Androgene und der weibliche Zyklus: Ein umfassender Überblick

Androgene spielen eine entscheidende Rolle nicht nur für die Entwicklung und Funktion der Geschlechtsorgane, sondern beeinflussen auch eine Vielzahl anderer Organe wie Knochen, Muskeln, Haut, Leber, Milz, Herz, Brustdrüsen, Schilddrüse, Nieren, Hypophyse und Hypothalamus. Darüber hinaus steuern sie psychische Reaktionen.

Schema der Hormonregulation im weiblichen Zyklus

Ursachen und Diagnose von Hyperandrogenämie

Die häufigste Ursache für eine Hyperandrogenämie (erhöhter Androgenspiegel im Blut) sind polyzystische Ovarien. Ebenso können gutartige und bösartige Tumore der Eierstöcke Androgene produzieren. Das postpuberale Adrenogenitale Syndrom (AGS), meist verursacht durch einen 21-, 3b- oder 11b-Hydroxylase-Defekt, ist in etwa 6 Prozent der Fälle für leichte Symptome bei erwachsenen Frauen verantwortlich.

Bei der Differenzialdiagnose müssen auch Tumoren der Nebennierenrinde berücksichtigt werden, die als hyperplastische Veränderungen oder echte Neoplasien (Adenome und Karzinome) auftreten können. Der Dexamethason-Test dient der Identifizierung des Organs, das den Androgenüberschuss produziert.

Patientinnen mit Cushing-Syndrom zeigen erhöhte Kortisolwerte im Urin (> 200 µg/24 h), eine Unterdrückung des Serum-ACTH und einen erhöhten Serumkortisolspiegel. Bei diesen Frauen sind sowohl Virilisierungszeichen als auch ein erhöhter Androgenspiegel im Serum zu beobachten.

Symptome und Auslöser von Zyklusstörungen

  • Zyklusstörungen und Anovulation
  • Verspätete Menarche
  • Oligo- bzw. Amenorrhö
  • Medikamente: Androgene, Gestagene, Antiepileptika, Phenothiazine, Kortikotropin

Ein Adenom der Hypophysenvorderlappen ist für etwa 70 Prozent aller Fälle eines Cushing-Syndroms verantwortlich. Das ektope ACTH/CRF-Produktionssyndrom ist für zirka 15 Prozent verantwortlich.

Iatrogene Hyperandrogenämie

Eine iatrogene (durch medizinische Behandlung verursachte) Hyperandrogenämie kann durch die Therapie mit verschiedenen Medikamenten entstehen:

  • Androgenen (z. B. Danazol)
  • Gestagenen der 19-Nortestosteron-Reihe
  • Glukokortikoiden
  • Antiepileptika (z. B. Phenytoin, Phenobarbital)
  • Phenothiazinen
  • Kortikotropin und/oder ACTH
  • Metypiron
Tabelle mit Medikamenten, die eine iatrogene Hyperandrogenämie verursachen können

Die Bedeutung der Anamnese und klinischen Untersuchung

Eine sorgfältige Anamnese liefert entscheidende Hinweise auf die Ursache der Hyperandrogenämie. Wichtige Fragen betreffen:

  • Den Zeitpunkt der Adrenarche, Thelarche und Menarche
  • Zyklusauffälligkeiten (Oligomenorrhö, Amenorrhö)
  • Wachstums- und Gewichtsverlauf
  • Entbindungen und Aborte
  • Den Zeitpunkt des ersten Auftretens der Hyperandrogenämie-Symptome
  • Medikamenteneinnahme oder bestehende endokrinologische Erkrankungen

Die Familienanamnese spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Die klinische Untersuchung gibt Aufschluss über das Vorliegen einer systemischen Erkrankung. Die gynäkologische Untersuchung kann eine Klitorishypertrophie und andere Virilismusmerkmale aufzeigen.

Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren

Bei der Bestimmung der Laborparameter werden zunächst Androstendion, Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEA-S), Kortisol, TSH und Prolaktin bestimmt. Hormonuntersuchungen dürfen erst nach einer dreimonatigen Wash-out-Periode nach Hormongabe durchgeführt werden. Die Blutentnahme sollte möglichst frühmorgens (vor 7:30 Uhr) erfolgen.

Bildgebende Verfahren sind für die Diagnostik der Hyperandrogenämie unerlässlich.

Hirsutismus und Hypertrichose

Hirsutismus bezeichnet das Auftreten männlicher Behaarungsmuster bei Frauen, charakterisiert durch vermehrtes, dickes und stark pigmentiertes Haarwachstum auf androgenabhängigen Hautstellen. Idiopathischer Hirsutismus liegt vor, wenn im Serum kein nachweisbarer Androgenexzess besteht, obwohl die betroffenen Frauen häufig Ovulationen haben. Dies könnte auf eine genetisch-molekulare Störung zurückzuführen sein.

Nicht zu verwechseln ist dies mit Hypertrichose, einem verstärkten Wachstum feiner Körperbehaarung am ganzen Körper, das meist auf eine systemische Erkrankung oder Medikamenteneinnahme zurückzuführen ist.

Endocrinology - Hirsutism and Hypertrichosis: By Joshua Lakoff M.D.

Virilismus und Alopezie

Bei einem manifesten Virilismus treten neben Hirsutismus auch eine Klitorishypertrophie sowie Symptome wie eine heisere oder tiefere Stimme und eine Zunahme der Muskelmasse und -kraft auf. Der Grad des Hirsutismus wird häufig nach dem Ferriman-Gallwey-Score von 0 bis 4 Punkten an elf Körperstellen geschätzt.

Die androgenetische Alopezie ist das Endstadium eines Haarausfallprozesses, dessen Prävalenz im Erwachsenenalter zwischen 30 und 80 Prozent liegt. Bei Frauen kann eine reversible Alopezie in bestimmten Lebensphasen (Pubertät, Puerperium, Stillzeit, Klimakterium) oder nach Einnahme hormonaler Kontrazeptiva auftreten. Alopezie in der Postmenopause und Alopecia senilis sind hingegen nicht reversibel.

Systemische Erkrankungen, Lebensstiländerungen und Medikamente (Zytostatika, Lipidsenker, Retinoide, Betablocker, Prolaktinhemmer, Thyreostatika) können ebenfalls eine Alopezie hervorrufen. Die weibliche Alopezie tritt meist phasenweise auf, wobei der Vertex am stärksten betroffen ist. Gehäuft tritt die androgenetische Alopezie beim polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) auf, oft in Verbindung mit Anovulation, Adipositas, Hirsutismus und Akne. Betroffene Frauen weisen erhöhte Testosteron-, Androstendion- und freie Testosteron-Serumwerte auf; das SHBG ist meist erniedrigt.

Die Steigerung des Androgenspiegels in der Pubertät führt zu vermehrtem Talgfluss und begünstigt Infektionen. Möglicherweise liegt bei betroffenen Mädchen eine erhöhte Aktivität des Hormonrezeptors für Androgene vor.

Therapeutische Ansätze bei Hyperandrogenämie

Die Behandlung der Hyperandrogenämie wird als multidisziplinäre Aufgabe von Gynäkologen, Dermatologen und Psychiatern (bzw. Psychologen) betrachtet.

Einsatz von Antiandrogenen

Der Einsatz von Antiandrogenen ist sinnvoll und kann bei Hirsutismus in etwa 60 Prozent der Fälle erfolgreich sein. Auch androgenetische Akne spricht sehr gut an. Bei Alopezie werden ebenfalls gute Erfolge beobachtet.

Einige Antiandrogene können hepatotoxische Wirkungen haben, was die Behandlungsdauer limitiert. Nach Absetzen kann ein Rezidiv auftreten. Antiandrogene werden zunehmend kombiniert eingesetzt. Die neuen Antiandrogene erzielen Erfolgsquoten, die mit klassischen Präparaten wie Cyproteronacetat (CPA) vergleichbar sind. Da Antiandrogene teratogen sind, ist während der Therapie eine wirksame Schwangerschaftsverhütung unerlässlich.

  • Antiandrogene werden oft zusammen mit Ethinylestradiol verabreicht.
  • Kosmetisch ergänzende Behandlungen sind wichtig. Die Lasertherapie des Hirsutismus ist meist hilfreich, wird aber oft nicht von den Krankenkassen übernommen. Der Leidensdruck durch Hirsutismus kann zu schweren Depressionen führen.
  • Die individuelle Empfindung der Hirsutismus-Symptome steht häufig in Diskrepanz zum objektiven Befund.

Die genauen Wirkungsmechanismen von Glukokortikoiden, ACTH, Thyroxin und Prolaktin auf den Haarfollikel sind noch nicht vollständig geklärt.

Kontraindikationen und Nebenwirkungen

Unbedingt zu beachten sind Kontraindikationen und Nebenwirkungen. Allgemeine unerwünschte Begleiterscheinungen können sein: Libidoverlust, Mastodynie, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Depression, Thrombose, Chloasma. Aufgrund möglicher Hepatotoxizität von Antiandrogenen sollte die Leber sonografisch und labormäßig kontrolliert werden.

Behandlung der Akne

Die Behandlung der Akne kann durch weitere Maßnahmen ergänzt werden. Für die lokale Therapie eignen sich Erythromycin und Clindamycin, per os werden Tetrazyklin und Minozyklin verabreicht. Die Behandlung mit Retinsäure liefert gute Ergebnisse bei stärkeren Akneformen.

Pharmakologische Therapieoptionen

Verschiedene Wirkstoffe kommen zur Behandlung von Hyperandrogenämie-Symptomen zum Einsatz:

  • Cyproteronacetat (CPA): Ein Abkömmling des 17-Hydroxyprogesterons, wirkt als Androgenrezeptorblocker, Hemmer des peripheren Androgenmetabolismus und 5-beta-Reduktase-Inhibitor. Es ist die klassische Behandlung der Hyperandrogenämie.
  • Spironolacton: Ein Aldosteronantagonist und Androgenrezeptorblocker, hemmt den peripheren Androgenmetabolismus.
  • Flutamid: Ein nichtsteroidales Antiandrogen, unterdrückt den peripheren Androgenmetabolismus und wird üblicherweise zur Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt. Studien belegen seine Wirksamkeit bei Hirsutismus.
  • Finasterid: Ein 4-Azasteroid, das die 5-alpha-Reduktase hemmt. Obwohl der Testosteron-Serumspiegel unter der Behandlung ansteigen kann, geht der Hirsutismus zurück, was auf Testosteron als Pro-Hormon hindeutet.
  • Drospirenon (DRSP): Ein Abkömmling des Spironolactons mit Antiandrogen- und Antimineralokortikoid-Eigenschaften.
  • Chlormadinonacetat (CMA): Ein Androgenrezeptorblocker, der die Gonadotropinsekretion und damit die Androgenproduktion in Ovar und Nebennierenrinde hemmt.
  • Dienogest (DNG): Ein Androgenrezeptorblocker.
  • Ketoconazol: Ein Imidazol-Derivat, das als Antimykotikum eingesetzt wird und auch bei der Behandlung von Hirsutismus signifikante Erfolge zeigt.

Kombinationstherapien und spezifische Präparate

Feminac 35® ist ein kostengünstiges Kontrazeptivum, das bei Frauen mit Androgenisierungserscheinungen (resistente Akne, Seborrhoe, Hirsutismus, androgenetische Alopezie) indiziert ist, wenn gleichzeitig eine Kontrazeption gewünscht wird. Das Präparat enthält 2 mg Cyproteronacetat (CA) und 35 µg Ethinylestradiol (EE). Cyproteronacetat verdrängt kompetitiv die Androgene an den Erfolgsorganen.

In Kombination mit Topika wie Clotrimazol und Procutol® steht ein breites Spektrum zur Behandlung von Akneformen zur Verfügung. Feminac 35® kann auch mit Tretinac angewendet werden.

Bei androgenetischer Alopezie der Frau steht zusätzlich Neocapil® (Minoxidil) zur Verfügung.

Die Wirksamkeit von Kontrazeptiva in Kombination mit Antibiotika ist möglicherweise vermindert.

Der weibliche Zyklus und seine hormonellen Einflüsse

Der Menstruationszyklus, der mit dem ersten Tag der Periode beginnt, wird durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Hormone gesteuert. Die Schwankungen dieser Hormone beeinflussen Stimmung, Energielevel, Libido, Schlafqualität, Appetit und die allgemeine Gesundheit.

Phase 1: Menstruation und Erholung (ca. Tag 1-7)

Zu Beginn des Zyklus sind die Östrogenlevel niedrig. Niedrige Östrogenwerte und Menstruationsbeschwerden (Krämpfe, Müdigkeit) führen zu einem Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung. Im Laufe der Woche steigen die Östrogenlevel allmählich an, was die Stimmung, Energie und Geduld verbessert und das Verlangen nach Geselligkeit und Abenteuer steigert. Verbale Fähigkeiten und das Gedächtnis verbessern sich, und die Aufnahme neuer Informationen fällt leichter.

Weitere hormonelle Effekte in dieser Phase:

  • Erhöhtes Interesse an Romantik und steigende Libido.
  • Tendenz, mehr Gelegenheiten zur Kontaktaufnahme mit neuen Personen zu suchen oder Zeit mit dem Partner zu verbringen.
  • Dank steigendem Östrogen wird der Muskelaufbau erleichtert, besonders bei Krafttraining.
  • Hohes Östrogen hat einen leicht appetitzügelnden Effekt, was kleinere Portionen und die Wahl gesünderer Lebensmittel erleichtert.
  • Chronische Gesundheitsprobleme wie Asthma, Hauterkrankungen oder Reizdarmsymptome können zu Beginn der ersten Zykluswoche stärker sein.

Eisenhaltige Nahrung ist wichtig, um den Eisenverlust durch die Menstruationsblutung auszugleichen. Eisenmangel kann zu Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und gedrückter Stimmung führen.

Phase 2: Follikelreifung und Hochstimmung (ca. Tag 8-14)

Östrogen steigt während der gesamten zweiten Zykluswoche weiter an und verstärkt die positiven Effekte der ersten Woche. Stimmung, Energie und Geduld nehmen zu, und die Lust auf Abenteuer und neue Erlebnisse ist hoch. Frauen fühlen sich glücklicher, mutiger und selbstbewusster, bereit für Herausforderungen. Kognitive Fähigkeiten wie Denken und Lernen sind auf ihrem Höhepunkt. Östrogen fördert die Ausschüttung von schmerzstillenden Endorphinen, wodurch Schmerzen weniger stark empfunden werden.

Weitere Effekte:

  • Höheres Selbstbewusstsein bezüglich des Aussehens; Östrogen kann die Gesichtszüge symmetrischer erscheinen lassen.
  • Appetit ist tendenziell geringer, da Östrogen den Appetit hemmt.
  • Leichterer Zugang zu gesünderen Lebensmitteln aufgrund gestärkter Willenskraft.
  • Schnellerer und besserer Muskelaufbau bei Widerstands- und Kraftübungen im Vergleich zur zweiten Zyklushälfte.
  • Gegen Ende der zweiten Zykluswoche steigt Testosteron an, was zu Impulsivität, Mut und Wettbewerbsbereitschaft führt.
  • Libido ist während der gesamten zweiten Woche hoch und wird durch den Testosteronanstieg weiter gesteigert.
  • Einige Frauen können nervös oder gestresster sein, da Östrogen zu viel Erregung im Gehirn verursachen kann.

Phase 3: Eisprung und Gelbkörperphase (ca. Tag 15-21)

Diese Phase ist in zwei Teile unterteilt:

  • Vor-PMS-Phase (erste Wochenhälfte): Direkt nach dem Eisprung kann es zu einer milderen Version des Prämenstruellen Syndroms (PMS) kommen, mit Reizbarkeit, Erschöpfung und gedrückter Stimmung aufgrund des absinkenden Östrogens.
  • Gelbkörperphase (zweite Wochenhälfte): Progesteron steigt an und bewirkt eine Verlangsamung, Beruhigung und Vorsicht. Progesteron ist ein sedierendes Hormon, das bei empfindlichen Frauen zu Stimmungsschwankungen, Traurigkeit und Weinen führen kann. Bei ausreichender Energie können Fleißaufgaben gut erledigt werden.

Weitere Effekte:

  • Gesteigertes Verlangen nach "Comfort Food" mit mehr Fett und Kalorien; erhöhter Appetit und häufigere Snacks.
  • Risiko für dramatische Stimmungsschwankungen bei unzureichender oder unregelmäßiger Nahrungsaufnahme (insbesondere einfache Kohlenhydrate) aufgrund erhöhter Empfindlichkeit auf niedrigen Blutzucker.
  • Progesteron kann zu Verstopfung führen, da es die Verdauung verlangsamt.
  • Erhöhte Wasseraufnahme, was zu einem aufgeblähten Gefühl führen kann.
  • Bis zu 30 % mehr Fettverbrennung beim Sport durch die Kombination von Progesteron und Östrogen.
  • Libido sinkt aufgrund von Progesteron tendenziell ab.

Phase 4: Prämenstruelle Phase und Menstruation (ca. Tag 22-28)

Östrogen fällt während der Woche vor der Menstruation weiter ab. Dies kann zu einer Verschlechterung der Stimmung führen (Traurigkeit, Reizbarkeit, Angst), da Östrogen das Glückshormon Serotonin beeinflusst. Sinkendes Östrogen kann Zynismus, Pessimismus und eine kritischere Haltung fördern.

Weitere Effekte:

  • Frauen sind tendenziell vorsichtiger und bevorzugen Vertrautes gegenüber Neuem.
  • Die Energielevel steigen tendenziell wieder an, sobald die Progesteronlevel fallen.
  • Die Libido kehrt oft zurück, möglicherweise durch die Vorbereitung des Körpers auf die Menstruation.
  • Fallendes Östrogen steigert den Appetit auf Kohlenhydrate (Süßigkeiten, Nudeln, Brot), da Kohlenhydrate helfen, Serotonin wieder aufzufüllen.
  • Progesteron ist immer noch ausreichend vorhanden, um den Appetit auf kalorienreiche und fettreiche Nahrung zu steigern.
  • Aerobes Training kann bis zu 30 % mehr Fett verbrennen.
  • Chronische Beschwerden wie Asthma, Hautausschläge, Reizdarm oder ADHS-Symptome können sich aufgrund niedriger Östrogenlevel verschlimmern.

Prämenstruelles Syndrom (PMS) und PMDS

Während etwa 80 % der Frauen hin und wieder unangenehme Symptome oder leichte Stimmungsschwankungen vor der Periode erleben, sind diese normalerweise mild. Wenn jedoch dauerhaft Heulanfälle, Depressionen oder Wutausbrüche auftreten und die Gefühle den Alltag beeinträchtigen, kann dies auf eine Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) hindeuten. PMDS tritt auf, wenn der Körper nicht angemessen auf die Hormonschwankungen reagieren kann.

Grafik, die die typischen Symptome von PMS und PMDS vergleicht

Behandlung von PCOS und assoziierten Erkrankungen

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist die häufigste Endokrinopathie bei Frauen im gebärfähigen Alter. Die Behandlung konzentriert sich auf:

  • Gewichtsreduktion: Eine Reduktion des Körpergewichts um 5-10 % über sechs Monate wird angestrebt.
  • Körperliche Aktivität: Etwa 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche werden empfohlen.
  • Hormonelle Therapie:
    • Gestagene (z. B. Chlormadinonacetat - CMA) werden zur Unterdrückung der ovariellen Umbauprozesse und zur Vorbeugung von Gebärmutterschleimhautveränderungen eingesetzt. Eine Minimalmaßnahme ist die monatliche Gabe von 2 mg CMA über 14 Tage. Bei stärkerem suppressiven Effekt kann die Dosis auf 4 mg CMA erhöht werden, wobei der daraus resultierende Estradiolmangel durch zusätzliches natürliches Östrogen ausgeglichen werden muss.
    • Cyproteronacetat (CPA) wird als Gestagen der Wahl betrachtet. Bei schweren Akne- oder Hirsutismus-Fällen kann die Dosis durch zusätzliche Einnahme von Androcur®-10 über die ersten 15 Einnahmetage verstärkt werden. Eine hochdosierte CPA-Therapie sollte nicht länger als ein Jahr dauern.
  • Insulinresistenz-Behandlung: Metformin kann zur Reduktion von Heißhungerattacken und zur Unterstützung der Gewichtsreduktion eingesetzt werden (Off-Label-Use). Es wird einschleichend dosiert. Langzeitanwendung kann zu niedrigeren Vitamin B12-Spiegeln führen, eine Substitution ist ratsam.
  • Therapie mit Östrogenen (z. B. Estradiol) und Gestagenen wird individuell angepasst, insbesondere bei Vorliegen eines metabolischen Syndroms, Übergewichts oder Gefäßveränderungen, wobei transdermale Östrogene (Gel oder Pflaster) Tabletten vorgezogen werden.
Infografik zur Behandlung von PCOS

Diagnostik und Behandlung von Amenorrhö

Amenorrhö bezeichnet das Ausbleiben der Menstruation. Man unterscheidet primäre (Ausbleiben der Menarche bis zum Alter von 15 Jahren) und sekundäre (Ausbleiben der Menstruation über 3-6 Monate bei zuvor regelmäßigen oder unregelmäßigen Zyklen) Amenorrhö.

Ätiologie der Amenorrhö

Die Ursachen sind vielfältig und können eingeteilt werden in:

  • Gonadendysgenesie (z. B. Turner-Syndrom, 46,XY-Gonadendysgenesie, Fragiles-X-Syndrom)
  • Strukturelle Ursachen: Angeborene Anomalien des Reproduktionstrakts (z. B. Vaginalseptum, Vaginalagenesie) oder erworbene strukturelle Anomalien (z. B. Asherman-Syndrom, Zervixstenose).
  • Endokrinologische Ursachen: Konstitutionelle Verzögerung der Pubertät, PCOS, Hyperprolaktinämie, funktionelle hypothalamische Amenorrhö (Stress, Essstörungen, übermäßige körperliche Aktivität), primäre Ovarialinsuffizienz, Schwangerschaft, hormonelle Medikamente (Kontrazeptiva).
  • Ovulationsstörungen: Häufigste Ursache, insbesondere der sekundären Amenorrhö, oft verbunden mit Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (Perimenarche, Perimenopause, PCOS, Hypophysenfunktionsstörungen, Hypothyreose, idiopathisch).
Schema der hormonellen Regelkreise im weiblichen Zyklus

Anamnese und Untersuchung bei Amenorrhö

Die Anamnese umfasst Fragen zur Menstruationsfunktion, Ernährungsgewohnheiten, körperlicher Aktivität, pubertärer Entwicklung, Medikamenteneinnahme und familiären Vorbelastungen. Bei der Überprüfung der Organsysteme werden Symptome wie Gewichtszunahme, Akne, Galaktorrhoe, Müdigkeit oder Hitzewallungen erfasst.

Die Pubertätsentwicklung wird nach Tanner bewertet. Eine Ultraschalluntersuchung gibt Aufschluss über die Größe der Gebärmutter und die Entwicklung der Eierstöcke. Laboruntersuchungen umfassen die Bestimmung von Hormonspiegeln wie FSH, LH, Prolaktin, Östradiol, Progesteron und Schilddrüsenhormonen.

Hormone und ihre Funktionen

  • Östrogene (Östradiol, Östron, Östriol): Wichtig für die Reifung und Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, Steuerung des Menstruationszyklus und der Fortpflanzungsfunktionen. Sie stimulieren die Proliferation des Endometriums.
  • Gestagene (Progesteron): Steuern den Menstruationszyklus, erhalten die Schwangerschaft und bereiten das Endometrium auf die Nidation vor. Sie haben entgegengesetzte Wirkungen zu Östrogenen und beeinflussen die Körpertemperatur.
  • Androgene (Testosteron): Beim Mann für Spermienbildung, Libido und Potenz zuständig. Bei der Frau dienen sie hauptsächlich als chemische Zwischenstufe für die Östrogenbildung. Ein Überschuss kann zu Akne oder Hirsutismus führen.

Die Bildung und Freisetzung von Sexualhormonen wird durch ein fein abgestimmtes Rückkopplungssystem zwischen Hypothalamus, Hypophyse und den Eierstöcken reguliert.

Therapieoptionen bei Ovulationsstörungen

Bei Ovulationsstörungen kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz:

  • Letrozol: Gilt als First-Line-Medikament zur Stimulationsbehandlung. Die Einnahme erfolgt typischerweise vom zweiten bis siebten Zyklustag.
  • Gonadotropine (z. B. Puregon®): Werden als Second-Line-Therapie eingesetzt, wenn Letrozol nicht erfolgreich ist. Die Ovulation wird meist mit humanem Choriongonadotropin (hCG) herbeigeführt.
  • Künstliche Befruchtung (IVF): Eine Option als Drittlinien-Therapie, wenn First- und Second-Line-Behandlungen versagen.

Bei der Behandlung von PCOS stehen neben Gewichtsreduktion und körperlicher Aktivität auch hormonelle Therapien im Vordergrund. Die Gabe von Gestagenen und Antiandrogenen wie Cyproteronacetat ist üblich. Bei Insulinresistenz kann Metformin eingesetzt werden.

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