Gynäkologische Untersuchung und Trächtigkeitsmanagement beim Pferd

Eine gesunde und erfolgreiche Zucht erfordert die kompetente Betreuung sowohl der Stute als auch des heranwachsenden Embryos. Die Tierärztliche Klinik für Pferde am Sorpesee steht Ihnen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zur Verfügung und begleitet Sie und Ihre Stute mit fachlicher Expertise und Einfühlungsvermögen.

Trächtigkeitsuntersuchung: Früherkennung und Sicherheit

Eine Trächtigkeitsuntersuchung sollte beim Pferd durchgeführt werden, um den Erfolg einer Bedeckung zu bestätigen. Die Feststellung einer Nichtträchtigkeit ermöglicht eine erneute Belegung in der nächsten Rosse. Die Trächtigkeitsuntersuchung der Stute dient der frühzeitigen Kontrolle des Zuchterfolgs.

In den ersten Monaten sind die äußerlichen Merkmale einer Trächtigkeit beim Pferd nicht zu erkennen. Die Gebärmutter ist erst im fünften bis achten Monat der Trächtigkeit durch das Absenken im sogenannten Senkstadium und den wachsenden Bauchumfang deutlich erkennbar.

Um eine Schwangerschaft sicher zu bestätigen oder auszuschließen, ist es wichtig, nach einer Bedeckung immer eine Trächtigkeitsuntersuchung durchzuführen. Die Trächtigkeitsuntersuchung hilft zudem, Ursachen für das Ausbleiben einer Trächtigkeit zu erkennen und ermöglicht die frühzeitige Diagnose krankhafter Veränderungen. Regelmäßige Kontrollen sichern die optimale Versorgung der Stute und fördern eine gesunde Entwicklung des Fohlens.

Risiken und Komplikationen in der Frühträchtigkeit

Besonders im ersten Trächtigkeitsdrittel besteht ein erhöhtes Risiko für Störungen wie eine unbemerkte Resorption des Embryos. Ab dem 42. Tag lässt sich der Trächtigkeitsstatus zuverlässig beurteilen.

Im Rahmen einer Trächtigkeitsuntersuchung lassen sich auch anatomische Veränderungen wie Zysten oder eine gestörte Gebärmutterschleimhaut (z. B. bei Endometritis) erkennen. Bleiben sie unerkannt, führt dies nicht selten zum Absterben des Embryos (Fruchttod).

Zwillingsträchtigkeit beim Pferd

Eine Kontrollmaßnahme, die die Trächtigkeitsuntersuchung bietet, ist die frühzeitige Erkennung einer Doppelovulation, bei der sich zwei Embryonen entwickeln. Bei etwa ein bis zwei Prozent aller Trächtigkeiten kommt es beim Pferd zur Zwillingsträchtigkeit, die mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Da Stuten nur eine Plazenta ausbilden, reicht die Versorgung für zwei Fohlen meist nicht aus. In den meisten Fällen endet eine Zwillingsträchtigkeit mit einem Abort beider Embryonen. Wird die Trächtigkeit nicht unterbrochen, ist eines der geborenen Fohlen häufig unterentwickelt und anfällig für Erkrankungen.

Schema der Gebärmutter einer Stute mit Darstellung von Eierstöcken und Eileitern

Zeitliche Abstufung der Trächtigkeitsuntersuchungen

Eine Trächtigkeitsuntersuchung beim Pferd sollte etwa zwei Wochen nach der Ovulation, also zwischen dem 15. und 18. Tag nach der erfolgten Besamung stattfinden. Eine Wiederholungsuntersuchung wird zwischen dem 30. und 40. Tag empfohlen.

Eine Trächtigkeit ist bei der Stute bereits ab dem 15. Tag nach der Ovulation mittels transrektaler Ultraschalluntersuchung feststellbar. Ab dem 18. Tag liegt die Diagnosesicherheit bei etwa 98 %, da die Fruchtblase zu diesem Zeitpunkt eindeutig darstellbar ist.

Da in den ersten 30 Tagen ein erhöhtes Risiko für embryonale Verluste besteht, wird eine zweite Trächtigkeitsuntersuchung zwischen dem ersten und zweiten Monat nach der Besamung empfohlen. Erst zu diesem Zeitpunkt lässt sich eine Zwillingsträchtigkeit sicher ausschließen.

Eine dritte Kontrolluntersuchung um den 60. Trächtigkeitstag ist optional und in der Regel nur bei klinischen Auffälligkeiten erforderlich. Auf Wunsch wird in diesem Rahmen auch eine Geschlechtsbestimmung des Fötus durchgeführt.

Wenn bei den bisherigen Ultraschalluntersuchungen keine Auffälligkeiten festgestellt wurden und die Stute klinisch unauffällig ist, sind keine weiteren Kontrollen notwendig. Insbesondere bei Problemstuten empfiehlt sich jedoch eine zusätzliche Untersuchung im Herbst, da Aborte während der Weidesaison leicht unbemerkt bleiben.

Verliert eine im Frühjahr als tragend eingestufte Stute ihr Fohlen unbemerkt im Sommer, wird sie weiterhin wie eine trächtige Stute betreut. Dies kann gesundheitliche Folgen haben und die weitere Zuchtplanung beeinträchtigen.

Methoden der Trächtigkeitsdiagnostik

Die Trächtigkeitsuntersuchung bei Stuten wird primär mittels Ultraschall durchgeführt. Die Sonografie der Gebärmutter erfolgt transrektal (über das Rektum) oder transabdominal (durch die Bauchwand).

1. Ultraschalluntersuchung (Sonografie)

Die wichtigste Methode zur Feststellung einer Trächtigkeit bei Stuten ist die Ultraschalluntersuchung. Die sonografische Untersuchung der Gebärmutter erfolgt entweder transrektal oder transabdominal. Bei der transrektalen Sonografie wird der Ultraschallkopf rektal eingeführt und direkt an die Gebärmutter herangeführt. Die transabdominale Sonografie durch die Bauchwand wird in der Regel erst in fortgeschrittenen Trächtigkeitsstadien eingesetzt.

Der Ultraschall ist das primäre Untersuchungsverfahren, um eine Schwangerschaft sicher festzustellen. Darüber hinaus ermöglicht er eine Einschätzung der embryonalen Entwicklung und die frühzeitige Erkennung von Auffälligkeiten oder krankhaften Veränderungen der Gebärmutter.

Illustration einer transrektalen Ultraschalluntersuchung bei einer Stute

2. Transrektale Palpation

Eine weitere Methode zur Feststellung einer Trächtigkeit bei Pferden ist die transrektale Palpation. Dabei tastet der Tierarzt die Gebärmutter der Stute per Hand über das Rektum ab, um Veränderungen zu erfassen, die auf eine Trächtigkeit hinweisen. Durch das Abtasten der Gebärmutter lassen sich im Verlauf der Trächtigkeit Informationen über Lage, Größe und Konsistenz sowie über den Entwicklungsstand des Fötus gewinnen. Die Palpationsmethode erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und anatomischem Fachwissen.

3. Hormonelle Testverfahren

Zur Feststellung einer Trächtigkeit eignen sich neben der Ultraschall- und der transrektalen palpatorischen Untersuchung auch hormonelle Testverfahren.

PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin)

PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) ist ein Hormon, das ausschließlich von trächtigen Pferden zwischen dem 40. und dem 120. Tag der Trächtigkeit in der Gebärmutter produziert wird. Eine Blutuntersuchung auf PMSG ist zwischen dem 45. und dem 100. Tag nach der Ovulation angeraten. Ein positiver Nachweis bestätigt, dass eine Befruchtung stattgefunden hat. Doch auch nach einer Resorption bleibt das Hormon nachweisbar, da die Endometriumzellen es über Wochen hinweg produzieren, obwohl keine lebende Frucht mehr vorhanden ist. Dies kann zu falsch positiven Ergebnissen führen.

Östronsulfat

Ein aussagekräftiger Hormonmarker bei der Trächtigkeitsdiagnostik ist das Östronsulfat. Es wird bei Stuten ab dem 40. Tag der Trächtigkeit im Eierstock und zwischen dem 70. und 80. Tag in der fetoplazentaren Einheit gebildet. Als fetoplazentare Einheit wird die funktionelle Verbindung zwischen Fötus und Plazenta während der Trächtigkeit bezeichnet. Nur wenn Fötus und Plazenta gesund und funktionstüchtig sind, wird Östronsulfat in ausreichender Menge produziert, um es nachweisen zu können. Östronsulfat lässt sich ab dem 100. Trächtigkeitstag sowohl im Blutserum als auch im Harn nachweisen. Bleibt der Nachweis von Östronsulfat bei einer Stute nach dem 110. Tag aus, kann dies auf eine Schädigung der Frucht/Plazenta hindeuten.

Progesteron

Zur Trächtigkeitsdiagnostik eignet sich auch die Bestimmung des Hormons Progesteron, das vom Gelbkörper (Corpus luteum) gebildet wird. Die Untersuchung ist jedoch nur in einem engen Zeitfenster zwischen dem 18. und 21. Tag nach dem Eisprung aussagekräftig. Da sich Gelbkörper unabhängig von einer Trächtigkeit im Zyklusverlauf bilden, kann der Test nicht zwischen einem zyklusbedingten und einem trächtigkeitsbedingten Gelbkörper unterscheiden.

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Gynäkologische Betreuung in der Pferdeklinik Sorpesee

Die Trächtigkeitsuntersuchung zählt zu den gynäkologischen Schwerpunkten der Pferdeklinik am Sorpesee. Mithilfe mehrerer moderner Ultraschallgeräte führen wir unsere Untersuchungen sowohl in der Klinik als auch mobil im Heimatstall durch.

Die gynäkologische Betreuung von Stuten gehört zum Leistungsspektrum der Pferdeklinik am Sorpesee. Unsere Patienten profitieren von einem komfortablen Untersuchungsstand und einem erfahrenen Team, das seine Arbeit mit großer Leidenschaft ausübt. Die Tierärztliche Klinik für Pferde am Sorpesee bietet zudem eine ambulante gynäkologische Sprechstunde an. Diese findet von Montag bis Samstag täglich zwischen 8:30 und 9:30 Uhr in der Klinik statt und richtet sich an Pferdebesitzer sowie Züchter, die ihre Stute reproduktionsmedizinisch betreuen lassen möchten.

In der Sprechstunde werden nach vorheriger Anmeldung sämtliche gynäkologische Leistungen angeboten. Unser hauseigenes Labor ermöglicht darüber hinaus eine Sofortdiagnostik aller wichtigen Laborparameter direkt vor Ort in Sundern.

Diagnostik und Therapie bei Fruchtbarkeitsstörungen

Wird im Rahmen der Trächtigkeitsuntersuchung festgestellt, dass keine Trächtigkeit vorliegt, erfolgt eine gezielte Abklärung möglicher Ursachen. Bei älteren Zuchtstuten zählen Endometriumzysten zu den häufigen Gründen für ein Ausbleiben der Trächtigkeit. Die Diagnose erfolgt mittels Ultraschall. Die Zysten werden anschließend hysteroskopisch und mithilfe modernster Laserchirurgie entfernt.

Mikrobiologische Untersuchungen zur Zuchthygiene

Ergänzend zur klinischen Betreuung lädt die Pferdeklinik am Sorpesee regelmäßig zu kostenlosen Fortbildungsabenden für Züchter und zuchtinteressierte Pferdefreunde ein.

Bei der zuchthygienischen Untersuchung werden Tupferproben von Zervix oder Uterus untersucht. Diverse Bakterienstämme wie Escherichia coli und Rhodococcus hoagii können hierbei nachgewiesen werden. Die Keimdifferenzierung erfolgt anhand der Kulturmorphologie und mittels MALDI-TOF.

Auch bei Vorliegen von Escherichia coli ohne Hämolyse wird eine Behandlung vor der Belegung empfohlen, wenn diese in hoher Keimzahl und Reinkultur nachgewiesen werden können. Der mikrobiologische Befund ist immer im Zusammenhang mit den klinischen Veränderungen bei der gynäkologischen Untersuchung zu beurteilen. Der behandelnde Tierarzt entscheidet in diesen Fällen über die Zulassung der Stute zum Decken oder über etwaige notwendige Maßnahmen wie Therapie oder Karenzzeit.

Werden für die Zuchthygiene relevante Keime gefunden, wird ein Antibiogramm mittels Mikrodilutionsverfahren angefertigt. Andere Bakterien, die als unspezifisch gewertet werden, werden im Befund angegeben, jedoch wird hier keine Empfindlichkeitsprüfung durchgeführt. Die bakteriologische Untersuchung dauert in der Regel 7 Tage.

Ausgewertet wurden Pferdetupfer, die im Jahr 2021 und bis August 2022 für die kulturelle zuchthygienische Untersuchung eingesandt wurden. Bei ca. 30 % der eingesandten Proben konnten pathogene Keime nachgewiesen werden. Bei 1,70 % der Proben lagen E. coli ohne Hämolyse bzw. bei 1,19 % E. coli mit hämolysierenden Eigenschaften in einem hohen Gehalt in Reinkultur vor.

Kontagiöse equine Metritis (CEM)

Die kontagiöse equine Metritis (CEM) ist eine meldepflichtige Deckseuche, die durch das Bakterium Taylorella equigenitalis verursacht wird. Während infizierte Hengste in der Regel symptomlose Träger sind, kann Taylorella equigenitalis bei Stuten zu Endometritiden und Fruchtbarkeitsstörungen führen. Es kommen aber auch inapparente Infektionen vor.

Nach Richtlinie 92/65/EWG sind bei der Stute Tupferproben von mindestens 2 Lokalisationen - Fossa clitoridis und Sinus clitoridis - zu entnehmen. Neben der kulturellen Erregeranzucht steht die PCR als weiteres geeignetes Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Unabhängig vom Verfahren sind ausschließlich Tupfer mit Aktivkohlezusatz (Amies-Transportmedium) zu verwenden. Die Kultur sollte spätestens 24 Stunden nach Probenentnahme (48 Stunden bei gekühltem Transport) angelegt werden. Bei der PCR sollten zwischen Probenentnahme und Testansatz nicht mehr als 48 Stunden vergehen.

Bei Isländern ist neben der zuchthygienischen kulturellen Untersuchung der kulturelle Ausschluss von Taylorella equigenitalis vor der Belegung erforderlich.

Pilzinfektionen bei der Stute

Gerade wenn bei der adspektorischen Begutachtung der Vaginalschleimhaut weißliche Beläge festgestellt werden, sollte man auch an eine Pilzinfektion denken. Durch eine massive Infektion entwickelt sich meistens ein hochgradig gefüllter Uterus mit grau-schleimigem und trübem Sekret.

Prädisponierend für eine Infektion mit Hefepilzen ist v. a. eine vorausgegangene langfristige Antibiotikatherapie, hauptsächlich können intrauterine Antibiotika-Applikationen hierfür verantwortlich sein. Diskutiert werden auch antibiotikahaltige Samenverdünner im Rahmen einer künstlichen Besamung. Von den Schimmelpilzen wurden am häufigsten Mucor spp. und verschiedene Aspergillus-Arten isoliert, aber meist nur in geringer Keimzahl.

Vorbereitung zur Belegung

Während der Zuchtsaison gilt es, die Zuchttauglichkeit bei allen Stuten zu beurteilen, die für eine Belegung vorgesehen sind. Hierzu gehört neben der gynäkologischen Untersuchung eine mikrobiologische Untersuchung von Zervix- oder Uterustupfern. Ein frühzeitiger vorsaisonaler Beginn der zuchthygienischen Untersuchung ist anzuraten, damit auch Tiere mit Pathogennachweis durch entsprechende Therapiemaßnahmen in Zuchtkondition versetzt werden können, ohne dass wertvolle Zeit verloren geht.

Fällt das Ergebnis einer Tupferprobe positiv aus, sollte vor der Belegung behandelt werden. Der Behandlungserfolg kann frühestens 10 Tage nach Therapieende durch eine erneute bakteriologische bzw. mykologische Untersuchung überprüft werden. Ist die Kontrolluntersuchung unauffällig, kann die nächste Rosse für eine Belegung genutzt werden. Nach der entsprechenden zuchthygienischen Vorbereitung kann bei den als gesund befundenen Stuten die Besamung oder Bedeckung in Angriff genommen werden.

Die Geburt des Fohlens

Vorbereitung der Stute auf die Geburt

Die trächtige Stute sollte ca. 4 Wochen vor dem Abfohlen in diejenige Box gebracht werden, in welcher die Geburt stattfinden soll und die Stute mit dem Fohlen sicher auch die erste Zeit verbringt (Immunsystemanpassung an Umgebungskeimflora). Hintereisen sollten 2 Wochen vor dem Abfohltermin entfernt werden. Allfälligen Caslick (Verschluss der Vagina) wieder öffnen. Möglichst konstante und stressfreie Haltung und geregelter Tagesablauf in den letzten 4 Wochen vor der Geburt sind wichtig.

Eine Stute in einer Geburtsbox mit Stroh

Geburtsanzeichen und Geburtsphasen

Die äußeren Zeichen einer Geburt sind:

  • eine Trächtigkeitsdauer >320 Tage
  • die Lockerung der Beckenbänder und die Dehnung der Schamlippen
  • Wachströpfchen an den Zitzen
  • Euterbildung

Die drei Phasen der Geburt:

  1. Erste Wehen: Stute wird unruhig, wechselt liegen mit stehen ab, schwitzt - der Fetus positioniert sich im Geburtskanal - diese Phase dauert unterschiedlich lange.
  2. Platzen der Fruchthüllen und Herauspressen des Fohlens: Vordergliedmassen, übereinanderliegend werden sichtbar, dann die Nüstern, normalerweise liegt die Stute in Seitenlage, Dauer ca. 20 Minuten.
  3. Abgang der Nachgeburt: normalerweise innerhalb von 3 Stunden nach Geburt.

Nachgeburtsverhalten

Geht die Nachgeburt der Stute nicht von alleine ab, spricht man von einem sogenannten Nachgeburtsverhalten und die Stute benötigt tierärztliche Unterstützung beim Ablösen der Nachgeburt. Den Besitzern wird empfohlen, „herabhängende“ Anteile der Nachgeburt nach oben zu binden (z. B. mit Klebebinde), sodass die Stute nicht darauf tritt und die Nachgeburt dadurch gewaltsam abgelöst wird.

Das neugeborene Fohlen: Gesundheit und erste Schritte

Um den Zustand eines neugeborenen Fohlens beurteilen zu können, bedarf es der Kenntnis einiger wichtiger Referenzwerte. Ein gesundes, neugeborenes Fohlen sollte:

  • unmittelbar nach der Geburt einen ausgeprägten Saugreflex zeigen
  • kurz nach der Geburt erste Aufstehversuche unternehmen
  • innerhalb von ca. 1-2 Stunden nach der Geburt stehen können
  • innerhalb von ca. 2-3 Stunden nach der Geburt bei der Stute zu trinken beginnen
  • anschließend an die Milchaufnahme, innerhalb von ca. 4-6 Stunden erstmals Kot absetzen
  • innerhalb von ca. 6 Stunden nach der Geburt erstmals Harn absetzen
Ein neugeborenes Fohlen steht neben seiner Mutterstute

Kolostrumaufnahme und Antikörpertiter

Mangelnde Kolostrumaufnahme stellt ein häufiges und ernst zu nehmendes Problem neugeborener Fohlen dar. Da Fohlen während der Trächtigkeit keinerlei Antikörper über die Gebärmutter erhalten, sind sie absolut auf die erste Milch (Kolostrum, Biestmilch) der Mutterstute angewiesen. Diese Biestmilch sollte idealerweise gelb, dickflüssig und klebrig sein.

Hat die Stute vor der Geburt vorzeitig Milch verloren (Tröpfeln aus Euter), Kolostrum schlechter Qualität (niedriger Antikörpergehalt) oder das Fohlen trinkt zu wenig, schlägt sich dies auf die Gesundheit des Fohlens nieder. Nach Ablauf der ersten zwölf Stunden unmittelbar nach der Geburt ist es zu spät für eine weitere Kolostrumaufnahme, da sich die Darmbarriere schließt und keine Antikörper mehr in die Blutbahn gelangen können.

Bei zu geringem Antikörpergehalt im Blut des Fohlens ist eine Plasmaspende eines erwachsenen Pferdes nötig, denn ein zu niedriger Antikörpergehalt in der Blutbahn des Fohlens stellt ein ernsthaftes Risiko für seine Überlebensfähigkeit dar (allfälliger für lebensbedrohliche Infektionen). Um zu überprüfen, ob ein Fohlen über genügend Antikörper verfügt oder nicht, empfiehlt es sich rund 24h nach der Geburt einen Schnelltest durchzuführen.

Nabelpflege und allgemeine Fohlenuntersuchung

Der Nabel eines Fohlens soll nicht unnötig und ohne Handschuhe berührt werden. Ein Abbinden des feuchten Nabels ist nicht nötig. Der Nabel soll am Tag der Geburt und an den folgenden 1-2 Tagen vorsichtig zweimal täglich desinfiziert werden (Betadine bzw. Chlorhexidin, verdünnt).

Ein Fohlen mit Anzeichen von Unreife (Schwäche, Mühe beim Aufstehen, geringe Sauglust, geringes Geburtsgewicht) stellt immer einen Notfall dar und soll schnell und intensiv behandelt werden. Es empfiehlt sich Stute und Fohlen am Tag nach der Geburt durch einen Tierarzt untersuchen zu lassen. Dem Fohlen kann zu diesem Zeitpunkt Vitamin E/Selen und Tetanusserum verabreicht werden. Letzteres ist dann indiziert, wenn der Impfstatus der Mutterstute ungenügend ist. Zudem kann eine Blutprobe für den oben genannten Schnelltest Aufschluss darüber geben, ob das Fohlen über genügend Antikörper verfügt.

Endometritis bei der Stute: Ursachen, Diagnose und Therapie

Die Endometritis beschreibt alle entzündlichen Prozesse der Gebärmutter, die über die normale zyklische Selbstreinigung hinausgehen. Diverse Bakterienstämme, Hefen und Schimmelpilze kommen als Verursacher von Endometritiden infrage, welche mittels Tupferproben ermittelt werden können.

Anatomie der weiblichen Genitalorgane

Die Gebärmutter (Uterus) der Stute ragt als schlauchförmiges Gebilde mit zwei Hörnern in die Bauchhöhle hinein. In Richtung Scheide verschließt der Muttermund (Zervix) den Uterus, in Richtung Bauchhöhle fügen sich die Eierstöcke (Ovarien) an die beiden Gebärmutterhörner an. Während der Rosse ist der Muttermund offen für Spermien. Gleichzeitig findet eine gewisse Säuberung der Gebärmutter statt, denn nur in diesem Zyklusstadium können alte Zellen und andere Verunreinigungen aus der Gebärmutter transportiert werden.

Ursachen und Formen der Endometritis

Wenn diese Reinigung nicht normal stattfindet oder Keime in die Gebärmutter gelangen, kann es zu Entzündungen kommen - zu einer sogenannten Endometritis. Eine hochansteckende Form der Endometritis, auf welche Stuten wie auch Hengste für die Zuchttauglichkeit getestet werden, ist die CEM (kontagiöse equine Metritis), verursacht durch das Bakterium Taylorella equigenitalis. Nachweisen kann man das Bakterium über eine Tupferprobe mit Spezialmedium (Kohlemedium) und nachfolgend eines PCR-Tests.

Wir unterscheiden bei der Endometritis zwei Formen:

  • Chronische Genitalinfektionen: Diese sind in 25-60 % die Ursache für das Ausbleiben einer Trächtigkeit nach Belegung. Als weitere Folgen kann es zu einem frühen Absterben des Embryos, zu einer Entzündung der Fruchtblase oder zu entzündlichen Prozessen nach der Geburt kommen.
  • Genitalinfektionen nach Belegung: Auch nach einer Belegung kann es zu entzündlichen Reaktionen kommen, deswegen wird ca. 24 Stunden nach der Belegung ein Ultraschall durchgeführt, um zu kontrollieren, ob sich Flüssigkeit angesammelt hat. In diesem Falle würde die Gebärmutter direkt gespült werden. Eine Gefahr des Herausspülens von Spermien besteht nicht mehr zu dieser Zeit.
Ultraschallbilder (Querschnitte) von gesunden und entzündlich veränderten Gebärmutterhörnern

Diagnose und Therapie der Endometritis

Zur Diagnose einer Endometritis stehen dem Tierarzt die klinische Untersuchung der Stute (inklusive transrektaler Palpation der Gebärmutter), der transrektale Ultraschall und die Tupferprobe zur Verfügung. Im Ultraschall kann in der Gebärmutter Flüssigkeit dargestellt werden.

Als Therapie der Gebärmutterentzündung werden Spülungen des Uterus vorgenommen. Antibiotika werden systemisch (über das Futter oder über eine Injektion) verabreicht. Zudem werden den Pferden Medikamente gespritzt, welche dazu führen, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und die Flüssigkeit heraustransportiert wird. Dies kann nur dann passieren, wenn der Muttermund offen ist und das Pferd in der Rosse steht, andernfalls muss medikamentös eine Rosse herbeigeführt werden. Meistens sind solche Lavagen über mehrere Tage notwendig, bis die Gebärmutter frei ist von eitriger Flüssigkeit.

Entwickelt eine Stute immer wieder aufsteigende, bakterielle Infektionen, weil die Vulva nicht richtig schließt, so kann diese mit einer Caslick Operation „korrigiert“ werden.

Die Prognose bei einer Endometritis ist für die Zuchttauglichkeit gut, solange man die Erreger erkannt und erfolgreich eliminiert hat. Die Spülungen der Gebärmutter sind unproblematisch für eine weitere Trächtigkeit.

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