Die Entscheidung für eine künstliche Befruchtung mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) ist für viele Paare ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Wunschkind. Die Behandlungsplanung, insbesondere bei IVF und ICSI, erfordert eine präzise Zeiteinteilung. Die Behandlung selbst gliedert sich in verschiedene Phasen, die individuell auf die Patientin abgestimmt werden.
Die Vorbereitungsphase: Zyklusregulation und Down-Regulation
In den meisten Fällen beginnt die Vorbereitung auf eine IVF/ICSI-Behandlung in der zweiten Zyklushälfte des Zyklus, der der eigentlichen Stimulation vorausgeht. Durch die Gabe von Medikamenten, sogenannten GnRH-Analoga, wird die körpereigene Produktion von Fruchtbarkeitshormonen vorübergehend reduziert. Dieser Prozess wird als Down-Regulation bezeichnet.
Die Down-Regulation dient mehreren Zwecken:
- Sie ermöglicht eine bessere Steuerung des Stimulationszyklus.
- Ein vorzeitiger Eisprung wird verhindert.
- Der optimale Zeitpunkt für die Auslösung des Eisprungs kann besser bestimmt werden.
Diese Methode hat sich weltweit über viele Jahre bewährt und zu einem deutlichen Rückgang der abgebrochenen Behandlungszyklen geführt.
Die Rolle der Pille in der Vorbereitungsphase
Alternativ zur Down-Regulation mit GnRH-Analoga kann eine Pille im Vorzyklus zur Zyklusregulation eingesetzt werden. Die Einnahme der Pille kann den Zyklus synchronisieren und somit die Planung der Behandlung erleichtern. Die Pille enthält sowohl Gestagen als auch Östrogen und unterdrückt die körpereigene Hormonproduktion. Dies kann die Reaktion der Frau auf die nachfolgende Hormontherapie im IVF/ICSI-Zyklus potenziell verbessern.
Die Einnahme der Pille vor einer IVF/ICSI-Behandlung kann verschiedene Gründe haben:
- Planbarkeit: Die Pille ermöglicht eine bessere Planbarkeit des Stimulationsbeginns.
- Unterdrückung des Follikelwachstums: Die Einnahme der Pille führt zu einem Stillstand im Follikelwachstum. Alle Follikel befinden sich auf der gleichen Entwicklungslinie, was eine gleichzeitige Reifung ermöglicht, sobald die Stimulation beginnt.
- Ausschluss einer Schwangerschaft: Zum Zeitpunkt des Beginns der Down-Regulation kann eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.
- Vermeidung von Östrogenentzugserscheinungen: Wenn die Down-Regulation in der zweiten Zyklushälfte beginnt, können Östrogenentzugserscheinungen vermieden werden, solange die Pille eingenommen wird.
Die Dauer der Pilleneinnahme variiert. Manche Frauen nehmen die Pille für 21 Tage, andere für längere Zeiträume, beispielsweise 5 oder 6 Wochen am Stück, um den Behandlungsbeginn flexibler zu gestalten. Die Entscheidung über die Dauer und Notwendigkeit der Pilleneinnahme sollte stets in Absprache mit dem behandelnden Zentrum getroffen werden.

Die Stimulationsphase: Wachstum der Eizellen
Die eigentliche Stimulation der Eierstöcke mit follikelstimulierendem Hormon (FSH) beginnt in der Regel am dritten Tag des Zyklus. Ziel ist es, mehrere Follikel zum Wachstum anzuregen, um möglichst mehrere Eizellen gewinnen zu können, was die Erfolgschancen der Behandlung erhöht. Die Stimulation dauert üblicherweise 11 bis 13 Tage, während derer täglich eine bestimmte Menge Hormon gespritzt wird.
Wichtige Hinweise zur Stimulation:
- Die Medikamente sollten täglich gespritzt werden, idealerweise am Abend vor dem Zubettgehen.
- Sportliche Aktivitäten sind während der Stimulationsphase grundsätzlich möglich. Ab dem 6. Stimulationstag, wenn die Eierstöcke größer werden, sollten jedoch ruckartige Bewegungen vermieden werden.
- Während der Stimulation ist der Verzicht auf rohes Fleisch oder Rohmilchkäse noch nicht notwendig, da noch keine Schwangerschaft besteht.
Auslösen des Eisprungs
Sobald Ultraschalluntersuchungen zeigen, dass die Follikel optimal gereift sind - in der Regel nach 11 bis 13 Stimulationstagen - wird die FSH-Behandlung abgesetzt. Anschließend erfolgt die Auslösespritze, die den Eisprung einleitet. Diese Spritze wird am späten Abend verabreicht.
Eizellentnahme (Follikelpunktion)
Etwa 35-37 Stunden nach der Auslösespritze, also am übernächsten Tag, werden die Follikel durch die Scheide mittels Ultraschalltechnik und einer feinen Nadel punktiert. Dies ist ein operativer Eingriff, der in seltenen Fällen zu Komplikationen wie Verletzungen von Bauchorganen oder Blutgefäßen führen kann, was jedoch bei weniger als 1 von 1000 Punktionen vorkommt.
Vorbereitung auf die Eizellentnahme:
- Die Patientin sollte am Punktionstag nüchtern in die Praxis kommen.
- Beide Partner müssen ihre Personalausweise mitbringen, da die Identität gesetzlich festgestellt werden muss.
- Der Partner gibt eine Samenprobe im Labor ab. Bei Schwierigkeiten sollte dies offen angesprochen werden.
- Nach der Punktion verbleibt die Patientin für etwa 1-2 Stunden in der Praxis.

Embryotransfer
Im IVF-Labor werden die gewonnenen Eizellen mit Spermien befruchtet. Wenn sich mindestens ein Embryo in der speziellen Nährflüssigkeit entwickelt hat, wird dieser mittels eines dünnen Katheters in die Gebärmutterhöhle übertragen. Pro Transfer werden in der Regel zwei, maximal drei befruchtete Eizellen übertragen. Dieser Vorgang ist meist schmerzlos.
Die Übertragung von zwei Embryonen erhöht die Schwangerschaftschance im Vergleich zu einem Embryo, kann aber auch zu Zwillingen und damit häufiger zu Frühgeburten führen. Das Fehlgeburtsrisiko ist unter Berücksichtigung des mütterlichen Alters nicht erhöht. Es besteht ein Eileiterschwangerschaftsrisiko von ca. 2%.
Gelbkörperphase und Schwangerschaftstest
Nach dem Embryotransfer beginnt die oft als schwierig empfundene Wartezeit, die von Anspannung und Unruhe begleitet sein kann. Es wird empfohlen, ruhig zu bleiben und ein möglichst normales Leben zu führen, sich jedoch körperlich zu schonen und starke Temperaturerhöhungen oder Kreislaufbelastungen zu vermeiden (Saunabesuche, heiße Bäder, intensive Sonnenbäder, extreme sportliche Aktivitäten).
Die zweite Zyklushälfte wird medikamentös oft durch hCG-Spritzen oder Progesteron (in Form von Zäpfchen oder Spritzen) unterstützt. Etwa zwei Wochen nach dem Embryotransfer wird ein Schwangerschaftstest durchgeführt.
Bei Frauen, die sich einer ovariellen Stimulation mit Antagonistenprotokollen unterziehen, war die Vorbehandlung mit einer oralen kombinierten Verhütungspille mit einer niedrigeren Rate von Lebendgeburten oder anhaltenden Schwangerschaften verbunden als keine Vorbehandlung. Die Ergebnisse zu unerwünschten Ereignissen waren nicht eindeutig, mit der Ausnahme, dass die Vorbehandlung mit Progesteron das Risiko für Ovarialzysten in Agonisten-Zyklen reduzieren könnte. Die orale kombinierte Verhütungspille in Antagonistenzyklen könnte das Risiko eines Schwangerschaftsverlusts im Vergleich zu keiner Vorbehandlung in Agonisten-Zyklen verringern.
IVF-ICSI-Verfahren – Wichtige Dinge, die Sie wissen müssen
Besonderheiten und mögliche Auswirkungen
Die Dauer eines IVF/ICSI-Behandlungszyklus beträgt in der Regel 2-3 Wochen, zuzüglich einer Vorbehandlungsphase von 2-4 Wochen, je nach angewandtem Protokoll. Während der Vorbereitungsphase ist in der Regel kein Arztbesuch nötig. Während der hormonellen Stimulation sind 2-3 Kontrollen üblich.
Die Behandlung wird von den meisten Frauen besser vertragen als erwartet. Während der Vorbereitungsphase kann es zu Reizbarkeit kommen, aber die meisten Frauen bemerken keine signifikanten Veränderungen. Die Stimulationsphase wird, trotz der Notwendigkeit von Spritzen, von den meisten Frauen gut vertragen.
Wichtige Aspekte und mögliche Fragen:
- Low Responder: Frauen, die auf die Stimulation mit wenigen Eizellen reagieren (z.B. 3-4 Eizellen), können als "Low Responder" gelten, insbesondere wenn sie nur einen Eierstock haben.
- PCO-Syndrom: Bei Frauen mit PCO-Syndrom kann es zu einer Überstimulation kommen, selbst bei niedrigen Clomifen-Dosen. Eine Pilleneinnahme über mehrere Monate kann hier eine Option sein.
- Antibiotika und Ibuprofen: Diese können sich ungünstig auf die Spermienqualität auswirken. Idealerweise sollte eine Kinderwunschbehandlung erst 3 Monate nach Beendigung einer solchen Therapie begonnen werden.
- Reisen und Impfungen: Reisen in Zikagebiete oder Impfungen können zu Verzögerungen bei Kinderwunschbehandlungen führen, da ein zeitlicher Sicherheitsabstand eingehalten werden muss.
- Überstimulationssyndrom (OSS): Dieses tritt vor allem bei Frauen mit sehr vielen Eibläschen auf und kann zu Symptomen wie Schmerzen und einem geschwollenen Bauch führen. Moderne Behandlungsprotokolle reduzieren das Risiko für ein OSS auf nahezu Null.
- Kosten: Die Kosten für eine IVF/ICSI-Behandlung liegen in der Schweiz zwischen CHF 5'000 und 8'000 pro Zyklus, zuzüglich Kosten für das Einfrieren und die Aufbewahrung von Embryonen.
- Gesetzliche Vorgaben: In der Schweiz regelt das Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) die Rahmenbedingungen für Kinderwunschbehandlungen.
- Körpergewicht: Übergewicht kann sowohl die Schwangerschaftschancen reduzieren als auch Schwangerschaftsrisiken erhöhen. Eine Gewichtsreduktion wird empfohlen.
- Alter: Die Behandlung wird in der Regel bis zum 43. Geburtstag der Frau angeboten.
Die individuelle Beratung durch das Kinderwunschzentrum ist entscheidend, um den Behandlungsplan optimal zu gestalten und alle Fragen zu klären.