Eine Feier ohne ein Glas Sekt ist hierzulande kaum denkbar. Wir genießen durchschnittlich rund 3,4 Liter Sekt pro Jahr und sind damit Weltmeister im Sekttrinken. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem festlichen Getränk, wie erkennt man Qualität und wie wird er richtig genossen?
Was ist Sekt?
Sekt ist der deutsche Begriff für Qualitätsschaumwein. Dieses prickelnde Getränk gilt als festlich und wird gerne zu besonderen Anlässen konsumiert. Für Sekt gelten spezielle Vorschriften: Er muss einen Mindestalkoholgehalt von zehn Prozent und einen Kohlensäureüberdruck von mindestens 3,5 bar aufweisen. Bei Winzersekt muss der Grundwein aus dem eigenen Weinbetrieb stammen. Die Herstellung erfolgt entweder durch die traditionelle Flaschengärung, ähnlich wie bei Champagner, oder durch das kostengünstigere Tankgärverfahren.
Die Geschichte des Sekts
Die genaue Erfindung des Sekts ist nicht eindeutig geklärt. Eine Legende schreibt sie dem französischen Mönch Dom Perignon zu, der angeblich durch einen vergessenen, gegorenen Weinflaschen eine Entdeckung machte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er die „Méthode champenoise“ weiterentwickelte. Ende des 18. Jahrhunderts sammelten deutsche Winzer Erfahrungen in Frankreich und brachten wichtige Impulse für die Schaumweinherstellung nach Deutschland zurück. Die Weltausstellung 1876 in Paris brachte dem deutschen Sekt die erste Goldmedaille und etablierte ihn als Konkurrenz zum französischen Champagner. Deutschland entwickelte sich zum weltweit größten Schaumweinmarkt.
Schaumwein, Sekt und Co. - Was ist der Unterschied?
Grundsätzlich werden alle mit Kohlensäure versetzten Weine als Perl- oder Schaumweine bezeichnet. Perlwein enthält weniger Kohlensäure, die auch nachträglich zugefügt werden darf. Bei Schaumwein, zu dem auch Sekt zählt, entsteht die Kohlensäure während der zweiten Gärung. Dies führt zu einem deutlich intensiveren Sprudeln und Prickeln.
Internationale Schaumweinspezialitäten:
- Asti: Stammt aus der italienischen Region Piemont und wird aus der Weißwein-Rebsorte Gelber Muskateller hergestellt. Er hat einen geringeren Alkoholgehalt (7-9 Vol.-%) und schmeckt durch den höheren Restzucker süßer. Die Qualität wird durch die kontrollierte Herkunftsbezeichnung DOCG gesichert.
- Cava: Ein spanischer Schaumwein, der der traditionellen Flaschengärung folgt und qualitativ dem Champagner nahekommt. Bis 1986 wurde er in Spanien „Champàna“ oder „Xampàn“ genannt. Der Name „Cava“ bezeichnet die unterirdische Kellerei.
- Champagner: Muss aus der französischen Region Champagne stammen und unterliegt strengen Herstellungsvorschriften, darunter die Verwendung bestimmter Trauben und die Handernte. Er gilt weltweit als luxuriösestes Getränk.
- Crémant: Bezeichnet Schaumweine aus anderen französischen Regionen sowie aus Belgien und Luxemburg. Crémant hat Champagner-Qualität, ist aber preisgünstiger. Der Flaschendruck ist mit 3,5 bar geringer als bei Champagner (ca. 6 bar).
- Krimsekt: Ein ukrainischer Schaumwein, der auch aus roten Trauben hergestellt werden kann, was ihn teurer als deutschen Sekt, aber günstiger als Champagner macht.
- Prosecco: Aus Italien stammend, kann Prosecco als Perlwein (Frizzante) oder als schäumender Schaumwein (Spumante) gekennzeichnet sein. Strenge Herkunftsbezeichnungen (DOC, DOCG) sichern die Qualität.
Die Herstellung von Sekt
Die Herstellung von Sekt beginnt mit der Veredelung von sogenanntem Grundwein durch eine weitere alkoholische Gärung. Hierfür werden saure Weine aus früh reifenden Trauben verwendet, wie zum Beispiel Riesling.
Herstellungsprozesse im Überblick:
- Flaschengärung (traditionelle Methode): Der Grundwein vergärt in der Flasche, in der er später verkauft wird. Nach einer Reifezeit von mindestens neun Monaten, in der die Hefe abstirbt, werden die Flaschen gerüttelt, um die Hefe im Flaschenhals zu sammeln. Anschließend wird der Hefepfropfen durch Einfrieren und Öffnen entfernt (Degorgieren). Diese Methode ist aufwendig, liefert aber die besten Ergebnisse.
- Tankgärverfahren (Charmat-Methode): Die zweite Gärung findet in modernen Großraumbehältern statt. Dies ermöglicht die Herstellung größerer Mengen zu geringeren Kosten, führt jedoch zu weniger feinen Perlen und Aromen.
- Transvasierverfahren: Kombiniert Flaschengärung und Tankgärung. Nach der Flaschengärung und dem Degorgieren wird der Sekt in einen Drucktank überführt und filtriert.

Die richtige Lagerung von Sekt
Sekt sollte trinkfertig gelagert werden. Bewahren Sie die Flasche stehend auf, damit die Kohlensäure nicht entweicht. Sekt ist lichtempfindlich; lagern Sie ihn daher kühl und dunkel bei etwa zehn Grad Celsius und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit. Vermeiden Sie starke Sonneneinstrahlung und Temperaturschwankungen. Erschütterungen und starke Gerüche können das Aroma beeinträchtigen. Geöffnete Flaschen sollten mit einem speziellen Verschluss verschlossen und im Kühlschrank aufbewahrt werden. Ungeöffneter Sekt ist im Grunde nicht schlecht, aber die Kohlensäure und der Geschmack verändern sich mit der Zeit. Eine Lagerung von wenigen Monaten bis maximal drei Jahren wird empfohlen, wobei qualitativ hochwertige Sekte länger haltbar sind.
Sektgenuss: Temperatur, Glas und Servieren
Der richtige Genuss von Sekt beginnt bei der Temperatur. Weißer Sekt sollte zwischen fünf und sieben Grad Celsius, Rosé zwischen sechs und acht Grad und roter Sekt zwischen neun und elf Grad gekühlt werden. Eine schnelle Kühlung (Frappieren) ist im Eiswasserbad mit Salz möglich.
Der perfekte Moment:
- Öffnen: Halten Sie die Flasche schräg und drehen Sie den Korken vorsichtig heraus, um ein lautes „Ploppen“ zu vermeiden.
- Das richtige Glas: Am besten eignen sich Tulpengläser oder Kelche, da sie das Prickeln und Aroma gut zur Geltung bringen. Champagnerschalen sind weniger geeignet, da die Kohlensäure schnell entweicht. Sektgläser sollten nie mit Spülmittel gereinigt werden.
- Füllmenge: Füllen Sie das Glas nur zu etwa zwei Dritteln, damit sich die Blume des Sekts entfalten kann und die Perlen im Glas bleiben.
- Mischen: Sekt kann mit Orangensaft gemischt oder für Cocktails und Bowlen verwendet werden.

Qualität erkennen und den passenden Sekt wählen
Die Auswahl an Sekt ist riesig, aber die Wahl hängt vom Anlass und persönlichen Geschmack ab. Der Preis ist nicht immer ein Indikator für Qualität. Achten Sie auf folgende Merkmale:
- Herkunft des Grundweins: Je genauer die Rebsorte und Herkunft auf dem Etikett angegeben sind, desto hochwertiger ist der Sekt.
- Herstellungsmethode: Die traditionelle Flaschengärung gilt als hochwertiger.
- Flasche, Etikett und Verschluss: Hochwertige Sekte sind oft mit echtem Kork verschlossen.
- Aussehen und Geschmack: Guter Sekt riecht und schmeckt ausgewogen, aromatisch und frisch-fruchtig.
Süßegrade von Sekt:
Die Süße des Sektes wird durch die Zugabe von Zucker bestimmt:
- Naturherb/Extraherb: Sehr trocken.
- Trocken: Passt gut zu herzhaften Gerichten.
- Halbtrocken: Ergänzt süße Speisen.
- Mild: Eine mildere Variante.
Die Bedeutung des Glases für den Sektgenuss
Das passende Glas spielt eine entscheidende Rolle für die Entfaltung von Aroma und Perlage. Traditionelle Sektgläser wie die Schaumweintulpe oder die Sektflöte sind so konzipiert, dass sie die Kohlensäure möglichst lange halten und das Aroma bündeln. Die Tulpe mit ihrer bauchigen Form, die nach oben hin zuläuft, ist besonders gut geeignet, da sie die Aromen sammelt und die Frische bewahrt. Die Flöte bietet einen längeren Weg für die Kohlensäure, was den Sekt spritziger erscheinen lässt. Sektgläser verfügen oft über einen Moussierpunkt am Boden, eine angeraute Stelle, die die Bläschenbildung fördert.
Weingläser werden zunehmend als Alternative genutzt und können die Aromen ebenfalls gut betonen. Für den Alltag oder informelle Anlässe sind sie eine akzeptable Wahl. Sektschalen, die früher für Champagner-Pyramiden genutzt wurden, sind weniger geeignet, da die Kohlensäure schnell entweicht.
Kaloriengehalt und alkoholfreie Alternativen
Der Kaloriengehalt von Schaumwein hängt vom Zucker- und Alkoholgehalt ab und liegt bei etwa 75 bis 110 kcal pro Glas. Für Figurbewusste gibt es alkoholfreie Schaumweine mit maximal 0,5 Vol.-% Alkohol. Auch aromatisierte weinhaltige Getränke wie Seccos mit verschiedenen Fruchtaromen bieten eine leichtere Alternative.
Die richtige Menge: Wie viel Sekt ins Glas?
Für eine Person rechnet man etwa 0,1 bis 0,2 Liter Sekt pro Glas. Bei einer Feier mit 20 Personen sollten Sie mindestens 4 Flaschen (3 Liter) einplanen, um großzügig ausschenken zu können.
Flaschengrößen von Sekt
Die gängigste Sektflasche hat ein Volumen von 0,75 Litern. Kleinere Formate wie der Piccolo (0,125 Liter) eignen sich für einzelne Portionen. Größere Formate wie Magnum (1,5 Liter) oder noch größere biblische Königsnamen (Jeroboam, Salmanasser, Balthasar, Nebukadnezar) bieten Vorteile bei der Reifung und Lagerung durch weniger Sauerstoffkontakt und eine verlangsamte Gärung, was zu einem cremigeren Geschmack und längerer Haltbarkeit führt.