Als deutsche Hebamme in China arbeiten: Ein umfassender Ratgeber

Herzlich Willkommen in Shanghai, China! Dieser Erfahrungsbericht beleuchtet das Thema Schwangerschaft und Geburt in China aus der Perspektive einer deutschen Hebamme und bietet wertvolle Informationen für alle, die eine ähnliche Reise planen.

Illustration einer deutschen Hebamme, die eine chinesische Familie während der Schwangerschaft betreut

Die Entscheidung für die Geburt in China: Persönliche Erfahrungen und kulturelle Unterschiede

Die Entscheidung, im Ausland ein Kind zur Welt zu bringen, mag für manche verwunderlich erscheinen. Doch China bietet nicht nur für Frauen, die ihren Partner ins Ausland begleiten, sondern auch für alle anderen vielfältige Möglichkeiten, sich sinnvoll zu beschäftigen: Reisen, das Land und seine Kultur kennenlernen, sich weiterbilden oder ehrenamtlich tätig sein, wenn keine Arbeitserlaubnis vorliegt.

Während meiner Schwangerschaft in Shanghai erlebte ich einige kulturelle Besonderheiten. Eine Mitarbeiterin meines Mannes sah es mit Argwohn, als ich im Büro eine Tasse Kaffee trank und meinte, dies würde das Kind im Mutterleib schwarz färben. Solche Ansichten sind in China durchaus verbreitet und spiegeln traditionelle Überzeugungen wider, die oft wenig mit westlicher Medizin zu tun haben.

Glücklicherweise gab es in Shanghai eine deutsche Hebamme, die mir eine große Sorge nahm: die Angst vor Verständigungsschwierigkeiten im Kreißsaal. Die meisten Chinesen sprechen nur eingeschränkt oder gar kein Englisch, was in einer solch sensiblen Situation zu erheblichen Problemen führen kann.

Meine deutsche Frauenärztin verließ Shanghai einen Monat vor meinem errechneten Entbindungstermin. Daher entschied ich mich für eine junge chinesische Ärztin, die sowohl die Vorsorge übernahm als auch bei meiner Geburt anwesend war. In China ist es üblich, dass Frauen im Liegen gebären. Ich hingegen wünschte mir die Möglichkeit, verschiedene Geburtsoptionen wählen zu können, wie beispielsweise eine Wassergeburt. Glücklicherweise war dies bei meiner gewählten Ärztin möglich.

Die Versorgung in der Klinik war ausgezeichnet. Bluttestergebnisse lagen oft innerhalb von nur 10 Minuten vor. Das Personal war zahlreich und aufgabenspezifisch aufgeteilt: Eine Schwester war für das Wiegen zuständig, eine andere für das Aufrufen und Begleiten zum Sprechzimmer, und mehrere kümmerten sich um die Abrechnung. Jede Behandlung musste sofort bezahlt werden, einschließlich der Entbindung selbst. Die Kosten für eine Entbindung in einem privaten Krankenhaus sind beträchtlich und werden oft von Agenturen übernommen. In einem normalen, nicht-privaten Krankenhaus sind die Kosten deutlich geringer.

Viele Expat-Frauen machen sich im Ausland selbstständig und organisieren sich. So fand ich eine Engländerin, die mir zu Hause einen Hypnobirthing-Kurs gab. Dies half mir sehr, Anspannung während der Schwangerschaft abzubauen und positiv an die Entbindung heranzugehen, auch wenn es während der Geburt selbst nur begrenzt wirkte.

Das Privatkrankenhaus, in dem ich entbunden habe, war gut erreichbar, aber die Fahrt konnte je nach Verkehrslage zwei Stunden dauern. Nach unserer Ankunft begaben wir uns direkt auf die Entbindungsstation, die ausschließlich aus Kreissälen bestand. Dort verbrachte ich die Zeit bis zur Geburt in meiner eigenen Geburtssuite.

Meine deutsche Hebamme war eine unschätzbare Unterstützung im Kreißsaal. Sie vermittelte zwischen mir und dem chinesischen Personal, das mich andernfalls oft übergangen und als nicht zurechnungsfähig eingestuft hätte. Dies ist in China eine gängige Praxis. Gemeinsam mit meiner Hebamme entwickelte ich einen detaillierten Geburtsplan, der im Krankenhaus vervielfältigt und verteilt wurde. Ein Zettel an der Tür, der eine Hypnobirthing-Entbindung ankündigte, sorgte dafür, dass ich ungestört blieb.

Meine größte Sorge galt einem Kaiserschnitt, insbesondere der nachträglichen Sedierung der Mutter. Im Nebensaal erlebte ich eine chinesische Frau, die von drei Personen gleichzeitig angefeuert wurde - wie bei einem Fußballspiel. Insgesamt war meine Entbindung, trotz 16 Stunden Dauer und der traumatischen Aspekte, dank der PDA gut auszuhalten. Die anschließenden drei Tage im Krankenhaus waren wunderbar. Mein Zimmer ähnelte eher einem Hotelzimmer, mein Mann durfte bei mir schlafen, und wir hatten ungestörte Zeit, uns als neue Familie kennenzulernen. Dies stand im starken Kontrast zur Erfahrung meiner Kreißsaalnachbarin, die allein in ihrem Zimmer war und das Baby meist bei den Schwestern ließ.

Auch das Stillen stieß auf Unverständnis; mir wurde geraten, stattdessen Pulvermilch zu verwenden, da ich mir diese leisten könne.

Symbolbild einer Familie, die sich in einem ruhigen Raum kennenlernt, umgeben von Krankenhausgeräten

Nach der Geburt: Traditionen und Herausforderungen im chinesischen Alltag

Nach der Entbindung bleiben Mütter in China traditionell vier Wochen im Schlafzimmer. Sie dürfen das Haus nicht verlassen, werden von ihren Müttern und Schwiegermüttern umsorgt, dürfen nicht duschen und das Baby hat oft eine eigene Betreuerin.

Impfungen für das Baby mussten wir aus England einführen lassen, da die Verfügbarkeit in China unsicher war oder Bedenken hinsichtlich der Qualität bestanden.

Freiwilligenarbeit und die Rolle der Hebamme in China und weltweit

Die Erfahrung, am Wunder der Geburt teilzuhaben, kann unglaublich bereichernd sein. Dies gilt umso mehr, wenn man dies in einem fremden Land und einer anderen Kultur erlebt. Freiwilligenarbeit in der Geburtshilfe kann nicht nur zur persönlichen Entwicklung beitragen, sondern auch das unterbesetzte Personal entlasten und einen positiven Einfluss auf Frauen und ihre Familien haben.

Viele Regionen weltweit haben einen dringenden Bedarf an qualifizierter Geburtshilfe, um die Mütter- und Neugeborenensterblichkeit zu senken. Freiwilligenarbeit ermöglicht den Austausch von Fachwissen und Praktiken zwischen ehrenamtlichen Helfern und lokalem medizinischem Personal.

Eine Hebamme im Ausland kann eine zentrale Rolle bei der Registrierung von Geburten spielen, insbesondere in Ländern, in denen Geburten oft zu Hause oder in abgelegenen Einrichtungen stattfinden.

Voraussetzungen für Freiwilligenarbeit in der Geburtshilfe:

  • Es muss eine Frau sein.
  • Vorkenntnisse im Bereich Geburtshilfe sind erforderlich, entweder durch eine abgeschlossene Ausbildung oder ein abgeschlossenes Medizinstudium (mindestens im fünften Semester).

Die Notwendigkeit einer Geburtsurkunde für die Teilnahme an Freiwilligenarbeit im Ausland hängt von den spezifischen Anforderungen des Programms und des Landes ab.

Freiwillige assistieren bei natürlichen Geburten und Notfallmaßnahmen unter der Aufsicht erfahrener Entbindungspfleger. Ebenso unterstützen sie bei der Durchführung pränataler und postnataler Untersuchungen.

Praktische Aspekte: Visa, Sozialversicherung und Arbeitsmarkt in China

Die Erteilung und Verlängerung chinesischer Visa unterliegt dem chinesischen Aufenthaltsrecht. Nur die zuständige chinesische Behörde kann Auskünfte über das Verfahren und die Voraussetzungen geben, die sich jederzeit ändern können.

Seit Juli 2011 ist in China das neue Sozialversicherungsgesetz in Kraft, das einen landesweit verbindlichen Rechtsrahmen für verschiedene Versicherungsarten schafft, einschließlich der Mutterschaftsversicherung.

Nach dem Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und China sind Arbeitnehmer, die von ihren in Deutschland ansässigen Arbeitgebern vorübergehend in China eingesetzt werden, unter bestimmten Voraussetzungen von der Beitragspflicht zur Renten- und Arbeitslosenversicherung in China ausgenommen.

Der DE Job Market der Auslandshandelskammern in Greater China ist das größte deutsch-chinesische Jobportal und verbindet potenzielle Arbeitnehmer mit deutschem beruflichem Hintergrund mit Arbeitgebern in Greater China.

Die Anerkennung ausländischer Schulabschlüsse in China erfolgt durch eine zentrale Stelle und ist gebührenpflichtig. Es ist ratsam, dies im Vorfeld mit dem potenziellen Arbeitgeber zu klären.

Geburtsvorbereitung und medizinische Versorgung in China: Ein Überblick

Die Geburt kann selbst unter besten Umständen aufregend und herausfordernd sein. In einem fremden Land wie China sind diese Herausforderungen oft noch größer. Sprachbarrieren können ein ernstes Problem darstellen, wenn die Kommunikation mit dem medizinischen Personal nicht möglich ist.

Obwohl öffentliche Krankenhäuser in China sauber und gut ausgestattet sind, können sie unpersönlich wirken. Für eine Geburt, ein lebensveränderndes Ereignis, ist eine individuellere Betreuung oft wünschenswert.

Auch Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre sind in China relevant. Intime Untersuchungen können durch ungeduldige Patienten unterbrochen werden, und manche Menschen zeigen wenig Verständnis für westliche Konzepte des persönlichen Raums.

Trotz dieser Herausforderungen haben viele Frauen aus der internationalen Gemeinschaft in China problemlos entbunden und sich oft für ein zweites Kind entschieden. Sorgfältige Planung und Recherche sind unerlässlich.

Öffentlich oder Privat? Die Wahl des Krankenhauses

Eine der wichtigsten Entscheidungen ist die Wahl des Krankenhauses für pränatale Untersuchungen und die Geburt. Die Optionen reichen von internationalen Krankenhäusern über chinesische Privatkliniken bis hin zum öffentlichen Gesundheitssystem. Das Sprichwort "Du bekommst, wofür du bezahlst" trifft hier weitgehend zu.

  • Internationale Krankenhäuser: Bieten die beste Erfahrung, sind jedoch am teuersten. Das medizinische Personal spricht Englisch, und es wird mehr Zeit für Fragen und Anliegen eingeplant. Die Zimmer sind meist privat oder maximal zu zweit belegt.
  • Öffentliches Gesundheitssystem: Ist am günstigsten, kann aber eine herausfordernde Erfahrung sein. Ärzte legen weniger Wert auf Arzt-Patienten-Kommunikation, sprechen seltener Englisch und haben wenig Zeit. Persönliche Entscheidungen spielen eine untergeordnete Rolle. Die Umgebung kann ein Kulturschock sein, mit großen Stationen und wenig Privatsphäre.
  • Chinesische private Anbieter: Liegen preislich und qualitativ zwischen dem öffentlichen System und den internationalen Krankenhäusern. Sie bieten mehr Privatsphäre und persönliche Betreuung als das öffentliche System.

Eine gute Krankenversicherung kann private Pflege für die meisten Expats erschwinglich machen. Es ist jedoch wichtig, das Kleingedruckte zu prüfen, da Mutterschaftsdienste nicht immer in allen Paketen enthalten sind und "Eigenbeteiligung" üblich ist.

Geburtsoptionen in China

In chinesischen öffentlichen Krankenhäusern trifft der Arzt oft die Entscheidungen über die Geburt. Kaiserschnitte sind sehr häufig (ca. 35 Prozent der Geburten), oft auch aus Wunschterminen heraus.

In privaten oder internationalen Krankenhäusern wird der Geburtsplan der Mutter eher respektiert. Klare Kommunikation mit dem Arzt und dem Partner ist entscheidend.

Hausgeburten sind in China illegal, da die Geburt stark als medizinische Angelegenheit betrachtet wird.

Kosten und Versicherung

Die Kosten für medizinische Dienstleistungen in China sind niedriger als beispielsweise in den USA. Dennoch können sie für Personen aus Ländern mit kostenloser Gesundheitsversorgung, wie Großbritannien, einen Schock darstellen.

  • Öffentliche Krankenhäuser: Ca. 10.000 RMB für pränatale Untersuchungen und 2.000-5.000 RMB für die Entbindung.
  • Internationale oder private Krankenhäuser: Ab 20.000 RMB für pränatale Betreuung, über 50.000 RMB für eine natürliche Geburt und bis zu 100.000 RMB für einen Kaiserschnitt.

The Difference between Public and Private Hospitals in China

Internationale und private Krankenhäuser mit Mutterschaftsdiensten

Viele Expats entscheiden sich für erstklassige Einrichtungen in großen chinesischen Städten.

Peking

  • Beijing United Family Hospital and Clinics (BJU): Bekannt für hohe Preise und exzellenten Ruf. Kosten für ein natürliches Geburtspaket liegen bei über 100.000 RMB.
  • Beijing Oasis International Hospital: Etwa 20 % günstiger als BJU, Kosten ca. 60.000 RMB für eine natürliche Geburt.
  • Amcare Women’s and Children’s Hospital: Spezialisiert auf Geburtshilfe, preislich im Mittelfeld.
  • Beijing Antai Maternity Hospital: Einzigartig in Peking für Wassergeburten, Kosten unter 30.000 RMB für ein Geburtspaket.

Shanghai

  • Shanghai United Family: Teil des United-Konglomerats, hohe Preise sind zu erwarten. Krankenhäuser in Hongqiao und Pudong.
  • Redleaf Hospital: Spezialisiert auf Frauen und Kinder.
  • Ferguson Women’s Health Clinic: Kleine Fachklinik im Shanghai RICI Hospital.
  • Shanghai East International Medical Center (SEIMC): Internationaler Teil des Shanghai East-Lehrkrankenhauses. Kosten für natürliche Geburtspakete ab ca. 50.000 RMB.
  • Raffles Medical Centre: Gut für pränatale und postnatale Pflege, hilft bei der Organisation von Krankenhausoptionen, bietet aber keine Entbindungen an.

Es ist ratsam, Bewertungen von Krankenhäusern zu lesen. Das American Sino Hospital in Shanghai ist beispielsweise auf Geburtshilfe spezialisiert, hat aber viele negative Online-Bewertungen erhalten.

Kleinere Städte in China

In kleineren Städten sind internationale oder private Krankenhäuser oft begrenzt. Viele Frauen mit entsprechenden Mitteln reisen in größere Städte, um die gewünschte Geburtsversorgung zu erhalten.

  • United Family Hospital: Standorte in Guangzhou, Tianjin, Qingdao, Bo’Ao und Shenzhen.
  • Eur Am Medical Center (Guangzhou): Private Option für pränatale Planung und Geburtshilfe.
  • Raffles Medical Group: Standorte in Tianjin, Shenzhen, Chongqing und Nanjing. Gut für pränatale und postnatale Pflege.
Weltkarte, die die Standorte von United Family Hospitals und Raffles Medical Group in China hervorhebt

Erfahrungen aus der Freiwilligenarbeit im Globalen Süden

Anna-Elisabeth sammelte wertvolle Erfahrungen als Geburtsbegleiterin und Hebamme in verschiedenen Ländern des Globalen Südens. Ihre Erlebnisse, die sie in mehreren Notizbüchern festhielt, geben Einblicke in die Realitäten der Geburtshilfe in diesen Regionen.

Ausbildung und Motivation

Aufgewachsen in einem religiös geprägten Elternhaus, absolvierte sie nach der Schule eine Jüngerschaftsschule bei Youth with a Mission (YWAM). Anschließend machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester in Deutschland. Ihr Herzenswunsch war es stets, mit Müttern zu arbeiten und ihnen eine gute, selbstbestimmte Begleitung rund um die Geburt zu bieten.

Der Traum, in der medizinischen Missionshilfe zu arbeiten und die Welt positiv zu verändern, begleitete sie seit ihrer Jugend. Rückblickend bezeichnet sie sich als jung und naiv, möchte die Zeit jedoch nicht missen.

YWAM und die Einsätze

YWAM ist eine internationale Missionsorganisation mit Zentren weltweit. Der Basiskurs der Jüngerschaftsschule ist oft die Grundlage für Einsätze. Die Organisation steht in der Kritik wegen Berichten über Indoktrinierung und sektenähnliche Züge.

Ihre ersten Einsätze führten sie nach Nordindien in ein Flüchtlingscamp und anschließend nach China auf das tibetische Hochplateau. Ihr eigentlicher Wunsch war jedoch, in der Geburtshilfe tätig zu werden. Sie wählte den entsprechenden Kurs bei YWAM.

Vorbereitungskurs und mangelnde Ausbildung

Bevor sie als Hilfshebamme tätig wurde, absolvierte sie einen dreimonatigen theoretischen Kurs in Australien. Die Ausbildung war jedoch enttäuschend: Die Kursleiterinnen hatten kaum medizinische Vorbildung und wenig Erfahrung mit Geburten. Die Voraussetzung für die Kursleitung war lediglich die Absolvierung des Kurses selbst. Die Lernzeit war begrenzt, und ein Großteil der Zeit wurde für Arbeitseinsätze und Glaubensaktivitäten genutzt.

Das Ergebnis war eine nur mittelmäßige fachliche Ausbildung, trotz derer sie sich auf ihren Einsatz freute. Sie sollte als Hebammenschülerin agieren und in Abwesenheit von Ärzten oder Hebammen medizinische Entscheidungen treffen, obwohl sie rechtlich nicht verantwortlich war.

Erfahrungen in Indien

Ihre erste Station war ein staatliches Krankenhaus in Indien, das Frauen aus den unteren Schichten der Bevölkerung versorgte. Das Kastensystem prägte den klinischen Alltag, und das medizinische Personal, oft aus höheren Schichten stammend, zeigte wenig Zuneigung zu den Schwangeren aus den unteren Kasten.

Das Krankenhaus betreute etwa 70 Geburten täglich mit wenig Personal. Dies führte dazu, dass sich die Frauen während der Geburten oft körperlicher und psychischer Gewalt ausgesetzt sahen, bedingt durch Erschöpfung, Resignation, kulturelle Prägung und mangelnde Ausrüstung. Die hygienischen Bedingungen waren schlecht.

In der indischen Gesellschaft haben Frauen generell einen geringeren Stellenwert. Frauen brachten ihre Babys zur Welt, und die Nabelschnur wurde sofort durchtrennt. Die Mutter musste das Geschlecht des Babys nennen, um Tauschversuche zu unterbinden, da viele Familien Söhne bevorzugten. Die Babys wurden direkt nach der Geburt von den Müttern getrennt.

Illustration, die die Unterschiede in der Behandlung von Frauen in Indien und Afrika darstellt

Erfahrungen in Afrika (Tansania, Uganda, Sambia)

In Tansania, Uganda und Sambia arbeitete sie als Hebammenschülerin und später als Hebamme. Trotz der Armut dieser Länder wurde jedes Baby als Geschenk betrachtet, im Gegensatz zu Indien, wo Mädchen oft als Belastung angesehen wurden.

Die medizinische Ausstattung war zwar begrenzt, aber es gab Betten und Matratzen. Zwar fehlten technische Hilfsmittel wie ein CTG, aber die Hebammen waren erfahren und vertrauten auf die Kraft der Frau. Komplikationen wie Zwillingsgeburten oder Beckenendlagen waren normal. Die Geburten waren nicht schlechter, auch wenn weniger Technik zur Verfügung stand.

Tansania

In Tansania arbeitete sie in einem Krankenhaus, in dem täglich etwa 80 Kinder geboren wurden. Sie erlebte Zwillingsgeburten und Drillinge, die alle aus Beckenendlage geboren wurden. In Deutschland wäre bei solchen Fällen fast immer ein Kaiserschnitt angeraten worden. In Tansania stand dies nicht zur Debatte. Die Mutter erwartete Zwillinge, stellte sich aber heraus, dass es Drillinge waren.

Uganda

In Uganda arbeitete sie in einer kleinen Klinik mit durchschnittlich nur zwei bis drei Geburten täglich. Sie unterstützte eine Hebamme, die ein Geburtshaus betrieb und Hausgeburten betreute. In einer bemerkenswerten Situation kamen eine Mutter und ihre Tochter beide schwanger zur Geburtsstation. Statt eines CTG oder Doptons wurde ein Hörrohr zur Überwachung der Babys verwendet.

Sambia

In Sambia arbeitete sie auf eigene Faust in einer großen Uniklinik. Sie übernahm freiwillig Nachtdienste und bekam einen eigenen Kreißsaal mit vier Betten zugeteilt. Sie wollte vom einheimischen Personal lernen, da diese ein unglaubliches Wissen besaßen.

Eine Nacht in Sambia bleibt ihr besonders in Erinnerung: Innerhalb von 20 Minuten kamen drei Kinder zur Welt. Bei keiner der Geburten musste sie viel helfen; sie fing die Babys auf, legte sie auf den Bauch der Mütter und kümmerte sich um die Plazenta und die Nachbetreuung. Es war häufig, dass Frauen ihre Babys nachts bekamen.

Illustration einer Afrika-Karte mit Hervorhebung von Tansania, Uganda und Sambia

Reflexion über Auslandseinsätze

Die Zeit in Australien, Indien und Afrika war fachlich und persönlich sehr wertvoll. Sie lernte viel und entwickelte klare Vorstellungen für die Geburten ihrer eigenen Kinder.

Die Hilfeleistung in Ländern des Globalen Südens ist wichtig, da das Gesundheitssystem dort oft unterentwickelt ist. Freiwillige können den Unterschied zwischen Betreuung und keiner Betreuung ausmachen.

Problematisch sieht sie jedoch die mangelnde fachliche Vorbereitung der Freiwilligen, die von den Gebärenden fast wie Ärzte angesehen werden. Sie hält es für unverantwortlich, Freiwillige mit so schlechter Vorbereitung zu entsenden.

Hilfeleistung mit Missionsgedanken betrachtet sie heute kritisch. Sie betont, dass auch in Ländern des Globalen Südens hochqualifizierte und gebildete Menschen leben, die sich mit Herzblut für die Frauen einsetzen. Die Menschen in diesen Ländern verdienen Respekt und Demut.

Die Technologie hilft bei der Unterstützung von Geburten nur bedingt. Die Frauen vor Ort erleben gute Geburten dank der Betreuung und dem wichtigen Bauchgefühl der Hebammen. Sie hat sehr viel vom Personal vor Ort gelernt und höchste Achtung vor deren täglicher Arbeit.

Online-Geburtsvorbereitung für Expats in China

Für Frauen, die wie Katharina und ihr Mann in China leben und eine Betreuung in ihrer Muttersprache suchen, bietet Online-Geburtsvorbereitung eine wertvolle Alternative. Dank der Unterstützung von Anna Maria konnten sie die Schwangerschaft entspannt erleben.

Da es in China keine Praxen, sondern nur Kliniken gibt, und die Ansichten und Herangehensweisen manchmal unterhaltsam, manchmal merkwürdig sind, war die Suche nach einer vertrauten Begleitung wichtig.

Die Online-Vorbereitung bot:

  • Sprachliche Nähe: Alle Fragen konnten in der gleichen Sprache gestellt werden.
  • Zeitliche Unabhängigkeit: Die Vorbereitungsvideos waren vielseitig und gut erklärt, und konnten jederzeit angesehen werden.
  • Intensive Betreuung: Durch intensive Telefonate und Videos entstand das Gefühl, Anna Maria persönlich zu kennen.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Anna Maria bot für jede Situation gute Ideen, auch aus der Traditionellen Chinesischen Medizin.
  • Effektive Rückbildung: Die Videos mit den Einheiten für die Rückbildung waren intensiv und zeigten schnell Wirkung.

Diese Art der Betreuung kann eine Brücke schlagen und das Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit in einem fremden Umfeld vermitteln.

Der Mangel an Hebammen in China und seine Folgen

In der Volksrepublik China herrscht ein akuter Mangel an qualifizierten Geburtshelferinnen. Dies hat weitreichende Konsequenzen, insbesondere im Hinblick auf die Lockerung der Familienpolitik.

Experten gehen davon aus, dass die Aufhebung der strikten Ein-Kind-Politik in den kommenden Jahren zu jährlich etwa zwei Millionen zusätzlichen Geburten führen wird. Das Fehlen qualifizierter Hebammen ist ein Hauptgrund für die hohe Kaiserschnittrate in China, die derzeit bei 50 Prozent aller Geburten liegt.

Obwohl viele Studierende nach ihrem Abschluss verzweifelt nach Arbeit suchen, haben fast alle Studentinnen des Studiengangs Geburtshilfe an der Southern Medical University in Guangzhou bereits gut bezahlte Anstellungen in renommierten Krankenhäusern angeboten bekommen. Dies unterstreicht den dringenden Bedarf an qualifiziertem Personal in diesem Bereich.

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