Epoxidharz ist ein vielseitiges Material, das sich hervorragend für DIY-Projekte wie Modeschmuck und Dekorationsartikel eignet. Es lässt sich mit Pigmenten und Einschlüssen individuell gestalten. Epoxidharz ist ein flüssiges, selbsthärtendes Polymer, das aus zwei Komponenten besteht: Harz (Komponente A) und Härter (Komponente B). Nach dem Mischen härten die Komponenten zu einem festen, glänzenden Material aus. Dieser Prozess, die Katalyse, dauert etwa zwei Wochen, aber das Material ist bereits nach 24 bis 72 Stunden hart genug, um aus der Form genommen zu werden. Während der Aushärtungszeit ist es wichtig, die Kreationen vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, um Vergilbung zu vermeiden.
Die Verarbeitung von Epoxidharz erfordert die Einhaltung bestimmter Protokolle, um Fehler zu vermeiden und ein optimales Ergebnis zu erzielen. Insbesondere für Anfänger ist es wichtig, sich der potenziellen Risiken bewusst zu sein und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
Sicherheitsmaßnahmen bei der Verarbeitung von Epoxidharz
Bei der Katalyse von Epoxidharz wird Wärme freigesetzt (exothermes Phänomen), begleitet von potenziell giftigen und gesundheitsschädlichen Dämpfen. Daher sind umfassende Schutzmaßnahmen unerlässlich:
- Atemschutz: Tragen Sie eine geeignete und wirksame Atemschutzmaske.
- Belüftung: Arbeiten Sie stets in einem gut belüfteten Raum.
- Körperschutz: Verwenden Sie Kleidung mit langen Ärmeln und Nitrilhandschuhe (Latexhandschuhe sind nicht geeignet). Hautkontakt kann zu Juckreiz und allergischen Reaktionen führen.
- Augenschutz: Tragen Sie eine spritzwassergeschützte Schutzbrille, um Ihre Augen vor Spritzern zu schützen, da Epoxidharz reizend wirken kann.
- Haarschutz: Binden Sie die Haare zusammen, um zu verhindern, dass sie in das Harz gelangen.
- Aufbewahrung und Isolierung: Lagern Sie das Harz in einer luftdichten Plastikbox, um Luftverschmutzung zu vermeiden. Schützen Sie Ihre Kreationen unter einer Glocke vor Staub und isolieren Sie giftige Dämpfe.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für gefährdete Personengruppen
Es ist strikt davon abzuraten, dass Kinder mit Epoxidharz arbeiten, da sie empfindlich auf chemische Dämpfe reagieren können. Ebenso wird Schwangere und stillende Frauen dringend davon abgeraten, mit Epoxidharz zu arbeiten, um mögliche Risiken für sich und ihr Baby zu vermeiden. Diese Beschäftigungsbeschränkung ist im Mutterschutzgesetz geregelt.
Haustiere sollten während der Verarbeitung von Epoxidharz isoliert werden, um sowohl ihre Gesundheit zu schützen als auch zu verhindern, dass Tierhaare in das Harz gelangen.
Während der Arbeit mit Epoxidharz ist es außerdem wichtig, nicht zu trinken, zu essen oder zu rauchen, um das Einatmen giftiger Dämpfe zu vermeiden.
Einfluss der Arbeitsumgebung und der Werkzeuge
Die Arbeitsumgebung und die verwendeten Werkzeuge spielen eine entscheidende Rolle für das Gelingen von Epoxidharzprojekten.
Klimatische Bedingungen und Lagerung
- Temperatur: Die Geschwindigkeit der Katalyse wird von der Raumtemperatur beeinflusst. Höhere Temperaturen beschleunigen die Aushärtung, während niedrigere Temperaturen sie verlangsamen. Die ideale Verarbeitungstemperatur liegt zwischen 20 und 25 °C.
- Luftfeuchtigkeit: Hohe Luftfeuchtigkeit kann die Klarheit und Transparenz des Harzes beeinträchtigen und zu undurchsichtigen Stellen auf den Kreationen führen. Bei feuchtem Wetter kann sich ein weißer Schleier auf der Oberfläche bilden.
- Lagerung: Epoxidharz sollte bei Temperaturen zwischen 15 und 30 °C gelagert werden, geschützt vor Hitze, Licht und Feuchtigkeit. Nach dem Öffnen sollte das Harz innerhalb von 6 Monaten bis zu einem Jahr verwendet werden.
- Direkte Sonneneinstrahlung: Arbeiten im Freien unter direkter Sonneneinstrahlung ist nicht ratsam, da die Sonnenstrahlen das Harz vorzeitig vergilben lassen und Staub, Pollen sowie Insekten in die Kreation gelangen können.
Vorbereitung der Arbeitsfläche und der Werkzeuge
- Arbeitsfläche: Schützen Sie die Arbeitsfläche mit einer Silikonmatte, Kristallfolie oder Backpapier, da Epoxidharz nicht an diesen Materialien haftet und die Reinigung erleichtert. Die Fläche muss sauber, trocken und eben sein.
- Formen: Die Formen müssen sauber und gut getrocknet sein. Staub, Schmutz und Haare können mit Klebeband oder Fixierpaste entfernt werden. Bei starker Verschmutzung kann eine Seifenlösung verwendet werden. Aceton kann als letztes Mittel dienen, kann aber die Formen auf Dauer beschädigen und ihren Glanz mindern. Formen sollten flach und staubgeschützt gelagert werden, um Verformungen zu vermeiden.
- Harzbehälter: Reinigen Sie die Flaschenhälse vor dem Wiederverschließen des Harzes. Verwechselte Verschlüsse können das Harz unbrauchbar machen. Silikonbecher sind praktisch und leicht zu reinigen.
- Werkzeuge: Werkzeuge können mit Aceton gereinigt werden.
Entsorgung von Abfällen
Abfälle, die Epoxidharz enthalten, dürfen nicht im Hausmüll entsorgt werden, sondern müssen einer speziellen Sammelstelle für gefährliche Abfälle zugeführt werden.
Auswahl des richtigen Epoxidharzes
Es gibt verschiedene Arten von Epoxidharz, die für unterschiedliche Projekte geeignet sind:
- Gießharz (Casting Resin): Geeignet für Güsse von 4 mm bis 10 cm Dicke. Es ist transparent, hat eine niedrige Viskosität und ist ideal für Schmuck, Figuren und Dekorationsgegenstände. Verarbeitung und Aushärtung dauern länger.
- Glasur- oder Überzugsharz (Coating Resin): Zähflüssiger und ideal zum Überziehen flacher Oberflächen. Es wird in geringer Dicke verwendet (bis zu 4 mm) und imitiert eine Glasschicht. Es haftet auf verschiedenen Untergründen und eignet sich für Schmuck aus Papier oder Stoff sowie für Kreationen aus Polymerpaste.
- Einschlussharz: Vielseitig einsetzbar für Oberflächenveredelung und Güsse. Es ist transparent, hat eine klare Brillanz und eignet sich für Schmuck mit Gussformen oder Tabletts.
- Flex-Epoxidharz: Imitiert eine flexible Glasschicht bis zu 2 mm Dicke. Es bleibt nach der Aushärtung glänzend und flexibel und eignet sich zum Schutz von Leinwänden, zur Auffrischung von Gemälden oder zur Herstellung von Schmuck aus Papier.
Diese Harzarten haben unterschiedliche Eigenschaften und sollten niemals miteinander vermischt werden.

Mischen und Vorbereiten von Epoxidharz
Das richtige Mischungsverhältnis ist entscheidend für die Polymerisation. Ein falsches Verhältnis kann dazu führen, dass das Harz klebrig bleibt, weich wird, undurchsichtig wird oder Risse bildet.
- Mischungsverhältnis: Halten Sie sich exakt an das vom Hersteller angegebene Mischungsverhältnis von Harz und Härter.
- Homogene Mischung: Mischen Sie vorsichtig, um eine homogene und transparente Masse zu erhalten. Kratzen Sie dabei den Boden und die Ränder des Mischbehälters ab, um sicherzustellen, dass alle Komponenten gut vermischt sind.
- Farbstoffe: Verwenden Sie ausschließlich für Epoxidharz geeignete Pigmente. Wasserbasierte Farbstoffe sind nicht empfehlenswert. Eine zu hohe Konzentration von Farbstoff kann die Aushärtung beeinträchtigen.
- Gießdicke: Um Risse zu vermeiden, gießen Sie Epoxidharz besser in aufeinanderfolgenden Schichten.
- Mengenberechnung: Rühren Sie nur die benötigte Menge an, um Verschwendung zu vermeiden. Es gibt Hilfsmittel zur Berechnung der benötigten Harzmenge.
Entfernung von Luftblasen
Luftblasen sind ein häufiges Problem bei der Arbeit mit Epoxidharz. Hier sind einige Techniken zur Blasenentfernung:
- Langsames Rühren: Rühren Sie langsam und geduldig mit einem flachen Spatel. Zu schnelles Rühren erzeugt mehr Blasen.
- Ruhezeit: Lassen Sie das Harz nach dem Mischen einige Minuten ruhen, damit sich Blasen von selbst lösen können.
- Wasserbad: Bei viskosen Harzen kann ein kurzes Erwärmen im Wasserbad die Viskosität reduzieren und die Blasenentfernung erleichtern. Beachten Sie, dass dies die Exothermie beschleunigt.
- Langsames Gießen: Gießen Sie das Harz langsam und vorsichtig in die Form.
- Wärmeanwendung: Verwenden Sie milde Hitze (Föhn auf niedriger Stufe, Heißluftpistole oder Feuerzeug), um Oberflächenblasen zu entfernen. Seien Sie vorsichtig mit Silikonformen, da zu viel Hitze diese beschädigen kann.
- Vakuumpumpe: Eine Vakuumpumpe kann zur Entfernung von eingeschlossener Luft verwendet werden.
- Vorbereitung von Einschlüssen: Bestreichen Sie kleine Teile oder getrocknete Blumen vor dem Einlegen in das Harz mit einer dünnen Harzschicht.
- Poröse Materialien: Bei porösen Materialien wie Holz tragen Sie zuerst eine dünne Harzschicht auf und lassen diese aushärten, bevor Sie das Harz im größeren Umfang gießen.

Schleifen von Epoxidharz
Warten Sie, bis das Epoxidharz vollständig ausgehärtet ist (mindestens 48 Stunden), bevor Sie es schleifen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Neueste Kennzeichnungen und Risikobewertung
Viele Epoxidharze tragen nun die Kennzeichnung GHS08 „Gesundheitsgefahr“ und den Gefahrenhinweis H360F „Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen“. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass bestimmte Inhaltsstoffe wie 1,6-Hexandiglycidylether und C12/C14-Monoglycidylether die Entwicklung des ungeborenen Kindes schädigen können. Es wurden keine direkten Schädigungen der Nachkommen festgestellt, sondern eine Reduzierung der Nachkommenzahl, was auf eine verminderte Spermienproduktion hindeutet.
Trotz der neuen Kennzeichnung sind im Allgemeinen keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen bei der Verarbeitung erforderlich, sofern die bisherigen Sicherheitsprotokolle eingehalten werden. Lediglich für Schwangere und stillende Frauen gilt ein Beschäftigungsverbot.
Atemschutz und Hautschutz
Simulationsmessungen haben gezeigt, dass die Freisetzung von Glycidylethern unter normalen Verarbeitungsbedingungen gering ist und der DNEL (Derived No-Effect Level) eingehalten wird. Daher ist in der Regel kein Atemschutz für Produkte der Kategorie „total solid“ notwendig. Dennoch ist weiterhin besondere Vorsicht beim Hautkontakt geboten. Es ist wichtig, geeignete Chemikalienschutzhandschuhe zu verwenden. Lederhandschuhe und nitrilgetränkte Baumwollhandschuhe sind ungeeignet.

Besonderheiten bei der Verwendung von Epoxidharz
Epoxidharze sind Reaktionsharze, die durch die Umsetzung von Epoxiden mit Polyalkoholen entstehen. Die meisten EP-Harze werden aus Epichlorhydrin und Bisphenol A hergestellt. Die unvernetzten Harze sind flüssig und härten durch Zugabe eines Härters zu einem festen Duroplast aus.
Risiken durch Inhaltsstoffe
Einige Epoxidharze enthalten Bisphenol A (BPA), eine hormonell wirksame Chemikalie, die das Hormonsystem stören und potenziell zu Gesundheitsproblemen wie Unfruchtbarkeit, Fettleibigkeit oder Diabetes beitragen kann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von BPA aufgrund von Tierversuchen, die negative Auswirkungen auf das Immunsystem und allergische Entzündungsprozesse der Lunge zeigten, stark reduziert.
Es wird dringend davon abgeraten, Gegenstände aus bisphenolhaltigem Epoxidharz mit Lebensmitteln in Kontakt zu bringen oder Kinderspielzeug daraus herzustellen.
Bei der Verbrennung von Epoxidharzen können neben den Hauptprodukten auch geringe Mengen von Phenol, Formaldehyd, Ameisensäure, Aceton und Kohlenwasserstoffen entstehen. Bei stickstoffhaltigen Epoxidharzen können zusätzlich Cyanwasserstoff, Ammoniak, Amine und Isocyanate freigesetzt werden.
Umgang mit Epoxidharz in der Schwangerschaft - Erfahrungen und Empfehlungen
Die Verarbeitung von Epoxidharz in der Schwangerschaft wird generell nicht empfohlen. Mehrere Erfahrungsberichte und Diskussionen zeigen die Verunsicherung von Schwangeren, die mit Epoxidharz in Kontakt gekommen sind.
- Einmaliger Kontakt: Bei einem einmaligen, kurzen Kontakt, insbesondere mit getragenen Handschuhen und geöffnetem Fenster, besteht nach Einschätzung einiger Experten und aufgrund der noch nicht vollständig entwickelten Blutversorgung des Embryos in frühen Schwangerschaftsstadien (z.B. 5. SSW) möglicherweise keine unmittelbare Gefahr. Die Organentwicklung beginnt jedoch in dieser Phase, was die Vorsicht gebietet.
- Langfristige Exposition: Regelmäßige oder ungeschützte Arbeit mit Epoxidharz birgt höhere Risiken. Chronische Gesundheitsprobleme wie Dermatitis, Asthma oder Atemwegserkrankungen können die Folge sein.
- Empfehlungen:
- Vermeiden Sie jeglichen Kontakt mit Epoxidharz während der Schwangerschaft und Stillzeit.
- Wenn Sie versehentlich in Kontakt gekommen sind, informieren Sie umgehend Ihren Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin.
- Informieren Sie sich über Sicherheitsdatenblätter und nehmen Sie an Schulungen zur sicheren Handhabung teil.
- Halten Sie sich strikt an die empfohlenen Schutzmaßnahmen, wenn Sie nicht schwanger sind und mit Epoxidharz arbeiten.
Es ist ratsam, bei ersten Anzeichen einer allergischen Reaktion auf Epoxidharz umgehend ärztlichen Rat einzuholen.
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