Manfred-Roth-Stiftung fördert Studie zur Beckenendlage

Die Entscheidung, ob eine vaginale Geburt oder ein Kaiserschnitt bei einer Beckenendlage des Kindes die beste Option ist, stellt Ärzte und werdende Eltern oft vor Herausforderungen. Wissenschaftlich ist bislang nicht eindeutig geklärt, welche Entbindungsform in solchen Fällen zu empfehlen ist, insbesondere fehlen Langzeitdaten zur Entwicklung der Kinder. Um diese Lücke zu schließen, wird am Klinikum Nürnberg eine Studie durchgeführt, die von der Manfred-Roth-Stiftung Fürth mit 15.000 Euro gefördert wird.

Herausforderungen der Beckenendlage

Bei etwa fünf Prozent der Schwangerschaften liegt das Kind zum Geburtstermin nicht mit dem Kopf nach unten, sondern in einer sogenannten Beckenendlage. Dies bedeutet, dass der Po oder die Füße des Kindes zuerst geboren werden, was als Steißgeburt bezeichnet wird. Eine besondere Herausforderung bei der Steißgeburt ist, dass der Kopf des Kindes noch im Becken der Mutter verbleibt, während der Körper bereits geboren ist. Dies verhindert, dass das Baby sofort nach der Geburt Luft holen kann. Gleichzeitig nimmt die Sauerstoffversorgung über die Nabelschnur ab, weshalb der Sauerstoffversorgung des Ungeborenen während der Geburt besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Grafische Darstellung einer Beckenendlage des Fötus

Erfahrungen und Studien am Klinikum Nürnberg

Das Klinikum Nürnberg verfügt über umfangreiche Erfahrungen mit der Entbindung von Kindern in Beckenendlage, die bei etwa 150 der rund 3000 Geburten pro Jahr vorkommt. Die Chefärztin der Frauenklinik, Prof. Dr. Cosima Brucker, betont, dass in erfahrenen Entbindungsstationen mit speziellen Handgriffen fast immer eine unkomplizierte vaginale Geburt möglich ist. Diese Handgriffe erfordern jedoch regelmäßiges Training der Geburtshelfer, da sie über das Grundlagenwissen hinausgehen.

In weniger erfahrenen Kliniken wird bei Kindern in Beckenendlage oft der Kaiserschnitt als risikoärmere Option vorgezogen. Das Klinikum Nürnberg weist jedoch darauf hin, dass Kaiserschnitte, insbesondere bei Folgeschwangerschaften, eigene Risiken bergen können. Aktuelle Daten des Klinikums Nürnberg sowie internationale wissenschaftliche Literatur deuten darauf hin, dass eine Kaiserschnittgeburt bei Beckenendlage für das Neugeborene keine Vorteile gegenüber einer vaginalen Geburt bringt, zumindest was den unmittelbaren Zeitraum nach der Geburt betrifft.

Ziel der Studie und Förderung durch die Manfred-Roth-Stiftung

Die von der Manfred-Roth-Stiftung geförderte Studie am Klinikum Nürnberg zielt darauf ab, Langzeitdaten über die Entwicklung von Kindern zu sammeln, die in Beckenendlage geboren wurden. Im Rahmen der Studie werden die Kinder zwei Jahre nach der Geburt auf ihre weitere Entwicklung hin untersucht. Insgesamt werden 450 Eltern angeschrieben, deren Kinder im Klinikum Nürnberg zwischen 2014 und 2016 in Beckenendlage geboren wurden. Ihnen wird eine zusätzliche Untersuchung des Kindes angeboten, um dessen Entwicklungsstand zu beurteilen. Zudem werden ihre persönlichen Erfahrungen mit der Geburt und mögliche daraus resultierende Konsequenzen erfragt.

Die Manfred-Roth-Stiftung, benannt nach dem verstorbenen NORMA-Gründer, unterstützt eine Vielzahl wissenschaftlicher, sozialer und kultureller Einrichtungen. Mit der Förderung dieser Studie unterstreicht die Stiftung ihr Engagement für die Verbesserung der medizinischen Versorgung und die wissenschaftliche Erforschung von Geburtshilfe.

Beckenendlage I wie kommt es dazu I wie dreht man das Baby

Internationale Forschung und methodische Überlegungen

Die Entscheidungspraxis bezüglich vaginaler Geburt oder Kaiserschnitt bei Beckenendlage wurde auch durch frühere Studien beeinflusst. Eine international beachtete Studie, das "Term Breech Trial" aus dem Jahr 2000, veröffentlicht im "Lancet", hatte zunächst eine erhöhte Erkrankungs- und Sterberate bei Neugeborenen nach vaginaler Steißgeburt im Vergleich zum Kaiserschnitt festgestellt. Diese Studie wies jedoch methodische Mängel auf, darunter die Studiendauer und die unterschiedliche Qualifikation der beteiligten Geburtshelfer. Spätere Studien, die diese Einschränkungen berücksichtigten, kamen zu dem Schluss, dass die Ergebnisse von vaginaler Geburt und Kaiserschnitt bei Beckenendlage ähnlich sind, wobei Langzeitdaten weiterhin eine wichtige Forschungslücke darstellen.

Die Studie am Klinikum Nürnberg soll hierzu wichtige neue Erkenntnisse liefern und voraussichtlich 2018 vorgestellt und veröffentlicht werden. Ziel ist es, Eltern bei ihrer Entscheidung für eine Entbindungsform mehr Sicherheit zu geben.

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