Das Sprichwort „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ ist tief in der deutschen Sprache und Kultur verwurzelt. Seine Ursprünge und seine Bedeutung lassen sich am besten anhand des bekannten Märchens Aschenputtel nachvollziehen.
Aschenputtel: Die Herkunft des Sprichworts
Das Märchen von Aschenputtel, erstmals aufgezeichnet von den Brüdern Grimm in ihren "Kinder- und Hausmärchen" (KHM 21), erzählt die Geschichte eines gedemütigten Mädchens, das von seiner Stiefmutter und seinen Stiefschwestern schlecht behandelt wird. Eine zentrale Szene des Märchens illustriert die Bedeutung des Sprichworts:
- Nachdem Aschenputtels Vater eine neue Frau geheiratet hat, die zwei Töchter mit ins Haus bringt, wird das Mädchen zur Dienstarbeit gezwungen und muss oft in der Asche schlafen, was ihr den Namen Aschenputtel einbringt.
- Zur Vorbereitung auf den königlichen Ball, der drei Tage dauert, geben die Stiefschwestern Aschenputtel eine Schüssel voller Linsen und fordern sie auf, die guten von den schlechten zu trennen, bevor der Ball endet.
- Als Aschenputtel sich an die Arbeit macht, kommen zwei Tauben (in späteren Fassungen eine ganze Schar von Vögeln) angeflogen und helfen ihr. Aschenputtel sagt zu ihnen: "Ja, die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen."

Dieser Ausspruch drückt die Fähigkeit aus, das Gute vom Schlechten zu trennen, das Wertvolle vom Nutz- oder Wertlosen zu unterscheiden und es entsprechend zu behandeln. Die Tauben symbolisieren hierbei eine höhere Hilfe oder eine innere Weisheit, die Aschenputtel befähigt, diese Aufgabe zu bewältigen.
Die symbolische Bedeutung in verschiedenen Kontexten
Die Bedeutung von „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ erstreckt sich über das Märchen hinaus und kann auf verschiedene Lebensbereiche angewendet werden:
- Persönliche Entwicklung und Lebensbewältigung: Das Sprichwort ermutigt dazu, sich auf das Positive im Leben zu konzentrieren und Negatives zu verarbeiten oder loszulassen. Es kann als Metapher für den Umgang mit Schwierigkeiten, Enttäuschungen oder negativen Erfahrungen dienen.
- Therapeutischer Ansatz: In der Arbeit mit Menschen, die unter Depressionen leiden, kann die Idee, das Gute im Erlebten zu erkennen und zu "wandern" zu lassen (z. B. Bohnen von einer Hosentasche in die andere legen), helfen, den Fokus auf positive Aspekte zu lenken.
- Spirituelle Deutung: Die Tauben können als Symbolfigur des Heiligen Geistes interpretiert werden, was darauf hindeutet, dass göttliche Führung oder spirituelle Einsicht hilft, das Gute im Leben zu erkennen und zu bewahren.
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Varianten und Entwicklungen des Märchens
Das Märchen von Aschenputtel hat eine lange und komplexe Rezeptionsgeschichte, die sich in verschiedenen Fassungen zeigt:
- Brüder Grimm: In der Urfassung von 1812 und späteren Überarbeitungen variiert die genaue Ausgestaltung der Szene mit den Linsen und den helfenden Vögeln. Die Fassung von 1819 beispielsweise beschreibt eine ganze Schar von Vögeln, die Aschenputtel helfen, und das Bäumchen auf dem Grab der Mutter, von dem sie sich Kleider wünscht.
- Charles Perrault: In Perraults Version von 1697 hilft eine gute Fee anstelle der Tauben und verwandelt Kürbis, Mäuse und Eidechsen in Kutsche, Pferde und Lakaien. Statt Linsen sortiert Cendrillon (Aschenputtel) hier keine Körner, sondern wird mit anderen Aufgaben betraut.
- Ludwig Bechstein: Bechsteins "Aschenbrödel" (1845) ist inhaltlich nah an den Grimmschen Fassungen, aber kürzer und sprachlich eigenständig.
Trotz der Unterschiede in den Details bleibt das Kernmotiv des gedemütigten Mädchens, das durch eine besondere Fähigkeit oder Hilfe das Gute vom Schlechten trennt und dadurch sein Schicksal zum Besseren wendet, erhalten.
Die Namensherkunft und weitere Bedeutungen
Der Name "Aschenputtel" selbst leitet sich von der Tätigkeit ab, in der Asche zu sitzen oder zu arbeiten. Der Begriff "Aschenbrödel" (oder ähnliche Varianten wie "Askenpüster", "Askenböel") deutet auf das mühsame Suchen von Erbsen aus der Asche hin. Vergleiche finden sich auch in anderen Kulturen, wie z.B. das polnische "Kopciuszek" (von "Kopiec" - Ruß).
Das Sprichwort "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen" ist somit mehr als nur eine Redewendung; es ist ein Ausdruck einer tief verwurzelten menschlichen Fähigkeit zur Unterscheidung und eine Erinnerung daran, dass auch in schwierigen Situationen das Gute gefunden und bewahrt werden kann, oft mit unerwarteter Hilfe.