennoch wurden auch bei einigen Naturkind-Produkten kritische Befunde festgestellt. So enthielt der "Naturkind Wald-Honig" giftiges Phenol, für das es keine gesetzlichen Grenzwerte gibt.

Qualitätsmerkmale und Verbraucherinformationen

Die Stiftung Warentest hat Blütenhonige mit rund 40 Methoden auf etwa 1.050 Einzelparameter geprüft. Qualitätsunterschiede zeigten sich in Aussehen und Geschmack. Typischerweise ist die Konsistenz cremig bis teilkristallin, und die Produkte schmecken süß, blumig und ausgewogen. Besondere Eindrücke wie kohlartige oder minzige Aromen wurden ebenfalls registriert. Für die Authentizitätsanalyse kamen spezielle Methoden zum Einsatz, die Hinweise auf Verfälschungen, etwa mit Zuckersirup, geben können.

Wichtige Hinweise für Verbraucher:

  • Preis sagt nicht alles: Weder Preis noch Herkunft allein verraten etwas über die Qualität.
  • Achten Sie auf Siegel: Siegel wie das EU-BIO-Logo und das deutsche BIO-Siegel können Hinweise auf kontrollierte Qualität geben.
  • Deklaration prüfen: Achten Sie auf klare Angaben zur Herkunft und Zusammensetzung.
  • Sensorische Prüfung: Vertrauen Sie Ihren Sinnen - ungewöhnliche Gerüche oder Geschmäcker können auf Probleme hindeuten.
Infografik: Woran erkennt man guten Honig?

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