Der Caoba-Zyklus von B. Traven: Einblicke in soziale Ungerechtigkeit und Revolution in Mexiko

Einleitung zum Caoba-Zyklus

Der Caoba-Zyklus, auch bekannt als Mahagoni-Zyklus, ist eine bedeutende Reihe von sechs Romanen des deutschen Schriftstellers B. Traven. Diese Werke entstanden zwischen 1930 und 1940 und tauchen tief in die Handlung ein, die kurz vor und während der Mexikanischen Revolution Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist.

B. Travens Romane und Erzählungen erfreuten sich bereits in der Zwischenkriegszeit großer Popularität und behaupteten diese Stellung auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis Ende der 1970er-Jahre zählte er zu den meistgelesenen Autoren der deutschsprachigen Populärliteratur.

Porträt von B. Traven

Historischer und thematischer Kontext

Der Caoba-Zyklus beruht auf dem realen Geschehen in Mexiko um 1910. Traven, der ab 1923 im mexikanischen Exil lebte, recherchierte dieses Thema fast ein Jahrzehnt lang gründlich. Die Romane thematisieren die Zwangsarbeit der indigenen Bevölkerung in den Mahagoni-Lagern sowie die Umstände der Mexikanischen Revolution von 1910. Traven schildert die Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit und Unterdrückung der indigenen Bevölkerung, die in quasi-feudalen Verhältnissen lebte.

Die Werke werden oft als Allegorie auf den Kampf gegen den europäischen Faschismus gedeutet, da das Motiv des Volksaufstandes gegen die Diktatur antifaschistische Züge trägt. Insbesondere die Foltermethoden der Aufseher erinnern an Beschreibungen von Misshandlungen politischer Gefangener, und an mehreren Stellen verweist der Roman explizit auf mexikanische "Konzentrationslager" zur Isolierung und Vernichtung politischer Gegner.

Grundlegender als das antifaschistische Motiv erscheint jedoch das antikapitalistische. Traven schildert seine Indios als Proletarier, deren Ausbeutung auf einem regionalen und weltweiten Handelssystem basiert. Die Mahagoniproduktion für Luxusartikel der industrialisierten Welt veranschaulicht die verheerenden Auswirkungen des Weltkapitalismus bis in die letzten Winkel des mexikanischen Dschungels. Dieses Thema behält auch im Kontext der heutigen Globalisierungskritik und der Debatte um sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse seine brennende Aktualität.

Karte von Mexiko mit Fokus auf Chiapas und die Region der Mahagoni-Lager

Inhaltliche Schwerpunkte und Charaktere

Im Zentrum der Erzählungen steht das leidvolle Dasein indianischer Holzfäller im südlichen Mexiko um das Jahr 1910. Schuldknechtschaft, rassistische Unterdrückung und Rechtlosigkeit prägen das Leben der Indianer. Wenn ihr Leben unerträglich wird, bricht eine Rebellion aus.

Einige der Hauptfiguren und ihre Schicksale werden eindrücklich geschildert:

  • Andres Ugaldo: Im Alter von 11 Jahren wird er Leibeigner des Kaufmanns Don Leonardo. Nach vier Jahren verliert Don Leonardo seinen Burschen beim Glücksspiel an Don Laureano, dem er fortan als Fuhrknecht dient. Als 18-Jähriger entscheidet sich Andres, in die Monteria (Holzfällerlager) zu gehen, um die Schulden seines alten Vaters abzuarbeiten. Er wird unfreiwillig in die gefürchteten Monterias hineingezogen, wo Hunderte und Tausende erbarmungslos zu Tode gehetzt werden.
  • Candido: Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen auf einem kargen Stück Land. Als seine Frau erkrankt und er das nötige Geld für die Operation nicht aufbringen kann, verdingt er sich unter unmenschlichen Bedingungen in einem Holzfällerlager.
  • Celso: Er ist gerade erst dem Holzfällerlager entkommen und möchte sein Mädchen heiraten. Auf dem Weg in sein Dorf wird er Opfer von Schergen der Monterias, verwickelt sich in eine Schlägerei und wird verurteilt.

Gemeinsam mit Hunderten anderer Männer und Frauen machen sich diese Figuren auf den beschwerlichen Marsch in den Dschungel. Gequält von Moskitos, Hunger und sadistischen Aufsehern kommen sie in der Monteria an. Die Arbeitsbedingungen verschärfen sich, als die berüchtigten Brüder Montellano den Betrieb übernehmen und unmenschliche Leistungen verlangen.

Allmählich wächst der Widerstand. Die Bestrafung eines unschuldigen Jungen, dem die Unterdrücker die Ohren abschneiden, bringt das Fass zum Überlaufen. Die Entrechteten begehren auf, erschlagen ihre Aufseher und holen sich im Akt der Rebellion ihre Würde und Individualität zurück.

Illustration von indigenen Holzfällern bei der Arbeit

Die Rebellion und die Mexikanische Revolution

Aus den Geknechteten formiert sich eine Rebelleneinheit, angeleitet von desertierten Soldaten und ehemaligen Lehrern. Sie verlassen das Lager und werden Teil der Mexikanischen Revolution, die Traven als "interessanteste Revolution, die sich je zugetragen hat" bezeichnete. Sie nehmen erste Anwesen ein und finden weitere Mitstreiter, obwohl ihr Feind in der Überzahl und besser bewaffnet ist.

Traven erzählt die Geschichte in unverstellter, derber, proletarischer Sprache, die dennoch voller Menschlichkeit und Zärtlichkeit ist. Er beschreibt die aufkeimende Liebe zwischen Andres und seinem "Sternchen", einem Indianermädchen.

Allerdings gibt es keine einfachen Happy Ends. Die neu gewonnene Freiheit der Indios führt schnell zu denselben Konflikten, die vor der Revolution bestanden, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Während ein Teil der Truppe die Verhältnisse im ganzen Land ändern will, reicht dem anderen die Aussicht auf Freiheit, einen Esel und ein eigenes Stückchen Erde. Auch die Verhaltensweisen der Offiziere der Rebellenarmee ähneln bald denen der Regierungstruppen.

Die gnadenlose Beschreibung des Scheiterns der Revolution, die Traven womöglich als Warnung verstanden wissen wollte, wird durch die Einführung der Kommune "Solipaz" abgemildert, die eine kleine Utopie darstellt.

Die mexikanische Revolution in 10 Minuten erklärt

Struktur und Lesbarkeit des Caoba-Zyklus

Der Caoba-Zyklus besteht aus sechs Bänden, die zwischen 1930 und 1940 entstanden. Die Werke erschienen in der Erstauflage in deutscher Sprache bei der sozialdemokratischen Büchergilde Gutenberg. Lediglich der letzte Roman wurde von der Büchergilde abgelehnt, da er als "eine Art Indianer- und Räubergeschichte" galt. Trotz Travens Protest musste der Roman in einem anderen Verlagshaus erscheinen.

Die Romane bilden zwar einen Zyklus mit zeitlicher Abfolge, der in der Revolution kulminiert. Jedoch sind die Werke gleichzeitig als in sich abgeschlossene Bücher lesbar, da Hauptfiguren und Schauplätze wechseln und jedes Werk eine in sich geschlossene Komposition hat. Dies war bewusst so eingerichtet, da Traven sein proletarisches Zielpublikum nicht mit einem 1000-seitigen Mammutwerk überfordern wollte.

Die Romane zeichnen sich durch eine klare Sprache aus und sind auch für Leser geeignet, die des Lesens weniger gewohnt sind. Die Veröffentlichung der einzelnen Bände erfolgte in Intervallen von durchschnittlich 1,8 Jahren. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Fortsetzung der Buchreihe erscheinen wird, da der letzte Band 1940 veröffentlicht wurde.

B. Traven: Ein rätselhafter Autor

B. Traven (Pseudonym für Otto Feige, 1882-1969) war ein deutscher Schriftsteller, dessen Werke mehrfach verfilmt und zu Bestsellern wurden. Seine wahre Identität war lange Zeit umstritten und ist in der Forschung noch immer nicht allgemein akzeptiert. Als gesichert gilt lediglich, dass der Schriftsteller ab 1924 in Mexiko lebte, dem Handlungsschauplatz der meisten seiner Romane und Erzählungen. Anerkannt wird auch, dass er mit dem Theaterschauspieler und Anarchisten Ret Marut identisch ist, der 1924 ebenfalls nach Mexiko floh. Recherchen bestätigten schließlich, dass Traven und Marut Pseudonyme des Maschinenschlossers und Gewerkschaftssekretärs Otto Feige sind.

Traven ist Autor von zwölf Romanen, eines Reiseberichts und vieler Erzählungen. Seine Werke verbinden das Genre der Abenteuergeschichte mit einer kapitalismuskritischen Haltung und zeigen deutlich seine revolutionär-sozialistischen und anarchistischen Ansichten. Zu seinen bekanntesten Werken gehören neben dem Caoba-Zyklus auch "Das Totenschiff" (1926) und "Der Schatz der Sierra Madre" (1927).

Travens Romane und Erzählungen wurden in über 24 Sprachen übersetzt und erreichten eine geschätzte Gesamtauflage von über 30 Millionen Exemplaren. Kurt Tucholsky bezeichnete B. Traven 1930 in einem Weltbühne-Artikel als aufsehenerregendes Phänomen, auch wenn er ihm die eigentlichen literarischen und sprachlichen Qualitäten absprach. Die Gesamtauflage des geheimnisvollen Autors steuerte damals bereits auf die erste Million zu.

Ausgaben und Zustand

Der vorliegende Band ist ein taubenblauer Original Ganzleinen-Einband mit weinrot geprägter Rücken- und Vorderdeckel-Beschriftung und ziegelrotem Kopffarbschnitt. Es handelt sich um eine Erstausgabe, 1. Auflage. Das Buch wurde in Berlin von den Buchdruckwerkstätten gedruckt.

Der Zustand des Einbands wird als leicht berieben und beschabt beschrieben, mit wenig bestoßenen Ecken und Kanten. Innen sind die Seiten minimal gebräunt, aber sonst recht ordentlich erhalten. Ein anderer beschriebener Zustand nennt den Einband als gut, fadengeheftet, mit farbigen Vorsätzen und Schutzumschlag. Der Umschlag ist leicht berieben, dezent randknickig und auf der Rückseite mit leichten Kratzern, Schnitte und Papier nachgedunkelt, ansonsten guter Erhaltungszustand.

Die Seitenanzahl variiert je nach Ausgabe, eine genannte Ausgabe hat 327 Seiten im Format 8° (130 x 207mm).

Rezeption und literarische Einordnung

Der Caoba-Zyklus wird als eine Ode an die Rebellion der Armen und Unterdrückten verstanden, an die Revolution zur Befreiung des Menschen vom Menschen. Dabei zählt nicht die absolute Fakten­treue, sondern die Botschaft des Aufbegehrens.

Kritiker merken an, dass man dem Autor nicht jedes Detail abnehmen muss und ein wenig "Karl-May-Schreibe", sprich am Schreibtisch Erdachtes, eingeflossen sein mag. Dennoch wird die Reihe als eine schöne Revolutions­saga gewürdigt, von der es nicht allzu viele gibt, insbesondere solche, die nicht unter der Knute des autoritären "Staats­sozialismus" verbogen worden sind.

Die Romane zeigen, dass Aufbegehren möglich ist, Unterdrückung nicht unabänderlich ist und Rebellion siegreich sein kann. Ein Manko wird darin gesehen, dass Traven die siegreiche Rebellion beschreibt, nicht aber die Revolution (danach), die die Lebens­umstände der Menschen erst dauerhaft verändern könnte.

Zusammenfassend bleibt der Caoba-Zyklus ein bedeutendes Werk, das die sozialen und politischen Umwälzungen in Mexiko eindringlich schildert und bis heute nichts von seiner Relevanz verloren hat.

tags: #b #traven #caoba #zyklus