Abführmittel und Darmspiegelung in der Stillzeit: Was Sie wissen müssen

Eine Darmspiegelung (Koloskopie) ist eine essenzielle Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs. Für eine optimale Sicht auf die Darmwand durch den Arzt ist eine gründliche Darmreinigung mittels Abführmitteln (Laxantien) unerlässlich. Moderne Trinklösungen erleichtern diese Vorbereitung erheblich, indem sie Geschmack und Trinkmenge verbessert haben.

Im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms haben Männer und Frauen ab 50 Jahren Anspruch auf zwei Vorsorge-Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Wer dieses Angebot erst ab 65 Jahren wahrnimmt, hat nur Anspruch auf eine Koloskopie.

Vorbereitung auf die Darmspiegelung

Mehrere Tage vor der Untersuchung sollten Patienten auf ballaststoffreiche Lebensmittel verzichten. Körnerhaltige Produkte wie Müsli, Tomaten, Weintrauben oder Kiwis sind zu meiden. Die letzte feste Mahlzeit findet am Vortag der Untersuchung zur Mittagszeit statt. Am Vorabend und am Morgen der Untersuchung wird die notwendige Menge der Trinklösung eingenommen. Diese zweigeteilte Reinigung führt oft zu besseren Ergebnissen und einer besseren Verträglichkeit als eine Einmalgabe.

Zusätzlich zur abführenden Trinklösung ist die Aufnahme weiterer Flüssigkeiten wichtig, um einer Dehydrierung vorzubeugen und die Darmreinigung zu unterstützen. Empfohlen werden klare Flüssigkeiten wie Wasser, Mineralwasser, Tee, Kaffee, klare Säfte (z. B. Apfelsaft), isotonische Getränke und klare Brühen. Milch, Orangen- und Tomatensaft sowie Cremesuppen sind nicht gestattet. Eine erfolgreiche Darmreinigung zeigt sich daran, wenn nur noch eine klare Flüssigkeit wie Kamillentee den Darm verlässt.

Illustration einer Auswahl klarer Flüssigkeiten, die zur Darmreinigung vor einer Darmspiegelung getrunken werden dürfen.

Tipps zur Geschmacksverbesserung von Trinklösungen

Obwohl viele Trinklösungen mittlerweile mit Aromen erhältlich sind, empfinden einige Patienten den Geschmack als unangenehm. Um das Trinken zu erleichtern, können die Lösungen gekühlt, mit einem Strohhalm getrunken oder durch das Lutschen an einer Zitronenscheibe vorab aufbereitet werden.

Trinklösungen mit Macrogolen

Macrogol-haltige Trinklösungen (z. B. Endofalk® Pulver) gelten als gut verträglich. Diese Polyethylenglycol-haltigen Flüssigkeiten werden vom Körper nicht resorbiert und binden Wasser, was zu einer Stuhlzunahme und erhöhter Darmbewegung führt. Zugesetzte Salze verhindern Elektrolytverschiebungen. Ein Nachteil kann die benötigte große Trinkmenge sein. Zur Anwendung wird der Inhalt eines Beutels in 500 ml lauwarmem Wasser aufgelöst. Bis zu acht Beutel können notwendig sein, um die empfohlene Trinkmenge von 3 bis 4 Litern zu erreichen. Die gebrauchsfertige Lösung ist bei Raumtemperatur bis zu drei Stunden, im Kühlschrank abgedeckt bis zu 48 Stunden haltbar.

Macrogol-Präparate mit Ascorbinsäure und Natriumsulfat

Um das Flüssigkeitsvolumen zu reduzieren, können Präparate wie Plenvu® oder Moviprep® eingesetzt werden, die zusätzlich osmotisch wirksame Substanzen wie Ascorbinsäure und Natriumsulfat enthalten. Bei Moviprep® sind die Inhaltsstoffe in zwei Beutel aufgeteilt, die in einem Liter Wasser aufgelöst werden. Die Lösung sollte erst nach vollständiger Auflösung des Pulvers getrunken werden und ist gekühlt bis zu 24 Stunden haltbar. Für die Darmreinigung müssen zwei Liter Moviprep®-Lösung getrunken werden, ergänzt durch einen Liter zusätzliche Flüssigkeit.

Grafik, die den Prozess der Auflösung von Moviprep®-Pulver in Wasser veranschaulicht.

Trinklösungen mit geringerem Volumen

Präparate, die auf Substanzen wie Natrium-, Magnesium- und Kaliumsulfat oder Natriumpicosulfat basieren, verhindern ein Eindicken des Stuhls und halten Wasser zurück. Durch osmotische Effekte wird Wasser in den Darm sekretiert. Die benötigte Trinkmenge ist hier geringer als bei reinen Macrogol-Präparaten. Es ist jedoch essenziell, darauf hinzuweisen, dass diese Trinklösungen die normale Flüssigkeitsaufnahme nicht ersetzen und zusätzliche Flüssigkeit getrunken werden muss, um Flüssigkeitsverluste auszugleichen.

Fertige Salzlösungen zur Darmreinigung

Trinklösungen mit Natrium-, Magnesium- und Kaliumsulfat (z. B. Eziclen®) sind eine weitere Option. Diese Salzlösungen müssen vor der Einnahme mit Wasser verdünnt werden. Aufgrund osmotischer Effekte wird Wasser im Darm zurückgehalten. Für eine effektive Reinigung sind zwei Liter Trinklösung und zusätzlich 1 bis 2 Liter Flüssigkeit erforderlich. Der Inhalt einer Flasche Eziclen® wird mit Wasser bis zu einer Markierungslinie verdünnt und innerhalb einer Stunde getrunken, gefolgt von einem weiteren Liter Flüssigkeit. Dies wird mit einer zweiten Flasche wiederholt.

Trinklösungen mit Natriumpicosulfat und Magnesiumcitrat

Präparate mit Natriumpicosulfat zeichnen sich durch das geringste Volumen an fertiger Trinklösung aus. Lediglich zweimal 150 ml Trinklösung werden in zeitlichen Abständen eingenommen. Natriumpicosulfat wird im Dickdarm aktiviert, fördert die Wasseransammlung und regt die Peristaltik an. Magnesiumcitrat verstärkt die abführende Wirkung. Das Pulver eines Beutels wird in ca. 150 ml kaltem Wasser aufgelöst und sofort getrunken. Zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme ist zum Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten notwendig.

Übersicht der Trinklösungen

Präparat Inhaltsstoffe Dosierung Benötigte Trinkmenge Zeitpunkt der Einnahme
Endofalk® Pulver Macrogol 3350, Kaliumchlorid, Natriumchlorid, Natriumhydrogencarbonat 1 Beutel in 500 ml lauwarmem Wasser auflösen, wiederholen bis benötigte Menge erreicht 3 bis 4 Liter Geteilt: am Vorabend und am Tag der Untersuchung; Einmalgabe: am Vorabend oder am Tag der Untersuchung
Moviprep® Pulver Macrogol 3350, Kaliumchlorid, Natriumchlorid, Natriumsulfat, Ascorbinsäure, Natriumascorbat Beutel A und B in 1 Liter Wasser auflösen und innerhalb von 1-2 Stunden trinken, mit zweiter Dosis wiederholen 2 Liter + 1 Liter Flüssigkeit Geteilt: am Vorabend und am Tag der Untersuchung; Einmalgabe: am Vorabend oder am Tag der Untersuchung
Eziclen® Konzentrat Natriumsulfat, Magnesiumsulfat, Kaliumsulfat 1 Flasche mit Wasser bis zur Markierung verdünnen und innerhalb einer Stunde trinken, mit zweiter Dosis wiederholen 2 Liter + 2 Liter Flüssigkeit Geteilt: am Vorabend und am Tag der Untersuchung; Einmalgabe: am Vorabend oder am Tag der Untersuchung
Picoprep® Pulver Natriumpicosulfat, Magnesiumoxid, Citronensäure 1. Beutel in 150 ml Wasser auflösen und 10-18 Stunden vor Untersuchung trinken, danach verteilt 5 x 250 ml Flüssigkeit trinken. 2. Beutel in 150 ml Wasser auflösen und 4-6 Stunden vor Untersuchung trinken, danach verteilt 3 x 250 ml Flüssigkeit trinken. 300 ml + 2 Liter Flüssigkeit Geteilt: am Vorabend und am Tag der Untersuchung

Soweit vom Arzt nicht anders verordnet, muss die Einnahme der Trinklösungen zwei Stunden vor der Untersuchung abgeschlossen sein. In der letzten Stunde vor der Darmspiegelung darf keine weitere Flüssigkeit mehr getrunken werden.

Medikamenteneinnahme vor der Darmspiegelung

Ob Dauermedikamente vor einer Koloskopie abgesetzt werden müssen, entscheidet der Arzt. Die Darmvorbereitung kann die Resorption von Arzneistoffen verändern. Blutdruckmedikamente werden meist weiter eingenommen, während bei oralen Antidiabetika und Antiepileptika eine individuelle Entscheidung getroffen wird. Blutgerinnungshemmer werden in der Regel einige Tage vor der Untersuchung abgesetzt, um Blutungen während des Eingriffs zu vermeiden. Bei insulinpflichtigen Diabetikern muss die fehlende Nahrungsaufnahme bei der Insulindosierung berücksichtigt werden.

Darmspiegelung während der Stillzeit

Die Frage nach der Sicherheit einer Darmspiegelung während der Stillzeit ist für viele Mütter von großer Bedeutung. Grundsätzlich gilt, dass die meisten Abführmittel, die lokal im Darm wirken und kaum resorbiert werden, stillfreundlich sind. Dazu zählen Präparate mit Macrogol (z. B. Laxofalk®), Lactulose (z. B. Bifiteral®) und bestimmte Salze. Auch Dulcolax® und Laxoberal® gehen in der Regel nicht in die Muttermilch über.

Es ist ratsam, den behandelnden Arzt über die Stillzeit zu informieren, damit geeignete und möglichst sichere Medikamente ausgewählt werden können. Eine sorgfältige Planung und Absprache sind entscheidend, um Risiken für das Baby zu minimieren.

Geeignete Abführmittel in der Stillzeit

  • Volumenbildende Abführmittel wie Ispaghula-Schalen werden während des Stillens als sicher eingestuft, da sie nicht vom Körper aufgenommen werden und somit nicht in die Muttermilch übergehen. Nebenwirkungen bei Säuglingen sind nicht zu erwarten.
  • Osmotische Abführmittel wie Lactulose können ebenfalls in der Stillzeit verwendet werden. Aufgrund ihrer sehr geringen oralen Bioverfügbarkeit ist ein Übergang in die Muttermilch unwahrscheinlich. Vorsichtshalber sollte der Säugling auf Durchfall, Erbrechen oder Reizbarkeit beobachtet werden.
  • Macrogol 3350 ist ein weiteres in der Stillzeit anwendbares osmotisches Abführmittel. Die geringe orale Bioverfügbarkeit und das hohe Molekulargewicht begrenzen den Übergang in die Muttermilch und die Aufnahme durch den Säugling. Eine Überwachung des Säuglings auf mögliche Nebenwirkungen wird empfohlen.
Infografik, die verschiedene Arten von Abführmitteln und ihre Eignung für die Stillzeit vergleicht.

Stimulierende Abführmittel und Stillen

Die Anwendung von Senna (z. B. Senna/Sennakot/Sennoside) ist in der Stillzeit kontraindiziert. Nach Verabreichung von Anthranoiden können aktive Metaboliten in geringen Mengen in die Muttermilch ausgeschieden werden. Glycerin-Zäpfchen hingegen können während der Stillzeit angewendet werden, da die vernachlässigbare rektale Bioverfügbarkeit den Übergang in die Muttermilch begrenzt.

CitraFleet®, ein salinisches Abführmittel, das Magnesiumoxid, wasserfreie Zitronensäure und Natriumpicosulfat enthält, wird zur Darmreinigung vor diagnostischen Untersuchungen eingesetzt. Die Wirkung beruht auf der Bildung von Magnesiumcitrat, das Wasser bindet und die Stuhlgleitfähigkeit erhöht, sowie auf der Anregung der Darmperistaltik durch Natriumpicosulfat. Die Einnahme erfolgt zeitversetzt. Nach der Einnahme muss reichlich klare Flüssigkeit getrunken werden, um Dehydration zu vermeiden. Die Anwendung in der Stillzeit kann nach ärztlicher Absprache in Betracht gezogen werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass einige Ärzte und Fachleute unterschiedliche Empfehlungen geben. Während einige Studien auf die Sicherheit bestimmter Präparate hinweisen, wird bei anderen, wie CitraFleet®, zur Vorsicht oder zur ärztlichen Rücksprache geraten.

Mögliche Sedierungsmittel in der Stillzeit

Für die Sedierung während der Darmspiegelung werden oft Midazolam (z. B. Dormicum®) oder Propofol eingesetzt. Messungen zeigten einen geringen Übergang von Midazolam in die Muttermilch mit kurzen Halbwertszeiten, weshalb die kurzfristige Anwendung als wahrscheinlich sicher gilt. Propofol tritt ebenfalls nur in geringen Mengen in die Muttermilch über, ohne dass Komplikationen für den Säugling zu erwarten sind.

Glaubersalz Anwendung zum Darmreinigen

Ursachen und Hilfen bei Verstopfung in der Stillzeit

Verstopfung in der Stillzeit kann verschiedene Ursachen haben, darunter hormonelle Umstellungen nach der Geburt, geänderte Lebensumstände, Stress, Schlafmangel, geringe Flüssigkeitszufuhr, Schmerzmittel nach der Geburt oder mangelnde Bewegung. Auch Schmerzen nach der Geburt können den Stuhlgang unterdrücken.

Zur Vorbeugung und Linderung von Verstopfung sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (zwei bis drei Liter täglich), angemessene Bewegung und eine ballaststoffreiche Ernährung wichtig. Bei der Einnahme von Eisenpräparaten sollte gegebenenfalls mit dem Arzt über Alternativen gesprochen werden. Natürliche Abführmittel wie Flohsamen, Weizenkleie oder Leinsamen sind in der Stillzeit unbedenklich, wirken jedoch langsamer und erfordern ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Schema, das die verschiedenen Ursachen von Verstopfung in der Stillzeit auflistet.

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