Im Adlerturm (italienisch Torre Aquila) des Castello del Buonconsiglio in Trient, das bis zum Einzug des napoleonischen Heers im Jahr 1796 die Residenz der Fürstbischöfe von Trient war, befindet sich ein bezaubernder Freskenzyklus: der sogenannte Zyklus der Monate. Dieses Meisterwerk zeigt bunte Fresken der Monatsallegorien und ist ein Zeugnis der damaligen feudalen Welt.

Historischer Kontext und Umgestaltung des Adlerturms
Der Adlerturm war ursprünglich eines der vier Stadttore der im 13. Jahrhundert errichteten Stadtmauer von Trient. Unter Fürstbischof Georg von Liechtenstein (1390-1419) wurde der einfache Wehrturm Ende des 14. Jahrhunderts für private Zwecke umgestaltet. Dieser Umbau umfasste auch einen Teil der Stadtmauer, mit der der Turm verbunden war. Georg von Liechtenstein ließ den Turm restaurieren, erhöhen und mit Malereien ausschmücken, von denen nur die Monatsbilder im Mittelraum des Turms erhalten blieben.
Die Vereinnahmung des Tores und der Stadtmauer durch den Liechtensteiner stieß bei der Bevölkerung der Stadt auf Kritik. Dies führte zu einem Aufstand im Jahr 1407 unter der Führung von Rodolfo Belenzani und der Vertreibung des Bischofs mit Hilfe von Herzog Friedrich IV.
Der Künstler und Stil der Monatsbilder
Ein Künstlername ist mit den Fresken nicht sicher zu verbinden. Es kann lediglich vermutet werden, ob jener Wenzel, der 1397 als Hofmaler des Bischofs genannt wird, hier beteiligt war und ob er aus Böhmen stammte. Heute ist man sich jedoch einig, dass der Künstler der Monatsbilder aus dem Norden kam. Dafür sprechen motivische Eigenheiten wie die Auswahl typischer Pflanzen und Zugtiere sowie gotische Architekturen. Stilistische Indizien, wie eine vertikal addierende statt perspektivisch-tiefenräumliche Komposition, stützen diese Annahme.
Die Darstellungen gehören zu den bedeutendsten und erfindungsreichsten europäischen Beispielen der internationalen Gotik, die um 1400 ein Netz von Kunstbeziehungen zwischen den europäischen Höfen geknüpft hatte. Die Trienter Monatsbilder belegen die Rolle der Alpenregion als kulturelle Schnittstelle zwischen dem Norden (Deutschland, Böhmen) und Süden (Italien).

Inhaltliche Darstellung der Monate und Jahreszeiten
Minuziös und detailliert werden die Arbeit der Bauern und die Vergnügungen des Adels in den verschiedenen Monaten dargestellt. Auch in den Naturdarstellungen sind die Veränderungen der Landschaft im Jahreslauf genau beobachtet:
- Die winterliche Landschaft ist kahl und wird durch den Schnee aufgehellt.
- Üppige Vegetation zeigt sich im Frühling.
- Im Sommer wird die Ernte als Hauptaufgabe der Landwirtschaft dargestellt.
- Der Herbst (November) zeigt das trockene Laub auf dem Boden.
So werden im Januar schlanke und gut gekleidete Adelige bei Schneeballschlachten porträtiert, während die Fresken des Monats September der Falkenjagd gewidmet sind. In den Fresken der Monate November und Dezember ist die Stadt Trient mit dem ältesten Teil des Kastells Buonconsiglio zu erkennen.
Vergleichende Einordnung und verwandte Werke
Die Monatsbilder im Adlerturm stehen in einer langen Tradition der Kalenderdarstellungen, die bis in die Antike zurückreicht. Bereits im Mittelalter waren Monatsbilder und Tierkreiszeichen in Kalendarien von Psaltern und anderen liturgischen Handschriften verbreitet. Sie wurden oft mit astronomischen Angaben kombiniert und deuteten Termine für landwirtschaftliche Tätigkeiten an.
Die Darstellungen gehören zu den bedeutendsten und erfindungsreichsten europäischen Beispielen der internationalen Gotik, die um 1400 ein Netz von Kunstbeziehungen zwischen den europäischen Höfen geknüpft hatte. Ähnliche Darstellungen finden sich beispielsweise in den Fresken der Augsburger Monatsbilder oder in den Miniaturen von Stundenbüchern, die im 14. und 15. Jahrhundert sehr beliebt waren.
Ein Tag in Köln 1629 | Ganze Folge Terra X
Der Zyklus der Monate im Adlerturm von Trient ist ein unschätzbares Dokument, um das Leben im 14. Jahrhundert zu verstehen und zeugt von der Bedeutung der feudalen Welt und der künstlerischen Vielfalt der internationalen Gotik.
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