Der Grasfrosch: Fortpflanzung und Lebensweise

Der Grasfrosch (Rana temporaria) gehört zur Gattung der Echten Frösche und ist in Europa weit verbreitet. Bekannt ist er auch unter den Namen „Taufrosch“ und „Märzfrosch“. Gemeinsam mit ähnlich lebenden Arten wie dem Springfrosch und dem Moorfrosch wird er unter dem Sammelbegriff „Braunfrösche“ geführt.

Merkmale des Grasfrosches

Erwachsene Grasfrösche erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von maximal elf Zentimetern, wobei Weibchen tendenziell etwas größer werden als Männchen. Die meisten Exemplare sind jedoch zwischen sieben und neun Zentimetern lang und wirken eher plump.

Die Oberseite des Grasfrosches kann gelb-, rot- oder dunkelbraun gefärbt sein, oft mit unregelmäßigen schwarzen Flecken. Charakteristisch sind die beiden Rückendrüsenleisten, die sich im Schulterbereich annähern, sowie der deutlich dunkelbraun abgesetzte, dreieckige Schläfenfleck mit dem Trommelfell. Die Querstreifung der Hinterbeine ist ebenfalls ein typisches Merkmal aller Braunfrösche.

Die Unterseite variiert: Bei Männchen ist sie weißlich-grau und meist ungefleckt, bei Weibchen oft gelb und rötlich marmoriert. Die Schnauzenspitze ist stumpf abgeschrägt, die Pupille länglich und waagerecht ausgerichtet.

Die Vorderbeine der Männchen sind kräftiger gebaut als die der Weibchen, was auf das Fortpflanzungsverhalten zurückzuführen ist. Während der Laichzeit können die Männchen durch Ansammlungen von Lymphflüssigkeit „schwabbelig“ wirken und sogar leicht bläulich erscheinen. An den inneren Fingern bilden sie dunkle, raue Brunstschwielen aus.

Schemazeichnung eines Grasfrosches mit Hervorhebung der charakteristischen Merkmale wie Schläfenfleck und Rückendrüsenleisten.

Fortpflanzung und Laichzeit

Im zeitigen Frühjahr, meist Mitte bis Ende März in Mitteleuropa, versammeln sich die aus der Winterstarre erwachten Grasfrösche in ihren Laichgewässern. Dies geschieht oft nach nächtlichen Wanderungen bei frostfreiem Regenwetter.

Die Männchen suchen am Ufer und im Flachwasser nach den etwas später eintreffenden Weibchen. Sie äußern leise Paarungsrufe, die mit zwei inneren Schallblasen erzeugt werden und als dumpfes Knurren oder Brummen beschrieben werden können. Diese Rufe spielen für die Organisation der Laichgesellschaft eine geringere Rolle als bei wandernden Froschlurchen, da Grasfrösche ortstreu sind und sich oft am selben Gewässer einfinden.

Der Grasfrosch ist ein sogenannter „Explosivlaicher“, was bedeutet, dass seine Fortpflanzungsphase auf wenige Tage konzentriert ist. Die Paarungsrufe sind daher nur kurz zu hören, sowohl tagsüber als auch vermehrt nach Einbruch der Dunkelheit.

Das Fortpflanzungsgeschehen findet oft in vegetationsreichen und besonnten Uferabschnitten statt. Dies kann zu Ansammlungen von hunderten, selten sogar tausenden Laichklumpen auf mehreren Quadratmetern Fläche führen.

Luftaufnahme eines Laichgewässers mit sichtbaren Laichballen auf der Wasseroberfläche.

Der Laich und die Laichballen

Die Laichballen des Grasfrosches sind besonders groß und enthalten etwa 700 bis 4400 Eier, meist zwischen 1000 und 2500. Ein Weibchen legt in der Regel nur einen Laichballen ab, selten zwei.

Bei der Eiablage wird der Laich vom Männchen, das rücklings auf dem Weibchen sitzt, besamt. Dieser Prozess der Umklammerung wird als Amplexus bezeichnet.

Die Eier sind fast schwarz gefärbt, mit einer winzigen Aufhellung am unteren Pol. Der Eidurchmesser beträgt 1,7 bis 2,8 Millimeter, die umgebende Gallerte hat bei reifem Laich einen Durchmesser von 8 bis 10 Millimetern.

Nach dem Ablaichen quillt die Gallerte auf, und die Ballen steigen durch Gasbildung meist an die Wasseroberfläche, wo sie als große, treibende „Fladen“ gut sichtbar sind. Die Gallerte wirkt wie eine Brennslupe, wodurch sich die oberen und mittleren Eier schneller erwärmen und die Keimlinge schneller zur Entwicklung kommen. Allerdings besteht im Frühjahr auch die Gefahr des Überfrierens, insbesondere für die äußeren Eier.

Larvalentwicklung und Metamorphose

Je nach Umgebungstemperatur schlüpfen die zunächst 6 bis 9 Millimeter langen Larven (Kaulquappen) nach wenigen Tagen oder bis zu vier Wochen.

Bei älteren, schwimmfähigen Kaulquappen reicht der obere Flossensaum des Schwanzes höchstens bis zur Rumpfmitte. Der Ruderschwanz erreicht maximal die doppelte Rumpflänge und endet eher stumpf. Die Grundfarbe ist braun mit kupfer- bis bronzefarbigen Flecken; die Gesamtlänge kann zuletzt etwa 46 Millimeter betragen.

Die aquatische Entwicklung bis zur Metamorphose zum Landtier dauert je nach äußeren Bedingungen etwa zweieinhalb bis drei Monate. In Mitteleuropa verlassen die meisten Jungfrösche das Gewässer Mitte bis Ende Juni. In Hochgebirgslagen können sich Laichzeitpunkt und Larvalentwicklung erheblich verzögern, die Eiablage erfolgt dann mitunter erst im Sommer.

Schemazeichnung einer Kaulquappe mit Hervorhebung des Schwanzes und der Flossensäume. Daneben eine Illustration der Metamorphose.

Lebensweise und Habitat

Nach der Metamorphose verlässt der Grasfrosch meist sehr rasch das Gewässer und geht zum Landleben über. Als Habitate werden Grünland, Saumbiotope, Gebüsche, Gewässerufer, Wälder, Gärten, Parks sowie Moore besiedelt.

Grasfrösche sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie jagen nachts nach Insekten, Asseln, Würmern, Spinnen und Nacktschnecken. Tagsüber verstecken sie sich an feuchten Plätzen zwischen Vegetation oder unter Steinen und Totholz.

Die Überwinterung erfolgt manchmal am Grund von Gewässern, überwiegend aber terrestrisch in Erdlöchern und ähnlichen frostfreien Unterschlüpfen.

Ernährung

Die Nahrung des Grasfrosches besteht hauptsächlich aus wirbellosen Tieren wie Käfern, Laubheuschrecken, Asseln, Würmern und Spinnen. Obwohl sie keine Bitterstoffe enthalten, werden Laich und Kaulquappen von Molchen und Fischen gefressen, wobei Molche als besonders effektive Laichräuber gelten.

Feinde und Gefährdung

Der Grasfrosch hat zahlreiche natürliche Feinde, darunter verschiedene Vogelarten (Störche, Bussarde, Milane, Eulen), Reptilien (Ringelnatter), Fische, Wildschwein, Rotfuchs und Dachs.

Grasfrösche werden unter natürlichen Bedingungen selten älter als zehn Jahre. Viele sterben früher aufgrund von Fressfeinden, Verlusten bei der Überwinterung, Krankheiten und zivilisatorischen Faktoren wie Straßenverkehr und Umweltgiften.

In den letzten Jahren wurden lokale und regionale Bestandsrückgänge festgestellt, insbesondere in monotonen Agrarlandschaften. Der Grasfrosch wird daher in Deutschland in der Kategorie „Vorwarnliste“ der Roten Liste geführt. Wichtige Gefährdungsfaktoren sind der Verlust von Laich- und Überwinterungsgewässern durch Drainage und Bebauung, die intensive Nutzung von Flächen nahe der Laichgewässer sowie Umweltgifte wie Gülle und Düngemittel.

Amphibien: Gefährliche Wanderschaft

Verbreitung und Unterarten

Der Grasfrosch ist im größten Teil Europas vertreten, von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa und den europäischen Teil Russlands bis nach West-Sibirien und Nord-Kasachstan. Größere Verbreitungslücken bestehen im Mittelmeerraum Südeuropas.

In Deutschland ist der Grasfrosch von der Nord- und Ostseeküste bis in die Alpen verbreitet, wobei die Bestandsdichten je nach Landschaftsstruktur stark variieren.

Aktuell gibt es keine offiziell anerkannten Unterarten. Früher beschriebene Unterarten wie Rana temporaria parvipalmata werden heute als eigene Arten geführt.

Als nahverwandte Schwesterart gilt Rana pyrenaica.

Evolution und Fossilfunde

Die ältesten Fossilfunde des Grasfrosches in Mitteleuropa datieren aus dem späten Oberpliozän vor etwa zwei Millionen Jahren. Archäologische Funde belegen, dass bereits die vorgeschichtliche Bevölkerung Froschschenkel verzehrte.

Vergleich mit anderen Braunfroscharten

Die Unterscheidung von Grasfrosch und Springfrosch ist oft schwierig. Der Grasfrosch hat eine stumpfere Schnauze, ein etwas kleineres Trommelfell, das weiter vom Auge entfernt liegt, und kürzere Hinterbeine. Zudem sind die Kehl- und Bauchseite des Grasfrosches immer gefleckt, während sie beim Springfrosch oft ungefleckt sind. Die Brunstschwielen der Männchen sind beim Grasfrosch dunkel, beim Springfrosch grau pigmentiert.

Im Gegensatz zum Grasfrosch, der den Laich meist an der Wasseroberfläche platziert, setzt der Springfrosch den Laich in einer Tiefe von 20-50 cm an Pflanzenstängeln an.

Hybridisierung

Bastarde zwischen Grasfrosch und Moorfrosch sind in freier Natur selten und zeigen meist starke Missbildungen, die zum Absterben vor der Metamorphose führen. Paarungen zwischen Grasfrosch und Springfrosch führen nie zu erfolgreichen Befruchtungen.

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