Der Begriff Fötus (auch Fetus, Mehrzahl: Föten oder Feten) bezeichnet ein frühes Stadium in der individuellen Entwicklung (Ontogenese) von amniotischen Wirbeltieren (Amniota), insbesondere von höheren Säugetieren (Placentalia) einschließlich des Menschen. Diese Entwicklungsphase beginnt mit der Ausbildung der inneren Organe und endet mit dem Schlupf oder der Geburt.
Bei höheren Säugetieren variieren der Beginn und die Dauer der Fetalperiode je nach Gesamtdauer der Tragzeit und dem typischen Reifegrad des Neugeborenen. Beim Menschen, dessen Schwangerschaft in der Regel neun Monate dauert, beginnt die Fetalperiode in der 9. Woche und erstreckt sich somit über etwa drei Viertel der gesamten Schwangerschaft. Der vorgeburtliche Blutkreislauf eines menschlichen Fötus unterscheidet sich erheblich vom Kreislauf nach der Geburt, hauptsächlich weil die Lungen noch nicht genutzt werden.

Entwicklungsschritte des Fötus
Embryonalphase und Übergang zum Fötus
- 4. Woche: Der Embryo ist etwa 1 cm groß. Es bilden sich die Extremitätenanlagen und das Herz beginnt zu schlagen.
- 5.-8. Woche: Der Fötus gewinnt zunehmend eine menschliche Gestalt.
- 9. Woche: Beginn der Fetalperiode beim Menschen.
Entwicklungsphasen während der Fetalperiode
- 18. Woche: Der Fötus öffnet den Mund und schluckt Fruchtwasser.
- 19. Woche: Das Gehör entwickelt sich weiter.
- ab 20. Woche: Das Körperwachstum beschleunigt sich.
- 21. Woche: Die Haut wird dicker und bildet eine schützende Schicht (Vernix caseosa).
- 24. Woche: Die Lungenbläschen haben sich entwickelt.
- bis zur 30. Woche: In den Lungenbläschen bildet sich ein Oberflächenfilm (Surfactant), der ein Kollabieren der Lungenbläschen durch Herabsetzen der Oberflächenspannung verhindert. Bei vorzeitiger Geburt muss dem Säugling daher möglicherweise Surfactant zugeführt werden.
- 24.-26. Woche: Innen- und Mittelohr sind voll ausgebildet; die Nervenbahnen der Gehörgänge sind mit isolierendem Myelin umwickelt.
- 7. Monat (ca. 28. Woche): Der Fötus hat gute Überlebenschancen bei vorzeitiger Geburt.
- 28. Woche: Der Gewebepfropf löst sich, der zuvor die Nasenlöcher verschloss.
- 30. Woche: Die Lungenreifung schreitet voran.
- 30.-34. Woche: Bei männlichen Föten deszendiert der Hoden (wandert in den Hodensack).
- 36. Woche: Der Fötus ist fertig entwickelt.
- 32.-33. Woche: Der Saugreflex bildet sich aus.

Geburt und Neugeborenes
Die Geburt wird eingeleitet, wenn die Lungenreife weit fortgeschritten ist und sich ausreichend Surfactant-Protein im Fruchtwasser befindet. Dies regt die Bildung von Oxytocin an, welches Kontraktionen der Gebärmutter bewirkt und somit die Geburt sowie die Plazentaabstoßung auslöst.
Neugeborene haben eine Sehschärfe von etwa 0,03 und sind in der Lage zu akkommodieren. Bei der Geburt sind die meisten Nervenzellen des Gehirns bereits vorhanden. Das anfänglich geringe Gehirnvolumen von ca. 0,35 Litern ermöglicht es dem Baby, den Geburtskanal zu passieren. Das Gehirnvolumen vergrößert sich bis zum Erwachsenenalter auf etwa 1,35 Liter. Diese Vergrößerung geschieht durch die Ummantelung der Nervenleitungen mit isolierendem Myelin-Fett, dessen Anteil im erwachsenen Gehirn etwa 60 % beträgt. Dies erhöht die Weiterleitungsgeschwindigkeit der Nervenimpulse von ca. 3 m/s (Fötus/Neugeborenes) auf deutlich höhere Werte.
Entwicklung von Embryo und Fetus – Biologie | Duden Learnattack
Terminologie und ethische Aspekte
Je nach Schwangerschaftsalter oder Geburtsvorgang wird dasselbe menschliche Lebewesen unterschiedlich bezeichnet: als Zygote, Morula, Blastozyste, Embryo (ab der 3. Woche), Fötus (ab der 11. Woche) oder Kind. Oft wird kritisiert, dass keine verbindenden Überbegriffe wie "Mensch" verwendet werden, die verdeutlichen, dass es sich um dasselbe Lebewesen handelt, dessen Unterscheidung lediglich auf Entwicklungsschritten basiert. Die Bewertung nach dem Gestationsalter wird als Teil der deskriptiven Ethik betrachtet, die moralische Praktiken beschreibt. Zeitliche Grenzen für diese Begrifflichkeiten können situationsbezogen variabel sein, da die Wertigkeit an bestimmten Entwicklungspunkten des Embryos oder Fötus orientiert wird.
In der Rechtswissenschaft wird der Begriff Nasciturus verwendet, um das noch nicht geborene Kind zu bezeichnen, dem bereits Rechte zugesprochen werden können.
| Stadium | Zeitliche Einordnung | Merkmale |
|---|---|---|
| Zygote | Befruchtung | Eizelle und Spermium verschmelzen |
| Morula | ca. 3 Tage nach Befruchtung | Zellkugel |
| Blastozyste | ca. 5-7 Tage nach Befruchtung | Einlagerung in die Gebärmutterschleimhaut beginnt |
| Embryo | 3. bis 8. Woche | Ausbildung der inneren Organe, menschliche Gestalt beginnt sich zu formen |
| Fötus | ab 9. Woche | Weiterentwicklung der Organe, Wachstum, Ausbildung spezifischer Merkmale |
| Kind | ab Geburt | Neugeborenes |