Die Preisunterschiede bei Nahrungsergänzungsmitteln für Schwangere sind enorm. Nehmen Frauen das teuerste Produkt im Test während der gesamten Schwangerschaft, sind sie mehr als 500 Euro los. Die Stiftung Warentest hat 14 Kombipräparate und drei reine Folsäure-Präparate untersucht. Bei einem Kombipräparat im Test lag die Tagesdosis für Folsäure unter den wissenschaftlichen Empfehlungen für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch, weshalb es als wenig geeignet eingestuft wurde. Laut Anbieter ist dieses Produkt jedoch inzwischen nicht mehr erhältlich. Acht weitere Kombipräparate sind nur mit Einschränkung geeignet, da sie ein Spurenelement enthalten, das Schwangere nur ergänzen sollten, wenn sie nachweislich unterversorgt sind. Viele der aufgeführten Inhaltsstoffe wie Vitamine von A bis K, Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Kalzium und Zink sind bei einer ausgewogenen Ernährung oft überflüssig.

Warum Folsäure und Jod unverzichtbar sind
Schwangere haben einen erhöhten Bedarf an vielen Vitaminen und Mineralstoffen. Diesen können sie in der Regel durch sorgfältig ausgewählte Lebensmittel decken - mit Ausnahme von Folsäure und Jod. Folsäure sollten Frauen bereits einnehmen, wenn sie planen, schwanger zu werden, da sie das Risiko für einen Neuralrohrdefekt (offener Rücken) des Kindes verringern kann. Jod ist wichtig für die geistige und körperliche Entwicklung des Embryos. Viele Präparate enthalten neben Folsäure und Jod weitere Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Schwangere eine Supplementierung von 400 µg Folsäure pro Tag in den vier Wochen vor der Empfängnis und im ersten Trimenon. Zusätzlich ist eine folatreiche Ernährung zur Deckung des Gesamttagesbedarfs von 550 µg notwendig. Für Schwangere empfiehlt die DGE zudem eine tägliche Supplementierung von 100 bis 150 Mikrogramm Jod, nach ärztlicher Rücksprache. Ein Jodmangel in der Schwangerschaft kann zu Schilddrüsenproblemen bei Mutter und Kind sowie zu einem erhöhten Fehl- und Totgeburtsrisiko führen. Auch in der Stillzeit ist der Jodbedarf noch erhöht.
Hintergründe und Empfehlungen zur Nahrungsergänzung
Das Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln für Schwangere, Stillende und Menschen mit Kinderwunsch ist riesig. Es gibt Produkte mit Vitaminen, Mineralstoffen und sonstigen Stoffen in verschiedensten Zusammensetzungen. Für Männer mit Kinderwunsch gibt es derzeit keine allgemeinen Empfehlungen, bestimmte Nährstoffe zu ergänzen.
Bei Folsäure ist es wichtig, dass Frauen bereits bei Kinderwunsch mit der Einnahme beginnen und diese bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortsetzen. Schwangere und Stillende mit Schilddrüsenerkrankungen sollten die passende Jodzufuhr zuerst mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Einige Produkte sind sowohl mit als auch ohne Jod erhältlich.
Eine zusätzliche Ergänzung von Eisen brauchen Schwangere nur, wenn eine Unterversorgung ärztlich festgestellt wurde. Denn nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel Eisen kann das Risiko für Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht erhöhen. Bei den Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft wird der Hämoglobin-Wert (Hb) regelmäßig überprüft. Auch nach der Geburt werden die Blutwerte der Mutter untersucht. Der Hämoglobin-Wert sagt jedoch nichts über den Zustand der Eisenspeicher aus. Daher ist es sinnvoll, zu Beginn der Schwangerschaft zusätzlich zum Hämoglobin- auch den Serum-Ferritin-Wert messen zu lassen. Wird eine Unterversorgung oder ein Mangel festgestellt, können gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt geeignete Maßnahmen besprochen werden.
Alle übrigen Vitamine und Mineralstoffe können auch in der Schwangerschaft und Stillzeit über eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit herkömmlichen Lebensmitteln ausreichend aufgenommen werden. Dies gilt auch für Docosahexaensäure (DHA), die für die Entwicklung von Gehirn, Nerven und Augen des Kindes eine entscheidende Rolle spielt. Der Bedarf von 200 Milligramm (mg) am Tag lässt sich mit ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche (davon mindestens einmal fettreicher Meeresfisch wie Lachs, Makrele, Hering oder Sardine) gut decken. Schwangere, die selten oder keinen fettreichen Meeresfisch essen, können täglich 200 Milligramm DHA über Kapseln oder spezielles Öl aufnehmen.
Wichtig ist auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D. Über die Ernährung wird nur wenig Vitamin D aufgenommen. Durch Sonnenstrahlung auf die Haut bildet der Körper selbst Vitamin D. Nur wenn diese eigene Vitamin-D-Bildung im Körper nicht ausreicht, sollten täglich 20 Mikrogramm Vitamin D ergänzt werden. Diese Empfehlung gilt für alle, unabhängig von Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit. Insbesondere bei Menschen, die sich nur selten draußen aufhalten, ihren Körper das ganze Jahr über vollständig mit Kleidung bedecken oder dunkle Haut haben, kann die Vitamin-D-Versorgung über die Haut nicht ausreichen.

Kritische Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln im Test
Ökotest hat 22 verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, die für Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere und gegebenenfalls auch Stillende ausgelobt sind, getestet. Acht Präparate erhielten die Note "gut". In manchen Fällen wurden die Folsäure-Dosierungen bemängelt. In einem Folsäure-Präparat im Test wurde Titandioxid gefunden. Formal ist das erlaubt, da bis August 2022 ausgelieferte Nahrungsergänzungsmittel noch verkauft werden dürfen. Der betroffene Hersteller hat jedoch zugesagt, das Weißpigment aus der Rezeptur zu entfernen.
Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere haben einen erhöhten Folsäurebedarf, der durch die Ernährung oft nicht ausreichend gedeckt werden kann. Deshalb wird die Einnahme von Folsäurepräparaten empfohlen, ab Kinderwunsch bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche (SSW). Bis auf zwei Präparate enthielten alle getesteten Produkte auch Jod. Das Ergebnis: Acht Produkte konnten mit der Note "gut" empfohlen werden.
Die Tester kritisierten, dass viele Präparate neben Folsäure und Jod eine ganze Reihe verschiedener Vitamine und Spurenelemente enthalten, die teilweise die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlenen Tageshöchstmengen überschreiten. Zwölf der 22 getesteten Präparate enthielten Nährstoffe oberhalb der vom BfR empfohlenen Höchstmengen. Dies kann Risiken bergen: Wenn beispielsweise Eisen überdosiert wird, kann sich das Frühgeburtsrisiko erhöhen. Ob zusätzliche Nährstoffe eingenommen werden sollten, kann ein Arzt anhand einer Blutuntersuchung entscheiden.
Besonders bemängelt wurden auch umstrittene Hilfsstoffe wie Titandioxid und Carboxymethylcellulose, die in einigen gängigen Produkten wie Femibion® 1 und 2, Doppelherz® System Schwangere+Mütter und Elevit® 1 gefunden wurden. Titandioxid ist als Lebensmittelzusatzstoff in der EU seit August 2022 verboten.
Lediglich vier Produkte der Folio®-Reihe sowie Menssana Multi für Schwangere + DHA erhielten die Bewertung "gut". Diese Produkte enthalten die offiziell empfohlene Tagesdosis an Folsäure (400 bzw. 800 Mikrogramm pro Tag) und Jod (100-150 Mikrogramm pro Tag).
Folsäure
Auswahlkriterien für Kinderwunsch-Kapseln
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel im Bereich der Fruchtbarkeitsförderung wächst stetig. Bei der Auswahl von Kinderwunsch-Kapseln sind verschiedene Testkriterien entscheidend, um die Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der Produkte zu gewährleisten:
- Wirksamkeit: Studien und klinische Tests, die die positive Wirkung der Inhaltsstoffe auf die Fruchtbarkeit belegen.
- Sicherheit: Produkte sollten auf mögliche Nebenwirkungen getestet und idealerweise von anerkannten Gesundheitsorganisationen als sicher eingestuft sein.
- Inhaltsstoffqualität: Hochwertige, reine Inhaltsstoffe ohne unnötige Zusatzstoffe.
- Zusammensetzung und Dosierung: Eine klar definierte Zusammensetzung und die Angabe von Dosierungen.
- Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Kundenbewertungen: Echte Bewertungen von Nutzern.
- Herstellerreputation: Ein seriöser und transparenter Hersteller.
Es ist wichtig, dass die Kapseln essenzielle Vitamine und Mineralstoffe enthalten, die für die Fruchtbarkeit förderlich sind. Die Herkunft der Zutaten spielt eine wesentliche Rolle für die Qualität. Bevorzugen Sie Produkte, deren Zutaten aus nachhaltigem und kontrolliertem Anbau stammen.
Bekannte Marken und Produktbeispiele
- Femibion: Bietet Nahrungsergänzungsmittel speziell für Frauen in der Schwangerschaft und Planungsphase.
- Orthomol Fertil Plus: Speziell auf die Bedürfnisse von Männern zugeschnitten zur Unterstützung der Spermienqualität.
- Profertil: Bekannt für spezialisierte Produkte zur Unterstützung der männlichen Fruchtbarkeit.
- Doppelherz: Bietet eine breite Palette von Nahrungsergänzungsmitteln, einschließlich solcher für den Kinderwunsch.
- Biolectra: Konzentriert sich auf Magnesiumsupplemente, die auch für Paare mit Kinderwunsch relevant sein können.
- Vitamaze: Bietet hochwertige Nahrungsergänzungsmittel, darunter auch Produkte für Paare mit Kinderwunsch.
- Amitamin: Spezialisiert auf die Entwicklung von Ergänzungsmitteln für verschiedene Gesundheitsbereiche, einschließlich Fruchtbarkeit.
Die Wirkung von Kinderwunsch-Kapseln kann individuell variieren. Die meisten sind gut verträglich, doch vereinzelt können Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden auftreten.
Alternativen und ergänzende Maßnahmen
Während Kinderwunsch-Kapseln eine beliebte Option für Paare darstellen, die ihren Kinderwunsch verwirklichen möchten, gibt es auch eine Reihe von effektiven Alternativen. Eine verbesserte Ernährung und gesteigerte körperliche Aktivität sind grundlegende Faktoren, die einen signifikanten Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben können. Eine ausgewogene Ernährung, reich an Vitaminen und Mineralien, unterstützt die hormonelle Balance und fördert die allgemeine Gesundheit, was wiederum die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen kann.
Für Paare, bei denen Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen, bieten sich medizinische Behandlungen wie die In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder die Intrauterine Insemination (IUI) als Alternativen an. IVF ist ein Verfahren, bei dem Eizellen außerhalb des Körpers befruchtet und anschließend in die Gebärmutter eingesetzt werden. Die Wahl der geeigneten Methode hängt von individuellen Bedürfnissen, gesundheitlichen Bedingungen und persönlichen Vorlieben ab.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn Sie schwanger sind oder sich ein Baby wünschen, achten Sie beim Kauf von Schwangerschaftsvitaminen bzw. Nahrungsergänzungsmitteln auf die korrekte Dosierung von Folsäure (400 bzw. 800 Mikrogramm pro Tag) und Jod (100-150 Mikrogramm pro Tag). Nur diese beiden Nährstoffe sollten Schwangere grundsätzlich in Form eines Nahrungsergänzungsmittels einnehmen. Setzen Sie bei einer Vielzahl an weiteren Vitaminen lieber auf eine ausgewogene Ernährung. Sollte Ihr Arzt bei einer Blutuntersuchung einen konkreten Mangel feststellen, können spezifische Vitamine, Spurenelemente oder Mineralstoffe gezielt supplementiert werden.
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