Diclofenac ist ein weit verbreiteter Wirkstoff aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), zu der auch Medikamente wie Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS) gehören. Diese Medikamente werden zur Linderung von Schmerzen, zur Senkung von Fieber und zur Bekämpfung von Entzündungen eingesetzt. Darüber hinaus können sie zur Prävention von embolischen Ereignissen dienen.
Die Wirkung von Diclofenac beruht auf der Hemmung der Synthese von Prostaglandinen. Prostaglandine sind körpereigene Botenstoffe, die maßgeblich an Entzündungsprozessen und der Schmerzwahrnehmung beteiligt sind. Durch die Reduzierung ihrer Produktion wirkt Diclofenac entzündungshemmend (antiphlogistisch) und schmerzlindernd (analgetisch). Zusätzlich beeinflusst es das Temperaturzentrum im Gehirn und kann somit fiebersenkend (antipyretisch) wirken.
Wie andere NSAR besitzt Diclofenac auch blutverdünnende Eigenschaften, indem es die Aggregation von Blutplättchen hemmt. Die Hauptanwendungsgebiete von Diclofenac sind jedoch Schmerzen und Entzündungen.
Anwendungsgebiete von Diclofenac
Diclofenac wird zur Behandlung einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt:
- Gelenkschmerzen, die durch Arthrose oder rheumatoide Arthritis verursacht werden
- Zerrungen und Prellungen
- Akute Gichtanfälle
- Weitere orthopädisch-rheumatische Beschwerden
- Regelschmerzen (Dysmenorrhö)
- Kopfschmerzen
- Migräne
- Entzündungen im Bereich der Augen und im HNO-Bereich
- Fieber
In Arzneimitteln liegt Diclofenac meist in Salzform vor, vorzugsweise als Diclofenac-Natrium oder Diclofenac-Kalium.

Rezeptpflichtigkeit und Darreichungsformen
Diclofenac ist in Apotheken erhältlich. Je nach Darreichungsform und Dosierung kann es rezeptfrei oder verschreibungspflichtig sein.
- Topische Anwendung (Gel, Creme, Spray): Konzentrationen bis zu 5 % sind in der Regel rezeptfrei.
- Pflaster: Bis zu einer Wirkstoffmenge von 140 mg pro Einzeldosis sind diese oft rezeptfrei erhältlich.
- Orale Anwendung (Tabletten, Kapseln): Einzeldosierungen bis 25 mg können rezeptfrei sein.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Behandlung, insbesondere bei Selbstmedikation, mit der niedrigstmöglichen Dosierung und über einen kurzen Zeitraum erfolgen sollte. Verbessern sich die Symptome nach 3 bis 4 Tagen nicht, ist ein Arzt aufzusuchen.
Diclofenac ist in verschiedenen Zusammensetzungen, Dosierungen und Darreichungsformen verfügbar. Die Wahl der Darreichungsform hängt von der jeweiligen Indikation ab:
- Gels und Cremes eignen sich gut für Gelenkschmerzen, Zerrungen und Prellungen.
- Für Kopfschmerzen, Migräne und Menstruationsbeschwerden wird oft die orale Gabe bevorzugt.
- Zäpfchen sind eine Option für Kinder und bei Bedarf an einer langsamen, kontinuierlichen Wirkstofffreisetzung.
- Injektionen sind nicht für die Selbstmedikation vorgesehen.
Wirkungsgeschwindigkeit von Diclofenac
Die Geschwindigkeit, mit der Diclofenac wirkt, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter Alter, Gewicht, Geschlecht, allgemeiner Gesundheitszustand sowie die Einnahme weiterer Medikamente. Die Darreichungsform spielt dabei eine entscheidende Rolle:
- Orale Einnahme (Tabletten, Kapseln): Die Wirkung tritt in der Regel nach 20 bis 30 Minuten ein.
- Rektale Verabreichung (Zäpfchen): Die Wirkung setzt erst nach mehreren Stunden ein.
- Äußerliche Anwendung (Schmerzgele, Pflaster): Die Wirksamkeit zeigt sich oft erst nach 1 bis 2 Tagen. Bei rheumatischen Beschwerden kann es bis zu einer Woche dauern.
Nebenwirkungen von Diclofenac
Wie bei allen Medikamenten kann die Einnahme oder Anwendung von Diclofenac zu Nebenwirkungen führen, die von der Dosierung und Darreichungsform abhängen. Die folgenden Auflistungen sind beispielhaft und ersetzen nicht die Angaben in der jeweiligen Packungsbeilage.
Häufige Nebenwirkungen (insbesondere bei oraler Einnahme):
- Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit
- Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit
- Erhöhung der Leberwerte
- Hautausschläge
Seltene bis sehr seltene Nebenwirkungen (können schwerwiegend sein):
- Magen-Darm-Trakt: Blutiges Erbrechen, Blut im Stuhl, Magen-Darm-Blutungen, Geschwüre, Perforationen (Durchbrüche), auch mit tödlichem Ausgang.
- Leber: Leberschäden, akute Leberentzündung (Hepatitis), auch ohne Voranzeichen.
- Blutbildung: Störungen der Blutbildung (Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, Agranulozytose). Erste Anzeichen können Fieber, Halsschmerzen, grippeähnliche Beschwerden, starke Abgeschlagenheit, Nasen- oder Hautblutungen sein. Bei Auftreten ist das Medikament sofort abzusetzen und ein Arzt aufzusuchen.
- Nieren: Nierengewebsschädigungen, akute Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen, Eiweiß im Harn, Blut im Harn, nephrotisches Syndrom.
- Haut: Schwere Hautreaktionen mit Blasenbildung (z.B. Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse), Lichtempfindlichkeit, kleinfleckige Hautblutungen.
- Infektionen: Verschlechterung infektionsbedingter Entzündungen (z.B. nekrotisierende Fasziitis). Bei Auftreten von Infektionszeichen (Rötung, Schwellung, Schmerz, Fieber) ist umgehend ein Arzt zu konsultieren.
- Zentralnervensystem: Symptome einer nicht-infektiösen Hirnhautentzündung (aseptische Meningitis) wie starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Fieber, Nackensteifigkeit.
- Überempfindlichkeit: Schwere allgemeine Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock.
Bei topischer Anwendung (Gel) sind Hautreaktionen wie Ausschläge, Ekzeme, Rötungen und Juckreiz am häufigsten.

Wechselwirkungen von Diclofenac
Bei bestimmungsgemäßer äußerlicher Anwendung von Diclofenac-Gelen sind keine Wechselwirkungen bekannt. Bei oraler oder rektaler Anwendung sind jedoch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich:
- Andere NSAR: Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere im Magen-Darm-Trakt.
- Digoxin, Phenytoin, Lithium: Erhöhte Konzentration dieser Wirkstoffe im Blut, was zu Vergiftungen führen kann. Regelmäßige Kontrollen sind angezeigt.
- Diuretika (entwässernde Mittel) und Antihypertensiva (Blutdrucksenker), ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Antagonisten: Abschwächung der Wirkung dieser Medikamente. Erhöhtes Risiko für Nierenfunktionsstörungen, insbesondere bei älteren Patienten.
- Kaliumsparende Diuretika: Erhöhtes Risiko für einen zu hohen Kaliumspiegel im Blut.
- Kortikosteroide: Erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Beschwerden.
- Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. ASS): Erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Blutungen.
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): Erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Blutungen.
- Methotrexat: Erhöhte Konzentration von Methotrexat im Blut.
- Ciclosporin: Erhöhtes Risiko für Nierenschädigungen.
- Antikoagulanzien (Blutverdünner): Verstärkte Wirkung, erhöhtes Blutungsrisiko.
- Antidiabetika: Mögliche Beeinflussung des Blutzuckerspiegels, Dosisanpassung kann erforderlich sein.
- CYP2C9-Inhibitoren (z.B. Voriconazol): Vorsicht geboten.
- Chinolon-Antibiotika: Mögliches erhöhtes Risiko für Krampfanfälle.
Alkohol sollte während der Diclofenac-Einnahme vermieden werden, da er das Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere im Magen-Darm-Trakt, erhöhen kann.
Gegenanzeigen für Diclofenac
Diclofenac darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Diclofenac, andere NSAR oder sonstige Bestandteile des Arzneimittels.
- Aktiven Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, Blutungen oder Perforationen (Durchbrüchen), auch in der Vorgeschichte.
- Entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) im aktiven Stadium.
- Schweren Funktionsstörungen der Leber oder Nieren.
- Schwerer Herzinsuffizienz.
- Bestätigter Herz- oder Hirngefäßerkrankung (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall).
- Ungeklärten Blutbildungsstörungen.
- Aktiven Blutungen, z.B. Hirnblutungen.
- Hohem Blutungsrisiko.
- Den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft.
- Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren (je nach Produkt und Indikation).
Diclofenac und Schwangerschaft
Die Anwendung von Diclofenac während der Schwangerschaft erfordert besondere Vorsicht und sollte stets nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
- 1. und 2. Trimester (bis zur 27. Schwangerschaftswoche): Diclofenac kann bei Schmerzen und Fieber eingenommen werden. Bevorzugt werden jedoch Paracetamol (während der gesamten Schwangerschaft) oder Ibuprofen (im 1. und 2. Trimester). Bei anhaltenden Symptomen ist ärztlicher Rat einzuholen.
- Ab der 28. Schwangerschaftswoche (3. Trimester): Die Anwendung von Diclofenac (oral, rektal oder lokal) ist kontraindiziert. Es besteht ein erhöhtes Risiko für:
- Vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus (einer fetalen Blutgefäßverbindung)
- Schädigung der Nierenfunktion des Ungeborenen
- Persistierenden pulmonalen Hypertonus beim Neugeborenen (PPHN)
Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, stuft Diclofenac als "grau" ein, was auf widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse bezüglich der Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit hinweist.
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Diclofenac und Stillzeit
Diclofenac und seine Abbauprodukte gehen in geringen Mengen in die Muttermilch über. Die Datenlage zur Einnahme während der Stillzeit ist begrenzt, und bisher wurden keine Nebenwirkungen bei gestillten Kindern beobachtet. Dennoch gilt Ibuprofen als Mittel der Wahl gegen Schmerzen und Fieber in der Stillzeit, da hierzu belastbarere Daten vorliegen.
Medikamente mit Diclofenac
Es gibt zahlreiche Medikamente auf dem deutschen Markt, die Diclofenac als Wirkstoff enthalten. Diese sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, beispielsweise als:
- Diclofenac Tabletten
- Voltaren Schmerzgel
- Diclo-ratiopharm Schmerzgel
- Diclofenac Heumann Gel
- Diclofenac AL 50/100 Suppositorien
- Diclofenac-Denk Gel
- Diclofenac PUREN Gel
- Diclac Dispers (Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen)
Die Aufnahme des Wirkstoffs in den Körper, sein Abbau und die Ausscheidung der Abbauprodukte sind von der Darreichungsform abhängig. Nach Absetzen von oral eingenommenem Diclofenac (Tabletten, Kapseln, Zäpfchen) ist der Wirkstoff in der Regel etwa 15 Stunden später abgebaut.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Diclac Dispers
Diclac Dispers sind Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen und enthalten den Wirkstoff Diclofenac. Sie werden zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt.
Anwendungshinweise:
- Die Tablette wird in einem Glas Wasser zerfallen gelassen, umgerührt und die Lösung getrunken.
- Verbliebene Reste im Glas sollten mit etwas Wasser nachgenommen werden.
- Die Einnahme sollte während oder nach den Mahlzeiten erfolgen, insbesondere bei empfindlichem Magen. Für einen besonders schnellen Wirkeintritt kann die Einnahme auch vor den Mahlzeiten erfolgen.
- Die empfohlene Dosierung für Erwachsene liegt zwischen 1 und 3 Tabletten pro Tag, je nach Schwere der Erkrankung. Die Tagesdosis sollte auf zwei bis drei Einzeldosen verteilt werden.
- Die Behandlung ist für die Kurzzeitanwendung (maximal 2 Wochen) vorgesehen. Bei Bedarf an einer längeren Behandlung sind andere Darreichungsformen geeignet.
Besondere Vorsichtsmaßnahmen:
- Magen-Darm-Trakt: Das Risiko für Blutungen, Geschwüre und Perforationen ist erhöht, insbesondere bei höheren Dosen, bei Patienten mit Geschwüren in der Vorgeschichte und bei älteren Patienten. Die gleichzeitige Einnahme von magenschützenden Mitteln kann erwogen werden.
- Herz-Kreislauf-System: Arzneimittel wie Diclac Dispers sind mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle verbunden, insbesondere bei hohen Dosen und langer Behandlungsdauer.
- Hautreaktionen: In seltenen Fällen wurden schwerwiegende Hautreaktionen berichtet. Bei ersten Anzeichen von Hautausschlag oder Überempfindlichkeit ist das Medikament abzusetzen und ein Arzt zu konsultieren.
- Leber: Eine regelmäßige Überwachung der Leberfunktion ist bei längerfristiger Einnahme angezeigt.
- Nieren: Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit eingeschränkter Herz- und Nierenfunktion geboten.
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Schwere Reaktionen wie anaphylaktischer Schock sind möglich.
- Blutplättchenaggregation: Diclofenac kann die Blutplättchenaggregation vorübergehend hemmen.
- Straßenverkehr und Maschinenbedienung: Aufgrund möglicher zentralnervöser Nebenwirkungen (Müdigkeit, Schwindel) kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein.
Kinder und Jugendliche:
Diclac Dispers ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aufgrund der Dosierung und fehlenden individuellen Dosierungsmöglichkeiten nicht geeignet.
Lagerung:
Das Medikament darf nicht wärmer als 30 Grad Celsius gelagert werden.