Kind schläft mit 7 Jahren noch im Elternbett: Erfahrungen und Lösungsansätze

Irgendwann ziehen sie tatsächlich aus: aus unseren Wohnungen und viel früher noch aus unseren Betten. Viele Kinder kommen noch eine ganze Weile - bis ins Schulalter hinein - in die Elternbetten, wenn sie nachts aufwachen, schlecht geträumt haben oder „einfach“ etwas Nähe brauchen. Nächtliche Wanderungen, angezogen vom Elternbett wie von einem Magneten.

Im Schlaf sind wir verletzlich, bekommen kaum etwas aus der Umgebung mit. Es ist ganz natürlich, dass wir in diesem Zustand lieber geschützt neben anderen liegen und uns gemeinsam behüten. Wie viel Wärme schenkt ein Körper, der neben einem liegt anstatt nur von einer Decke gewärmt zu werden?

Als Erwachsener können wir auf all diese Fragen antworten und erklären, dass es sich wohlig-warm anfühlt, neben unserem Partner oder unserer Partnerin schlafen zu können. Es ist richtig so, fühlt sich gut an. Natürlich ist es all dies auch für unsere Kinder. Wenn wir uns Schutz, Nähe und Geborgenheit wünschen, wie viel mehr gilt das dann für sie, die so viel kleiner, ungeschützter und viel kürzer auf dieser Welt sind? Und das auch mit sechs, sieben, acht, neun Jahren. Kinder sind vor allem eins: Kinder. Sie sind Menschen, müssen ebenso respektvoll betrachtet werden wie wir Erwachsene, haben gleiche Rechte und darüber hinaus noch einige weitere Bedürfnisse. Doch das Maß, das wir an uns und unser Wohlbefinden ansetzen, ist das Mindestmaß, das wir bei ihnen ansetzen sollten.

Wenn Du Dich heute Nacht fragst: Warum kommt mein Kind wieder ins Elternbett? Dann denke daran, was diese Geste eigentlich aussagt. Sie sagt, dass Dein Kind Nähe braucht und diese bei Dir sucht, denn Du bist der sichere Hafen. Du gibst Wärme, Liebe, Sicherheit, Geborgenheit. Du verscheuchst die bösen Träume, Du hilfst durch die Nacht. Du bist eine Heldin. Ein Held. Einfach nur deswegen, weil Du da bist. Gute Nacht.

Illustration eines Kindes, das nachts zu den Eltern ins Bett krabbelt.

Unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen

Die Frage, wie lange es denn "normal" sei, dass Kinder ins Elternbett kommen, beschäftigt viele Eltern. Die Antworten und Erfahrungen sind dabei ebenso vielfältig wie die Kinder selbst.

Persönliche Erfahrungen von Eltern

  • Manche Eltern berichten, dass ihr großer Sohn, mittlerweile neun Jahre alt, auch noch sehr oft zu ihnen rüberkommt, phasenweise jede Nacht.
  • Ein anderer Fall beschreibt ein Kind, das von Geburt an Schwierigkeiten hat, im eigenen Bett zu schlafen. Trotz des Angebots eines schönen Zimmers mit Nachtlicht und offener Tür kommt das Kind nachts stets ins Bett der Eltern.
  • Bei einigen Familien klappt das gemeinsame Schlafen gut, solange alle Beteiligten damit einverstanden sind. Ein größeres Bett, wie beispielsweise ein Familienbett mit 2,40 m Breite, kann hier eine Lösung sein.
  • Es gibt auch Eltern, die es nachvollziehen können, wenn Kinder mit 7, 8 oder sogar 9 Jahren noch im Elternbett schlafen, insbesondere wenn es ihnen Sicherheit gibt, beispielsweise in unsicheren Zeiten wie nach einer Trennung der Eltern oder bei gesundheitlichen Problemen.
  • Einige Eltern empfinden das nächtliche Wandern des Kindes jedoch als störend. Sie schlafen schlecht, das Kind nimmt viel Platz im Bett weg und tritt oder strampelt. In solchen Fällen wird nach Lösungen gesucht, die den Bedürfnissen aller gerecht werden.
  • Die Erfahrung zeigt, dass Kinder unterschiedlich sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Bei manchen Kindern hört das nächtliche Kommen ins Elternbett spätestens mit dem Eintritt ins Jugendalter auf.
  • Manche Eltern setzen klare Grenzen, indem sie beispielsweise feste Tage vereinbaren, an denen das Kind ins Elternbett kommen darf, oder indem sie das Kind konsequent in sein eigenes Bett zurückbringen.
  • Es gibt auch die Erfahrung, dass Kinder, die nachts unbewusst zu den Eltern wandern, dies tun, weil sie sich in ihrem eigenen Zimmer nicht wohlfühlen oder nicht zur Ruhe kommen.
  • Einige Eltern berichten, dass ihre Kinder erst mit 10 oder 11 Jahren das Familienbett verlassen haben oder nur noch sehr selten zu ihnen kommen.
  • Die Trennung der Eltern kann bei Kindern zu Verlustängsten führen, was wiederum das Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit verstärkt und dazu führen kann, dass sie wieder vermehrt im Elternbett schlafen möchten.
Infografik mit verschiedenen Altersangaben, bis zu welchem Alter Kinder typischerweise noch im Elternbett schlafen.

Mögliche Kompromisse und Lösungsansätze

Wenn das gemeinsame Schlafen im Elternbett für alle Beteiligten nicht mehr ideal ist, gibt es verschiedene Kompromisse und Lösungsansätze:

  • Eine Matratze neben dem Elternbett: Dies bietet dem Kind die Möglichkeit, in der Nähe der Eltern zu schlafen, ohne den Schlaf der Eltern stark zu beeinträchtigen.
  • Ein größeres Bett: Die Anschaffung eines größeren Bettes, eines sogenannten Familienbettes, kann ausreichend Platz für alle Familienmitglieder schaffen.
  • Klare Absprachen und Konsequenz: Eltern können mit ihren Kindern offen über ihre Bedürfnisse sprechen und klare Regeln aufstellen. Wenn das Kind dennoch ins Elternbett kommt, wird es konsequent, aber liebevoll, in sein eigenes Bett zurückgebracht.
  • Schrittweise Entwöhnung: Ein Elternteil kann zunächst im Zimmer des Kindes schlafen, zunächst im eigenen Bett des Kindes, dann auf einer Matratze daneben. Ziel ist es, das Kind schrittweise an das Schlafen in seinem eigenen Zimmer zu gewöhnen.
  • Das Gespräch suchen: Eltern sollten versuchen herauszufinden, warum das Kind nachts zu ihnen kommt. Liegt es an Angst, Unsicherheit oder einfach an Gewohnheit? Die Ursache zu kennen, hilft bei der Lösungsfindung.
  • Eigene Bedürfnisse nicht vernachlässigen: Eltern haben ebenfalls Bedürfnisse, und dazu gehört auch ein erholsamer Schlaf. Es ist wichtig, dass Eltern nicht nur die Bedürfnisse ihrer Kinder, sondern auch ihre eigenen berücksichtigen.
  • Feste Regeln für das Elternbett: Vereinbarungen können getroffen werden, wann das Kind im Elternbett schlafen darf (z.B. bei Krankheit, schlechten Träumen) und wann nicht.
  • Ein eigener Schlafplatz im Elternschlafzimmer: Manche Familien lösen das Problem, indem sie ein zusätzliches Bett oder eine Matratze im Schlafzimmer der Eltern aufstellen.

Wissenschaftliche und fachliche Perspektiven

Die Meinungen von Kinderärzten und Experten zum Thema Co-Sleeping gehen auseinander. Dennoch gibt es einige allgemeine Empfehlungen und Erkenntnisse:

Bedürfnisorientierte Erziehung vs. elterliche Bedürfnisse

Kindliche Bedürfnisse nach Nähe, Zuwendung, Sicherheit und Liebe zu stillen, hat nichts mit Verwöhnen zu tun. Wenn Kinder müde werden, steigt in der Regel ihr Bedürfnis nach Geborgenheit. Das Schlafen im Elternbett kann diesem Bedürfnis entgegenkommen.

Gleichzeitig ist es wichtig, auch die Bedürfnisse der Eltern zu berücksichtigen. Wenn das gemeinsame Schlafen den erholsamen Nachtschlaf der Eltern beeinträchtigt, sollten sie sich nicht scheuen, das Kind behutsam an das eigene Bett zu gewöhnen.

Risiken und Sicherheit beim Co-Sleeping

Experten weisen darauf hin, dass das Risiko eines plötzlichen Kindstods (SIDS) durch das Schlafen im Elternbett erhöht sein kann, beispielsweise durch Überhitzung des Kindes oder durch das Risiko, dass das Kind unter die Decke gerät. Um die Sicherheit zu erhöhen, sollten nur Nichtraucher gemeinsam mit dem Kind im gleichen Bett schlafen. Ebenso stellen Alkohol-, Medikamenten- oder Drogeneinfluss eine ernste Gefahr dar.

Schema zur sicheren Schlafumgebung im Familienbett, mit Hinweisen zu Rauchern, Alkohol und Bettzeug.

Entwicklung und Selbstständigkeit

Die Frage, ob das Schlafen im Elternbett die Entwicklung und Selbstständigkeit von Kindern beeinträchtigt, wird kontrovers diskutiert. Viele Eltern von Kindern, die lange im Familienbett schliefen, berichten von selbstständigen und selbstbewussten Kindern. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Co-Sleeping per se schädlich für die Entwicklung ist. Oftmals sind es äußere Unsicherheiten, die dazu führen, dass Kinder mehr Nähe suchen.

Die Autonomiephase, die etwa um den dritten Geburtstag beginnt, kann ein Anstoß für Kinder sein, im eigenen Bett schlafen zu wollen. Wenn Eltern dies jedoch nicht wünschen, können sie das Kind behutsam ermutigen, im eigenen Zimmer zu schlafen, wobei Geduld und eine positive Schlafumgebung im eigenen Zimmer entscheidend sind.

Zeitrahmen für das Schlafen im Elternbett

  • Babys und Kleinkinder: Sie haben ein sehr hohes Bedürfnis nach Körperkontakt und Sicherheit. Das Schlafen im Elternbett kann für stillende Mütter eine Erleichterung sein.
  • Bis zum fünften Lebensjahr: Manche Kinder schlafen bis zu diesem Alter regelmäßig im Familienbett.
  • Ab dem Schulalter (ca. 6-7 Jahre): Kinderärzte sehen ab diesem Alter eher ein ernst zu nehmendes Problem, wenn das Kind noch regelmäßig im Elternbett schläft. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass es schädlich ist.
  • Bis ins Jugendalter: Es gibt Berichte von Kindern, die bis zum Alter von 10, 11, 13 oder sogar 14 Jahren im Elternbett schliefen. Letztendlich entscheiden die Familien selbst, welches Schlafarrangement für sie passend ist.

Wann ist es Zeit für eine Veränderung?

Der Zeitpunkt, an dem Kinder aus dem Elternbett ausziehen, ist individuell und hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig ist, dass die Entscheidung im Einklang mit den Bedürfnissen und dem Wohlbefinden aller Familienmitglieder getroffen wird.

Die Rolle der Eltern

Eltern sind gefordert, eine Balance zwischen den Bedürfnissen ihrer Kinder und ihren eigenen zu finden. Wenn das gemeinsame Schlafen zu einer Belastung wird, ist es ratsam, aktiv nach Lösungen zu suchen. Dies erfordert Geduld, Konsequenz und eine offene Kommunikation mit dem Kind.

Das Kind verstehen

Es ist hilfreich, die Gründe für das nächtliche Kommen des Kindes zu verstehen. Handelt es sich um eine Phase, die durch äußere Umstände (z.B. Schulbeginn, Veränderungen im Umfeld) ausgelöst wurde, oder ist es eine tiefere Unsicherheit? Das Gespräch mit dem Kind kann hierbei wertvolle Hinweise liefern.

Die Abgewöhnung

Je länger das Kind im Elternbett schläft und den Schlaf der Eltern stört, desto schwieriger kann die Abgewöhnung sein. Ein konsequentes, aber liebevolles Vorgehen ist hierbei entscheidend. Die Umstellung kann etwa 21 Tage dauern.

Baby vom Elternbett ans eigene Babybett gewöhnen + Abendroutine

Letztendlich gibt es keine pauschale Antwort darauf, wie lange ein Kind im Elternbett schlafen darf. Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden, der für alle Beteiligten funktioniert. Wichtig ist, dass die Entscheidung auf Liebe, Verständnis und dem Wohlbefinden des Kindes basiert, ohne die Bedürfnisse der Eltern zu vernachlässigen.

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