Nabelschnurblutspende in Heilbronn: Eine Entscheidung für die Zukunft

Die Entscheidung darüber, was mit dem Nabelschnurblut des eigenen Kindes nach der Geburt geschehen soll, stellen sich immer mehr werdende Eltern. Dieses Blut, das wertvolle Stammzellen enthält, kann entweder für das Kind selbst aufbewahrt, der Forschung geschenkt oder einer Spenderbank zur Verfügung gestellt werden. Jedes Paar muss hierfür seine eigene, individuelle Antwort finden.

Das Potenzial von Nabelschnurblut

Nabelschnurblut ist das Blut, das sich zum Zeitpunkt nach der Geburt noch in den Blutgefäßen von Nabelschnur und Plazenta befindet. Es ist reich an Stammzellen, die als Ursprungszellen bezeichnet werden und sich unbegrenzt vermehren können. Diese Stammzellen besitzen das Potenzial, jede der rund 200 Zellarten im menschlichen Körper zu bilden. Insbesondere bei der Behandlung von Erkrankungen des blutbildenden Systems, wie beispielsweise Leukämie, spielen Stammzellen eine entscheidende Rolle. Weltweit sind bereits 80 Erkrankungsarten mit Stammzellen aus Nabelschnurblut behandelbar, wobei Leukämie das bekannteste Beispiel darstellt.

Infografik: Aufbau von Nabelschnur und Plazenta nach der Geburt

Möglichkeiten der Nabelschnurblutverwendung

Eltern, die das Nabelschnurblut ihres Neugeborenen spenden möchten, können dies direkt nach der Geburt tun. Die SLK-Frauenklinik in Heilbronn ist als Spenderbank im Norddeutschen Knochenmarkregister (NKR) anerkannt und bietet diese Möglichkeit für Eltern aus Heilbronn und Umgebung an.

Professor Reinhard Hackenberg, Direktor der Frauenklinik in Heilbronn, betont das große Potenzial von Nabelschnurblut und die Möglichkeit, damit kranken Menschen zu helfen. Er hebt hervor, dass die Spende von Nabelschnurblut eine sehr positive Option darstellt, da die Chance, einem kranken Menschen zu helfen, relativ groß ist.

Die öffentliche Nabelschnurblutspende

Bei der öffentlichen Nabelschnurblutspende wird das gespendete Blut anonym in einem öffentlichen Register gelistet und steht für eine Transplantation bei fremden Empfängern zur Verfügung. Die DKMS Stem Cell Bank arbeitet mit 11 Kooperationskliniken zusammen, in denen diese Spende angeboten wird. Der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen kooperiert ebenfalls mit entsprechenden Entnahmestellen.

Es ist jedoch wichtig zu bedenken, dass nicht jede Spende den strengen Qualitätskriterien für eine Transplantation entspricht. Mehr als die Hälfte der Spenden erreicht nicht die erforderliche Mindest-Zellzahl und wird daher entweder verworfen oder in der Forschung eingesetzt. Öffentliche Nabelschnurblutbanken bewahren aus Qualitäts-, Kosten- und Ressourcengründen nur etwa ein Drittel der gespendeten Nabelschnurblutspenden tatsächlich auf. Dennoch kann eine Spende Leben retten, auch wenn keine Garantie besteht, dass das gespendete Blut im Bedarfsfall für eine eigene oder familiäre Anwendung zur Verfügung steht.

Die individuelle Einlagerung von Nabelschnurblut

Alternativ können Eltern das Nabelschnurblut auch für den eventuellen Eigenbedarf ihres Kindes einlagern lassen. Dies geschieht durch einen privaten Vertrag mit kommerziellen Anbietern. Die Kosten hierfür beginnen ab etwa 1900 Euro (Stand November 2017) und beinhalten die Zusendung eines personalisierten Abnahmesets. Die Hoffnung, dass das eingelagerte Nabelschnurblut dem eigenen Kind in einer entscheidenden Situation helfen kann, wird von Experten wie Professor Hackenberg jedoch als vage eingeschätzt, da die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, sehr gering ist.

Die Menge des Nabelschnurbluts reicht in der Regel nur für ein Kind aus. Bei der privaten Einlagerung steht die Stammzellenspende ausschließlich dem Kind selbst oder seinen Familienmitgliedern zur späteren Anwendung zur Verfügung.

Die Vita 34 Spendenoption: Die Kombination aus beidem

Die Vita 34 Spendenoption bietet eine innovative Lösung, die sowohl die individuelle Vorsorge als auch die öffentliche Stammzellenspende ermöglicht. Eltern willigen dabei ein, dass die anonymisierten Gewebemerkmale an ein öffentliches Stammzellregister übertragen werden, nachdem das Nabelschnurblut auf seine Eignung für eine Spende überprüft wurde. Gleichzeitig wird die Einlagerung für das eigene Kind beibehalten.

Über das öffentliche Stammzellregister StemCellSearch können Ärzte weltweit nach geeigneten Spendern suchen. Sollten Ärzte, Patienten oder Angehörige fündig werden, kann eine Anfrage an Vita 34 gestellt werden, welche die Eltern des potenziellen Spenders umgehend informiert. Die hohe Qualität der Vita 34-Stammzell-Präparate wird durch Zulassungen des Paul-Ehrlich-Instituts bestätigt.

Vita 34 Trickfilm "Stammzellen aus dem Nabelschnurblut"

Der Prozess der Nabelschnurblutgewinnung

Die Gewinnung von Nabelschnurblut ist ein einfacher und schmerzfreier Prozess, der weder für Mutter noch Kind Risiken birgt. Sobald das Baby geboren und die Nabelschnur durchtrennt ist, wird das Blut aus dem Teil der Nabelschnur, der noch mit dem Mutterkuchen verbunden ist, entnommen. Dies geschieht durch eine Punktion der Nabelschnurvene mit einer speziellen Kanüle. Um eine ausreichende Menge Blut zu gewinnen, sollte die Abnabelung relativ früh erfolgen.

Das gewonnene Blut wird in einem sterilen Beutel aufgefangen und muss innerhalb kürzester Zeit zur Nabelschnurblutbank transportiert werden. Dort wird es zentrifugiert und anschließend aufbereitet und typisiert. Um Infektionen auszuschließen, findet zudem eine Blutuntersuchung der Mutter statt.

Abnabelungsszenarien: Frühes vs. spätes Abnabeln

Die Nabelschnurblutspende beeinflusst primär das Abnabelungsszenario. Beim frühen Abnabeln wird das Nabelschnurblut entnommen, bevor die Nabelschnur vollständig ausgepulst ist. Dies ermöglicht die Gewinnung einer größeren Menge Nabelschnurblut für die Spende.

Beim späten Abnabeln hingegen wartet man, bis die Blutzufuhr von der Plazenta zum Kind von alleine stoppt und die Nabelschnurgefäße kollabieren. Dieses Vorgehen ermöglicht es dem Säugling, von einem erhöhten Eigenblutvolumen von bis zu 30% und einem besseren Eisenwert zu profitieren. Studien zeigen, dass spät abgenabelte Babys im Alter von vier Monaten einen um 45% höheren Ferritinwert (Speichereisen) aufweisen als früh abgenabelte Babys. Auch sechs Monate nach der Geburt sind die Unterschiede noch merkbar.

In beiden Fällen kann das Baby direkt nach der Geburt auf dem Bauch der Mutter kuscheln. Auch der Partner kann, wenn gewünscht, die Nabelschnur durchtrennen.

Schema: Vergleich von frühem und spätem Abnabeln

Wer kann Nabelschnurblut spenden?

Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch im Alter zwischen 17 und 55 Jahren als potenzielle:r Stammzellspender:in registrieren. 17-Jährige dürfen zwar noch keine Stammzellen spenden, werden aber ab dem 18. Lebensjahr zur Spende zugelassen. Eine erneute Aufnahme ist nicht erforderlich, falls bereits eine Erfassung bei der DKMS oder in einer anderen Datei vorliegt.

Die Registrierung als Stammzellspender bei der DKMS ist ausschließlich für Personen mit festem Wohnsitz in Deutschland möglich. Potenzielle Spender mit Wohnsitz im Ausland können sich bei ihren jeweiligen nationalen Stammzellspenderregistern registrieren lassen und stehen somit dem weltweiten Suchlauf zur Verfügung.

Ausschlusskriterien für eine Nabelschnurblut-Spende

Es gibt bestimmte Ausschlusskriterien für eine Nabelschnurblut-Spende. Diese basieren vor allem auf der Anamnese der Mutter. Dazu gehören unter anderem:

  • Starkes Übergewicht
  • Starkes Untergewicht
  • Systemische Autoimmunerkrankung oder andere schwere chronische Erkrankungen (z.B. ...)

Nicht jedes gespendete Nabelschnurblut ist für eine Transplantation geeignet. Manchmal ist das Blut verunreinigt, oder die Mutter hatte eine Infektion in der Schwangerschaft, die das Nabelschnurblut als Spende unbrauchbar macht. Außerdem müssen eine Mindestmenge an Blut und eine Mindestanzahl an Stammzellen vorhanden sein, damit die Spende für eine Transplantation infrage kommt.

Die Bedeutung von HLA-Merkmalen

Die Abkürzung HLA steht für humane Leukozyten-Antigene. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Genen, die für die Funktion des Immunsystems unverzichtbar und genauso einzigartig sind wie der Mensch selbst. Nur wenn die HLA-Merkmale von Spender und Empfänger übereinstimmen, sie also beinahe genetische Zwillinge sind, kann eine Transplantation von Stammzellen und Geweben Erfolg haben.

Statistisch gesehen besteht bei Geschwistern eine 25-prozentige Chance, dass die HLA-Merkmale des einen Kindes mit dem des anderen übereinstimmen. Benötigt ein schwerkrankes Kind eine Stammzelltherapie und kommt in dieser Familie ein Geschwisterchen zur Welt, lagert Vita 34 das Nabelschnurblut des Neugeborenen für fünf Jahre kostenlos ein.

Spenden oder Einlagern: Eine persönliche Entscheidung

Die Entscheidung, ob man Nabelschnurblut spenden oder einlagern möchte, ist eine sehr persönliche. Eine Spende ist ein Geschenk an einen fremden Menschen, aber auch man selbst oder eine nahe stehende Person könnte sich irgendwann in der Position befinden, so eine Spende zu benötigen. Wenn man sich vorstellt, dass zum Beispiel das eigene Kind zukünftig einmal erkrankt und ihm fremde, kindliche Stammzellen helfen könnten, dann erscheint die Möglichkeit der Nabelschnurblut-Spende absolut naheliegend und großartig.

Eine Spende von Nabelschnurblut ist ohne Risiko und kann Leben retten. Dennoch ist sie nicht weit verbreitet, weshalb das Nabelschnurblut häufig ungenutzt entsorgt wird. Wenn die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft und du und dein Kind gesund seid, kannst du höchstwahrscheinlich das Restblut aus Nabelschnur und Plazenta spenden.

Jede Frau hat das Recht auf eine positive, selbstbestimmte Geburtserfahrung. Die Entscheidung für oder gegen eine Nabelschnurblutspende sollte auf einer informierten Grundlage getroffen werden.

tags: #nabelschnurblut #spenden #heilbronn