Schilddrüsenerkrankungen und Schwangerschaftsdiabetes: Ein komplexer Zusammenhang

Frauen mit Schilddrüsenerkrankungen stehen oft vor besonderen Herausforderungen, wenn es um die Erfüllung ihres Kinderwunsches geht. Die Schilddrüsenfunktion spielt sowohl vor als auch während einer Schwangerschaft eine entscheidende Rolle. Eine angemessene Therapie kann die Funktion regulieren und somit eine Schwangerschaft ermöglichen.

Erkrankungen der Schilddrüse und ihre Auswirkungen auf die Schwangerschaft

Morbus Basedow (Überfunktion der Schilddrüse)

Bei einer Diagnose von Morbus Basedow sollten Schwangerschaftspläne zunächst zurückgestellt werden. Eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion erhöht das Risiko für vorzeitige Wehen, Fehl- und Totgeburten sowie für gefährliche Präeklampsien. Zudem ist es fraglich, ob sich eine Schwangerschaft bei unbehandeltem Morbus Basedow überhaupt einstellen würde. Es ist ratsam, mit einer Schwangerschaft zu warten, bis die Behandlung abgeschlossen ist, was in der Regel ein bis zwei Jahre nach dem Absetzen der Medikamente, einer Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie der Fall ist.

Ein Morbus Basedow kann sich auch während einer Schwangerschaft entwickeln. Die daraus resultierende Schilddrüsenüberfunktion muss aufgrund der Gefährdung des Fötus umgehend behandelt werden. In niedriger Dosierung gelten die notwendigen Thyreostatika als unbedenklich. Sollte dies zur Regulierung nicht ausreichen, bleibt während der Schwangerschaft nur die Option einer Schilddrüsenoperation.

Hashimoto-Thyreoiditis (Unterfunktion der Schilddrüse)

Bei gut eingestellten Medikamenten ist die Hashimoto-Thyreoiditis kein Hinderungsgrund für den Kinderwunsch. Bis zum Ende der Stillzeit ist die Einnahme von Jodtabletten zum Wohl des Kindes unerlässlich. Die regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenerkrankung während der Schwangerschaft ist ebenfalls von großer Bedeutung.

Eine unbehandelte Hashimoto-Thyreoiditis mit Schilddrüsenunterfunktion kann den Eisprung verhindern und somit eine Zeugung unmöglich machen. In der Schwangerschaft erhöht sie das Risiko für Früh- oder Fehlgeburten sowie für Entwicklungsstörungen beim Kind, da der Fötus in den ersten Monaten von den mütterlichen Schilddrüsenhormonen mitversorgt wird.

Schema der Schilddrüse und ihrer Lage im Hals

Zusammenhang zwischen Typ-1-Diabetes, Hashimoto-Thyreoiditis und psychischen/kognitiven Problemen

Häufig erkranken Menschen sowohl an Typ-1-Diabetes als auch an einer Schilddrüsenunterfunktion, der Hashimoto-Thyreoiditis. Diese Kombination kann mit psychischen und kognitiven Problemen einhergehen.

Erhöhtes Risiko für Schilddrüsenunterfunktion bei Typ-1-Diabetes

Menschen mit Typ-1-Diabetes leiden doppelt so oft an einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) wie Menschen ohne Diabetes. Eine Hypothyreose ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Schilddrüse zu wenig Hormone bildet, was zu einem verlangsamten Stoffwechsel und reduzierter Leistungsfähigkeit führt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Der Krankheitsverlauf ist oft schleichend. Die Unterfunktion kann erst Monate oder Jahre nach dem ersten Nachweis von Antikörpern gegen die Schilddrüse im Blut auftreten. Eine manifeste Hypothyreose liegt erst vor, wenn die Konzentrationen der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) reduziert sind.

Einfluss auf Stimmung und kognitive Funktionen

Die Schilddrüse beeinflusst auch Stimmung und kognitive Funktionen. Eine Unterfunktion kann zu Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen sowie zu depressiven Verstimmungen und Angststörungen führen. Bildgebende Verfahren deuten darauf hin, dass diese Beeinträchtigungen mit Durchblutungsstörungen in bestimmten Hirnarealen vergesellschaftet sind.

Studienergebnisse zur psychischen Gesundheit

Eine Studie von Alexander Eckert und Kollegen (2020) untersuchte, ob psychische Erkrankungen bei jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis häufiger auftreten als bei Personen mit Typ-1-Diabetes ohne Hashimoto-Thyreoiditis. Die Ergebnisse zeigten, dass Personen, die mit L-Thyroxin behandelt werden mussten, deutlich häufiger unter psychischen Beschwerden litten als jene, die zwar Schilddrüsenautoantikörper aufwiesen, aber noch keine medikamentöse Therapie benötigten.

Anlässlich der Schilddrüsenwoche machten die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) auf diesen Zusammenhang aufmerksam. Ärzte sollten bei Patienten mit Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis stets auch auf psychische und kognitive Beeinträchtigungen achten.

Grafik, die den Zusammenhang zwischen Diabetes, Schilddrüsenerkrankung und psychischen Problemen darstellt

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) und Schilddrüsenerkrankungen

Es gibt Hinweise darauf, dass Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes haben könnten. Dies wird in verschiedenen Online-Foren und Diskussionen von Betroffenen thematisiert.

Häufigkeit und Risikofaktoren

Im Jahr 2020 entwickelten in Deutschland etwa 56.200 Frauen während der Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes (GDM). Insgesamt waren gut 9,5 Prozent der Schwangerschaften von Störungen des Blutzuckerstoffwechsels betroffen. Es wird eine steigende Tendenz bei diesen Zahlen verzeichnet.

Bei Schwangeren mit GDM verschlechtert sich die Glukoseverwertung durch komplexe Stoffwechselvorgänge, was zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führt. Da der Blutzuckerspiegel von Mutter und Kind über die Plazenta verbunden ist, hat dies auch Auswirkungen auf das Ungeborene. Mögliche Folgen sind ein übermäßiges Geburtsgewicht, Entwicklungsstörungen und Stoffwechselkomplikationen wie Unterzuckerung des Neugeborenen nach der Geburt.

Für die Mutter gilt GDM als Prädiabetes, da das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes nach der Geburt deutlich erhöht ist. Frauen mit GDM benötigen eine strukturierte Nachsorge, um Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen anzubieten.

Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Schilddrüsenfunktionsstörungen

Das gleichzeitige Vorkommen eines Diabetes mellitus (Typ 1 und Typ 2) mit Schilddrüsenerkrankungen ist häufig zu beobachten. Stoffwechselentgleisungen, autonome Neuropathie und Gefäßerkrankungen können Veränderungen endokriner Funktionen verursachen. Umgekehrt können Schilddrüsenfunktionsstörungen die Stoffwechseleinstellung von Diabetikern und den Kohlenhydratstoffwechsel bei Nicht-Diabetikern beeinflussen.

Stoffwechselentgleisung und das "Niedrig-T3-Syndrom"

Eine sehr schlechte Stoffwechseleinstellung bei Diabetes führt zu Veränderungen des Schilddrüsenhormonstoffwechsels, bekannt als "Niedrig-T3-Syndrom". Dabei sind die Werte für Serum-T3 erniedrigt und die für das biologisch inaktive rT3 erhöht, während T4 und TSH im Normalbereich liegen. Dieses Syndrom ist eher als Schutzmechanismus im Rahmen eines schweren Krankheitszustandes zu verstehen und normalisiert sich nach Stabilisierung der Stoffwechsellage.

Hyperthyreose und Diabetes

Bei bis zu 57 % der Patienten mit unbehandelter Schilddrüsenüberfunktion wird eine gestörte Glukosetoleranz festgestellt, bei 2-3,3 % ein manifester Diabetes. Die Schilddrüsenüberfunktion kann die Stoffwechsellage des Diabetikers zunehmend entgleisen lassen. Die klinischen Symptome ähneln sich, was zu Fehlinterpretationen führen kann. Eine Intensivierung der Diabetesbehandlung, oft mit Insulin, ist in solchen Fällen notwendig.

Hypothyreose und Diabetes

Eine manifeste oder subklinische Hypothyreose kann bei Menschen mit Diabetes zu einer verstärkten Hypoglykämieneigung führen. Die Normalisierung der Schilddrüsenunterfunktion durch Substitutionstherapie stabilisiert die Stoffwechsellage. Die Autoimmunthyreoiditis ist die häufigste Ursache der Hypothyreose in Deutschland und tritt bei Menschen mit Typ-1-Diabetes drei- bis fünfmal häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.

Ein regelmäßiges Screening der Schilddrüsenfunktion (mindestens einmal jährlich) ist für Diabetiker, insbesondere für insulinpflichtige mit Hypoglykämieneigung und Frauen mittleren bis höheren Alters, dringend empfohlen.

Infografik, die die gegenseitigen Einflüsse von Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen darstellt

Schilddrüsenfunktion während der Schwangerschaft

Physiologische Veränderungen

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an mütterlichen Schilddrüsenhormonen. Das Schwangerschaftshormon hCG, das im ersten Trimester ansteigt, stimuliert die Schilddrüse zusätzlich zur Hormonproduktion. Dies kann zu einem Abfall des TSH-Spiegels im Blut führen.

Die Referenzbereiche für TSH, fT4 und fT3 ändern sich in der Schwangerschaft und sind oft enger gefasst bzw. niedriger als bei Nicht-Schwangeren.

Schwangerschaft und Jodbedarf

Mit Beginn der Schwangerschaft steigt der Jodbedarf der Frau an. Die Schilddrüse des Fötus beginnt ab der 16. Schwangerschaftswoche, Jod aus dem mütterlichen Blutkreislauf aufzunehmen. Eine unzureichende Jodversorgung kann zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen führen. Die Empfehlung zur Jodsubstitution (100-150 µg) gilt grundsätzlich auch für Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow in Remission, sofern keine Hyperthyreose vorliegt.

Die fetale Schilddrüse

Die Schilddrüsenhormone der Mutter sind bis zur Geburt für die Entwicklung des Fötus, insbesondere für die neurologische und neurokognitive Entwicklung, unabdingbar. Eine Unterversorgung kann zu Intelligenzminderung, verzögerter geistiger Entwicklung oder Skelettmissbildungen führen.

Diagnostik und Behandlung von Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft

Diagnostische Verfahren

Zur Diagnostik werden Blutwerte wie TSH, fT4 und Schilddrüsenautoantikörper (Anti-TPO-AK, TRAK) bestimmt. Eine Schilddrüsensonographie kann zur Beurteilung des Schilddrüsenvolumens und zur Detektion von Knoten eingesetzt werden.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) in der Schwangerschaft

Eine Hypothyreose ist ein ernstzunehmendes Problem während der Schwangerschaft. Etwa 5 % aller Schwangeren weisen eine latente oder manifeste Hypothyreose auf, oft bedingt durch Jodmangel oder Hashimoto-Thyreoiditis. Die Behandlung erfolgt mit Levothyroxin und ggf. Jodid.

Die Einstellung der Hormondosis sollte engmaschig erfolgen, da der Hormonbedarf im Verlauf der Gravidität steigen kann. Bei Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis wird die Jodzufuhr primär für das Kind sichergestellt, während die Therapie sich am TSH-Spiegel orientiert.

Entwicklung von Embryo und Fetus – Biologie | Duden Learnattack

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) in der Schwangerschaft

Eine Hyperthyreose kann durch Knoten oder Morbus Basedow verursacht werden. Klinische Zeichen sind z. B. erhöhter Ruhepuls, Gewichtsverlust und Nervosität. Die Therapie erfolgt individuell und kann Thyreostatika oder eine Operation umfassen.

Besondere Lebenssituationen

Bei Frauen mit Diabetes, insbesondere Typ-1-Diabetes, ist während der Gravidität und Stillperiode besondere Aufmerksamkeit auf die Schilddrüsenfunktion gerichtet. Regelmäßige Kontrollen sind unerlässlich, um mögliche Komplikationen zu vermeiden.

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