Die Versorgung des eigenen Kindes mit Muttermilch ist für viele Mütter ein zentraler Aspekt einer gesunden Entwicklung und einer tiefen Mutter-Kind-Bindung. Doch es gibt Situationen, in denen das direkte Stillen nicht immer möglich ist. Hier setzt das Abpumpen von Muttermilch an, um auch in Abwesenheit der Mutter die Vorteile der Muttermilch zu gewährleisten oder um die Milchbildung zu unterstützen. Dieser Ratgeber beleuchtet verschiedene Aspekte des Abpumpens und der Zufütterung von Muttermilch.
Methoden zur Gewinnung von Muttermilch
Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten, um Muttermilch zu gewinnen: Mit der Hand, einer Handpumpe oder einer elektrischen Pumpe. Für gelegentliches Abpumpen oder wenn nur kleinere Mengen Muttermilch benötigt werden, haben sich die Gewinnung per Hand oder mithilfe einer Handpumpe bewährt. Die Wahl der Methode sollte auf persönlichen Vorlieben und Komfort basieren.
Manuelle Techniken und Handpumpen
Das Ausstreichen der Brust per Hand ist eine natürliche Methode, die keine Anschaffung eines Hilfsmittels erfordert, aber das Erlernen der richtigen Technik voraussetzt. Hebammen und Stillberaterinnen können hierbei unterstützend zur Seite stehen. Bei der manuellen Technik massiert man zunächst die Brust. Anschließend werden Daumen und Zeigefinger etwa zwei Fingerbreit von der Brustwarze entfernt angesetzt und in Richtung Brustkorb gedrückt, ohne die Finger zu spreizen. Dann werden die Finger vom Brustkorb weg zusammengeführt, ohne auf der Haut zu verschieben. Dieser Bewegungsablauf wird rhythmisch wiederholt, bis der Milchfluss an der Stelle nachlässt. Danach setzt man Daumen und Finger an einer neuen Stelle um die Brustwarze an und fährt fort.
Eine Handmilchpumpe ist eine praktische Option für gelegentliches Abpumpen, insbesondere bei vorübergehender Trennung von der Mutter. Sie ist kompakt, benötigt keinen Strom und ermöglicht der Mutter die volle Kontrolle über Rhythmus und Intensität des Pumpvorgangs.
Elektrische Milchpumpen
Bei häufigerem Abpumpen, beispielsweise während der Ausbildung oder Berufstätigkeit, oder wenn das Kind in Betreuung ist, kann eine elektrische Pumpe sinnvoll sein. Elektrische Modelle, ob als Einzel- oder Doppelpumpen, sind oft effizienter und können Zeit sparen, insbesondere Doppelpumpen, die das Abpumpen auf beiden Seiten gleichzeitig ermöglichen. Wenn Kinder- und Jugendärzte oder Frauenärzte eine elektrische Pumpe aus medizinischen Gründen verordnen, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Elektrische Milchpumpen und Zubehör können auch in Apotheken und Sanitätshäusern ausgeliehen werden.
Anwendung und Hygiene beim Abpumpen
Unabhängig von der gewählten Methode ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen und eine bequeme Position einzunehmen, ähnlich wie beim Stillen. Gründliche Hygiene ist essenziell, um die Milch möglichst keimarm zu gewinnen.
Vorbereitung und Hygiene
Vor dem Abpumpen sollten die Hände und Fingernägel gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden. Zum Abtrocknen eignen sich Papierhandtücher oder ein täglich frisches Handtuch. Das Pumpzubehör und die Behälter zum Auffangen und Aufbewahren der Milch müssen jedes Mal sauber gespült sein. Bei der Verwendung einer Pumpe wird der gut passende Pumpaufsatz mittig auf die Brustwarzenregion aufgesetzt. Bei elektrischen Pumpen wird das Gerät eingeschaltet.
Es ist wichtig zu betonen, dass eine generelle Reinigung der Brustwarzen vor dem Abpumpen nicht notwendig ist, es sei denn, es liegen Infektionen oder wunde Brustwarzen vor. Die Reinigung der Milchpumpe selbst ist entscheidend: Alle Bestandteile, die mit Brust und Milch in Kontakt gekommen sind, müssen nach jedem Gebrauch gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel gereinigt werden, alternativ in der Spülmaschine bei mindestens 65 °C. Wer keinen speziellen Dampfsterilisator hat, sollte die Behältnisse und Einzelteile täglich in Wasser auskochen.
Der Abpumpvorgang
Beim Abpumpen mit einer elektrischen Pumpe beginnt man am besten mit einem niedrigen Vakuum bei hoher Frequenz, um das Saugen des Säuglings nach dem Anlegen zu imitieren. Sobald die Milch fließt, kann die Saugfrequenz verringert und das Vakuum erhöht werden, um effektiv Milch zu gewinnen. Die optimale Einstellung kann individuell variieren und erfordert möglicherweise etwas Ausprobieren.
Der Milchspendereflex, ausgelöst durch das Hormon Oxytocin, ist entscheidend für den Milchfluss. Dieser Reflex kann durch sanfte Massagen der Brüste, Wärme (z.B. durch Kompressen oder eine warme Dusche), das Betrachten eines Fotos des Kindes, oder durch eine entspannte und ruhige Atmosphäre unterstützt werden. Regelmäßiges Abpumpen, ähnlich wie beim Stillen, regt die Milchproduktion an. Studien deuten darauf hin, dass das gleichzeitige Abpumpen an beiden Brüsten mehr Milch gewinnen lässt.
Gründe für das Abpumpen und die Zufütterung
Es gibt vielfältige Gründe, warum Mütter Muttermilch abpumpen. Dies kann von dem Wunsch nach mehr Freiheit im Alltag über die Notwendigkeit der Versorgung des Kindes während der Berufstätigkeit bis hin zu medizinischen Indikationen reichen.
Unterstützung der Milchbildung und Versorgung bei Abwesenheit
Milchgewinnung per Hand oder Pumpe kann auch nötig sein, um die Milchbildung zu fördern. Wenn das Baby beispielsweise (vorübergehend) nicht effektiv trinken kann, fehlt durch die verringerte Milchentnahme die Botschaft an die Brust, dass Milch benötigt wird. Durch zusätzliches Abpumpen kann die Milchmenge erhöht werden, da der Körper auf die zusätzliche Nachfrage reagiert. Dies ist auch wichtig, wenn die Mutter beispielsweise Medikamente einnehmen muss, die das Stillen beeinträchtigen.
Mit einem Vorrat an Muttermilch können Zeiten überbrückt werden, in denen die Mutter nicht stillen kann, sei es wegen eines Arzttermins, Sport, Einkäufen oder der Rückkehr in den Beruf. Auch für den Partner oder andere Bezugspersonen kann das Füttern mit abgepumpter Muttermilch eine Möglichkeit sein, die Bindung zum Kind zu stärken.
Medizinische Gründe und spezielle Situationen
Manchmal ist das Abpumpen medizinisch notwendig. Dies kann der Fall sein bei:
- Trennung von Mutter und Baby wegen Krankheit oder Krankenhausaufenthalt
- Schwache Neugeborene oder Frühchen, denen die Kraft zum Saugen fehlt
- Anatomische Fehlbildungen, die das Saugen erschweren (z.B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalte)
- Milchstau
Besondere Situationen erfordern angepasste Fütterungsmethoden. Bei Babys, die nicht effektiv saugen können, können spezielle Trinkbecher, Brusternährungssets mit einem dünnen Ernährungsschlauch oder spezielle Sauger für Babys mit besonderen Bedürfnissen hilfreich sein.
Die Kombination von Stillen und Fläschchen (Zwiemilchernährung)
Die Kombination von Stillen und Zufüttern mit der Flasche, auch Zwiemilchernährung genannt, ist für viele Mütter eine praktikable Lösung. Dies kann von Geburt an gewünscht sein oder sich im Laufe der Zeit ergeben, beispielsweise wenn das Stillen schmerzhaft ist, Probleme mit verstopften Milchkanälen bestehen, oder die Mutter wieder arbeiten geht.
Vorbereitung auf die Flaschenfütterung
Es ist ratsam, das Baby frühzeitig an die Flasche zu gewöhnen, idealerweise einige Wochen vor der geplanten Abwesenheit der Mutter. Ein guter Zeitpunkt für die erste Flaschenfütterung ist, wenn das Baby entspannt und nicht zu hungrig ist. Die Wahl der richtigen Flasche und des passenden Saugers ist entscheidend. Sauger, die der Brustwarze ähneln, können den Übergang erleichtern.
Tipps für einen reibungslosen Übergang:
- Übung ist alles: Beginnen Sie mit der Flaschenfütterung etwa ab der 6. Lebenswoche, wenn eine gute Stillroutine etabliert ist. Geben Sie anfangs kleine Mengen Muttermilch.
- Richtige Haltung: Halten Sie das Baby nahe bei sich in einer halb aufrechten Position, um Augenkontakt zu fördern.
- Flasche richtig kippen: Füllen Sie den Flaschenhals und Sauger mit Milch, um das Verschlucken von Luftblasen zu vermeiden.
- Seiten wechseln: Variieren Sie die Griffposition beim Füttern.
- Den richtigen Sauger wählen: Beginnen Sie mit einem Sauger mit langsamem Durchfluss, beobachten Sie die Reaktionen Ihres Babys und passen Sie ihn bei Bedarf an.
Herausforderungen und Nachteile der Flaschenfütterung
Obwohl das Abpumpen und Zufüttern viele Vorteile bietet, sind auch Nachteile zu bedenken. Der Aufwand für die Zubereitung und Reinigung des Zubehörs kann den Zeitaufwand für die Fütterung verdoppeln oder verdreifachen. Zudem besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Kontamination der Milch während der Entleerung, Aufbewahrung und Fütterung. Die Qualität der Muttermilch kann durch Aufbewahren, Einfrieren, Auftauen und Erwärmen beeinträchtigt werden, beispielsweise durch einen reduzierten Vitamingehalt.
Die Fütterung mit der Flasche birgt auch ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Zahnprobleme im Kindesalter, unabhängig davon, ob Muttermilch oder Säuglingsmilch verwendet wird. Auch aus Sicht der Kieferentwicklung ist direktes Stillen vorteilhafter. Des Weiteren besteht die Gefahr einer Saugverwirrung, bei der das Baby Schwierigkeiten hat, von der Brustwarze zu trinken, sowie ein reduzierter Hautkontakt, der die Mutter-Kind-Bindung beeinträchtigen kann. Aus diesen Gründen sollte die Fütterung von abgepumpter Muttermilch als Ergänzung und nicht als Ersatz für das direkte Stillen betrachtet werden.

Aufbewahrung von Muttermilch
Abgepumpte Muttermilch kann sofort eingefroren oder bei maximal 4 Grad Celsius im Kühlschrank aufbewahrt werden. Bei Zimmertemperatur (16-29 Grad Celsius) ist sie etwa 4-6 Stunden haltbar. Bei der Aufbewahrung ist es wichtig, die Behälter hygienisch zu reinigen und zu beschriften.
Rechtliche Aspekte und Kostenübernahme
Wenn du in einem Beschäftigungsverhältnis bist, hast du in den ersten 12 Monaten nach der Geburt deines Babys Anspruch auf bezahlte Stillzeiten: mindestens 2-mal täglich eine halbe Stunde oder einmal pro Tag eine Stunde. Diese Zeiten kannst du zum Abpumpen oder Stillen nutzen. Dies ist im Mutterschutzgesetz festgelegt. Für Stillzeiten können sich auch stillende Auszubildende, Praktikant*innen, Schüler*innen und Student*innen freistellen lassen.
Bei medizinischer Indikation, beispielsweise bei der Versorgung eines Frühchens, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Milchpumpe. Mit einem Rezept kann eine Milchpumpe in der Apotheke ausgeliehen werden. Auch ohne Rezept ist das Ausleihen möglich, wobei Mietgebühren anfallen können.
Wann und wie lange abpumpen?
Die Häufigkeit und Dauer des Abpumpens hängen von den individuellen Bedürfnissen ab. Bei der vollständigen Ernährung des Babys mit abgepumpter Milch sollten die Abpumpzeiten den Stillzeiten entsprechen, etwa alle 2-4 Stunden, auch nachts. Für einen kleinen Vorrat reicht es oft, kleinere Mengen zwischen den Stillmahlzeiten abzupumpen, etwa 30 bis 60 Minuten nach dem Stillen. Die Dauer des Abpumpens pro Seite kann elektrisch etwa 15 bis 20 Minuten betragen.
Grundsätzlich können Mütter so lange Milch abpumpen, wie sie und ihr Kind es wünschen. Wenn das Abpumpen nicht mehr medizinisch notwendig ist, kann versucht werden, zum direkten Stillen zurückzukehren.
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Zusammenfassende Empfehlungen
Das Abpumpen von Muttermilch ist eine wertvolle Möglichkeit, die Ernährung des Kindes mit Muttermilch sicherzustellen und gleichzeitig Flexibilität für die Mutter zu gewinnen. Eine sorgfältige Hygiene, die Wahl der passenden Methode und eine entspannte Atmosphäre sind entscheidend für den Erfolg. Bei Fragen oder Schwierigkeiten ist es ratsam, sich an Hebammen, Stillberaterinnen oder medizinisches Fachpersonal zu wenden.
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