Die Geburt ist ein tiefgreifendes Ereignis, das bei werdenden Eltern sowohl Vorfreude als auch Unsicherheit auslösen kann. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Geburtsablauf kann vielen Schwangeren helfen, sich sicherer zu fühlen.
Vorzeichen der Geburt
Oft kündigt sich eine Geburt bereits Tage im Voraus an. Viele Frauen erleben in dieser Zeit eine Phase erhöhter Energie und fühlen sich innerlich bereit für die Ankunft des Babys. Auch der Körper der Frau hat sich auf die bevorstehende Geburt eingestellt: Während der Schwangerschaft war die Gebärmutter entspannt, gedehnt und geschlossen, um das Kind zu schützen. Zur Geburt hin verändert sich die Muskulatur so, dass sie sich gut zusammenziehen kann, was den Wehen entspricht. Gleichzeitig wird der Gebärmutterhals weicher, um sich leichter für die Geburt öffnen zu können.
Den eigentlichen Startschuss für die Geburt gibt das Kind, indem es Signale sendet, dass es reif und bereit ist, geboren zu werden. Wann dies geschieht, ist schwer vorherzusagen. Der errechnete Geburtstermin ist nur ein Richtwert; eine Schwangerschaft dauert im Allgemeinen zwischen 37 und 42 Schwangerschaftswochen.
Folgende körperliche Zeichen können die baldige Geburt ankündigen:
- Unregelmäßige, leichte Wehen (Vorwehen)
- Zunehmende Rückenschmerzen, da sich die Bänder im unteren Rücken lockern, um für die Geburt dehnbar zu sein
- Abgang eines blutigen „Schleimpfropfs“ aus der Vagina, der bisher den Muttermund verschlossen hat
- Häufiger Stuhldrang, eventuell leichter Durchfall
Die Eröffnungsphase: Wenn der Muttermund beginnt sich zu öffnen
Die erste Phase der Geburt ist die Eröffnungsphase. Sie erstreckt sich vom Beginn der Wehen, also wenn regelmäßige, schmerzhafte Kontraktionen auftreten, bis zur vollständigen Eröffnung des Muttermundes. Während der Schwangerschaft ist der Muttermund fest geschlossen und schützt das ungeborene Kind vor Keimen und Infektionen. Ist eine Frau am Ende ihrer Schwangerschaft angelangt, kündigt ein sich langsam öffnender Muttermund an, dass sich ihr Körper auf die Geburt vorbereitet.
Was bedeutet ein Muttermund von 2 cm Öffnung?
Ein Muttermund, der 2 cm offen ist, bedeutet, dass sich der Gebärmutterhals bereits etwas verkürzt hat und beginnt, sich zu öffnen. Doch das allein sagt noch nichts darüber aus, wann die Geburt tatsächlich beginnt. Manche Frauen laufen mit einem 2 cm geöffneten Muttermund noch mehrere Stunden oder sogar Tage herum, während es bei anderen innerhalb weniger Stunden zur Geburt kommt. Entscheidend ist am Ende, ob die Wehen bereits eingesetzt haben und regelmäßig kommen. Ist dies der Fall und öffnet sich der Muttermund stetig weiter, wird es bis zur Geburt auch nicht mehr lange dauern.
Keine Wehen, aber der Muttermund ist 2 cm offen
Dies kann tatsächlich passieren und ist gar nicht so selten der Fall. Solange keine regelmäßigen Wehen auftreten, ist der Muttermund zwar vorbereitet, aber der eigentliche Geburtsprozess hat noch nicht begonnen. Besonders beim zweiten Kind kann es vorkommen, dass sich der Muttermund schon frühzeitig öffnet, aber die Geburt erst einige Tage oder sogar Wochen später beginnt. Ein offener Muttermund allein bedeutet also nicht zwangsläufig, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht.
Bleiben Sie entspannt, gönnen Sie sich Ruhe und hören Sie auf Ihren Körper - die Geburt wird dann beginnen, wenn Ihr Baby bereit ist. Falls Sie sich unsicher fühlen oder das Gefühl haben, dass sich etwas verändert, wenden Sie sich an Ihre Hebamme oder an Ihren Arzt bzw. an Ihre Ärztin. Sie werden Ihnen bei allen offenen Fragen weiterhelfen.

Der Verlauf der Eröffnungsphase
Die Eröffnungsphase beginnt, wenn die ersten muttermundwirksamen Wehen einsetzen. Das sind Wehen, die den Gebärmutterhals öffnen. Beendet ist die Eröffnungsphase, wenn sich der Muttermund auf etwa zehn Zentimeter geweitet hat. Dies dauert bei Erstgebärenden im Schnitt 8 bis 14 Stunden; pro Stunde öffnet sich der Muttermund bei ihnen um etwa einen Zentimeter. Bei Frauen, die schon ein Kind geboren haben, geht das deutlich schneller.
Die Latenzphase: Die ruhigere Anfangsphase
Die erste, ruhigere Phase der Eröffnungsphase wird als Latenzphase bezeichnet. Die Wehen sind anfänglich noch schwach und von längeren Ruheintervallen unterbrochen. Zu Beginn treten sie normalerweise im Abstand von 5 bis 20 Minuten auf und dauern etwa 20 bis 30 Sekunden. Der Muttermund ist erst wenig, maximal 3 Zentimeter weit geöffnet. Die meisten Frauen suchen in dieser Zeit das Spital auf oder informieren die Hebamme.
In dieser Phase können Sie sich noch unterhalten und herumlaufen. Die Wehen in diesem Stadium werden Eröffnungswehen genannt. Sie sind am ehesten vergleichbar mit Regelbeschwerden oder leichten Rückenschmerzen; manche Frauen nehmen die Kontraktionen gar nicht bewusst wahr. Während der Latenzphase können Schwangere allen Tätigkeiten nachgehen, auf die sie Lust haben und die sie nicht zu sehr anstrengen. Ein warmes Bad, ein Spaziergang an der frischen Luft, Lesen oder einfach auf der Couch liegen - Hauptsache entspannt und stressfrei. In jedem Fall gilt es, auf einen ausgewogenen Kräftehaushalt zu achten, denn gegen Ende hin werden die Wehen stärker.
Die aktive Eröffnungsphase: Intensivere Wehen
Die Kontraktionen nehmen an Heftigkeit, Dauer und Regelmäßigkeit zu. Sie sind mit 30 bis 60 Sekunden länger und treten alle 3 bis 7 Minuten auf. Die Wehen werden stetig schmerzhafter, länger und die Pausen dazwischen kürzer. Im Durchschnitt setzen die Wehen jetzt schon alle 2 bis 4 Minuten ein und dauern ungefähr eine Minute. Mit jeder Wehe öffnet sich der Muttermund ein Stück weiter, von 2 cm bis ungefähr 4 cm. Hat er sich auf mindestens 3 cm geweitet, befinden Sie sich in der aktiven Eröffnungsphase.
Dies ist der Moment, in dem sich die im Geburtsvorbereitungskurs erlernten Atmungs- und Entspannungsübungen als besonders hilfreich erweisen. Sollte Ihre Fruchtblase noch nicht geplatzt sein, wird dies wahrscheinlich jetzt infolge der an Stärke zunehmenden Wehen geschehen. Die Hebamme kann auch eine Blasensprengung durchführen, um die Fruchtblase zu eröffnen und die Geburt zu beschleunigen. Dabei ritzt die Hebamme die vorgewölbte Fruchtblase etwas ein; dies ist nicht schmerzhaft.
Das aktive, zweite Stadium der Eröffnungsphase dauert normalerweise 3 bis 5 Stunden. Ihre Wehen werden nun schmerzhafter, da sich Ihr Muttermund bis auf ca. 10 cm weiten muss. Zu diesem Zeitpunkt verlangen die meisten Gebärenden nach Schmerzmitteln. Die Wehentätigkeit wird sich am Ende der aktiven Eröffnungsphase noch weiter verstärken.

Die Übergangsphase: Der intensiver werdende Endspurt
Das letzte Drittel der Eröffnungsphase wird auch als Übergangsphase bezeichnet. Diese Etappe ist für viele Frauen die intensivste und schmerzhafteste des ganzen Geburtsvorganges. Im Zeitrahmen von etwa einer Stunde treten die Wehen in immer kürzeren Abständen auf, dauern länger und werden immer heftiger. Dadurch soll sich der Muttermund vollständig öffnen. Die Zeit zwischen Eröffnungs- und Austreibungsphase beginnt, wenn der Muttermund ungefähr 8 Zentimeter geöffnet ist und endet, wenn 10 Zentimeter erreicht sind.
Diese Phase verlangt nicht nur körperlich, sondern auch emotional viel von Ihnen. Viele Frauen sind zu diesem Zeitpunkt sehr gereizt. Auch wenn Sie bisher auf Medikamente zur Schmerzerleichterung verzichtet haben, verlangen Sie zu diesem Zeitpunkt möglicherweise danach, weil Sie meinen, es nicht mehr aushalten zu können. Jetzt nehmen Sie vermutlich einen Druck wahr: Bei jeder Kontraktion, mit der Ihr Kind sich in den Geburtskanal bewegt, übt es mehr Druck auf Ihren Enddarm aus und Sie verspüren einen starken Pressdrang. Bis sich Ihr Muttermund auf seine maximalen 10 Zentimeter geweitet hat, sollten Sie allerdings versuchen, diesem Drang zu widerstehen. Versuchen Sie es mit dieser Atemübung: Atmen Sie vorsichtig aus, als wollten Sie sanft eine Kerze ausblasen.
Die Übergangsphase kann eine Reihe unangenehmer Begleiterscheinungen mit sich bringen, wie Zittern, Schweißausbrüche, Übelkeit mit Erbrechen und das unfreiwillige Entleeren der Blase oder des Darms durch den Druck des kindlichen Kopfes. Emotional ist dies für Sie wahrscheinlich die schwierigste Phase; Sie sind gereizt, besorgt oder verärgert. Hinzu kommt vielleicht schon der so genannte Senkungsschmerz: Bei jeder Kontraktion, mit der Ihr Kind sich den Geburtskanal hinunterbewegt und somit immer mehr Druck auf Ihren Enddarm ausübt, verspüren Sie einen starken Pressdrang. Diesem Drang sollten Sie jedoch widerstehen, bis sich Ihr Muttermund auf seine maximalen 10 cm Durchmesser geweitet hat. Ihre Atem- und Entspannungsübungen, vor allem das Hecheln oder Veratmen, werden sich jetzt als sehr nützlich erweisen.
Kann man das Einsetzen der Wehen fördern?
Auch wenn es am Ende Ihr Baby und Ihr Körper sind, die das Einsetzen der Wehen und der Geburt bestimmen, schwören viele Frauen auf die folgenden Möglichkeiten, Wehen auf natürliche Weise zu fördern:
- Bewegung: Leichte Spaziergänge und Treppensteigen sollen, wenn Ihr Körper soweit ist, wehenfördernd wirken.
- Sex: Sexuelle Aktivität kann die Produktion des Hormons Oxytocin anregen, das Wehen auslöst.
- Warme Bäder: Ein warmes Bad kann entspannen und die Muskulatur lockern und soll am Ende der Schwangerschaft und wenn Ihr Körper soweit ist, auch wehenfördernd wirken.
- Akupunktur: Akupunktur kann helfen, die Wehen einzuleiten und Schmerzen zu lindern. Sollten Sie sich dafür interessieren, sprechen Sie Ihre Hebamme darauf an.
- Ernährung: Auch wenn es dafür keine wissenschaftlichen Belege gibt, schwören einige Frauen auf bestimmte Lebensmittel wie Ananas oder scharfe Speisen, um die Wehen anzuregen.
Die 3 Phasen der Geburt - Geburtsvorbereitungskurs
Frauen berichten: Erfahrungen mit einem Muttermund von 2 cm
Viele Frauen teilen ihre Erfahrungen bezüglich eines bereits geöffneten Muttermundes bei noch ausbleibenden Wehen. Einige berichten, dass ihr Muttermund bereits Wochen vor dem errechneten Termin 2 bis 3 cm geöffnet war, ohne dass sie Wehen spürten. Andere erzählen, dass bei ihnen die Geburt erst einige Tage oder sogar Wochen nach der Feststellung einer Muttermundöffnung von 2-3 cm begann. Bei wieder anderen führten solche Befunde zu keinen erkennbaren Veränderungen.
Einige Frauen berichten, dass sie verschiedene Methoden zur Wehenförderung ausprobiert haben, wie zum Beispiel Himbeerblättertee, Spaziergänge, Sex oder warme Bäder. Die Erfahrungen damit sind unterschiedlich: Während manche berichten, dass diese Methoden Übungswehen ausgelöst haben oder die Geburt beschleunigten, berichten andere, dass sie keine Wirkung zeigten.
Die PDA (Periduralanästhesie) wird in der Regel bei fortgeschrittener Muttermundöffnung gelegt, oft ab 4 cm. Die Entscheidung dafür hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab und wird individuell mit dem medizinischen Personal besprochen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wehenstärke und -regelmäßigkeit sowie die individuelle Reaktion des Körpers entscheidend dafür sind, wie schnell die Geburt nach einer Muttermundöffnung von 2 cm fortschreitet.
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