Sex während der Menstruation: Fakten, Vorteile und Risiken

Viele Frauen haben auch während ihrer Periode Lust auf Sex, vielleicht sogar mehr als sonst. Das liegt möglicherweise daran, dass der Libido-hemmende Effekt des Hormons Progesteron aus der zweiten Zyklushälfte wegfällt und die Hormone Östrogen und Testosteron wieder ansteigen. In dem Fall steht dem Spaß allein oder zu zweit nichts im Weg. Erlaubt ist, was beiden Partnern beziehungsweise Partnerinnen gefällt.

Sexuelles Verlangen und die Menstruation

Eine internationale Studie mit 95.000 Teilnehmenden ergab, dass nur 15 Prozent der befragten Frauen während der Menstruation ihre üblichen sexuellen Aktivitäten beibehalten. Beinahe die Hälfte der Studienteilnehmerinnen vermeiden vaginalen Sex während der Periode. Viele Mädchen und Frauen leiden unter Regelbeschwerden wie Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen oder Krämpfen. Auch Antriebslosigkeit und Müdigkeit kommen häufig vor. Das können echte Lustkiller sein. Sich dann mit dem Gedanken an Sex während der Periode unwohl zu fühlen ist völlig normal und absolut in Ordnung.

Trotzdem kann Sex während der Periode mehrere Vorteile haben. Ein Orgasmus setzt eine Vielzahl von Hormonen frei, darunter:

  • Endorphine: helfen, Schmerzen zu lindern.
  • Oxytocin: kann Stress reduzieren.
  • Dopamin: erzeugt Gefühle des Glücks und der Ausgeglichenheit.

Diese Hormonmischung bringt Kreislauf und Metabolismus in Gang und kann Krämpfe lösen. Das heißt, Geschlechtsverkehr während der Periode kann Regelbeschwerden lindern.

Hygiene und Sicherheit beim Sex während der Periode

Sex während der Periode ist nicht unhygienisch. Menstruationsblut ist eine ganz natürliche Körperflüssigkeit - daran ist nichts unrein. Die Menstruation ist ein natürlicher Teil des weiblichen Zyklus. Der Körper bereitet sich damit auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Jeden Monat reift eine Eizelle in den Eierstöcken heran und wird während des Eisprungs freigesetzt. Gleichzeitig baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf, um eine befruchtete Eizelle aufzunehmen. Wird die Eizelle nicht befruchtet, braucht der Körper die aufgebaute Schleimhaut nicht und scheidet sie zusammen mit Blut als Menstruationsblutung aus. Das ist ein natürlicher Vorgang.

Schema des weiblichen Zyklus mit Eisprung und Menstruation

Kann man während der Periode schwanger werden?

Es kommt zwar selten vor, aber es ist möglich, vom Sex während der Menstruation schwanger zu werden. Stress kann den weiblichen Zyklus beeinflussen. Das kann dazu führen, dass der Eisprung nicht wie üblich um den 14. Tag herum stattfindet, sondern bereits während der Periode. Hinzu kommt: Spermien können bis zu fünf Tage in der Gebärmutter überleben. Sie können eine Eizelle also auch befruchten, wenn der Geschlechtsverkehr einige Tage zurückliegt.

Natürliche Befeuchtung und "Blutigkeit"

Die natürliche Befeuchtung, die bei sexueller Stimulation auftritt, passiert unabhängig von der Menstruation. Frauen können also auch während der Periode feucht werden. Tatsächlich kann die erhöhte Durchblutung im Beckenbereich die Empfindlichkeit steigern, was die sexuelle Erregung sogar fördern kann. Trotzdem besteht natürlich jederzeit die Möglichkeit, zusätzlich Gleitmittel zu verwenden.

Manche befürchten, dass Sex mit Periode eine blutige Angelegenheit ist. Keine Sorge: Die Menge des Menstruationsbluts hält sich in Grenzen. Normalerweise verlieren Frauen während ihrer Regelblutung etwa 60 Milliliter Blut. Das sind etwa anderthalb Schnapsgläser. Ein Handtuch auf dem Laken schützt die Bettwäsche vor Flecken.

Infektionsrisiken und Schutzmaßnahmen

Wenn beide Partner beziehungsweise Partnerinnen gesund sind, ist Sex während der Periode nicht gefährlicher als an anderen Tagen. Zusätzliche Sicherheit gibt Safer Sex mit Kondom oder Femidom.

Hintergrund: Beim Sex während der Periode ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Krankheitserreger oder andere Keime übertragen werden:

  • Bei der Menstruation ist der Muttermund etwas geöffnet, damit das Menstruationsblut abfließen kann. Das macht es Keimen leichter, in die Gebärmutter zu gelangen.
  • Durch das Menstruationsblut verändert sich der pH-Wert der Vagina. Normalerweise liegt der Wert im leicht sauren Bereich. Das hilft, die Vagina vor Infektionen zu schützen. Ändert sich der pH-Wert, können sich Bakterien und Hefepilze leichter vermehren.
  • Außerdem ist das Risiko für die Übertragung von Geschlechtskrankheiten beziehungsweise sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV (Humanes Immunschwächevirus) während der Periode etwas höher. Das liegt daran, dass Infektionen durch den direkten Kontakt mit infiziertem Blut leichter übertragen werden können.

Kondome bieten generell - nicht nur beim Sex mit Periode - Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und anderen Infektionen.

Periodenprodukte und Sex

Sonst schiebt sich der Tampon möglicherweise sehr weit nach oben und lässt sich nicht mehr ohne Weiteres entfernen. Die Menstruationstasse wird eventuell eingedrückt und ist beim Sex spürbar. Das kann sich für beide Seiten unangenehm anfühlen. Eine Alternative sind Softtampons. Das sind kleine Schwämmchen, die sich sehr tief einführen lassen und die sich ganz genau an den Körper anpassen. Diese Softtampons müssen für den Sex nicht herausgenommen werden. Ebenso können Menstruationsscheiben (eine Variante der Menstruationstasse) während des Geschlechtsverkehrs in der Vagina verbleiben. Allerdings besteht auch hier die Gefahr, dass die Periodenprodukte durch die Penetration sehr weit hochgeschoben werden und dadurch ebenfalls sehr schwer zu entfernen sind. Zumal die Produkte im Gegensatz zum herkömmlichen Tampon keinen Rückholfaden haben.

Illustration verschiedener Periodenprodukte wie Tampons, Menstruationstassen und Softtampons

Sex und Kontaktblutungen

Manchmal kann es nach dem Sex zu Blutungen kommen, die nicht mit der Menstruation zusammenhängen. Dies wird als postkoitale Blutung oder Kontaktblutung bezeichnet. Diese Blutungen können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Verletzungen der Vagina: Durch intensiven oder rauen Sex können kleine Risse oder Verletzungen der Vaginalschleimhaut entstehen.
  • Infektionen oder Entzündungen: Scheidenpilz, bakterielle Vaginose oder sexuell übertragbare Infektionen (STIs) können die Vagina reizen und zu Blutungen führen.
  • Vaginale Trockenheit: Unzureichende Befeuchtung kann den Geschlechtsverkehr schmerzhaft machen und zu Blutungen führen.
  • Veränderungen am Gebärmutterhals: Gutartige Veränderungen wie Polypen oder Ektopie, aber in seltenen Fällen auch Gebärmutterhalskrebs, können Blutungen nach dem Sex verursachen.
  • Analverkehr: Die empfindliche Haut im Analbereich kann reißen und bluten.

Wenn nach dem Sex Blutungen auftreten, die nicht Teil der Menstruation sind, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen, um die Ursache abzuklären.

Mythen und Fakten über Sex und Periode

Es gibt viele Mythen rund um das Thema Sex und Periode. Hier sind einige davon:

Prostaglandine lösen Schleimhautablösung aus - Mythos

Wenn Sex stattfindet und Sperma in die Vagina gelangt, werden Prostaglandine freigesetzt. Ein Mythos besagt, dass diese für eine frühzeitige Ablösung der Gebärmutterschleimhaut verantwortlich sein können. Medizinisch gesehen ist das allerdings nicht möglich, da die Menge zu gering ist.

Penetration des Muttermunds beschleunigt Blutfluss - Fakt

Der Muttermund liegt in der Vagina verborgen und ist die meiste Zeit während des Zyklus eng und verschlossen. Nur um den Eisprung herum und kurz vor der Menstruation wird er weich und durchlässiger.

Grafik, die den Muttermund und seine Veränderung während des Zyklus zeigt

Blut nach dem Sex ist immer Periodenblut - Mythos

Wenn nach dem Sex Blut am Toilettenpapier hängen bleibt, denken die meisten wahrscheinlich zuerst an eine verfrühte Mens. Sind noch 1-2 Tage Zeit, kann das durchaus möglich sein. Kommt es allerdings in der Mitte des Zyklus zu Blutungen, haben diese einen anderen Ursprung. Ob du tatsächlich deine Periode bekommen hast oder ob eine Kontaktblutung verantwortlich ist, erkennst du meist schon an der Farbe. Menstruationsblut ist dunkel, da es bereits länger auf dem Weg nach draußen ist.

Sex verlängert die Menstruation - Mythos

„Wer viel Sex während der Periode hat, blutet länger“, lautet ein weit verbreiteter Mythos, der längst widerlegt ist. Tatsächlich hat sich sogar gezeigt, dass durch regelmäßigen Geschlechtsverkehr die Dauer der Periode verkürzt werden kann. Entscheidend ist allerdings nicht die Penetration selbst, sondern der Orgasmus, der deine Gebärmutter durch Kontraktionen unterstützt.

Sex kann die Blutung wieder verstärken - Fakt und Mythos

Vor dem Sex hast du kaum noch Blut in deiner Menstruationstasse gehabt, danach ist sie wieder halb voll? Verstärkt Sex die Blutung? Ein Fakt und ein Mythos zugleich. Fakt ist, dass du nach dem Sex mehr Blut verlieren kannst, da die Gebärmutter aktiv arbeitet. Ein Mythos ist allerdings, dass es sich um zusätzliches Blut handelt.

Fazit: Sex und Periode

Sex während der Periode ist absolut in Ordnung und kann sogar krampflösend wirken. Allerdings solltest du dabei auf Sex mit einem herkömmlichen Tampon verzichten. Besser ist es, einen Soft-Tampon oder eine Menstruationsscheibe zu tragen, wenn du nicht möchtest, dass Periodenblut beim Sex nach außen läuft. Die Entscheidung, ob du Sex während deiner Periode haben möchtest, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben und des Komforts. Offene Kommunikation mit dem Partner ist dabei entscheidend. Schutzmaßnahmen wie Kondome sollten immer verwendet werden, um Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten zu vermeiden.

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