Frühchen verbringen ihre ersten Lebenswochen oft im Krankenhaus, wo sie bestens versorgt sind. Zu Hause angekommen, fehlt es den Eltern aufgrund der frühen Geburt häufig noch an der passenden Ausstattung für den neuen Familienzuwachs. Dieser Artikel beleuchtet, welche Anschaffungen für Frühchen notwendig sind und worauf Eltern achten sollten, um ihren Kleinsten den bestmöglichen Start zu ermöglichen.
Kleidung für Frühchen: Passform und Materialien
Frühchen sind naturgemäß zart und sehr klein, weshalb auch ihre Kleidung entsprechend kleiner sein sollte. Der Markt hat sich inzwischen auf die Bedürfnisse der Kleinsten eingestellt und bietet Strampler, Bodys und Jäckchen bereits ab Größe 32 an.
Dennoch rät die beratende Hebamme Andrea Hagen-Herpay, nicht zu früh und nicht zu viel Mini-Kleidung zu kaufen. Frühchen nehmen schnell zu und wachsen oft aus spezieller Frühchen-Kleidung heraus. In vielen Fällen reichen normale Babysachen aus. Mit einigen einfachen Tricks lässt sich Kleidung gut anpassen: So kann beispielsweise ein Strampler durch Umfalten des Hosenbeinendes und das darüber gezogene Söckchen passend gemacht werden. Ärmel von Jäckchen und Bodys lassen sich gut ein- oder zweimal umkrempeln.

Wärmende Schichten als Schutz
Frühchen fehlt es noch an schützendem Fettgewebe, wodurch sie ihre Körpertemperatur oft nur unzureichend halten können. Daher ist wärmende Kleidung von großer Bedeutung. Materialien wie Merino- oder Schurwolle, Fleece oder Frottee eignen sich hierfür besonders gut.
Je nach Raumtemperatur in der Wohnung kann dem Kind eine zusätzliche Schicht, wie etwa ein weiteres Jäckchen, angezogen werden. Da die meiste Wärme über Kopf und Füße verloren geht, sind Mützen und Söckchen unerlässlich für die Ausstattung eines Frühchens.
Schlafen: Sichere und warme Schlafsäcke
Für den Schlaf ist ein Schlafsack unerlässlich. Dieser darf nicht zu groß sein, um ein Überrutschen über Mund und Nase zu verhindern. Eltern können entweder einen speziellen Frühchen-Schlafsack verwenden oder einen normalen Schlafsack kürzen.
Eine Alternative stellt ein Strampelsäckchen aus Wolle oder Fleece in Kombination mit einem Strickjäckchen für den Oberkörper dar. Für Frühchen, die an medizinische Geräte angeschlossen sind, gibt es spezielle Schlafsäcke mit einer Kabelöffnung.

Technik für zu Hause: Notwendigkeit und Nutzen
Während Frühgeborene in der Klinik intensiv überwacht werden, gibt es mittlerweile auch Geräte für den Heimgebrauch. Dazu gehören Sensormatten zur Kontrolle der Atembewegungen, Sockenmessgeräte zur Aufzeichnung von Herzfrequenz und Sauerstoffgehalt oder Sensoren zur Messung der Hauttemperatur und Alarmgebung bei gefährlichen Schlafpositionen.
Hebamme Hagen-Herpay betont jedoch, dass solche Geräte nur für Babys mit ärztlicher Verordnung für einen Heimmonitor notwendig sind. „Alle anderen brauchen so etwas nicht“, erklärt sie. Sie fügt hinzu, dass diese Geräte oft nicht validiert sind und zudem verhindern können, dass Eltern lernen, die Bedürfnisse ihres Kindes zu erkennen.
Ihr Rat lautet daher: Frühchen schlafen am besten im Beistellbettchen im Zimmer der Eltern.
Ernährung und Unterstützung durch Milchpumpen
Da Frühchen anfangs oft Schwierigkeiten haben, kräftig von der Brust zu trinken, ist Muttermilch für sie besonders wertvoll. Eine Milchpumpe kann hierbei eine wichtige Unterstützung bieten. Frühchen-Mütter können ein Rezept für eine elektrische Milchpumpe erhalten, die in der Apotheke ausgeliehen werden kann. Dazu wird ein Einmalset benötigt, das auf dem Rezept vermerkt sein muss.
Für die Ernährung empfiehlt Andrea Hagen-Herpay einen Sauger mit großen Löchern, da Frühchen anfangs oft noch nicht so kräftig saugen.
Die "Känguru-Methode" und die spezielle Frühchen-Decke
Enger Hautkontakt zwischen Eltern und Kind ist für jedes Neugeborene wichtig, für Frühchen ist er jedoch lebensnotwendig. Die an der Neonatologie des Leipziger Universitätsklinikums (UKL) angewendete "Känguru-Methode" legt das nur mit einer Windel bekleidete Neugeborene auf die nackte Brust von Mama oder Papa.
Um diese Momente noch intensiver und sicherer zu gestalten, wurde am Haptik-Forschungslabor der Uni Leipzig (HFL) eine neuartige Frühchen-Decke entwickelt. Diese basiert auf einer Idee und Skizzen von Schwester Gabriele Koch, Bereichsleiterin Pflege der UKL-Neonatologie. Die Decke ermöglicht es Eltern und Baby, noch entspannter "känguruhen".

Die Geburt eines Frühchens stellt für Eltern eine extreme Ausnahmesituation dar, die mit ständigen Belastungen und wechselnden Gefühlen zwischen Hoffnung und Angst verbunden ist. Manche Eltern scheuen sich davor, ihr Kind zu berühren, aus der Sorge, dem zerbrechlich wirkenden Baby wehzutun. Dabei fördert häufiges "Känguruhen" nachweislich einen erholsameren Schlaf, eine stabilere Atmung und eine Senkung des Stresslevels bei den Kindern.
Schwester Gabriele entwickelte die Idee einer Decke, die um den Körper von Eltern und Kind gewickelt und sicher fixiert werden kann. Ziel war es, eine Lösung zu schaffen, die für beide Elternteile gut nutzbar, für alle Körpergrößen passend und einfach zu handhaben ist. Das Team des Haptik-Forschungszentrums Leipzig (HFZ) entwickelte auf Basis ihrer Skizzen innerhalb von vier Monaten einen Prototyp, der am UKL getestet wurde.
Bei der Entwicklung wurden die notwendige Deckengröße ermittelt, Stoffproben analysiert und schließlich das Material sowie die Größen festgelegt. Die Anforderungen an den Stoff waren hoch: keine Schadstoffe, Waschbarkeit bei hohen Temperaturen, eine dehnbare und weiche Oberfläche sowie elternfreundliche Farben und Muster.
Besondere Bindung zu Frühchen aufbauen: Känguruhn - Besondere Variante des Bonden
Sicherheit und Komfort für Eltern und Kind
Mit der speziellen Decke können nun Kinder und Eltern am UKL warm und sicher die wichtigen ersten Momente des engen Beisammenseins genießen. „Wir bieten allen Müttern und Vätern das Tuch an und wünschen uns, dass die Eltern es bevorzugt nutzen, um eine stärkere und sichere Bindung zum Kind aufzubauen“, erklärt Schwester Gabriele.
Die Decke bietet ausreichend Sicherheit, sodass Eltern auch bedenkenlos einschlafen dürfen, obwohl die Überwachung der Vitalparameter durch zentrale Systeme stets gewährleistet ist. Selbst Zwillinge können gleichzeitig unter die Decke passen.
Ein weiterer Vorteil: Müttern ist es nun möglich, am Inkubator oder Bett des Kindes Muttermilch abzupumpen und gleichzeitig durch den Hautkontakt Sicherheit und Geborgenheit herzustellen.
Prof. Martin Grunwald zeigt sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Projekts. Er betont, dass auf der Neonatologie des UKL alles getan wird, um den Kontakt zwischen Eltern und Kind so angenehm wie möglich zu gestalten, und freut sich, dazu einen Beitrag geleistet zu haben. Bei Verfügbarkeit weiterer Finanzmittel könnte sich Grunwald vorstellen, den Einsatz der Frühchen-Decke auch wissenschaftlich zu evaluieren.
Entwicklungsfördernde Betreuung und individuelle Versorgung
Auf der Frühgeborenen-Station ist es für Pflegefachkräfte essenziell, extrem sensibel zu sein und schnell auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder zu reagieren, da sich deren Konditionen sehr schnell ändern können. Säuglinge und Frühgeborene können ihre eigenen Bedürfnisse nicht mitteilen, daher ist es umso wichtiger, mit ihnen in Beziehung zu treten, ihre Körpersprache zu verstehen und Signale zu erkennen.
Alle pflegerischen und medizinischen Interaktionen orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen der Kinder. Die Bindung zu ihren Eltern ist für Frühchen und ihre Entwicklung von besonderer Bedeutung. Auf der Frühgeborenen-Station werden Eltern daher von Beginn an in die Pflege und Versorgung der kleinen Patienten einbezogen.
Die Versorgung von Säuglingen und Frühgeborenen richtet sich nicht nach festen Uhrzeiten, sondern orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen der Kleinen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Entwicklungsprozesse
Vor und nach der Geburt der kleinen Patienten arbeiten Pflegefachkräfte und Ärzte in interdisziplinären Teams zusammen. Vor der Geburt findet ein enger Austausch zwischen dem Team der Frühgeborenen-Station und den Kolleginnen und Kollegen der Geburtshilfe und des Kreißsaals statt.
Es ist beeindruckend, den Entwicklungsprozess der kleinsten Patienten zu beobachten - von einem 500 Gramm schweren Frühgeborenen hin zu einem Baby mit zwei oder drei Kilogramm Gewicht.