Kinderärzte und Neugeborene: Wenn die Aufnahme verweigert wird

Die Suche nach einem Kinderarzt für Neugeborene kann sich als schwierig erweisen, insbesondere wenn es um die Aufnahme von Zwillingen oder mehreren Kindern geht. Viele Eltern berichten von Absagen, wenn sie versuchen, einen neuen Kinderarzt zu finden oder zu wechseln. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von überlasteten Praxen bis hin zu systemischen Problemen in der medizinischen Versorgung.

Herausforderungen bei der Kinderarztsuche

Immer mehr Eltern stehen vor der Herausforderung, einen Kinderarzt für ihre Neugeborenen zu finden. Die Erfahrungen reichen von direkten Absagen bis hin zu langen Wartezeiten. Manche Praxen nehmen nur Geschwisterkinder auf oder lehnen Neupatienten generell ab, wenn die Praxis bereits voll ist.

„Sorry, wir nehmen leider keine neuen Patienten mehr auf!“ - Diese Antwort erhalten viele Eltern, wenn sie versuchen, einen Kinderarzt zu wechseln oder einen neuen für ihr Neugeborenes zu finden. Dies wird besonders deutlich, wenn es um die Aufnahme von Neugeborenen geht. Manche Praxen lehnen Neugeborene als Neupatienten ab, wenn sie bereits überlastet sind. Dies gilt oft auch, wenn die Familie bereits andere Kinder hat.

Überlastung der Praxen als Hauptgrund

Ein zentraler Grund für die Schwierigkeiten ist die Überlastung vieler Kinderarztpraxen. Ärzte arbeiten oft über ihrer Kapazität, um die Versorgung sicherzustellen. Dies kann dazu führen, dass sie gezwungen sind, die Kapazitäten für neue Patienten zu begrenzen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bestätigt, dass Vertragsärzte in begründeten Fällen eine Behandlung ablehnen dürfen, wenn sie beispielsweise überlastet sind. Dies ist zurzeit in vielen Regionen der Fall.

Die Arbeitsbelastung in Kinderarztpraxen ist hoch. Viele Praxen arbeiten bereits mit über 100%iger Kapazität. Dies kann dazu führen, dass Vorsorgetermine auf unter 10 Minuten gekürzt werden müssen, um alle Patienten zu sehen. Dies wiederum kann dazu führen, dass nicht genügend Zeit für Fragen der Eltern bleibt.

Systemische Probleme und Unterversorgung

Das Problem der eingeschränkten Versorgungslage ist nicht nur eine Frage der einzelnen Praxen, sondern auch ein systemisches Problem. Es besteht ein Mangel an Kassensitze, insbesondere in ländlichen Gebieten. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) spielt hier eine wichtige Rolle. Sie ist dafür zuständig, die vertragsärztliche Versorgung sicherzustellen. Wenn eine Region unterversorgt ist, sollte die KV dies erkennen und Maßnahmen ergreifen, um weitere Praxen zu etablieren.

Die Kassenärztliche Vereinigung kann eine wichtige Anlaufstelle sein, um Informationen über die Versorgungslage zu erhalten und gegebenenfalls Unterstützung bei der Arztsuche zu bekommen. Sie kann auch auf fehlende Kassensitze aufmerksam machen.

Grafik, die die Verteilung von Kinderärzten in Deutschland zeigt, mit Hervorhebung von unterversorgten Regionen.

Freie Arztwahl vs. Kapazitäten

Grundsätzlich gilt in Deutschland die freie Arztwahl, was bedeutet, dass Patienten ihren Arzt frei wählen können. Diese Freiheit ist jedoch eingeschränkt, wenn die Praxen keine neuen Patienten mehr aufnehmen können. Vertragsärzte sind zwar verpflichtet, gesetzlich versicherte Patienten zu behandeln, aber es gibt Ausnahmen, wenn sie beispielsweise überlastet sind.

Die freie Arztwahl und die Behandlungspflicht sind wichtige Prinzipien im deutschen Gesundheitssystem. Allerdings sind diese Prinzipien nicht absolut. Wenn eine Arztpraxis ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hat, kann sie in begründeten Fällen die Aufnahme neuer Patienten ablehnen. Dies gilt insbesondere für die Aufnahme von gesunden Neugeborenen für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, nicht jedoch für akute Notfälle.

Strategien zur Arztsuche

Angesichts dieser Herausforderungen gibt es verschiedene Strategien, die Eltern anwenden können, um einen Kinderarzt zu finden.

Persönliche Vorsprache und Hartnäckigkeit

Viele Eltern berichten, dass persönliche Vorsprachen in den Praxen oft erfolgreicher sind als reine Telefonate. Übers Telefon werden Eltern schnell abgewimmelt, während ein persönliches Gespräch die Situation verdeutlichen kann. Hartnäckigkeit ist hierbei oft der Schlüssel zum Erfolg.

Es wird empfohlen, sich frühzeitig, idealerweise bereits während der Schwangerschaft, um die Arztsuche zu kümmern. Ein guter Zeitpunkt ist das letzte Schwangerschaftsdrittel. Bei Mehrlingen oder Kindern mit diagnostizierten Krankheiten ist eine frühe Suche besonders ratsam.

Einbeziehung der Krankenkasse und Kassenärztlichen Vereinigung

Die Krankenkasse kann eine wertvolle Unterstützung bei der Arztsuche sein. Sie kann Informationen über Vertragsärzte in der Nähe liefern und gegebenenfalls beratend zur Seite stehen. Auch die Kassenärztliche Vereinigung kann weiterhelfen, indem sie über freie Kapazitäten informiert oder auf unterversorgte Gebiete hinweist.

Eine weitere Möglichkeit ist, sich an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen zu wenden. Diese Stellen sind dazu da, Patienten bei der Suche nach einem Arzt zu unterstützen und Termine zu vermitteln.

Alternative Ärzte und Zweitmeinungen

In einigen Fällen können auch Allgemeinmediziner Vorsorgeuntersuchungen durchführen. Zwar haben Kinderärzte die spezifischere Ausbildung und Erfahrung, doch können Allgemeinärzte eine gute Alternative sein, wenn kein Kinderarzt gefunden wird. Bei Unzufriedenheit mit einem Kinderarzt kann auch der Wechsel zu einem anderen Arzt erwogen werden, sofern dieser Kapazitäten frei hat.

Es ist auch ratsam, sich über die Möglichkeit von Zweitmeinungen zu informieren, falls Unsicherheiten bezüglich der Diagnose oder Behandlung bestehen.

Besondere Situation: Zwillinge und Mehrlinge

Die Situation kann sich bei der Aufnahme von Zwillingen oder Mehrlingen noch komplizierter gestalten. Viele Eltern berichten von gut gemeinten, aber auch verunsichernden Kommentaren von Freunden und Bekannten, die die Herausforderungen des Aufziehens von Mehrlingen stark betonen. Dies kann zu einer negativen Erwartungshaltung führen.

Trotz der doppelten Arbeit und der potenziellen Anstrengung empfinden viele Eltern die Zeit mit Zwillingen als wunderbar und bereichernd. Moderne Hilfsmittel wie Windeln und Waschmaschinen erleichtern die tägliche Routine erheblich. Humor und die Bereitschaft, sich auf die Herausforderung einzulassen, sind entscheidend.

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Die Rolle des Krankenhauses

Manche Krankenhäuser organisieren die ersten Untersuchungen für Neugeborene durch externe Kinderärzte, die ins Krankenhaus kommen. Diese Ärzte übernehmen dann oft auch die weitere Betreuung der Neugeborenen. Es lohnt sich, im Entbindungs-Krankenhaus nach solchen Regelungen zu fragen.

U-Untersuchungen und die Rolle des Kinderarztes

Die Früherkennungsuntersuchungen (U-Untersuchungen) sind essenziell für die Überwachung der kindlichen Entwicklung. Diese Untersuchungen werden von Kinder- und Jugendärzten durchgeführt und decken verschiedene Altersstufen ab, von der U1 direkt nach der Geburt bis zur U3 im Alter von 4-5 Wochen.

Ein Kinderarzt begleitet die Familie oft bis zum 18. Lebensjahr des Kindes. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt, Kind und Eltern ist daher von großer Bedeutung. Die Wahl des richtigen Kinderarztes sollte auf einer guten Chemie und einem Gefühl der Sicherheit basieren.

Was tun bei Ablehnung?

Wenn ein Kinderarzt die Aufnahme eines Neugeborenen ablehnt, gibt es mehrere Schritte, die unternommen werden können:

  • Krankenkasse kontaktieren: Nachfragen bei der zuständigen Krankenkasse um Rat und Unterstützung.
  • Kassenärztliche Vereinigung einschalten: Melden Sie sich bei der KV, um auf die Unterversorgung aufmerksam zu machen und Hilfe zu erhalten.
  • Persönlich vorsprechen: Versuchen Sie, die Praxen persönlich aufzusuchen, um Ihre Situation zu schildern.
  • Wartelisten prüfen: Erkundigen Sie sich nach Wartelisten für Neupatienten.
  • Alternative Ärzte in Betracht ziehen: Prüfen Sie, ob Allgemeinmediziner Vorsorgeuntersuchungen anbieten.
  • Rechtliche Schritte prüfen: Im äußersten Fall kann ein Vertragsverletzungsverfahren mit der Krankenkasse in Betracht gezogen werden.

Es ist wichtig zu betonen, dass die bestehenden Praxen in der Regel keine Schuld an der schlechten Versorgungslage tragen. Vielmehr handelt es sich um ein Problem im System, das durch eine höhere Anzahl an Kassensitzen gelöst werden müsste.

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