Plazenta praevia: Ursachen, Symptome und Management

Die Plazenta praevia, auch als vorliegende Plazenta bekannt, beschreibt eine Situation, in der sich der Mutterkuchen (Plazenta) im unteren Bereich der Gebärmutter befindet. Dies kann dazu führen, dass der innere Muttermund teilweise oder vollständig bedeckt ist, was potenzielle Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt nach sich ziehen kann.

Schema der Gebärmutter mit normal liegender Plazenta und verschiedenen Formen der Plazenta praevia (totalis, partialis, marginalis)

Was ist eine Plazenta praevia?

Die Plazenta ist ein lebenswichtiges Organ, das während der Schwangerschaft die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes sicherstellt und Hormone produziert, die für den Erhalt der Schwangerschaft essenziell sind. Normalerweise liegt die Plazenta im oberen Teil der Gebärmutter, weit entfernt vom Geburtskanal. Bei einer Plazenta praevia liegt die Plazenta jedoch im unteren Uterinsegment und bedeckt mehr oder weniger den inneren Muttermund.

Formen der Plazenta praevia

Je nach Ausmaß der Bedeckung des inneren Muttermunds werden verschiedene Formen unterschieden:

  • Tiefsitzende Plazenta: Die Plazenta erreicht den inneren Muttermund nicht, ist ihm aber näher als üblich.
  • Plazenta praevia marginalis: Die Plazenta berührt den inneren Muttermund, verlegt ihn jedoch nicht.
  • Plazenta praevia partialis: Die Plazenta verlegt den inneren Muttermund teilweise.
  • Plazenta praevia totalis: Die Plazenta bedeckt den inneren Muttermund komplett.

Häufigkeit und Entwicklung

Eine Plazenta praevia tritt relativ selten auf, schätzungsweise in etwa 0,5 % aller Schwangerschaften. Eine frühe Diagnose, oft bereits zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche, ist möglich. Die gute Nachricht ist, dass sich in der Mehrzahl der Fälle, insbesondere bei partiellen oder marginalen Formen, die Plazenta mit dem Wachstum der Gebärmutter im Laufe der Schwangerschaft von selbst nach oben verschiebt. Studien zeigen, dass sich bis zu 85 % der totalen und 98 % der partiellen Plazenta praevia von allein zurückbilden.

Grafik, die die Wahrscheinlichkeit des Verschiebens einer Plazenta praevia im Verlauf der Schwangerschaft zeigt

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache für die Entstehung einer Plazenta praevia ist nicht immer klar, doch es gibt mehrere Faktoren, die das Risiko erhöhen:

  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Mehrgebärende (hohes mütterliches Alter, oft ab 35 Jahren)
  • Ungewöhnlich geformte Gebärmutter (Uterusanomalie)
  • Vorausgegangene Kaiserschnitte oder andere Operationen an der Gebärmutter (Narbenbildung)
  • Schwangerschaftsabbrüche (Ausschabungen)
  • Rauchen
  • Kokain- und Drogenmissbrauch
  • Künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation)

Normalerweise nistet sich die befruchtete Eizelle im oberen Teil der Gebärmutter ein. Wenn die Eizelle jedoch zu tief wandert und sich im unteren Segment einnistet, kann dies zur Entwicklung einer Plazenta praevia führen.

Symptome einer Plazenta praevia

Das typischste und oft erste Symptom einer Plazenta praevia sind plötzlich einsetzende, schmerzfreie vaginale Blutungen. Diese treten meist in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf, häufig gegen Ende des zweiten oder zu Beginn des dritten Trimenons. Die Blutungen können unterschiedlich stark sein, von leichten Schmierblutungen bis hin zu starken, hellroten Blutungen. Manchmal können die Blutungen von Krämpfen begleitet sein.

Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jede tiefliegende Plazenta zu Blutungen führt. In einigen Fällen bleibt eine Plazenta praevia, insbesondere die marginale Form, unbemerkt.

Placenta praevia & increta: Meine Erfahrungen rund um die Plazenta | Babystories

Diagnose

Die Diagnose einer Plazenta praevia erfolgt in der Regel mittels Ultraschalluntersuchung. Bereits in den frühen Vorsorgeuntersuchungen (etwa ab der 9. bis 12. Schwangerschaftswoche) wird die Lage der Plazenta beurteilt. Bei Verdacht auf eine Plazenta praevia wird die Untersuchung im Verlauf der Schwangerschaft engmaschiger wiederholt.

Zusätzlich zur Ultraschalluntersuchung kann der Arzt eine Tastuntersuchung des Bauches und der Scheide durchführen, um die Blutungsquelle zu lokalisieren und die Lage des Kindes zu beurteilen. Bei Blutungen wird zudem die Herzfrequenz des Fötus überwacht, um sicherzustellen, dass er ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Management und Behandlung

Die Behandlung einer Plazenta praevia richtet sich nach der Schwere der Symptome und der Form der Plazentalage.

Schonung und Bettruhe

Bei der Diagnose einer Plazenta praevia wird zunächst zu striktem körperlichen Schonung geraten. Dies beinhaltet:

  • Verzicht auf Geschlechtsverkehr
  • Vermeidung von Einführen von Gegenständen in die Scheide
  • Kein Spülen der Scheide
  • Begrenzung körperlicher Anstrengungen, wie schweres Heben oder anstrengende Hausarbeit.

In Fällen von Blutungen oder bei erhöhtem Risiko kann eine Bettruhe, manchmal auch im Krankenhaus, notwendig sein. Jegliche Aktivitäten werden auf ein Minimum beschränkt, um das kleine Becken zu schonen.

Medikamentöse Behandlung

Sollte eine Frühgeburt drohen, können Medikamente zur Hemmung der Wehentätigkeit (z. B. Atosiban) und zur Beschleunigung der Lungenreife des Kindes (Glukokortikoide wie Betamethason) eingesetzt werden.

Geburtseinleitung und Entbindung

Wenn die Schwangerschaft die 36. Woche überschritten hat und keine starken Blutungen vorliegen, kann die Geburt eingeleitet werden. Bei einer Plazenta praevia totalis oder partialis ist in der Regel ein Kaiserschnitt unumgänglich, da eine vaginale Geburt zu gefährlichen Blutungen führen kann. Der Kaiserschnitt wird oft ein bis zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin geplant.

Bei einer tiefliegenden Plazenta mit ausreichend Abstand zum Muttermund kann unter Umständen eine vaginale Geburt möglich sein, jedoch entscheiden sich Ärzte häufig auch hier für einen Kaiserschnitt, um Risiken zu minimieren. Bei starken Blutungen oder Komplikationen für Mutter oder Kind kann eine sofortige Entbindung per Kaiserschnitt notwendig sein.

Schema, das den Vergleich zwischen Kaiserschnitt und vaginaler Geburt bei Plazenta praevia zeigt

Risiken und Prognose

Obwohl eine Plazenta praevia mit Risiken verbunden ist, verläuft die Schwangerschaft bei vielen Frauen ohne größere Komplikationen, insbesondere wenn die Plazenta sich im Verlauf nach oben verschiebt. Die größten Gefahren bestehen in starken Blutungen, die sowohl für die Mutter als auch für das Kind lebensbedrohlich sein können. Eine weitere Komplikation ist die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt.

Die Prognose hängt stark von der Art der Plazenta praevia, dem Auftreten von Blutungen und dem Management ab. Bei engmaschiger Überwachung und entsprechender Schonung können die meisten Schwangerschaften erfolgreich bis zur Entbindung geführt werden.

Abgrenzung zu anderen Plazentastörungen

Es ist wichtig, die Plazenta praevia von anderen Plazentastörungen zu unterscheiden:

  • Plazentainsuffizienz: Hierbei ist die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen beeinträchtigt.
  • Vorzeitige Plazentaablösung: Die Plazenta löst sich vor der Geburt von der Gebärmutterwand, was zu starken Blutungen und Sauerstoffmangel beim Kind führen kann.
  • Placenta accreta: Die Plazenta wächst zu fest in die Gebärmutterwand ein, was die Ablösung nach der Geburt erschwert und zu starken Blutungen führen kann.

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