Der Frauenmantel (Alchemilla) ist eine vielseitige Heilpflanze, die seit Jahrhunderten in der Volksheilkunde eingesetzt wird, insbesondere bei Frauenleiden. Seine Wirkung beruht auf einer Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe wie Polyphenolen und Flavonoiden, die entzündungshemmende, adstringierende und antioxidative Eigenschaften besitzen. Obwohl die wissenschaftliche Erforschung des Frauenmantels noch begrenzt ist, wird seine Anwendung zur Unterstützung des weiblichen Hormonhaushalts und zur Linderung verschiedener Beschwerden empfohlen.
Die Frage nach Wechselwirkungen zwischen Frauenmanteltee und der Einnahme der Pille oder anderer hormoneller Verhütungsmittel wie der Hormonspirale (Mirena, Kyleena) ist von besonderem Interesse. Grundsätzlich gibt es keine direkten Hinweise darauf, dass Frauenmanteltee die empfängnisverhütende Wirkung der Pille oder der Hormonspirale beeinträchtigt. Dennoch ist Vorsicht geboten, da pflanzliche Mittel den Hormonhaushalt beeinflussen können.
Frauenmantel: Eigenschaften und traditionelle Anwendung
Der Frauenmantel gehört zur Familie der Rosengewächse und ist weltweit mit rund 1000 Arten vertreten. Sein lateinischer Name "Alchemilla" deutet auf seine historische Bedeutung in der Alchemie hin, wo er für seine reinigenden und heilenden Eigenschaften geschätzt wurde. Die Pflanze ist reich an Gerbstoffen (wie Agrimoniin), Flavonoiden (Kaempferol, Rutin, Quercetin) und anderen bioaktiven Substanzen, die für ihre gesundheitlichen Wirkungen verantwortlich sind.
Traditionell wird Frauenmantel bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt:
- Frauenleiden: Menstruationsbeschwerden (Schmerzen, starke Blutungen, Zwischenblutungen), Wechseljahresbeschwerden (Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen), PMS (Prämenstruelles Syndrom), Zysten, Myome, Ausfluss und Scheideninfektionen.
- Magen-Darm-Beschwerden: Durchfall, Entzündungen im Mundraum.
- Hautprobleme: Wunden, Hautausschläge, Ekzeme.
- Atemwegsbeschwerden: Husten, Bronchitis, Asthma, Halsschmerzen.
- Weitere Anwendungen: Bluthochdruck, Nasenbluten, Unterstützung der Rückbildung der Gebärmutter nach Geburt oder Fehlgeburt, Wundheilung nach Operationen.

Frauenmanteltee und hormonelle Verhütung: Was ist zu beachten?
Die Frage, ob Frauenmanteltee die Verhütung durch die Hormonspirale (Mirena, Kyleena) oder die Pille beeinflusst, ist komplex. Es gibt keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise für eine direkte Wechselwirkung, die die empfängnisverhütende Wirkung herabsetzt. Dennoch ist Vorsicht geboten, insbesondere bei empfindlichen Frauen oder bei Vorliegen bestimmter gesundheitlicher Bedingungen.
Mögliche indirekte Effekte:
- Hormonelle Regulation: Frauenmanteltee wird eine hormonregulierende Wirkung zugeschrieben. Er soll in der ersten Zyklushälfte die Östrogenproduktion positiv beeinflussen und den Eisprung fördern, während er in der zweiten Zyklushälfte die Gelbkörperproduktion unterstützt. Diese Effekte könnten theoretisch den empfindlichen Hormonhaushalt beeinflussen, der durch die Pille oder die Hormonspirale gesteuert wird.
- Zyklusstörungen: Einige Frauen berichten von Zyklusstörungen nach dem Absetzen der Pille oder Umstellung auf eine Hormonspirale, die sie mit der Einnahme von Frauenmanteltee zu normalisieren versuchen. Dies deutet darauf hin, dass die Pflanze den Zyklus beeinflusst, was potenziell auch die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel beeinflussen könnte.
- Individuelle Empfindlichkeit: Jede Frau reagiert anders auf pflanzliche Mittel. Bei Frauen, die empfindlich auf hormonelle Schwankungen reagieren, ist eine Rücksprache mit dem Arzt ratsam.
Empfehlung: Bei Einnahme der Pille oder Verwendung einer Hormonspirale sollte die Anwendung von Frauenmanteltee idealerweise mit dem behandelnden Frauenarzt abgesprochen werden. Dies gilt insbesondere, wenn Frauenmanteltee zur Behandlung von Beschwerden wie Zysten, Zwischenblutungen oder Zyklusunregelmäßigkeiten eingesetzt wird, die auch im Zusammenhang mit der hormonellen Verhütung stehen können.
Anwendung von Frauenmanteltee
Frauenmanteltee ist die gängigste Form der Anwendung. Die Zubereitung ist einfach:
- Zubereitung: 2 Teelöffel getrocknetes Frauenmantelkraut (ca. 2 g) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen.
- Ziehzeit: Den Tee abgedeckt für 10 bis 15 Minuten ziehen lassen.
- Verzehr: Den Tee durch ein Sieb gießen und 3- bis maximal 5-mal täglich trinken.
Für die Zubereitung von Teemischungen, wie sie zur Behandlung spezifischer Beschwerden empfohlen werden, gilt die gleiche Zubereitungsart. Die Ziehzeit beträgt in der Regel 7 Minuten, um die ätherischen Öle nicht verdunsten zu lassen.

Teemischungen mit Frauenmantel
Frauenmantel wird oft mit anderen Heilpflanzen kombiniert, um spezifische Beschwerden zu behandeln. Die folgenden Mischungen sind Beispiele und ersetzen keine ärztliche Beratung bei ernsthaften oder anhaltenden Beschwerden:
1. Mischung bei starker Menstruationsblutung
- Hirtentäschel: 30g
- Schafgarbe: 30g
- Gänsefinger: 20g
- Frauenmantel: 20g
Die Anwendung erfolgt ein bis zwei Monate lang täglich, danach bei Bedarf während der Menstruation.
2. Mischung bei schmerzhafter Menstruationsblutung
- Damiana: 40g
- Frauenmantel: 20g
- Schafgarbe: 20g
- Melisse, Kamille oder Pfefferminze: 20g (Auswahl nach persönlicher Vorliebe)
Auch hier wird die tägliche Anwendung für ein bis zwei Monate empfohlen, gefolgt von bedarfsweiser Einnahme.
3. Mischung zur Rückbildung nach der Geburt oder nach Operationen
- Hirtentäschel: 30g
- Schafgarbe: 30g
- Frauenmantel: 30g
- Melisse: 10g
Ein gehäufter Teelöffel pro Tasse, drei bis vier Tassen pro Tag. Die Anwendung erfolgt über zwei bis vier Wochen, bis der Wochenfluss aufgehört hat.
Wichtiger Hinweis: Bei der Zubereitung von Tees aus der Apotheke wird auf hochwertige Arzneipflanzen nach den Vorschriften des Deutschen Arzneibuches (DAB) geachtet. Die Tees sollten dunkel und trocken gelagert und innerhalb weniger Wochen aufgebraucht werden.
Andere Anwendungsformen von Frauenmantel
Neben Tee kann Frauenmantel auch in anderen Formen angewendet werden:
- Extrakte: Flüssig- und Trockenextrakte (Urtinkturen, Kapseln) sind im Handel erhältlich. Alkoholische Extrakte bieten oft einen höheren Flavonoid-Gehalt, während wässrige Extrakte mehr Tannine enthalten.
- Äußerliche Anwendung: Frauenmantel kann äußerlich als Kompresse, Sitzbad oder als Öl angewendet werden. Insbesondere bei Hautproblemen, Wunden oder zur Unterstützung der Wundheilung. Ein Sitzbad mit Frauenmantelkraut kann bei Regelkrämpfen und Vaginalinfektionen Linderung verschaffen.

Frauenmantel und die Pille: Nahrungsergänzungsmittel
Für Frauen, die die Anti-Baby-Pille einnehmen, wird oft eine erhöhte Zufuhr von Vitalstoffen empfohlen, um möglichen negativen Auswirkungen entgegenzuwirken. Spezielle Sets, die beispielsweise eine "Women's Formel P3" mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie eine Frauenmantel-Tinktur kombinieren, zielen darauf ab, den Hormonhaushalt zu unterstützen und Stimmungsschwankungen sowie Regelbeschwerden abzumildern.
Diese Produkte enthalten typischerweise:
- B-Vitamine: Wichtig für den Stoffwechsel, die Hormonproduktion und die Stimmungsregulation.
- Folsäure: Essentiell für die Zellteilung und Fruchtbarkeit.
- Vitamin B12: Wichtig für die Blutbildung und Entgiftung.
- Frauenmantel-Tinktur: Zur Unterstützung des weiblichen Wohlbefindens und zur Linderung von Regelbeschwerden.
Die bewusste Einnahme von Mikronährstoffen parallel zur Pille kann helfen, deren Nebenwirkungen abzuschwächen. Die Pflanzenwelt, insbesondere der Frauenmantel, bietet hier eine natürliche Unterstützung.
Wissenschaftliche Studien und Forschungslage
Obwohl Frauenmantel eine lange Tradition als Heilpflanze hat, ist die wissenschaftliche Studienlage zu seinen Wirkungen und potenziellen Wechselwirkungen begrenzt. Die Monographien der Kommission E und der ESCOP sind vorhanden, aber die Forschung konzentriert sich oft auf In-vitro- und Tierstudien. Humanstudien, die die traditionellen Anwendungen bestätigen, sind seltener.
Eine Studie aus dem Jahr 2019 deutete auf eine Antikrebsaktivität des Frauenmantels bei bestimmten hormonabhängigen Krebsformen hin. Aktuelle Forschungen untersuchen auch seine Wirksamkeit bei Halsschmerzen und Heiserkeit, wobei ein Frauenmantel-Extrakt in Glycerin vergleichbare Ergebnisse wie Dexamethason zeigte, jedoch ohne dessen Nebenwirkungen.
Die Gerbstoffe des Frauenmantels werden für ihre adstringierende, antibakterielle, antivirale und antimykotische Wirkung geschätzt, was auch gegen Krankenhauskeime relevant sein kann. Die hormonregulierende Wirkung, die für Frauenleiden so wichtig ist, bedarf weiterer intensiver Forschung.
Gegenanzeigen und Nebenwirkungen
Frauenmantel gilt generell als gut verträglich und es sind keine toxischen Pflanzenteile bekannt. Gegenanzeigen sind selten. Als besondere Vorsichtsmaßnahme wird die Anwendung bei Säuglingen und Kleinkindern unter 2 Jahren nur nach Rücksprache mit einem Arzt empfohlen. Ebenso wird schwangeren und stillenden Frauen geraten, vor der Anwendung ihren Arzt zu konsultieren.
Bei Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe sollte auf die Anwendung verzichtet werden. Auch bei Säuglingen und Kleinkindern unter 2 Jahren ist Vorsicht geboten. Selbst bei langfristiger Einnahme wurden in der Regel keine Nebenwirkungen festgestellt.
Es ist wichtig zu beachten, dass bei einigen Teemischungen, wie z.B. bei starker Menstruationsblutung, zusätzliche Eisenpräparate notwendig sein können, um einem Eisenmangel vorzubeugen.
Wie gut ist Frauenmantel erforscht? Vielfältige Wirkung als Heilpflanze | Frauenheilkunde | BR
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