Wechseljahre, FSH und Stillzeit: Ein komplexes Zusammenspiel

Die Frage, ob ein niedriger Prolaktinspiegel, hohe FSH- und LH-Werte sowie das nächtliche Stillen auf die Wechseljahre hindeuten oder mit der Stillzeit zusammenhängen, ist komplex. Wenn die Eierstockfunktion eingeschränkt ist, kann dies den Menstruationszyklus beeinflussen und zu Zyklusstörungen führen.

Hormonelle Regulation des weiblichen Zyklus

Bis zum Eintritt der Wechseljahre sorgt ein fein reguliertes Zusammenspiel von Hormonen im Körper dafür, dass ein Zyklus abläuft, der den weiblichen Körper in einem monatlich wiederkehrenden Rhythmus auf die Befruchtung einer Eizelle und deren Einnistung in der Gebärmutter vorbereitet. Von der Pubertät an reifen in jedem Zyklus, der in der Regel 25 bis 35 Tage dauert, in den Eierstöcken (Ovarien, Keimdrüsen) eine oder mehrere befruchtungsfähige Eizellen in den so genannten Follikeln (Eibläschen) heran.

Der größte Follikel platzt (Eisprung) etwa in der Mitte des Zyklus und die Eizelle wird in den Eileiter gespült und durch fließende Bewegung von feinen Fimbrienhaaren Richtung Gebärmutter bewegt. Die Gebärmutterschleimhaut bereitet sich parallel dazu auf das Einnisten einer befruchteten Eizelle vor. Nistet sich die Eizelle nicht ein oder geht sie zugrunde, wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen und es kommt zur Menstruationsblutung.

Die wichtigsten weiblichen Sexualhormone sind die Östrogene und das Progesteron, die vorwiegend in den Eierstöcken, in geringen Mengen auch in der Nebennierenrinde, im Fett- und anderen Geweben hergestellt werden. Daneben werden in den Ovarien und der Nebennierenrinde ab der Pubertät auch männliche Hormone, die Androgene, gebildet. Als wichtigstes sei hier das Testosteron genannt.

Der Prozess der Östrogen- und Progesteronproduktion sowie das Heranreifen der Eizellen in den Eierstöcken werden durch übergeordnete Hormon-Kontrollzentren, den Hypothalamus und die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) stimuliert.

Schema der hormonellen Regulation des weiblichen Zyklus, mit Beteiligung von Hypothalamus, Hypophyse und Eierstöcken.

Follikelstimulierendes Hormon (FSH) und seine Rolle

Frauen haben eine festgelegte und damit endliche Anzahl von Follikeln in ihren Eierstöcken. Während der Geschlechtsreife werden die Eizellen in den Eierstöcken fast vollständig verbraucht. Hat ein Mädchen bei seiner Geburt bis zu 400.000 entwicklungsfähige Eizellen in den Eierstöcken, so ist dieser Vorrat zum Zeitpunkt der Menopause aufgebraucht.

Dadurch, dass immer weniger Follikel in den Ovarien heranreifen bzw. deren Ansprechbarkeit nachlässt, wird der hormonelle Regelkreis verändert. Folglich bleiben der Eisprung und die Gelbkörperphase immer häufiger aus. Die Produktion und Ausschüttung von Gelbkörperhormon in der zweiten Zyklushälfte ebbt ab, bis letztendlich auch die Östrogenproduktion in den Eierstöcken zum Erliegen kommt. Östrogene werden in geringem Maße noch in der Nebennierenrinde und dem Fettgewebe gebildet.

Funktionen von FSH

Das Follikelstimulierende Hormon (FSH) ist ein Hormon, das aus dem Hypophysenvorderlappen (Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse) kommt und an der Steuerung des Menstruationszyklus mitwirkt. Es fördert bei der Frau die Produktion der Östrogene im Eierstock und bei Männern die Spermienbildung.

FSH regt die Eierstöcke zur Bildung von Follikeln an, kleinen Strukturen, in denen sich Eizellen befinden. Außerdem reguliert es den Menstruationszyklus, einen monatlichen Prozess, der den Körper einer Frau auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. FSH wird vom Gehirn freigesetzt und wirkt auf die Eierstöcke ein, was dazu führt, dass die Follikel zu wachsen beginnen. Während der Follikelentwicklung beginnen diese, ein weiteres Hormon namens Östradiol zu produzieren, welches die Produktion von FSH im Gehirn reduziert. Dieser Rückgang von FSH führt dazu, dass nur einer der wachsenden Follikel überlebt - der dominante Follikel. Der FSH-Spiegel steigt während der Ovulationsphase des Menstruationszyklus wieder an, bleibt aber während der Lutealphase niedrig, bis die Menstruation einsetzt und ein neuer Zyklus beginnt.

Darüber hinaus wird FSH in einigen Medikamenten verwendet, um Frauen zu helfen, die Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden. Diese Medikamente tragen dazu bei, die Eierstöcke zu stimulieren, damit die Follikel angeregt werden und sich alle aktivierten Follikel entwickeln.

FSH-Werte und ihre Interpretation

FSH-Tests sollten zu Beginn des Menstruationszyklus durchgeführt werden, empfohlen wird der 3. Zyklustag. Normale FSH-Werte liegen normalerweise zwischen 3-9 mIU/ml. Ein FSH-Wert außerhalb dieses Bereichs kann auf ein Problem oder eine Störung im Menstruationszyklus hinweisen.

Normale FSH-Werte im Zyklus

Zyklusphase FSH-Wert (U/l)
Erste Zyklushälfte (Follikelphase) 2,5 - 10,2
Eisprung (Ovulation) 3,4 - 33,4
Zweite Zyklushälfte 1,5 - 9,1
Schwangerschaft unter 0,3

Frauen nach den Wechseljahren weisen erhöhte FSH-Konzentrationen von 23,0 bis 116,3 U/l auf. Bei Männern liegt die normale FSH-Konzentration bei 1,4 bis 18,1 U/l. Bei Kindern unter 12 Jahren beträgt der FSH-Wert normalerweise maximal 5,0 U/l.

Hohe FSH-Werte sind in der Perimenopause und in den Wechseljahren normal. Der Körper produziert mehr Hormone, um das Follikelwachstum zu fördern, damit der Eisprung stattfinden kann. Ein erhöhter FSH-Wert kann unter anderem ein Hinweis darauf sein, dass die Geschlechtshormonbildenden Drüsen (die Eierstöcke bei der Frau, die Hoden beim Mann) nicht richtig funktionieren.

Ein niedriger FSH-Wert kann ein Zeichen dafür sein, dass der Hypothalamus oder die Hypophyse nicht richtig funktionieren - solch eine Fehlfunktion kann zum Beispiel durch einen Tumor, eine Entzündung oder durch Unfälle und Schädelverletzungen bedingt sein. In der Schwangerschaft ist der FSH-Wert natürlicherweise erniedrigt. Auch eine hohe Konzentration von Prolaktin im Blut (Hyperprolaktinämie) kann niedrige FSH-Werte bewirken.

Grafik, die die normalen FSH-Werte im weiblichen Zyklus und bei Menopause darstellt.

Zusammenhang zwischen Stillzeit und Fruchtbarkeit

Die biologische Uhr tickt. Stillende Mütter, die weitere Kinder wünschen, sind häufig besorgt, wenn die Rückkehr ihrer Fruchtbarkeit auf sich warten lässt. Nun gibt es erste Hinweise aus der Forschung, dass eine längere Dauer des ausschließlichen Stillens den Zeitpunkt der Menopause etwas hinauszögern kann.

Während der so genannten Laktationsamenorrhoe - d.h. dem Ausbleiben der Menstruation am Anfang der Stillzeit - wird der Eisprung unterdrückt. Studien zeigen, dass sowohl Schwangerschaften als auch Stillen mit einem verminderten Risiko assoziiert sind, früh, d.h. vor dem 45. Geburtstag, in die Menopause zu kommen.

Der Zeitpunkt, wann eine Frau in die Menopause kommt, ist individuell sehr unterschiedlich. Sie hängt von ihrer angeborenen Eizellenanzahl, der Verlustrate ihrer Eizellen im Laufe des Lebens, und ihrem Grenzwert der Eizellenanzahl ab, die für die Aufrechterhaltung des Menstruationszyklus erforderlich ist. Der reproduktive Alterungsprozess ist durch den allmählichen quantitativen wie qualitativen Verlust der Eizellen innerhalb der Eierstockfollikel charakterisiert. Reproduktive Ereignisse wie Schwangerschaften und Stillen können das Aufbrauchen der Follikel hinauszögern.

Frauen, die in ihrem Leben insgesamt 7 bis 12 Monate ausschließlich stillten, hatten in Analysen das niedrigste Risiko einer frühen Menopause. Eine weitere Verringerung des Risikos durch eine längere Dauer ausschließlichen Stillens ist möglich.

Die Fruchtbarkeit kehrt bei prämenopausalen Frauen noch während der Stillzeit allmählich zurück, bei der einen Frau früher, bei der anderen später, meist wenn die Häufigkeit und Dauer der Stillmahlzeiten langsam nachlässt. Das Stillen kann auch bei weiterem Kinderwunsch fortgesetzt werden, viele Frauen stillen während der Schwangerschaft weiter und manche stillen sogar mehrere Kinder parallel (Tandemstillen).

Für die Gesundheit der Frau und ihrer Kinder ist eine Pause zwischen einer Geburt und einer nachfolgenden Schwangerschaft von 1 bis 2 Jahren ideal, da eine zu dichte Abfolge von Schwangerschaften die Komplikationsrate während der nachfolgenden Schwangerschaft und Geburt erhöht. Auch das ältere Geschwisterkind profitiert von einer längeren Stillzeit mit reichlich Muttermilch und mehr Zeit und Zuwendung von seinen Eltern durch längere Pausen in der Geschwisterabfolge.

Der Menstruationszyklus | Animation

Wechseljahre: Symptome und Diagnose

Meist kündigt sich das Klimakterium durch Zyklusstörungen wie eine Verkürzung des Zyklus oder unregelmäßige Blutungsabstände an. Bei Frauen in dieser Lebensphase werden die Eisprünge zunehmend unregelmäßig, und es gibt Zyklen mit und auch ohne Eisprung. Letztere nehmen mit zunehmender Nähe zur Menopause zu. Auch die Zykluslänge und die Blutungsdauer schwanken häufig.

Die Perimenopause ist durch eine Abnahme der Eierstockfunktion (Ovarialfunktion) gekennzeichnet. Sobald die ermüdenden Eierstöcke weniger auf die Steuerungshormone reagieren, kommt es zu einer verstärkten Ausschüttung des follikelstimulierenden Hormons (FSH). Dadurch werden die Follikelreifung und so die Östrogenbildung während dieser Zyklen noch einmal stark angeregt. Dies hat insbesondere nun höhere Östrogenspiegel ab der 3. Zykluswoche zur Folge. Die Gestagen- bzw. Progesteronspiegel steigen hingegen in dieser Zyklusphase nur gering an, so dass gleichzeitig ein Progesteronmangel vorliegt. Als Folge der Östrogendominanz können Frauen ein starkes Spannungsgefühl in der Brust (Mastodynie) in der zweiten Zyklushälfte bekommen und eine verstärkte Regelblutung (Hypermenorrhoe), die möglicherweise von Unterbauchschmerzen und Vorblutungen begleitet wird.

Allmählich geht die Zahl der noch in den Eierstöcken (Ovarien) zur Verfügung stehenden stimulierbaren Follikel zur Neige und irgendwann ist dieses Gewebe verbraucht. Die Eierstöcke, die ihre Aktivität immer weiter zurückgefahren haben, stellen schließlich die Produktion der weiblichen Hormone ganz ein. Zyklus und Monatsblutung bleiben aus. Es kann zu Östrogenmangelsymptomen kommen. Bleibt die Regelblutung über Wochen oder Monate aus, muss dies jedoch nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Eierstöcke gar nicht mehr tätig werden. Solange noch eine Restfunktion der Eierstöcke besteht, kann eine möglicherweise stark schwankende ovarielle Aktivität mit wechselnden Östrogenmangelsymptomen (intermittierend) einhergehen. Damit einhergehende Beschwerden können also mit Unterbrechungen wiederkehrend auftreten (und eine wirksame Therapie verkomplizieren).

Ein hoher FSH-Wert im Alter von 40 Jahren ist in der Regel ein Zeichen dafür, dass die ovarielle Reserve (die Anzahl der Eizellen in den Eierstöcken) abnimmt. Dies kann auf natürliche Weise mit dem Alter oder aufgrund eines vorzeitigen Versagens der Eierstöcke geschehen. Um die Fruchtbarkeit einer Frau besser zu verstehen und zu prüfen, ob eine IVF-Behandlung erfolgreich sein kann, ist es wichtig, nicht nur FSH, sondern auch das Anti-Müller-Hormon (AMH) zu testen und Ultraschalluntersuchungen durchzuführen.

Wenn der FSH-Wert sehr hoch und die Eierstockreserve niedrig ist, kann eine IVF-Behandlung mit eigenen Eizellen weniger erfolgreich sein, insbesondere bei Frauen über 40. Bei der Verwendung von Spendereiern steigen die Erfolgsaussichten erheblich, da die Spendereier von jungen Frauen mit guter Fruchtbarkeit stammen.

Diagnostische Kriterien

Ein FSH-Test kann zusammen mit anderen Hormontests angeordnet werden, wenn:

  • Frau nach einem Jahr der Versuche, schwanger zu werden, noch nicht schwanger ist.
  • Unregelmäßige oder ausbleibende Perioden vorliegen.
  • Vorzeitige Menopause (Alter 40 oder jünger) vermutet wird.
  • Frühzeitige Menopause (vor dem 45. Lebensjahr) vorliegt.
  • Menopause-bedingte Symptome vorliegen, deren Ursache unklar ist.
  • Vermindertes sexuelles Interesse besteht.

Bei abnormalen FSH-Werten ist es ratsam, einen Fruchtbarkeitsspezialisten aufzusuchen, um eine genauere Diagnose zu stellen und die am besten geeignete Behandlung zu bestimmen.

FSH bei Männern

In der Pubertät entwickelt der Mann einen FSH-Spiegel, der die Funktion der Hoden und zusammen mit Testosteron die Spermienproduktion aktiviert. FSH spielt eine Schlüsselrolle, indem es auf die Sertoli-Zellen einwirkt, die sich in den Hodenkanälchen des Hodens befinden. Diese Zellen sind für den Schutz und die Ernährung der Spermatogonien, der Vorläufer der Spermien, verantwortlich und somit für den Prozess der Spermatogenese unerlässlich. Sowohl FSH als auch Testosteron sind für die Stimulierung und Aufrechterhaltung der Spermienproduktion in den Hoden unerlässlich.

Die Beurteilung der männlichen Fruchtbarkeit basiert hauptsächlich auf dem Spermiogramm, aber auch die FSH-Analyse bei Männern kann wertvolle Informationen liefern, wenn Veränderungen der Samenparameter festgestellt werden. Bei Männern kann ein hoher FSH-Wert darauf zurückzuführen sein, dass die Hoden nicht genügend Spermien produzieren. Ein niedriger FSH-Wert bei Männern kann u. a. mit hypogonadotropem Hypogonadismus, Hyperprolaktinämie, die durch die Einnahme von Antidepressiva oder Blutdrucksenkern ausgelöst wird, zusammenhängen.

Medikamentöse Behandlung und Fruchtbarkeitsbehandlung

Wenn Sie versuchen, schwanger zu werden, und Ihr FSH-Spiegel verändert ist, sind FSH-haltige Medikamente bei Behandlungen der assistierten Reproduktion wie der künstlichen Befruchtung (AI) oder der In-vitro-Fertilisation (IVF) unerlässlich. Ihre Hauptfunktion besteht darin, die Follikelentwicklung in der Stimulationsphase der Eierstöcke zu stimulieren, so dass mehrere Follikel gleichzeitig heranreifen können, anstatt einen einzigen dominanten Follikel auszuwählen.

Während der IVF-Behandlung können Frauen FSH-haltige Medikamente verschrieben werden, insbesondere:

  • Patientinnen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS), bei denen der Eisprung gestört ist.
  • Frauen mit geringer Ovarialreserve, bei denen das Ziel darin besteht, das Ansprechen der Eierstöcke bei Fruchtbarkeitsbehandlungen zu verbessern.
  • Patientinnen, die unter Anovulation leiden.
  • Fälle, in denen frühere Stimulationszyklen mit Clomiphencitrat fehlgeschlagen sind.

Bei Männern können FSH-haltige Medikamente bei Patienten mit hypogonadotropem Hypogonadismus, entweder angeboren oder erworben, sowie bei Männern mit hormonell bedingter Azoospermie verschrieben werden, bei denen die Verabreichung von FSH die Spermienproduktion fördern kann.

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig.

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