Selbsthilfegruppen und Trauerbegleitung bei Fehlgeburt in Augsburg

Der Verlust eines Kindes durch Fehlgeburt, Totgeburt oder frühen Kindstod ist ein tiefgreifendes und schmerzhaftes Ereignis. In solchen schweren Zeiten ist Unterstützung unerlässlich. In Augsburg und Umgebung gibt es verschiedene Anlaufstellen und Selbsthilfegruppen, die betroffenen Eltern und Angehörigen helfen, diesen Verlust zu verarbeiten und einen Weg zurück ins Leben zu finden.

Umgang mit Verlust und Trauer

Eine Fehlgeburt, auch Abort genannt, beschreibt das Ende einer Schwangerschaft vor Erreichen der Lebensfähigkeit des Kindes. Medizinisch gilt ein Kind als lebensfähig, wenn es mindestens 500 Gramm wiegt oder ab der 24. Schwangerschaftswoche geboren wird. Tritt der Tod des Kindes nach der 24. Schwangerschaftswoche ein, spricht man von einer Totgeburt oder stillen Geburt.

Besonders im ersten Drittel einer Schwangerschaft kommen Fehlgeburten leider häufig vor. Oft bleibt ein Abgang in einer sehr frühen Phase sogar unbemerkt. Das Risiko einer Fehlentwicklung befruchteter Eizellen steigt mit dem Alter. Trotz des frühen Stadiums kann bereits eine starke emotionale Bindung zum ungeborenen Kind entstehen. Der Verlust kann daher tiefe Trauer, Gefühle der Ohnmacht und Ambivalenzen auslösen. Es ist wichtig, diese Gefühle nicht zu verdrängen, sondern sie zuzulassen und zu verarbeiten. Gespräche mit nahestehenden Menschen, Klinikpersonal, Seelsorge oder spezialisierten Beratungsstellen können dabei unterstützend wirken.

Die Würde jedes Menschen ist unantastbar, auch schon in den frühen Schwangerschaftswochen. Alle Kinder, auch wenn sie noch nicht als "Kind" erkennbar sind, werden würdig bestattet. Dies kann durch eine Bestattung des Gewebes geschehen, wenn keine erkennbaren Merkmale vorliegen.

Schematische Darstellung des Schwangerschaftsverlaufs mit Definitionen von Fehlgeburt und Totgeburt

Begleitung während und nach der Geburt

Wenn das Ungeborene im Mutterleib verstirbt, stehen Eltern vor der Entscheidung, ob die Geburt eingeleitet oder abgewartet werden soll, bis diese auf natürlichem Wege beginnt. Der Geburtsvorgang, der Wehentätigkeit, Öffnung des Muttermundes und die Geburt des Kindes umfasst, ist eng mit dem seelischen Erleben verbunden. Körper und Seele finden im Prozess des Abschiednehmens zusammen.

Grundsätzlich stellt das Abwarten keine gesundheitliche Gefährdung für die Mutter dar, solange die begleitenden Untersuchungen unauffällig bleiben. Die Mehrheit der Frauen und Paare entscheidet sich nach wenigen Tagen für eine medikamentöse Geburtseinleitung. Da die Gebärmutter zu diesem Zeitpunkt oft noch nicht geburtsreif ist, kann die Einleitung mehrere Tage dauern.

Je nach Situation werden betroffene Frauen über den Kreißsaal oder die gynäkologische Notfallambulanz auf die Station aufgenommen. Dort werden sie von Hebammen, Pflegekräften, Ärztinnen und Ärzten sowie dem Seelsorgeteam begleitet und unterstützt. Gespräche über Wünsche und Vorstellungen bezüglich der Betreuung, des Geburtsverlaufs, der Schmerzerleichterung und der Gestaltung des Abschieds sind ein wichtiger Teil dieser Begleitung.

Jede Familie findet ihren eigenen Weg, Eltern eines solchen "Sternenkindes" zu werden. Die Bedürfnisse und Wünsche sind dabei sehr individuell. Unterstützung wird vor, während und nach der Geburt angeboten, um diesen schwierigen Weg gemeinsam zu gehen.

Für Sternenkinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm finden jährlich drei Bestattungstermine mit Eltern und Angehörigen auf einem Augsburger Friedhof statt. Zweimal jährlich wird in der Hauskapelle ein Gedenkgottesdienst für alle im Josefinum verstorbenen Kinder abgehalten.

Symbolbild einer Kerze und eines Sterns, das den Verlust eines Kindes repräsentiert

Definitionen und rechtliche Aspekte

Ein Kind, das vor Ende der 23. Schwangerschaftswoche geboren wird, weniger als 500 Gramm wiegt und keine Lebenszeichen zeigt, wird im Personenstandsgesetz (PStV§31) als Fehlgeburt bezeichnet. Eine standesamtliche Meldung oder Bestattung ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Wird ein Kind nach der 24. Schwangerschaftswoche geboren, wiegt mehr als 500 Gramm oder gehört zu einer Mehrlingsgeburt und zeigt keine Lebenszeichen, gilt es als Totgeburt. In diesem Fall ist eine Bestattung gesetzlich vorgeschrieben.

Auch wenn ein zu früh geborenes Kind aufgrund seiner Unreife nicht überlebensfähig ist, aber Lebenszeichen wie ein Herzschlag oder Bewegungen zeigt, wird es palliativ in Obhut der Eltern begleitet. Der Sterbeprozess kann, obwohl zeitlich limitiert, einige Minuten bis Stunden dauern. Bei Bedarf wird der ärztliche Dienst der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin einbezogen.

Eltern haben die Möglichkeit, ihrem Kind einen Namen zu geben und ihm Kleidung, eine Decke, ein Kuscheltier oder Fotos der Familie mitzugeben. Auch das Schreiben von Texten, Basteln oder die Anfertigung von Hand- und Fußabdrücken ist möglich. Die ehrenamtliche Fotografen-Initiative „Sternenkind“ bietet zudem professionelle Erinnerungsfotos an. Eine Namensgebungs- und Segensfeier ist ebenfalls möglich.

Nach den Strapazen der Geburt können Eltern Zeit mit ihrem Kind verbringen. Das Kind kann selbst gewaschen und angezogen werden, und eine Erinnerungskarte mit Fußabdrücken kann erstellt werden. Fotos sind ebenfalls möglich. Auf der Station, mit Unterstützung der Seelsorge, besteht jederzeit die Möglichkeit, das Kind zu sehen, zu halten und Abschied zu nehmen.

Wenn ein Kind lebt, kann es auf Wunsch der Eltern getauft werden. Ist das Kind bereits vor oder während der Geburt verstorben, ist eine Segnung möglich. Auch nach einer Fehlgeburt besteht ein Anspruch auf Nachsorge durch eine Hebamme.

Leider ist es nicht erlaubt, Sternenkinder direkt aus der Klinik mitzunehmen, da sie dem Bestattungsgesetz unterliegen und eine Friedhofspflicht besteht. Es gibt jedoch das Angebot der Zur-Ruhe-Bettung von zu früh geborenen Kindern mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm in einem Gemeinschaftsgrab für Sternenkinder. Jährlich finden drei Bestattungstermine auf einem der Augsburger Friedhöfe statt. Viele Gemeinden bieten zudem Kindergräberfelder oder die Möglichkeit zur Beisetzung von Kleinstkindern.

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Angebote und Selbsthilfegruppen in Augsburg

In Augsburg und Umgebung gibt es eine Vielzahl von Organisationen und Gruppen, die Unterstützung und Begleitung anbieten:

Beratungsstellen und Initiativen

  • DONUM VITAE in Bayern e.V.: Bietet Beratung und Unterstützung.
  • Initiative REGENBOGEN „Glücklose Schwangerschaft” e.V.: Eine überregional tätige, gemeinnützige Selbsthilfegruppe, die betroffene Eltern, medizinisches Fachpersonal, Seelsorgende, Trauerbegleitende und Bestattungsunternehmen unterstützt.
  • Diakonie Augsburg: Bietet ebenfalls Unterstützung in Krisensituationen.
  • Diözese Augsburg: Die Kontaktstelle Trauerbegleitung der Diözese Augsburg bietet Information, Begleitung und Fortbildung.
  • Juno Köln: Ein Netzwerk für Schwangerschaft und Psyche, das Expert*innen und Institutionen verschiedener Fachbereiche vereint.
  • Dein Sternenkind: Bietet Erinnerungsfotos als Geschenk für Eltern, die ein totes Baby zur Welt bringen müssen oder denen der Tod des Neugeborenen bevorsteht.
  • Schatten & Licht e.V.: Eine Selbsthilfe-Organisation von betroffenen Frauen, gegründet 1996.
  • Sternenkindfamilie: Eine Online-Plattform zur Aufklärung und Enttabuisierung.
  • Sternenband: Ein Eltern/Geschwister-Erkennungszeichen.
  • Stilles Wunder e.V.: Bietet Unterstützung für Eltern, die ihr Kind verloren haben.

Trauergruppen und Gesprächskreise

  • Trauergruppe Leere Wiege: Ein Gesprächskreis am Vinzenz Pallotti Hospital für Frauen und Männer, die ein Kind durch Fehlgeburt, Totgeburt oder Neugeborenenstod verloren haben.
  • Trauer-Café im St. Vinzenz-Hospiz Augsburg: Bietet einen geschützten Raum für Trauernde, um bei einer Tasse Kaffee miteinander zu reden, zuzuhören oder einfach nur da zu sein. Die Treffen werden von qualifizierten Trauerbegleitern geleitet.
  • Trauergruppe für Geschwister (Albatros Hospiz Augsburg): Richtet sich an Geschwister ab 18 Jahren, die einen Bruder oder eine Schwester verloren haben.
  • Trauergruppe für Kinder (Albatros Hospiz Augsburg): Bietet Unterstützung für Kinder, die um ein Geschwisterkind trauern.
  • Trauercafé St. Raphael (Zusmarshausen): Ein offener Treff für Trauernde mit ausgebildeten Trauerbegleiterinnen.
  • Offener Treff der Hospiz-Gruppe "Albatros": Ein Ort zum Reden, Weinen, Lachen, Wieder-Leben-Lernen oder einfach nur Zuhören, betreut von erfahrenen Hospizbegleiterinnen.
  • Trauergruppe St. Vinzenz-Hospiz: Bietet aufeinander aufbauende Termine für Trauernde, geleitet von erfahrenen Trauerbegleiterinnen.
  • Haus Tobias (Nachsorgezentrum Bunter Kreis): Bietet eine begleitete Selbsthilfegruppe für Eltern, die ein Kind durch Frühgeburt, Totgeburt oder kurz nach der Geburt verloren haben.
  • Selbsthilfegruppe "Trotz-dem-Leben" Augsburg: Für Familien von verstorbenen Kindern.
  • Lacrima - Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche: Bietet Trauergruppen und Trauertreffs für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in einer geschützten und vertrauensvollen Umgebung.
  • AGUS Selbsthilfegruppe: Angehörige um Suizid: Treffen für Angehörige, die einen Menschen durch Suizid verloren haben.
  • Trauergruppe für Erwachsene (Albatros Hospiz Augsburg): Ein Raum für Austausch und Unterstützung.

Weitere Angebote

  • Trauertelefon: Die Kontaktstelle Trauerbegleitung der Diözese Augsburg bietet ein Trauertelefon.
  • Worldwide Candle Lighting: Ein weltweiter Gedenktag für verstorbene Kinder.
  • Projekt musa itv Institut Muslimische Seelsorge Augsburg: Bietet Unterstützung im Rahmen muslimischer Seelsorge.
  • Pantherpower Kinder- und Jugendtrauergruppe: Spezifische Angebote für Kinder und Jugendliche.

Diese Angebote sind darauf ausgerichtet, einen Raum der Geborgenheit und des Verständnisses zu schaffen, in dem Trauer gelebt und verarbeitet werden kann. Der Austausch mit Menschen, die ähnliches erlebt haben, kann einen wichtigen Beitrag zur Heilung leisten.

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