Eine verhaltene Fehlgeburt, auch bekannt als Missed Abortion oder verhaltener Abort, stellt eine besondere Form des Schwangerschaftsverlustes dar. Im Gegensatz zu einer typischen Fehlgeburt, bei der es zu Blutungen, Schmerzen und Krämpfen kommt und der Embryo vom Körper ausgestoßen wird, bleibt bei einer verhaltenen Fehlgeburt der abgestorbene Embryo unbemerkt im Mutterleib. Dies kann für die betroffenen Frauen besonders belastend sein, da sie oft lange Zeit nicht bemerken, dass ihr Baby nicht mehr lebt.
Im Durchschnitt tritt eine Fehlgeburt bei etwa 12 bis 24 % der klinisch bestätigten Schwangerschaften auf. Bei einer verhaltenen Fehlgeburt sind die Symptome oft minimal oder fehlen gänzlich, was dazu führt, dass sie über Wochen unentdeckt bleiben kann. Manche Frauen bemerken lediglich leichte Krämpfe oder bräunliche Schmierblutungen. Das Ausbleiben der typischen Schwangerschaftsanzeichen, wie Übelkeit oder Brustspannen, kann ebenfalls ein Hinweis darauf sein, dass etwas nicht stimmt, da der Wert des Schwangerschaftshormons hCG sinkt.
Die Diagnose einer verhaltenen Fehlgeburt erfolgt in der Regel mittels Ultraschalluntersuchung. Dabei kann der Arzt feststellen, dass kein Herzschlag des Embryos vorhanden ist oder dass der Embryo für das jeweilige Schwangerschaftsalter zu klein ist. Hormonmessungen, insbesondere des hCG-Wertes, spielen bei der Diagnose von verhaltener Fehlgeburt eine untergeordnete Rolle. Während der ersten Wochen der Schwangerschaft verdoppelt sich der hCG-Wert normalerweise alle 24 bis 48 Stunden.
Ursachen für eine verhaltene Fehlgeburt
Die Ursachen für eine verhaltene Fehlgeburt sind vielfältig und ähneln denen einer normalen Fehlgeburt. Am häufigsten sind genetische Störungen die Ursache, die bereits in der frühen Schwangerschaft zum Absterben des Embryos führen. Diese Anomalien entstehen, wenn Spermium oder Eizelle nicht die korrekte Anzahl an Chromosomen enthalten. Das Risiko für spontane Chromosomenanomalien steigt mit dem Alter der Mutter.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Infektionen
- Fehlbildungen der Gebärmutter oder Plazenta
- Blutgruppenunverträglichkeiten
- Hormonelle Störungen
Eine spezifische Ursache kann ein sogenanntes Abortivei sein. Dabei handelt es sich um eine befruchtete Eizelle, die sich zwar in die Gebärmutter einnistet und einen Fruchtsack bildet, sich aber nicht weiterentwickelt. Manchmal beginnt sich der Embryo zu entwickeln, doch die Entwicklung stoppt dann abrupt.

Diagnose und mögliche Verwechslungen
Die Diagnose einer verhaltenen Fehlgeburt erfolgt primär durch den Ultraschall. Dabei wird festgestellt, ob ein Herzschlag vorhanden ist und ob die Größe des Embryos dem erwarteten Schwangerschaftsalter entspricht. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Ultraschalluntersuchungen nicht immer 100%ig akkurat sind, insbesondere in den frühen Schwangerschaftswochen.
Einige Frauen berichten von Situationen, in denen zunächst kein Herzschlag sichtbar war, später aber doch. Dies kann verschiedene Gründe haben:
- Fehlerhafte Messung oder ungünstige Position des Embryos: Manchmal befindet sich der Embryo in einer Position, die vom Ultraschallgerät schwer zu erfassen ist, oder die Messung ist aufgrund von individuellen Unterschieden im Wachstum oder der Einnistung ungenau.
- Unterschiedliche Geräte und Erfahrung des Arztes: Die Qualität der Ultraschallgeräte kann variieren, und die Erfahrung des Arztes spielt eine Rolle bei der Interpretation der Bilder.
- "Eckenhocker"-Phänomen: In seltenen Fällen kann der Embryo sich an einer Stelle in der Gebärmutter befinden, die von den Ultraschallwellen nicht erfasst wird.
- Verschobener Eisprung: Wenn der Eisprung später als angenommen stattgefunden hat, kann der Embryo kleiner sein, als aufgrund des Zyklusdatums erwartet wird, und der Herzschlag ist noch nicht sichtbar. Dies kann zu einer Fehldiagnose führen, wenn die Bestimmung des Schwangerschaftsalters allein auf dem letzten Menstruationsdatum basiert.
Es ist ratsam, bei einer solchen Diagnose eine zweite Meinung einzuholen und nicht vorschnell eine medizinische Intervention wie eine Ausschabung durchführen zu lassen, insbesondere wenn die Frau ein starkes Bauchgefühl hat, dass das Baby lebt.
Behandlungsmöglichkeiten einer verhaltenen Fehlgeburt
Wurde eine verhaltene Fehlgeburt diagnostiziert, gibt es grundsätzlich zwei Behandlungswege:
1. Aktive Entfernung des Embryos
Diese Methode beinhaltet einen medizinischen Eingriff, um das Gewebe aus der Gebärmutter zu entfernen. Dies kann auf zwei Arten geschehen:
- Ausschabung (Abrasio uteri, Kürettage): Der Arzt entfernt den Embryo und die Plazenta mit einer Metallschlinge.
- Absaugung (Saugkürettage): Das Gewebe wird mit einem Plastikschlauch entfernt, der mit einer Pumpe verbunden ist.
Diese Eingriffe werden in der Regel ambulant unter Vollnarkose durchgeführt. Prostaglandine können vor dem Eingriff verabreicht werden, um den Gebärmutterhals zu erweitern und zu erweichen, was das Risiko von Verletzungen während der Operation reduziert. Eine Ausschabung oder Absaugung wird oft bei Fehlgeburten vor der 12. Schwangerschaftswoche angewendet.
2. Natürlicher Abgang (Aktives Abwarten)
Bei dieser Option wartet man darauf, dass der Körper den abgestorbenen Embryo von selbst ausstößt. Dies kann einige Tage, aber auch mehrere Wochen dauern. Die Symptome ähneln denen einer starken Regelblutung, können aber auch wehenähnliche Schmerzen und stärkere Blutungen umfassen. Der Körper stößt den Fötus durch den Geburtskanal aus, was als "kleine Geburt" bezeichnet wird. Manchmal kann dieser Prozess durch eine Infusion eingeleitet werden.
Es ist wichtig, bei dieser Methode auf Warnzeichen wie Fieber, sehr starke Schmerzen oder anhaltende Blutungen zu achten und umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Studien zeigen, dass das reine Abwarten nicht immer erfolgreich ist und mit einer höheren Rate an Komplikationen verbunden sein kann als andere Behandlungen.
Fehlgeburt I wie geht es weiter? l Erneute Schwangerschaft I Frauenarzt Dr. Wagner klärt auf
Psychische und emotionale Aspekte
Der Verlust eines Kindes, insbesondere in einer frühen Schwangerschaft, ist eine der schlimmsten und traurigsten Erfahrungen, die ein Paar durchmachen kann. Eine verhaltene Fehlgeburt ist oft besonders belastend, da die betroffenen Frauen den Gedanken verarbeiten müssen, dass ihr totes Kind weiterhin im Körper ist. Die Entscheidung für eine Behandlungsmethode kann eine weitere schwere Hürde darstellen.
Manche Frauen empfinden das abrupte Ende durch eine Ausschabung als sehr belastend und haben Schwierigkeiten, den Verlust zu verarbeiten. Andere finden es heilsamer, wenn der Körper die Geschwindigkeit selbst bestimmt, da dies der Seele Zeit gibt, sich auf die neue Situation einzustellen und der Hormonhaushalt sich schrittweise anpassen kann. Es gibt keinen medizinischen Grund, mit einem neuen Schwangerschaftsversuch nach einer verhaltenen Fehlgeburt zu warten. Die Entscheidung, wie mit dieser schwierigen Situation umgegangen wird, liegt allein bei der betroffenen Frau.
Es ist wichtig, der Trauer Raum zu geben und einen persönlichen Weg zu finden, sich von dem kurzen Glück zu verabschieden. Das kann durch das Aufbewahren von Erinnerungsstücken wie einem Ultraschallbild oder einem gekauften Kleidungsstück geschehen.
Risiko einer weiteren Fehlgeburt
Das Risiko für eine erneute Fehlgeburt steigt mit der Anzahl der bereits erlittenen Aborte. Nach einer verhaltenen Fehlgeburt liegt das Risiko einer erneuten Schwangerschaftsverlusts bei etwa 25 %. Nach der zweiten Fehlgeburt steigt dieses Risiko auf etwa 35 %. Drei oder mehr aufeinanderfolgende Schwangerschaftsverluste werden als habituelle Aborte bezeichnet und erfordern eine eingehendere medizinische Untersuchung.
Diese Untersuchungen können eine Überprüfung der Gebärmutterstruktur, eine Analyse der Bluthormonspiegel sowie genetische Tests umfassen. Es gibt begrenzte Hinweise darauf, dass Stress mit verhaltener Fehlgeburt zusammenhängt, jedoch ist es ratsam, vor einer erneuten Schwangerschaft auf eine gute allgemeine Gesundheit und einen gesunden Lebensstil zu achten.
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