Johann Sebastian Bach: Ein Leben für die Musik

Johann Sebastian Bach gilt als Urgestein der klassischen Musik, ein Komponist, der unsterbliche, strukturierte, durchdachte und doch emotional tiefgründige Musik geschaffen hat. Sein Leben verlief jedoch nicht immer glatt, sondern war geprägt von frühen Verlusten, beruflichen Herausforderungen und persönlichem Wachstum. Bach wurde am 21. März 1685 in Eisenach geboren. Sein Weg in die Musik schien vorbestimmt, da sein Vater ein angesehener Stadtmusikus war und zahlreiche Vorfahren ebenfalls als Musiker oder Kantoren tätig waren.

Porträt von Johann Sebastian Bach

Frühe Jahre und prägende Einflüsse

Als Bach neun Jahre alt war, verlor er innerhalb weniger Monate beide Elternteile. Er kam daraufhin zu seinem erwachsenen Bruder Johann Christoph Bach, einem Organisten in Ohrdruf, der sich seiner musikalischen Ausbildung annahm. Mit 15 Jahren wechselte Johann Sebastian Bach an das Internat in Lüneburg. Dort konnte er erstmals durch seinen sphärisch schönen Knabensopran als "Mettenschüler" einen Teil seines Lebensunterhalts bestreiten, indem er freie Kost und Logis erhielt. Dieser Status endete jedoch abrupt mit dem Stimmbruch. Dennoch schien zu dieser Zeit bereits seine Entscheidung für eine musikalische Zukunft gefallen zu sein.

In Lüneburg erhielt er Unterricht von Georg Böhm, dem Organisten der Johanniskirche. Erste Karriereschritte unternahm Bach am Hof von Herzog Johann Ernst zu Sachsen-Weimar als Lakai, wo er vermutlich als Hilfsorganist tätig war. Trotz der schwierigen Kindheit und Jugend biss sich der junge Musiker durch.

Erste Anstellungen und charakterliche Züge

Mit 18 Jahren wurde Bach Organist in Arnstadt. Dort fiel er durch ein aufmüpfiges Verhalten auf, als er die musikalischen Fähigkeiten eines Gymnasiasten, Geyersbach, öffentlich kritisierte. Ein darauf folgender Vorfall, bei dem Geyersbach Bach eine Ohrfeige gab, eskalierte beinahe zu einem Duell, das jedoch durch das Eingreifen seiner Cousine verhindert wurde.

Kurz darauf unternahm der 20-jährige Bach eine Reise zu Fuß nach Lübeck, um den berühmten Organisten Dietrich Buxtehude zu hören. Er erhielt vier Wochen Urlaub, blieb jedoch vier Monate. Vermutlich hegte er die Hoffnung, Buxtehudes angesehenen Posten an der Marienkirche zu übernehmen. Diese Hoffnung zerschlug sich jedoch, da Buxtehude nur einen Nachfolger akzeptierte, der bereit war, seine Tochter zu heiraten.

Ehe und weiterer beruflicher Aufstieg

Im Jahr 1707 heiratete Bach seine Cousine zweiten Grades, Maria Barbara Bach. Die beiden hatten 13 glückliche Ehejahre und bekamen sieben Kinder, von denen drei das erste Lebensjahr nicht überlebten. Bachs Karriere nahm nach der Heirat Fahrt auf. Er stieg in Weimar zum Konzertmeister auf, was auf seine Fähigkeiten nicht nur an den Tasteninstrumenten, sondern auch auf der Violine hindeutet. Hier wurden auch seine beiden ältesten Söhne geboren, Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel, die beide ebenfalls erfolgreiche Musiker wurden.

Historische Darstellung einer Barockkapelle

Die Weimarer Zeit, seine bisher längste Karrierestation, endete jedoch wie schon die in Arnstadt mit einem Eklat. Als der Hofkapellmeister Drese starb, erhoffte sich Bach dessen Nachfolge, doch der Herzog ernannte stattdessen den Sohn des Verstorbenen. Verärgert nahm Bach das Angebot von Leopold von Anhalt-Köthen an, der ihm das doppelte Gehalt bot. Er informierte seinen bisherigen Dienstherrn jedoch erst verspätet und ohne die gebotene Ehrerbietung, was zu einem Arrest von vier Wochen führte. In dieser Zeit soll Bach laut Überlieferung aus Langeweile etliche Präludien und Fugen für das "Wohltemperierte Clavier" komponiert haben.

Zweite Ehe und Umzug nach Leipzig

Drei Jahre nach seiner Ankunft in Köthen wurde Bach Witwer. Seine Frau Maria Barbara starb, während er mit seinem Fürsten auf Kur war. Nach über einem Jahr Trauer heiratete Bach Anna Magdalena Wilcke, eine talentierte Sängerin der Köthener Hofkapelle. Anna Magdalena unterstützte ihren Mann maßgeblich, kopierte Noten, organisierte Aufführungen und brachte 13 Kinder zur Welt, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten. Unter ihnen waren die späteren Komponisten Johann Christoph Friedrich und Johann Christian Bach.

Da sich das Fürstentum Anhalt-Köthen finanziell übernommen hatte und die Kultur litt, suchte Bach nach besseren Bedingungen für seine musikalische Entfaltung. Er bewarb sich unter anderem in Hamburg und Leipzig. Nachdem Georg Philipp Telemann und Christoph Graupner abgesagt hatten oder die Freigabe ihres Landesherrn nicht erhielten, wurde Johann Sebastian Bach 1723 zum Thomaskantor in Leipzig ernannt. Dies war sein letzter und wichtigster Karriereschritt, der ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1750 prägen sollte.

Herausforderungen und musikalische Meisterwerke in Leipzig

In Leipzig sah sich Bach mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Der Stadtrat erließ eine neue Schulordnung, die die Aufnahme von Schülern nicht mehr zwingend vom musikalischen Talent abhängig machte. Bach und seine Kollegen protestierten vehement gegen diese Regelung, da sie die Qualität der musikalischen Ausbildung und Aufführungen beeinträchtigte. Dennoch entstanden in Leipzig, trotz der widrigen Umstände, einige der größten kirchenmusikalischen Werke aller Zeiten, darunter die Matthäuspassion, die Johannespassion, das Weihnachtsoratorium und die Messe in h-Moll.

Johann Sebastian Bach, eine deutsche Passion | ARTE - Stadt Land Kunst (12.10.2018)

Bach zeichnete sich durch eine unglaubliche Bandbreite seines Schaffens aus, die sich von virtuosen Orgelwerken wie der Toccata und Fuge d-Moll über die berühmte Air bis hin zu Arien aus seinen Passionen erstreckte. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, bei denen oft ein einzelner Hit herausstach, war Bachs Werk durch eine Fülle und Tiefe gekennzeichnet.

Späte Jahre und bleibendes Erbe

Im Jahr 1747 besuchte Bach seinen Sohn Carl Philipp Emanuel in Potsdam und traf dort auf König Friedrich den Großen. Dieser forderte Bach auf, eine Fuge zu einem vorgegebenen Thema zu improvisieren, was Bach mit bewundernswerter Virtuosität meisterte.

Im Alter von 65 Jahren verschlechterte sich Bachs Sehkraft rapide. Eine Operation durch den englischen Augenarzt John Taylor verlief zunächst erfolgreich, doch eine zweite Operation führte zu Erblindung und gesundheitlichen Problemen. Johann Sebastian Bach starb am 28. Juli 1750 in Leipzig.

Obwohl Bach zu Lebzeiten als virtuoser Musiker und Improvisator hoch geschätzt wurde, rangierte er als Komponist hinter Zeitgenossen wie Händel und Telemann. Nach seinem Tod geriet seine Musik weitgehend in Vergessenheit, bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Bach-Renaissance einsetzte. Die Wiederaufführung der Matthäus-Passion unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 1829 markierte den Beginn der breiten Anerkennung seines musikalischen Genies. Heute gilt Johann Sebastian Bach als einer der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte, dessen Werk Generationen von Musikern und Hörern inspiriert.

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