Ein gerissenes Kondom kann schnell zu Panik führen, doch es gibt klare Handlungsanweisungen und Optionen, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Die entscheidenden Faktoren sind das schnelle Handeln und das Wissen um die eigenen Fruchtbarkeit.
Was tun, wenn das Kondom reißt?
Wenn ein Kondom während des Geschlechtsverkehrs reißt oder abrutscht, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und zügig zu handeln. Sperma kann in die Scheide gelangen, was das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft erhöht.
Wichtige erste Schritte:
- Ruhe bewahren: Panik hilft nicht weiter.
- Schnell handeln: Jede Minute zählt.
- Beratung suchen: Wende dich umgehend an eine gynäkologische Praxis oder eine Apotheke.
Nur intakte Kondome schützen zuverlässig vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Bei einem Riss besteht auch hier ein erhöhtes Risiko.

Das Risiko einer Schwangerschaft nach einem Kondomriss
Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft nach einem Kondomriss hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere von der Zyklusphase der Frau. Spermien können bis zu fünf Tage im weiblichen Körper überleben. Das Ei ist nach dem Eisprung etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig.
Faktoren, die das Risiko beeinflussen:
- Zeitpunkt des Risses im Verhältnis zum Eisprung: Ein Riss kurz vor oder während des Eisprungs birgt das höchste Risiko.
- Vorhandensein von Lusttropfen: Schon vor der eigentlichen Ejakulation können Spermien in den Lusttropfen enthalten sein.
- Qualität und Größe des Kondoms: Laut Studien reißen nur etwa 2 von 100 Kondomen, oft aufgrund falscher Anwendung oder ungeeigneter Größe. Zu große Kondome reißen häufiger.
Wann ist eine Schwangerschaft unwahrscheinlich?
Wenn der Geschlechtsverkehr weit vor dem Eisprung stattgefunden hat und die Spermien nicht auf eine befruchtungsfähige Eizelle treffen konnten, ist das Risiko einer Schwangerschaft gering. Dennoch ist es schwierig, den genauen Zeitpunkt des Eisprungs immer exakt zu bestimmen, da sich Zyklen verschieben können.
Notfallverhütung: Die "Pille danach"
Die "Pille danach" ist eine nachträgliche Notfallverhütungsmethode, die eine ungewollte Schwangerschaft verhindern kann, wenn die reguläre Verhütung versagt hat.
Wie wirkt die Pille danach?
Die Pille danach enthält Hormone, die den Eisprung verzögern oder unterdrücken. Dadurch wird verhindert, dass Spermien eine befruchtungsfähige Eizelle erreichen und eine Befruchtung stattfindet. Sie ist kein Abtreibungsmittel und wirkt nicht, wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat.
Wann und wie lange wirkt die Pille danach?
Die Wirksamkeit der Pille danach ist umso höher, je früher sie nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Es gibt zwei Hauptwirkstoffe:
- Levonorgestrel: Wirkt bis zu 72 Stunden (3 Tage) nach dem Geschlechtsverkehr.
- Ulipristalacetat: Wirkt bis zu 120 Stunden (5 Tage) nach dem Geschlechtsverkehr und gilt als etwas wirksamer, insbesondere wenn der Eisprung näher rückt.
Die Einnahme sollte schnellstmöglich erfolgen, idealerweise innerhalb von 12 Stunden.
Wo und wie bekomme ich die Pille danach?
Die Pille danach ist in Deutschland rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich. Apothekerinnen und Apotheker beraten umfassend zu Anwendung, Wirkungsweise und möglichen Nebenwirkungen. Bei Notfällen außerhalb der regulären Öffnungszeiten stehen Notdienst-Apotheken zur Verfügung.
Kosten und Kostenübernahme
Die Kosten für die Pille danach liegen je nach Präparat zwischen etwa 16 und 35 Euro. Für Frauen, die gesetzlich versichert und unter 22 Jahre alt sind, übernehmen die Krankenkassen die Kosten, wenn das Medikament von einem Arzt verschrieben wurde.
Mögliche Nebenwirkungen der Pille danach
Wie bei jedem Medikament kann die Einnahme der Pille danach zu Nebenwirkungen führen, darunter:
- Übelkeit
- Kopfschmerzen
- Bauchschmerzen
- Brustspannen
- Zwischenblutungen
- Schwindel
Bei Erbrechen innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme sollte eine neue Tablette eingenommen werden. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden ist ärztlicher Rat einzuholen.
Die Pille danach
Hormonfreie Alternativen zur Notfallverhütung
Für Frauen, die Hormone meiden möchten, gibt es hormonfreie Notfalllösungen:
- Kupferspirale oder Kupferkette (z.B. GyneFIX): Diese können bis zu 5 Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr von einer Ärztin eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie Kupferionen abgeben, die die Beweglichkeit der Spermien hemmen und eine Befruchtung oder Einnistung verhindern. Sie bieten zudem sofortigen langfristigen Schutz und können als reguläre Verhütungsmethode weiterverwendet werden.
Schwangerschaftstest nach einem Kondomriss
Ein Schwangerschaftstest kann nach einer Verhütungspanne Aufschluss über eine mögliche Schwangerschaft geben. Ein zuverlässiges Ergebnis ist in der Regel ab dem Tag möglich, an dem die erwartete Periode eintreten sollte. Als Faustregel gilt, dass ein Test etwa drei Wochen nach dem Geschlechtsverkehr durchgeführt werden sollte, bei dem das Kondom gerissen ist.
Sicherheit von Kondomen und Anwendungsfehler
Kondome sind eine weit verbreitete und effektive Methode zur hormonfreien Verhütung und zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Ihr Pearl-Index liegt zwischen 2 und 12, was eine hohe Sicherheit bei korrekter Anwendung bedeutet.
Häufige Anwendungsfehler, die zu einem Riss führen können:
- Falsche Größe des Kondoms (zu groß oder zu klein)
- Abgelaufenes Verfallsdatum
- Kein neues Kondom nach falschem Aufsetzen verwendet
- Verwendung von ungeeignetem Gleitmittel
Beim Kauf sollte auf Qualitätssiegel wie CE und DLF geachtet werden.
Wann zum Arzt?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Unsicherheit bezüglich des Eisprungs und der Notwendigkeit der Pille danach besteht.
- Symptome einer möglichen Schwangerschaft auftreten (verspätete Periode, Übelkeit, Brustspannen).
- Verdacht auf eine sexuell übertragbare Krankheit besteht.
