Muttermund: Beschaffenheit, Veränderungen und Bedeutung im Zyklus und in der Schwangerschaft

Der Muttermund, auch Zervix genannt, ist der untere Teil des Gebärmutterhalses und fungiert als Schnittstelle zwischen der Gebärmutter und der Vagina. Seine Form und Beschaffenheit sind nicht konstant, sondern verändern sich im Laufe des weiblichen Zyklus, während der Schwangerschaft und unter dem Einfluss von Geburtsprozessen. Diese Veränderungen sind entscheidend für Fruchtbarkeit, Schwangerschaftserhalt und die Geburt selbst.

Was ist der Muttermund?

Der Muttermund bezeichnet den Ausgang des Gebärmutterhalses. Man kann ihn sich wie den unteren Teil einer umgedrehten Birne vorstellen, wobei der Gebärmutterhals der Stamm ist. Der Muttermund ist der eigentliche "Mund" oder Eingang zur Gebärmutter. Er besteht aus dem inneren und dem äußeren Muttermund. Der innere Muttermund öffnet sich zur Gebärmutterhöhle hin, während der äußere Muttermund die Öffnung zur Vagina darstellt. Beide sind von Schleimhaut umgeben.

Der Gebärmutterhalskanal, zu dem der Muttermund gehört, produziert Zervixschleim. Dieser Schleim spielt eine wichtige Rolle als natürliche Barriere. An unfruchtbaren Tagen verschließt er den Muttermund und verhindert das Eindringen von Keimen sowie den Aufstieg von Spermien in die Gebärmutter.

Schema des weiblichen Fortpflanzungssystems mit hervorgehobenem Muttermund und Gebärmutterhals.

Veränderungen des Muttermundes im Monatszyklus

Die Festigkeit und Position des Muttermundes unterliegen im Verlauf des Menstruationszyklus deutlichen Veränderungen, die für Frauen mit Kinderwunsch oder zur natürlichen Familienplanung von Interesse sind.

Nach der Periode

Direkt nach der Menstruation ist der Muttermund in der Regel fest, geschlossen und ragt relativ tief in die Vagina hinein. Dies macht ihn gut tastbar und eignet sich gut für Übungszwecke, um seine Beschaffenheit zu erfassen.

Vor und während des Eisprungs

Je näher der Eisprung rückt, desto mehr verändert sich der Muttermund. Er wird weicher und beginnt sich leicht zu öffnen. Gleichzeitig verlagert er sich nach oben, was ihn schwerer erreichbar macht. Diese Veränderungen, zusammen mit einer Veränderung des Zervixschleims (der dünnflüssiger und spinnbarer wird), signalisieren die fruchtbare Phase. Wenn der Muttermund sehr weich und geöffnet ist, steht der Eisprung unmittelbar bevor, was die besten Chancen für eine Empfängnis bietet.

Infografik, die die Veränderungen des Muttermundes (Position, Öffnung, Konsistenz) während des Menstruationszyklus darstellt.

Nach dem Eisprung

Nach dem Eisprung kehrt sich der Prozess um. Der Muttermund wird wieder fester, schließt sich und senkt sich erneut ab, was ihn wieder leichter tastbar macht. Diese Veränderungen sind ein Indikator dafür, dass die fruchtbare Phase vorüber ist.

Muttermund in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft verändert sich die Funktion und Beschaffenheit des Muttermundes erheblich, um das ungeborene Kind zu schützen und auf die Geburt vorzubereiten.

Frühschwangerschaft

Zu Beginn einer Schwangerschaft kann das sogenannte Stock-Tuch-Zeichen beobachtet werden. Hierbei ist der innere Teil des Gebärmutterhalses fest, während der äußere Teil sich wie ein weiches Tuch anfühlt. Dies wird durch die gesteigerte Durchblutung verursacht und gilt als wahrscheinliches, aber nicht eindeutiges Schwangerschaftsanzeichen. Es tritt typischerweise erst im zweiten oder dritten Schwangerschaftsmonat auf.

Während der Schwangerschaft

In der gesamten Schwangerschaft bleibt der Muttermund fest verschlossen und wird zusätzlich durch den Schleimpfropf geschützt. Dieser Schleimpfropf verschließt den Zervixkanal und bildet eine wichtige Barriere gegen Keime, die in die Gebärmutter aufsteigen könnten. Der Gebärmutterhals misst in einer normalen Schwangerschaft zwischen drei und fünf Zentimetern.

Spätschwangerschaft und Geburt

In den letzten Schwangerschaftswochen beginnt der Körper, sich auf die Geburt vorzubereiten. Dieser Prozess wird als Zervixreifung bezeichnet. Das Gewebe rund um den Gebärmutterhals lockert sich, der Muttermund wird weicher und beginnt sich zu öffnen. Dies ermöglicht es dem kindlichen Kopf, tiefer ins Becken zu treten.

Wenn die Wehen einsetzen, verkürzt sich der Gebärmutterhals weiter, und der Muttermund öffnet sich zunehmend. Der Schleimpfropf löst sich ab ("Zeichnen"), was ein Hinweis auf die nahende Geburt sein kann. Die Öffnung des Muttermundes wird von Hebammen und Ärzten zur Beurteilung des Geburtsfortschritts herangezogen. Die maximale Öffnung während der Austreibungsphase beträgt etwa 9 bis 10 Zentimeter.

Illustration, die die Öffnung des Muttermundes während der verschiedenen Geburtsphasen zeigt.

Muttermundschwäche (Zervixinsuffizienz)

Eine Muttermundschwäche oder Zervixinsuffizienz liegt vor, wenn der Gebärmutterhals sich vorzeitig verkürzt und erweicht, was zu einer ungewollten Öffnung des Muttermundes führen kann. Dies erhöht das Risiko einer Frühgeburt.

Symptome und Ursachen

Symptome können ein Ziehen in den Leisten, Rückenschmerzen oder Druck im Unterbauch sein. Eine Verkürzung der Gebärmutterhalslänge unter 25 Millimeter gilt als Indikator. Ursachen können Infektionen, angeborene Bindegewebserkrankungen oder Fehlbildungen sein.

Behandlung und Vorbeugung

Die Behandlung zielt darauf ab, die Schwangerschaft zu sichern. Dazu gehören:

  • Die Gabe von Progesteron zur Aufrechterhaltung der Schwangerschaft.
  • Eine Cerclage: Ein Verschluss des Muttermundes mit einer Fadenschlinge.
  • Ein totaler Muttermundverschluss (TMV): Zunähen des Muttermundes zur Verhinderung von Infektionen und zur Stützung.
  • Ein Zervixpessar: Eine Silikonkappe, die den Gebärmutterhals stützt.

Schwangere mit Muttermundschwäche sollten schwere körperliche Arbeit vermeiden. Bei Auftreten von regelmäßigen vorzeitigen Wehen kann eine Behandlung mit wehenhemmenden Medikamenten (Tokolyse) notwendig sein.

Zur Vorbeugung wird bei Frauen mit Risikofaktoren eine engmaschige Überwachung, die Gabe von Progesteron ab der 16. Schwangerschaftswoche und die konsequente Behandlung von vaginalen Infektionen empfohlen. Der Verzicht auf Nikotin ist ebenfalls ein wichtiger Faktor zur Senkung des Frühgeburtsrisikos.

Muttermund ertasten: Sinn und Grenzen

Das Ertasten des Muttermundes kann Frauen helfen, ihren Körper und Zyklus besser zu verstehen, insbesondere im Hinblick auf den Kinderwunsch oder zur natürlichen Familienplanung. Es erfordert jedoch Übung und Sorgfalt.

Vorgehensweise und Tipps

  • Hygiene: Hände gründlich waschen, Fingernägel kurz halten.
  • Position: Hockstellung mit gespreizten Beinen oder ein Bein auf einer Erhöhung.
  • Einführung: Ein oder zwei saubere Finger vorsichtig in die Vagina einführen, bis der Muttermund ertastet wird.
  • Vergleich: Die Festigkeit kann mit der Nasenspitze (fest) oder dem Ohrläppchen/entspannter Unterlippe (weich) verglichen werden.
  • Regelmäßigkeit: Täglich zur gleichen Zeit und mit den gleichen Fingern tasten, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten.

Wann ist das Ertasten sinnvoll?

Außerhalb der Schwangerschaft ist das Ertasten besonders nützlich, um die fruchtbaren Tage zu bestimmen und den Zyklus zu verstehen. Dies kann bei der Familienplanung helfen oder zur Verhütung dienen.

Grenzen und Vorsichtsmaßnahmen in der Schwangerschaft

Das Selbsttasten des Muttermundes in der Schwangerschaft wird von Fachleuten oft nicht empfohlen. Es erfordert viel Erfahrung, um verlässliche Befunde zu erheben. Manipulationen können Wehen auslösen oder Infektionen begünstigen. Bei Unsicherheiten oder Symptomen wie Blutungen, starkem Ausfluss oder wehenähnlichen Schmerzen sollte immer ein Arzt oder eine Hebamme konsultiert werden.

Beim Ertasten kurz vor der Geburt kann es theoretisch zu einer Verstärkung der Wehen kommen. Dennoch sollte bei beginnenden Wehen nicht auf ärztliche Hilfe verzichtet werden, auch wenn der Muttermund noch verschlossen erscheint.

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Muttermund nach der Geburt

Nach der Entbindung beginnt die Rückbildungsphase, in der sich die Gebärmutter und der Muttermund wieder zusammenziehen. Das Aussehen des Muttermundes verändert sich: War er vor der ersten Schwangerschaft rund und grübchenförmig, ähnelt er nach der Geburt eher einem Mund mit einem Querspalt. Er ist jedoch wieder verschlossen und erfüllt weiterhin seine Funktionen.

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