Was ist Zervixschleim und welche Funktion hat er?
Der Zervixschleim, auch bekannt als Zervikalsekret, ist ein wichtiges Sekret, das von den Drüsen des Gebärmutterhalses (Zervix) produziert wird. Er spielt eine entscheidende Rolle im weiblichen Fortpflanzungssystem und ist ein wichtiger Indikator für die Fruchtbarkeit einer Frau. Seine Hauptaufgabe ist es, die Spermien zu unterstützen und zu schützen, indem er ihnen hilft, durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter und die Eileiter zu gelangen. Darüber hinaus wirkt das Zervikalsekret als eine Barriere gegen Krankheitserreger und schützt so den Gebärmutterhals und die Gebärmutter vor Bakterien und anderen schädlichen Mikroorganismen.
Das Sekret besteht hauptsächlich aus Wasser, Aminosäuren, Enzymen, Zuckern, Schleimstoffen (Muzinen) und Elektrolyten. Während der fruchtbaren Tage wird der Zervixschleim dünn, klar und dehnbar, was die Beweglichkeit der Spermien erleichtert. Er liefert Nährstoffe und eine geeignete Umgebung, die das Überleben und die Funktion der Spermien fördern.
Das Wort „Zervix" stammt vom lateinischen „cervix uteri" und bezeichnet den Gebärmutterhals. Dieser sondert ein Sekret ab, den Zervixschleim. Während des Zyklus verändert sich der Schleim und kann bei Kinderwunsch hilfreiche Hinweise auf den Eisprung geben.
Veränderungen des Zervixschleims im Menstruationszyklus
Die Veränderungen des Zervixschleims im Laufe des Menstruationszyklus werden durch hormonelle Schwankungen gesteuert, insbesondere durch die Hormone Östrogen und Progesteron.
- Frühe Follikelphase: Zu Beginn des Zyklus, nach der Menstruation, sind die Östrogenspiegel relativ niedrig. Der Zervixschleim ist daher oft dick, klebrig und in geringer Menge vorhanden. In dieser Phase fühlen sich Frauen oft trocken oder nur leicht feucht in der Scheide, da wenig bis kein Schleim produziert wird.
- Mittlere bis späte Follikelphase: Mit dem Wachstum der Follikel in den Eierstöcken steigt der Östrogenspiegel an. Östrogen bewirkt, dass der Zervixschleim dünner, klarer und flüssiger wird. Mehrere Tage vor dem Eisprung kann er milchig erscheinen.
- Kurz vor und während des Eisprungs: Die Östrogenspiegel erreichen ihren Höhepunkt. Dies führt dazu, dass das Zervikalsekret am spinnbarsten, dehnbarsten und klarsten wird - ähnlich wie rohes Eiweiß. Die Scheide fühlt sich in dieser Phase feucht bis nass an. Diese Konsistenz schafft optimale Bedingungen für die Spermien, um in die Gebärmutter und die Eileiter zu gelangen. „Spinnbar" bedeutet, dass er sich bis zu fünf Zentimeter oder mehr in die Länge ziehen lässt, ohne zu reißen. Dies ist die hochfruchtbare Zeit.
- Nach dem Eisprung: Mit dem Eisprung steigt der Progesteronspiegel an, da der Gelbkörper (Corpus luteum) in den Eierstöcken Progesteron produziert. Progesteron hat eine verdickende Wirkung auf das Zervikalsekret, wodurch dieser wieder klebriger, zähflüssiger (weniger flüssig) und undurchsichtiger wird. Die Menge des Sekrets nimmt ebenfalls ab. Der Schleim formiert sich am Muttermund wieder zu einem Pfropf und verschließt diesen damit effizient.
Östrogen ist verantwortlich für die Produktion von dünnem, klarem und dehnbarem Zervixschleim, während Progesteron den Zervixschleim verdickt und seine Menge nach dem Eisprung verringert.

Beobachtung und Bestimmung der fruchtbaren Tage
Die Beobachtung des Zervixschleims ist eine natürliche Methode, um die fruchtbaren Tage im Menstruationszyklus zu bestimmen. Sie erfordert keine speziellen Hilfsmittel und kann einfach in den Alltag integriert werden. Regelmäßige Kontrolle ist dabei entscheidend: Beobachte den Zervixschleim täglich, idealerweise zur gleichen Tageszeit.
Methoden der Zervixschleimbeobachtung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Zervixschleim zu beobachten:
- Fühlen: Achte auf das Gefühl im Scheideneingang. Ist er trocken, feucht oder nass?
- Sehen: Betrachte das Aussehen des Schleims. Ist er weißlich, gelblich, klar oder transparent?
- Beschaffenheit: Prüfe die Konsistenz. Ist der Schleim cremig, klebrig, zäh, dehnbar oder wässrig?
Man kann den Zervixschleim auf zwei Wegen entnehmen: durch den Scheideneingang oder am Muttermund.
- Scheideneingang: Fahre mit dem Finger über den Scheideneingang oder führe ihn maximal einen Zentimeter in die Scheide ein.
- Muttermund-Methode: Diese eignet sich vor allem für diejenigen, bei denen äußerlich kein Schleim zu finden ist. Hier empfiehlt es sich, eine hockende Stellung einzunehmen, um ihn mit dem Finger besser zu erreichen. Der Muttermund befindet sich etwa acht Zentimeter vom Scheideneingang entfernt zur Bauchdecke hin und ist als Halbkugel mit einer Delle in der Mitte tastbar. An fruchtbaren Tagen ist der Muttermund leichter zu erfühlen, da er höher steht und weicher ist.
Hat man den Schleim entnommen, hält man ihn zwischen Daumen und Zeigefinger, zieht ihn langsam auseinander und bewertet die Konsistenz. Für Paare, die eine Schwangerschaft planen, ist jetzt die beste Zeit für Sex, wenn der Schleim klar, spinnbar und eiweißartig ist.
Dokumentation der Zervixschleimbeobachtung
Damit der Zervixschleim zuverlässige Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit zulässt, sollte er über mehrere Monate hinweg täglich aus der Scheide entnommen und untersucht werden, denn das Schleimmuster jeder Frau variiert. Es empfiehlt sich, seine Eigenschaften und Veränderungen in einem Verlaufsprotokoll festzuhalten. Notiert werden hier Faktoren wie Menge, Konsistenz, Farbe, Feuchtigkeit und subjektives Feuchtigkeitsempfinden. Diese Merkmale werden kategorisiert und in ein Symbol oder eine Abkürzung übersetzt, die den gegenwärtigen Status der Fruchtbarkeit angibt. Auch in einem Zykluskalender oder in speziellen Apps können Eintragungen zur Schleimbeschaffenheit vorgenommen werden, sodass alle Informationen zu den fruchtbaren Tagen auf einen Blick sichtbar sind.

Faktoren, die die Zervixschleimqualität beeinflussen können
Es ist wichtig zu wissen, dass die Qualität des Zervixschleims nicht nur vom Zyklus abhängt. Eine Reihe weiterer Faktoren kann die Beschaffenheit des Zervixschleims beeinflussen und die Ermittlung des Eisprungs erschweren. Dazu gehören:
- Stress: Starker Stress kann den Hormonhaushalt beeinflussen und somit auch den Zervixschleim.
- Hormonelle Schwankungen: Neben dem natürlichen Zyklus können auch andere hormonelle Veränderungen (z.B. durch Medikamente) den Schleim beeinflussen.
- Unregelmäßiger Zyklus: Bei unregelmäßigen Zyklen ist die Vorhersage des Eisprungs und damit die Beurteilung des Schleims schwieriger.
- Medikamenteneinnahme: Bestimmte Medikamente, wie z.B. Antihistaminika, können den Zervixschleim austrocknen.
- Vaginale Infektionen: Infektionen können die Beobachtung des Schleims erschweren und zu veränderten Absonderungen führen.
- Verwendung von Gleitmitteln oder Hygieneartikeln: Diese können das Aussehen und die Konsistenz des Schleims verändern.
- Erregungsschleim: Vom Zervixsekret ist der Erregungsschleim zu unterscheiden, der im Rahmen des sexuellen Lustempfindens gebildet wird. Dieser ist ebenfalls klar und zieht Fäden. Wenn Du erregt bist, kannst Du Deinen Zervixschleim nicht richtig auswerten.
Es ist auch wichtig zu beachten, dass nicht alle „trockenen Tage" automatisch auch unfruchtbare Tage sein müssen, denn manche Frauen produzieren während des gesamten Zyklus kaum Schleim, auch nicht zum Zeitpunkt des Eisprungs.
Zervixschleim als Teil der Natürlichen Familienplanung (NFP)
Die regelmäßige Beobachtung des Zervixschleims ist ein wichtiger Bestandteil zweier Methoden der Natürlichen Familienplanung (NFP): der Billings-Methode (auch Zervixschleimmethode genannt) und der symptothermalen Methode.
Die Billings-Methode
Diese Methode wurde vom australischen Ärzteehepaar John und Evelyn Billings entwickelt. Sie stellten fest, dass sich der Zervixschleim an den fruchtbaren Tagen einer Frau verändert und dass man mit der regelmäßigen Beobachtung des Schleims ihre fruchtbaren Tage bestimmen kann. Wenn Du diese Methode ausprobieren willst, notierst Du Dir am besten Tag für Tag Beschaffenheit und Farbe Deines Zervixschleims.
Die Symptothermale Methode
Bei der symptothermalen Methode wird die Beobachtung des Zervixschleims mit der Messung der Basaltemperatur kombiniert. Die Basaltemperatur ist die Körperkerntemperatur, die morgens direkt nach dem Aufwachen gemessen wird. Nach dem Eisprung steigt sie leicht an. Diese Kombination aus Zervixschleimbeobachtung und Temperaturmessung gilt als eine relativ sichere Methode zur Empfängnisregelung, vorausgesetzt, die Methode wird konsequent und richtig angewendet.
Die symptothermale Methode gilt als eine der sichersten natürlichen Methoden zur Verhütung, da sie auf der Beobachtung mehrerer Körperzeichen (Zervixschleim, Basaltemperatur, Muttermundveränderungen) basiert. Sie bietet eine höhere Zuverlässigkeit als die reine Zervixschleimbeobachtung.
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Wann bin ich fruchtbar?
Für Frauen, die sich ein Baby wünschen, ist es besonders wichtig, ihren Zyklus genau zu kennen. Da jeden Monat nur eine einzige Eizelle heranreift und diese nach dem Eisprung nur für 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig ist, während Spermien bis zu 72 Stunden im weiblichen Körper überleben können, hat jede Frau etwa vier bis fünf fruchtbare Tage pro Zyklus. Die fruchtbaren Tage sind die Tage vor dem Eisprung. Der Eisprung, auch Ovulation genannt, ist der Moment, in dem ein reifes Ei aus dem Eierstock freigesetzt wird. Nachdem die Eizelle gesprungen ist, lebt sie nur 12 bis 18 Stunden. Sie kann nur in dieser Zeit befruchtet werden. Daher ist es so wichtig, dass du vor dem Eisprung Geschlechtsverkehr hast! Denn die Spermien können unter guten Bedingungen drei bis fünf Tage in der Gebärmutter überleben. Ihr habt damit ein Fruchtbarkeitsfenster von etwa 5-6 Tagen.
Die Beobachtung des Zervixschleims kann Dir dabei helfen, Deinen Zyklus zu beobachten. Dieser verändert sich im Laufe Deines Zyklus durch den Einfluss der Hormone. Der Zervixschleim ist somit ein Körperzeichen, das Dir dabei hilft zu erkennen, ob Du schwanger werden kannst oder nicht.
Wann zum Arzt?
Ein gesunder Zervixschleim oder Ausfluss ist weißlich, gelblich oder durchsichtig und riecht stets unauffällig. Sobald Du aber einen unangenehmen Geruch bemerkst und der Ausfluss bräunlich, rötlich, grünlich, gelblich oder grau verfärbt ist, könnte eine Infektion dahinterstecken. Dies ist auch dann oft der Fall, wenn die Haut im Intimbereich unangenehm juckt und brennt. Vor allem Bakterien und Pilze sind häufig schuld an dem veränderten Ausfluss. Auch andere Erkrankungen können als Ursache für veränderten Ausfluss infrage kommen. Ansprechpartner:in ist in diesem Fall Dein:e Frauenärzt:in.
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