Aktuelle Empfehlungen zur Säuglingsnahrung: HA-Nahrung auf dem Prüfstand

Für Eltern, deren Babys nicht oder nur teilweise gestillt werden und ein erhöhtes Allergierisiko aufweisen, gab es lange Zeit eine klare Empfehlung: die Verwendung von spezieller hydrolysierter Anfangs-/Anschlussnahrung, kurz HA-Nahrung. Diese spezielle Form der Milch sollte das Risiko für die Entwicklung von Allergien verringern. Aktuelle Neubewertungen von Experten stellen diese Empfehlung jedoch in Frage, da bisher kein eindeutiger Nutzen wissenschaftlich belegt werden konnte.

Muttermilch bleibt die beste Ernährungsform für Säuglinge, unabhängig von familiären Vorbelastungen. Wenn Stillen nicht möglich ist oder nur teilweise erfolgt, kommen industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrungen (Pre-Milch) zum Einsatz, die nach gesetzlichen Regelungen produziert werden.

Grafik, die den Unterschied zwischen normaler und HA-Babynahrung visuell erklärt (z.B. aufgespaltenes vs. intaktes Protein)

Sollten Babys mit erhöhtem Allergierisiko HA-Nahrung erhalten?

Das Netzwerk "Gesund ins Leben" hat die vorliegenden Studien zur Ernährung von Säuglingen und stillenden Frauen neu ausgewertet und seine Handlungsempfehlungen für 2024 aktualisiert. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass die wissenschaftliche Evidenz für die Empfehlung von HA-Milch zur Allergieprävention nicht ausreicht.

In einer Pressemitteilung des Netzwerks heißt es: "Aktuell gibt es für Säuglinge keine Flaschenmilchnahrung, für die ausreichende Nachweise vorliegen, das Risiko für die Entwicklung einer Allergie zu verringern." Folglich können Eltern, deren Säuglinge ein erhöhtes Allergierisiko haben, die Säuglingsnahrung nach eigenem Ermessen wählen. Derzeit gibt es kein Produkt auf dem Markt, dessen allergievorbeugende Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen und von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt wurde.

Was bedeutet "HA" auf Milchpulver?

"HA" auf Säuglingsnahrung steht für partiell hydrolysiertes Kuhmilchprotein. Dies bedeutet, dass das Kuhmilcheiweiß in kleinere Bestandteile aufgespalten ist. Früher wurde das Kürzel "HA" als "hypoallergen" interpretiert und sollte darauf hinweisen, dass diese Nahrungen das Allergierisiko senken können.

Aktuelle europäische rechtliche Vorgaben verlangen jedoch, dass eine allergievorbeugende Wirkung durch klinische Studien belegt und von der EFSA bestätigt werden muss, damit Hersteller entsprechende Werbeaussagen treffen dürfen. Da diese Bestätigung für HA-Nahrungen derzeit fehlt, wird das vertraute Kürzel "HA" zwar weiterhin von den Herstellern verwendet, die ursprüngliche Bedeutung im Sinne einer nachgewiesenen Allergieprävention ist jedoch nicht mehr gegeben.

Schadet die Gabe von HA-Milch?

Nein, die Gabe von HA-Milch schadet Babys nicht. Alle Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen, einschließlich HA-Nahrungen, müssen den gesetzlichen Vorgaben der Verordnung (EU) 2016/127 entsprechen. Dies gewährleistet ihre Sicherheit und Eignung für die Ernährung von Säuglingen.

HA-Nahrungen sind somit sicher und können, auch wenn ihre vorbeugende Wirkung gegen Allergien nicht nachgewiesen ist, bedenkenlos verwendet werden. Sie unterscheiden sich von herkömmlichen Nahrungen durch das teilweise aufgespaltene Kuhmilchprotein, was den Geschmack beeinflussen kann.

Was bedeutet ein "erhöhtes Allergierisiko"?

Ein erhöhtes Allergierisiko bei einem Säugling liegt vor, wenn mindestens ein Elternteil oder ein Geschwisterkind von einer atopischen Erkrankung betroffen ist. Dazu zählen Krankheiten wie:

  • Asthma bronchiale
  • Allergische Rhinitis (Heuschnupfen)
  • Atopische Dermatitis (Neurodermitis)
  • Nahrungsmittelallergien

In solchen Familien ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ebenfalls eine Allergie entwickelt, erhöht. Bei einem betroffenen Elternteil liegt das Risiko zwischen 20 und 40 Prozent, bei beiden Elternteilen steigt es auf 60 bis 80 Prozent.

Maßnahmen zur Allergieprävention bei Säuglingen

Neben der Ernährung gibt es weitere Faktoren, die Eltern zur Vorbeugung von Allergien bei ihren Kindern ergreifen können:

  • Rauchverzicht: Tabakrauch erhöht das Allergierisiko. Säuglinge sollten ihm nicht ausgesetzt sein, und auch Schwangere sollten nicht rauchen oder sich in verrauchten Umgebungen aufhalten.
  • Haustiere: In Familien mit erhöhtem Allergierisiko wird von der Neuanschaffung einer Katze abgeraten.
  • Schutz vor Luftschadstoffen: Säuglinge, insbesondere jene mit erhöhtem Allergierisiko, sollten vor hoher Belastung durch Luftschadstoffe wie Autoabgase oder organische Lösungsmittel geschützt werden.
  • Impfungen: Allergiegefährdete Kinder sollten gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) geimpft werden.
  • Vielfältige Beikost: Nach dem fünften bis siebten Lebensmonat sollte die Einführung von Beikost abwechslungsreich gestaltet werden.

Allergien müssen nicht sein: So wirst du mit der richtigen Ernährung deine Allergie los.

Unterschiede zwischen verschiedenen Säuglingsnahrungen

Die Auswahl an Säuglingsnahrungen ist groß. Neben der klassischen Pre-Nahrung, die der Muttermilch in ihrer Zusammensetzung am nächsten kommt und nach Bedarf gefüttert werden kann, gibt es auch Folgemilchen (1er, 2er, 3er). Diese sind in ihrer Zusammensetzung auf spätere Lebensabschnitte abgestimmt, ein Wechsel ist jedoch nicht zwingend notwendig, wenn die Anfangsnahrung gut vertragen wird.

Es gibt auch Spezialnahrungen:

  • AR-Milchersatz (Anti-Reflux): Für Babys, die stark spucken.
  • SL-Milchersatz (laktosefrei): Bei Laktoseintoleranz oder Galaktosämie.
  • Comfort-, Sensitiv-, BK- und V-Milch: Bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Koliken oder Verstopfung.
  • Milchersatz für Frühgeborene: Speziell für sehr früh geborene Babys.

Bei einer ärztlich diagnostizierten Nahrungsmittelallergie, beispielsweise gegen Kuhmilcheiweiß, ist eine Spezialnahrung erforderlich. Diese enthält stark aufgespaltenes Milcheiweiß, das vom Immunsystem nicht als Allergen erkannt wird. Diese Nahrungen werden vom Kinderarzt verordnet.

Säuglingsnahrungen auf Sojaproteinbasis sind laktosefrei und können als vegane Alternative dienen, sollten aber nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt verwendet werden, da sie Inhaltsstoffe mit östrogenartiger Wirkung enthalten.

Ziegenmilch, Schafmilch oder pflanzliche Milchalternativen sind für Säuglinge nicht geeignet und es gibt keinen Nachweis für eine allergievorbeugende Wirkung. Säuglingsnahrung sollte niemals selbst hergestellt oder durch nicht speziell zugelassene Milchsorten ersetzt werden, da lebensnotwendige Nährstoffe fehlen.

Infografik, die die verschiedenen Arten von Säuglingsnahrung und ihre Anwendungsbereiche aufzeigt

Umstellung auf andere Nahrungen und Verdauung

Die Umstellung von HA-Nahrung auf eine normale Pre-Nahrung kann schrittweise erfolgen, indem man nach und nach die neue Milch in die gewohnte einmischt. Bei Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung kann eine Umstellung auf eine andere Milchsorte ratsam sein. Eine Verstopfung kann jedoch auch andere Ursachen haben, wie die Unreife des Verdauungssystems.

Die HiPP Bio Combiotik® Nahrungen enthalten zusätzlich zu Bio-Qualität, natürlichen Milchsäurekulturen und wertvollen Ballaststoffen, die dem Vorbild Muttermilch nachempfunden sind. Diese Zusätze können die Darmflora positiv beeinflussen und auch im zweiten Lebenshalbjahr wirksam sein, indem sie den Schutz vor Infektionen verbessern.

Generell gilt, dass Säuglingsnahrung immer frisch zubereitet und auf die richtige Trinktemperatur (ca. 38°C) abgekühlt werden sollte. Die Zubereitung erfolgt mit abgekochtem Wasser.

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