Viele Gärtner kennen das Szenario: Bei der Gartenarbeit im Sommer treten plötzlich rote Flecken auf Händen oder Unterarmen auf, die jucken und brennen. Oftmals verschlimmern sich diese Symptome, bevor sie abheilen. Wenn keine bekannte Allergie vorliegt und die geerntete Pflanze nicht giftig ist, kann die Ursache in phototoxischen Pflanzen liegen.
Phototoxische Pflanzen und ihre Wirkung
Bestimmte Pflanzen, die an sich nicht oder nur wenig giftig sind, können in Verbindung mit Sonneneinstrahlung giftige Substanzen bilden. Dieser Prozess wird als Phototoxie bezeichnet (von griechisch "photo" für Licht und "toxisch" für giftig). Die daraus resultierende Hautreaktion heißt Phytophotodermatitis.
Wie Phototoxie entsteht
Pflanzen enthalten chemische Substanzen, die auf der Haut zunächst keine Reaktion hervorrufen. Gelangt jedoch Pflanzensaft auf die Haut und wird diese anschließend starker UVA- und UVB-Strahlung ausgesetzt, verändert sich die chemische Zusammensetzung dieser Stoffe. Dies kann durch Erwärmung oder die Freisetzung anderer chemischer Verbindungen geschehen, die dann giftig auf die Haut wirken.
Das Ergebnis zeigt sich wenige Stunden später in Form von:
- Rötung und Schwellung der Haut
- Jucken und Brennen
- Schuppenbildung durch Austrocknung
- In schlimmen Fällen auch Blasenbildung, ähnlich Brandblasen
Häufig ist auch eine Verdunkelung der Haut (Hyperpigmentierung) rund um den Ausschlag zu beobachten, die an eine starke Sonnenbräune erinnert. Da die Haut zunächst dem Pflanzensekret und dann der Sonne ausgesetzt sein muss, sind meist Hände, Arme, Füße und Beine betroffen. Gesicht, Kopf oder Oberkörper sind seltener betroffen.

Bekannte phototoxische Pflanzen
Zu den wichtigsten phototoxischen Pflanzen gehören:
- Doldenblütler: wie Bärenklau, Wiesen-Kerbel und Engelwurz
- Zitrusfrüchte: Zitrone, Limette, Grapefruit, Bergamotte
- Gemüsepflanzen: Petersilie, Pastinaken, Koriander, Möhren, Sellerie
- Buchweizen
Die im Volksmund als Wiesengräserdermatitis bekannte Reaktion entsteht oft durch Furocumarine, die in vielen dieser Pflanzen vorkommen. Auch das Hypericin im Johanniskraut kann Reaktionen auslösen.
Besondere Vorsicht ist geboten bei der Verarbeitung von Zitrusfrüchten, da Furocumarine enthalten sind. Barkeeper kennen dies als "Margarita Burn". Auch bestimmte Medikamente (z.B. Johanniskraut-Präparate), Parfümöle und Hautcremes können die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen und phototoxische Reaktionen auslösen.
Was tun bei Wiesengräserdermatitis?
Bei ersten Anzeichen einer Dermatitis nach Kontakt mit Pflanzen sollten die betroffenen Hautstellen sofort gründlich abgewaschen werden. In den folgenden Tagen sollte eine weitere Sonnenexposition vermieden werden, beispielsweise durch das Tragen von langer Kleidung.
Die Wiesengräserdermatitis ist meist eine harmlose Hautreaktion. Bei größeren Hautbereichen, kleinen Kindern, starken Schmerzen oder Blasenbildung ist jedoch ein Hautarzt aufzusuchen.
Die Behandlung ähnelt der von Sonnenbrand: Kühlende Auflagen und milde, feuchtigkeitsspendende Cremes können Linderung verschaffen. Es ist wichtig, nicht zu kratzen.
Die Hautreaktion tritt verzögert auf, oft erst nach mehreren Stunden, und erreicht ihren Höhepunkt meist erst nach zwei bis drei Tagen. Die vollständige Abheilung kann ein bis zwei Wochen dauern. Pigmentflecken können noch länger sichtbar bleiben.
Allergische Reaktionen bei Kleinkindern: Heuschnupfen, Neurodermitis und Co.
Neben den phototoxischen Reaktionen sind allergische Erkrankungen bei Kindern weit verbreitet. Dazu zählen insbesondere Heuschnupfen (saisonale allergische Rhinitis), allergisches Asthma und Neurodermitis (atopisches Ekzem).
Heuschnupfen (Pollenallergie)
Heuschnupfen ist die häufigste allergische Erkrankung bei Kindern und wird durch Pollen ausgelöst, die als Inhalationsallergene wirken. Diese winzigen Partikel, die von Bäumen, Sträuchern, Gräsern und Kräutern freigesetzt werden, können bei sensibilisierten Personen eine übertriebene Immunreaktion hervorrufen.
Symptome des Heuschnupfens
Typische Symptome bei Kindern umfassen:
- Tränende, juckende und gerötete Augen
- Laufende oder verstopfte Nase
- Wiederholtes Niesen
- Trockener Husten, oft nachts
- Juckreiz im Gaumen, den Ohren und in der Nase
- Mundatmung aufgrund einer verstopften Nase
Diese Symptome können zu Müdigkeit, Erschöpfung und Kopfschmerzen führen, was die schulische Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Ursachen und Risikofaktoren
Heuschnupfen tritt oft erstmals im Grundschulalter auf, kann aber auch schon bei jüngeren Kindern vorkommen. Eine genetische Veranlagung spielt eine wichtige Rolle: Haben beide Elternteile eine Allergie, steigt das Risiko für das Kind erheblich. Auch das Aufwachsen in einer sehr hygienischen Umgebung und der frühe Kontakt mit Allergenen (z.B. auf einem Bauernhof oder in der Kindertagesstätte) können das Allergierisiko beeinflussen.
Diagnose und Behandlung von Heuschnupfen
Bei Verdacht auf Heuschnupfen ist eine ärztliche Abklärung durch einen Kinderarzt oder Allergologen ratsam. Die Diagnose erfolgt oft durch:
- Anamnese: Erfragung der Symptome, deren Auftreten und familiäre Vorbelastung.
- Körperliche Untersuchung
- Allergietests:
- Pricktest: Aufbringen von Allergenextrakten auf die Haut (meist Unterarm) und Anritzen der Hautstelle. Eine Reaktion (Rötung, Quaddelbildung) zeigt eine Sensibilisierung an.
- Bluttest: Nachweis spezifischer IgE-Antikörper im Blut.
- Gegebenenfalls Provokationstest.

Die Behandlung von Heuschnupfen umfasst:
- Allergenkarenz: Meiden der auslösenden Pollen, soweit möglich (z.B. Fenster geschlossen halten, Haare vor dem Schlafengehen waschen).
- Medikamentöse Therapie:
- Antihistaminika (als Nasenspray, Augentropfen, Saft oder Tabletten) zur Linderung der Symptome.
- Bei starker Nasenatmungsbehinderung kurzfristig abschwellende Nasensprays (nicht länger als eine Woche anwenden).
- Bei schweren Fällen lokale Glucocorticoide (z.B. als Nasenspray).
- Cromogylcinsäure zur Vorbeugung.
- Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung): Langfristige Behandlung, bei der das Immunsystem schrittweise an das Allergen gewöhnt wird. Dies kann die Entwicklung von Asthma verhindern und das Ausmaß der Beschwerden reduzieren.
Kreuzallergien bei Heuschnupfen
Pollenallergiker können auch auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagieren, da ähnliche Eiweißstrukturen vorhanden sind. Dies wird als Kreuzallergie bezeichnet. Beispielsweise können Birkenpollen-Allergiker auf Äpfel, Birnen oder Nüsse reagieren.
Neurodermitis (Atopisches Ekzem)
Die Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und bereits bei Babys auftreten kann. Genetische Veranlagung, Allergene (Nahrungsmittel, Pollen, Hausstaub, Tierhaare) und psychischer Stress können Auslöser sein.
Symptome der Neurodermitis bei Kindern
Charakteristisch sind:
- Rötungen, Schwellungen und starker Juckreiz der Haut
- Nässen und Schuppenbildung
- Bei Babys tritt oft Milchschorf im Gesicht, an Armen und Beinen auf.
Die Hautbarriere ist gestört, was die Haut anfälliger für Infektionen macht.
Behandlung der Neurodermitis
Die Behandlung konzentriert sich auf:
- Basispflege: Regelmäßiges Eincremen der Haut zur Stärkung der Hautbarriere.
- Vermeidung von Auslösern: Identifizierung und Meiden von Allergenen, Reizstoffen oder Stressfaktoren.
- Medikamentöse Therapie: Bei akuten Schüben kommen entzündungshemmende Cremes (z.B. mit Kortison) oder andere topische Medikamente zum Einsatz.
Nahrungsmittelallergien bei Kindern
Nahrungsmittelallergien sind bei Kleinkindern häufig und werden oft durch Grundnahrungsmittel oder Kreuzreaktionen ausgelöst.
Häufige Auslöser
Zu den häufigsten Allergenen zählen:
- Kuhmilch
- Hühnerei
- Fisch
- Soja
- Weizen
- Nüsse
Symptome von Nahrungsmittelallergien
Die Reaktionen können vielfältig sein:
- Hautausschläge, Rötungen, Juckreiz
- Schwellungen von Lippen, Zunge oder Rachen
- Brennen im Mund
- Magen-Darm-Beschwerden (Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen)
- Atemwegssymptome (Husten, laufende Nase)
- Bei Babys auch Appetitlosigkeit.
Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie ist die Führung eines Ernährungstagebuchs und die ärztliche Abklärung entscheidend.
Allergien im Garten: Kontaktallergien durch Pflanzen
Neben phototoxischen Reaktionen können Pflanzen auch direkte Kontaktallergien oder Hautreizungen auslösen:
- Mechanische Reizung: Stacheln und Dornen können die Haut verletzen und Entzündungen begünstigen.
- Chemisch/Hautreizend: Pflanzensäfte, wie der Milchsaft von Wolfsmilchgewächsen (z.B. Weihnachtsstern), können hautschädigende Inhaltsstoffe wie Histamin enthalten und bei Kontakt Reizungen hervorrufen. Der Saft kann bei Augenkontakt zu schweren Schäden führen.
- Phototoxisch: Wie bereits beschrieben, reagieren bestimmte Pflanzenstoffe in Verbindung mit UV-Licht.
- Photoallergisch: Hier liegt eine Sensibilisierung gegenüber einem pflanzlichen Inhaltsstoff vor, der in Kombination mit UV-Licht eine allergische Reaktion vom Spättyp auslöst.
- Hautreizung durch Kontaktallergene: Pflanzeninhaltsstoffe können mit körpereigenen Proteinen reagieren und eine Allergie auslösen. Bekannte Beispiele sind die Becherprimel oder Hundskamille (Kreuzreaktionen mit Korbblütlern möglich).
Zum Schutz der Haut bei der Gartenarbeit sind Gartenhandschuhe unerlässlich.
Die erstaunliche Selbstverteidigung von Pflanzen – Valentin Hammoudi
Allergien bei Kindern: Wann zum Arzt?
Eltern sollten bei ihrem Kind aufmerksam werden, wenn Symptome auftreten, die auf eine Allergie hindeuten könnten, insbesondere wenn diese länger als üblich für eine Erkältung andauern oder familiäre Vorbelastungen bestehen.
Zeitpunkt für Allergietests
Allergietests können zu jedem Zeitpunkt im Leben eines Kindes durchgeführt werden. Es gibt kein Mindestalter. Eine frühe Diagnose ermöglicht eine schnellere Einleitung von Gegenmaßnahmen.
Schritte der Diagnostik
- Arztgespräch (Anamnese): Erfassung von Beschwerden, Auslösern, familiärer Krankengeschichte.
- Körperliche Untersuchung
- Haut- oder Blut-Allergietest
- Gegebenenfalls Provokationstest oder Lungenfunktionsuntersuchung (bei Asthmaverdacht).
- Besprechung der Ergebnisse und Erstellung eines Behandlungsplans.
Die Diagnose von Allergien bei Kindern ist wichtig, um chronische Erkrankungen wie allergisches Asthma, das sich aus unbehandeltem Heuschnupfen entwickeln kann, zu verhindern oder frühzeitig zu behandeln.
tags: #allergische #reaktion #auf #pflanzen #kleinkind #haut