Das Familiengericht Solingen und die Hebammenzentrale Bergisch Land

Das Solinger Amtsgericht an der Goerdelerstraße war Schauplatz eines Falls, der im laufenden Jahr für Aufsehen sorgte: die Inobhutnahme eines Säuglings durch das Jugendamt. Am Mittwoch vor dem Familiengericht kam dieser Fall zu einem Abschluss.

Gerichtliche Entscheidung zur Kindeswohlgefährdung

Für die Betreuung des Kindes, das sich bereits seit einigen Monaten wieder im Kreise seiner Eltern befindet, hob die zuständige Richterin sämtliche verbliebenen Auflagen auf. Eine Überprüfung des Falls wurde lediglich für drei Monate angesetzt. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war die Feststellung des Gerichts, dass aktuell keine Kindeswohlgefährdung mehr vorliegt.

Dieses Urteil setzt die Linie fort, die bereits das Oberlandesgericht (OLG) im Frühsommer vorgegeben hatte. Damals wurde verfügt, das Kind nicht länger von Pflegeeltern betreuen zu lassen, sondern es den leiblichen Eltern zurückzugeben. Diese Rückgabe erfolgte jedoch zunächst unter strengen Auflagen und einer sehr engmaschigen Betreuung durch das Jugendamt und den Kinderarzt. Diese Notwendigkeit sieht die Richterin nun nicht mehr gegeben.

Gerichtsgebäude in Solingen

Medizinische Gutachten und die Klärung der Verletzungen

In der Verhandlung am Mittwoch wurde ein unabhängiger medizinischer Gutachter ausführlich angehört. Dieser berichtete, dass nachträglich keine seriöse Einschätzung darüber getroffen werden könne, wie sich der Säugling die Verletzungen zugezogen habe. Diese Verletzungen waren kurz nach der Geburt im Dezember 2017 im Klinikum Solingen festgestellt worden. Der Gutachter merkte an, dass die Verletzungen möglicherweise durch ein Geburtstrauma verursacht worden sein könnten.

Da eine Gefährdung des Kindeswohls zum damaligen Zeitpunkt nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden konnte, sah sich das Jugendamt gezwungen, im Sinne des Kindeswohls zu handeln. Es wurde entschieden, das Baby bis zur Klärung des Sachverhalts in eine Pflegefamilie zu geben. Die Eltern protestierten entschieden gegen diese Maßnahme und klagten gegen die Stadt Solingen.

Rückgabe des Kindes und Lockerung der Auflagen

Nach einer erfolgreichen Beschwerde beim Oberlandesgericht im Frühsommer erhielten die Eltern ihr Kind zurück. Die damit verbundenen Auflagen wurden bereits vor einigen Wochen gelockert, nachdem das vom Familiengericht beauftragte unabhängige medizinische Gutachten vorlag. Am Mittwoch wurden nun auch die letzten Auflagen aufgehoben.

Die Hebammenzentrale Bergisch Land: Unterstützung für Schwangere und Wöchnerinnen

Die Hebammenzentrale Bergisch Land bietet ab sofort eine wohnortnahe Vermittlung von Hebammen für Schwangere und Wöchnerinnen an. Interessierte werden gebeten, das Kontaktformular auszufüllen oder sich direkt mit der Zentrale in Verbindung zu setzen.

Bei Anfragen zur Hebammensuche wird darauf hingewiesen, dass man auf die Antwort der Zentrale warten sollte, bevor man selbst weitere Suchen unternimmt. Die Vermittlung erfolgt individuell, das heißt, es werden keine Listen von Hebammen weitergegeben, sondern es wird eine passende Hebamme speziell für die jeweilige Frau gesucht.

Hebamme bei der Betreuung einer jungen Familie

Informationen für Hebammen und Dienstleistungen

Hebammen, die sich vom ASB Bergisch Land vermitteln lassen möchten, eine Fortbildung in Erster Hilfe bei Säuglingsnotfällen absolvieren wollen oder aus anderen Gründen Kontakt zur ASB-Hebammenzentrale Bergisch Land aufnehmen möchten, sind eingeladen, sich zu melden. Die Koordinatorin der Hebammenzentrale wird sich dann schnellstmöglich zurückmelden.

Die angebotenen Dienstleistungen für Hebammen umfassen:

  • Ortsnahe Vermittlung von Frauen in Wuppertal, Remscheid, Solingen und Radevormwald.
  • Arbeitserleichterung durch die Übermittlung konkreter Anfragen.
  • Kurzfristige Vermittlung von Frauen bei spontan freien Kapazitäten.
  • Netzwerkarbeit für Hebammen und Pflege des interdisziplinären Netzwerks aller beteiligten Berufsgruppen.
  • Organisation von Fortbildungen.

Die Entscheidung für oder gegen eine Betreuung bleibt selbstverständlich stets in den Händen der Hebamme.

Hebammenleistungen im Überblick

Hebammen begleiten Frauen durch die gesamte Schwangerschaft, während der Geburt, im Wochenbett und bis zum Ende der Stillzeit. Sie bieten eine breite Palette an Unterstützung:

Schwangerschaftsvorsorge

Ab Feststellung der Schwangerschaft kann jede Frau Hebammenhilfe in Anspruch nehmen. Dazu gehört die Schwangerenvorsorge, die entweder allein durch die Hebamme oder im Wechsel mit dem Gynäkologen erfolgen kann.

Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden

Bei vielfältigen Beschwerden wie Schwangerschaftsübelkeit, Rückenschmerzen, vorzeitigen Wehen sowie Ängsten und Sorgen stehen Hebammen mit Rat und Tat zur Seite.

Beratung

Themenbereiche umfassen Ernährung, Babyausstattung, Geburtsvorbereitung, Stillvorbereitung und soziale Hilfen.

Gesetzliche Hinzuziehungspflicht

In Deutschland besteht gemäß §4 des Hebammengesetzes die gesetzliche Pflicht für Ärztinnen und Ärzte, bei jeder Entbindung eine Hebamme hinzuzuziehen.

Geburtsbegleitung

  • Hausgeburt: Bei einem unauffälligen Schwangerschaftsverlauf besteht die Möglichkeit einer Hausgeburt in Begleitung einer Hebamme.
  • Geburtshausgeburt: Geburtshäuser sind von Hebammen geleitete Einrichtungen, die eine ungestörte 1:1-Betreuung während der Geburt ermöglichen.
  • Beleggeburt: Freiberufliche Hebammen betreuen Geburten in Kliniken mit 1:1-Betreuung. Aufgrund gestiegener Berufshaftpflichtversicherungsgebühren ist diese Leistung in einigen Regionen nicht mehr verfügbar.
  • Klinikgeburt: Hierbei wird die Frau vom angestellten Hebammenteam der Geburtsklinik begleitet.

Wochenbettbetreuung

Die ersten acht Wochen nach der Geburt, das Wochenbett, sind eine sensible Zeit. Hebammen können mit regelmäßigen Hausbesuchen unterstützen. Häufige Themen sind:

  • Pflege und Handling des Kindes
  • Gewichtsentwicklung des Säuglings
  • Nabelheilung
  • Beobachtung der Neugeborenengelbsucht
  • Stillhilfe
  • Kontrolle der Rückbildungsvorgänge und evtl. Geburtsverletzungen
  • Hineinwachsen in die Elternrolle
  • Wochenbettgymnastik
  • Verhütungsberatung
  • Trageberatung

Nachsorge nach dem Wochenbett

Anspruch auf weitere Hebammenkontakte nach dem Wochenbett besteht insbesondere bei:

  • Stillproblemen oder Flaschenernährung
  • Milchstau oder Brustentzündung
  • Beratung zum Abpumpen der Muttermilch
  • Abstillen
  • Beikosteinführung und Übergang zum Familientisch

Kurse und Workshops

Hebammen bieten eine Vielzahl von Kursen an, darunter Geburtsvorbereitung, Schwangerschaftsgymnastik, Yoga für Schwangere, Aquafitness, Rückbildungsgymnastik und Babymassage.

Beratung bei besonderen Belastungen

Bei der Geburt eines toten Kindes oder dem Versterben eines Kindes nach der Geburt bieten Hebammen eine besondere Beratung und Begleitung. Familienhebammen mit Zusatzqualifikation können hier zusätzliche Unterstützung leisten.

Kurs für werdende Eltern

Ausbildung und Betreuung im Kreißsaal

In einigen Kreißsälen wird Wert auf eine frauenzentrierte Geburtshilfe gelegt. Als Ausbildungskreißsaal ermöglichen sie zusammen mit Studierenden der Hebammenwissenschaften und Anerkennungshebammen eine individuelle 1:1-Betreuung, die an die Wünsche der Frau angepasst ist.

Kooperationen mit Hochschulen für angewandte Hebammenwissenschaften ermöglichen die praktische Ausbildung von Studierenden. In Notfällen steht rund um die Uhr die Möglichkeit zur Hinzuziehung von Kinderärzten zur Verfügung, auch für zu früh geborene Kinder ab der 32. Schwangerschaftswoche.

Begleitung bei Verlust und Abschied

Hebammen, Ärzte und Ärztinnen stehen Eltern zur Seite, wenn ein Kind zu früh verstirbt. Sie helfen beim Abschiednehmen durch Erinnerungsstücke wie Hand- und Fußabdrücke, Fotografien und Rituale. Geschwisterkinder und andere Familienangehörige können den Abschied mitgestalten. Die Bestattung des Babys kann individuell erfolgen. Zweimal im Jahr werden kostenlose Sammelbestattungen auf dem Parkfriedhof in Solingen Gräfrath angeboten, inklusive einer Gedenkfeier.

Weitere Beratungsangebote in Solingen

Jugendgerichtshilfe

Die Jugendgerichtshilfe wird tätig, wenn gegen Jugendliche oder Heranwachsende strafrechtlich ermittelt wird. Junge Menschen können sich auch direkt an die Jugendgerichtshilfe wenden. Die Hilfe erstreckt sich über das gesamte Strafverfahren.

pro familia Solingen

Die Beratungsstelle von pro familia Solingen ist eine Fachstelle für Schwangerschaft und Sexualität. Sie bietet Gesundheitsberatung nach §10 des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) an. Die Gespräche sind ganzheitlich, freiwillig und richten sich an junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. Ein individuell erstellter Fahrplan legt den Hilfeprozess fest, der auch die Entwicklung beruflicher Perspektiven und Ausbildungssuche beinhalten kann.

Clearingstelle

Die Clearingstelle fungiert als Knotenpunkt im Netzwerk der Sozialen Arbeit in Solingen und bietet Vermittlung und Begleitung an weiterführende Fachstellen. Sie übernimmt auch aufsuchende Arbeit, um Hemmschwellen zu überwinden und Menschen zu erreichen, die Hilfe benötigen, aber Schwierigkeiten haben, diese einzufordern.

Jugend- und Drogenberatung

Diese Beratungsstelle besteht aus zwei Fachbereichen. Der Fachbereich Jugendberatung richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 13-26 Jahren und berät unter anderem bei psychischen Problemen. Der Fachbereich Drogenberatung als Suchthilfeeinrichtung berät Konsument*innen illegaler Drogen und deren Angehörige, und bietet Angebote zur Suchtvorbeugung.

esperanza-Beratungsstellen (Caritasverband Wuppertal/Solingen)

Die esperanza-Beratungsstellen bieten werdenden Müttern und Vätern Beratung und Hilfe vor, während und nach einer Schwangerschaft. Sie unterstützen bei Fragen zu Sexualität, Familienplanung und Empfängnisregelung und können bis zum dritten Lebensjahr des Kindes in Anspruch genommen werden. Die Beratung ist kostenlos und anonym.

Wie läuft das eigentlich mit der Hebammen-Betreuung? Was macht die Hebamme? Was zahlt die Kasse?

Die Rolle der Hebamme und die Bedeutung der 1:1-Betreuung

Die Hebamme wird als die primäre Fachfrau für das Kind betrachtet. Seit Anbeginn der Menschheit sind Hebammen eng mit der Vorsorge in der Schwangerschaft, der Geburtsbegleitung und der Betreuung von Mutter und Kind verbunden. Die 1:1-Betreuung wird trotz gestiegener Haftpflichtversicherungskosten als das zentrale Arbeitsfeld von Hebammen betont.

Die Arbeit wird als erfüllend beschrieben, geprägt von Demut, Dankbarkeit, Achtung, Liebe und Freude. Das Vertrauen, die Zeit und die störungsfreie Begleitung ermöglichen es, den oft nicht einfachen Weg des Loslassens in einen bewussten und selbstbestimmten Geburtsweg zu verwandeln.

Netzwerkarbeit und spezielle Kursangebote

Netzwerkarbeit wird als große Bereicherung empfunden. Daraus entstand die Idee von speziellen Geburtsvorbereitungskursen für Familien, die ein Geschwisterkind erwarten. Regelmäßige "Referentenabende" mit hochkarätigen Referenten zu verschiedenen Themen finden in der Praxis statt, wobei Kinder willkommen sind.

Hebammenleistungen in der Praxis

Das Leistungsangebot umfasst:

  • Hebammenbetreuung in Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit - zu Hause und in der Praxis.
  • Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen gemäß Mutterschaftsrichtlinien, einschließlich CTG-Kontrollen.
  • Hebammensprechstunde und Beratung zu allen Themen rund um Schwangerschaft und danach.
  • Hilfe bei Beschwerden und Laboruntersuchungen.
  • Begleitung bei Fehlgeburt und stiller Geburt.
  • Kurse und Workshops: Rückbildung, Ultraschall-gestützter Beckenboden- und Bauchwand-Checkup, Geburtsvorbereitung.
  • Klassische Akupunktur und balancierte Ohrakupunktur (z.B. zur Geburtsvorbereitung, bei Übelkeit, Kopfschmerzen).
  • Kinesiotaping (z.B. bei Symphysenschmerzen, Rückenproblemen, Rektusdiastase, Milchstau).
  • Narbenbehandlung (z.B. nach Geburtsverletzungen oder Kaiserschnitt).
  • Diaphragmaanpassung - hormonfreie Verhütung.
  • Massagetherapie, Faszienbehandlungen, manuelle Körperarbeit (z.B. bei Kinderwunsch, zur Rückbildung, Steißbeinschmerzen).
  • Entspannungsmassagen.

Alle Angebote können auch unabhängig von einer häuslichen Wochenbettbetreuung in Anspruch genommen werden.

Individuelle Termine und Sprechzeiten

Wenn keine Hebamme für die komplette Betreuung zu Hause gefunden wurde, bietet die Praxis individuelle und regelmäßige Termine an. Aufgrund hoher Nachfrage kann es zu Verzögerungen bei der Beantwortung von Anfragen kommen, um Verständnis und Geduld wird gebeten.

Feste Sprechzeiten für Hebammen wie Michaela Holohan, Jasmin Wüster und Aileen Kusch werden angegeben. 1:1-Termine nur nach Vereinbarung.

Herausforderungen bei der Hebammensuche

Leider findet nicht jede Frau eine Hebamme für die komplette Betreuung. Die Ursachen sind vielfältig und primär wirtschaftlicher Natur. Die Arbeitsbedingungen führen dazu, dass immer weniger Hebammen aktiv tätig sind. Es wird dringend empfohlen, sich frühzeitig anzumelden, da Hebammenhilfe bereits in der Frühschwangerschaft und insbesondere bei "kleinen Geburten" (Fehlgeburten) in Anspruch genommen werden kann.

Die Kapazitäten sind begrenzt, aber alternativ werden individuelle Termine zur Hebammensprechstunde in der Praxis angeboten. Die Arbeit der Hebammen wird als medizinische Dienstleistung anerstanden.

Symbolbild für eine Praxisgemeinschaft

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