Zieräpfel: Vielfalt, Nutzen und Bedeutung für Gärten und Obstanbau

Der Zierapfel gehört wie sein grosser Bruder, der Kulturapfel, zur Gattung Malus in der Familie der Rosengewächse. Nach einer üppigen Blüte bildet ein Zierapfelbaum seine kleinen, ausserordentlich hübschen Früchte aus. Oft werden Zieräpfel nur als reine Zierpflanzen wahrgenommen oder von Gartenbau-Profis als robuste Unterlage für Kultur-Apfelbäume genutzt. Doch das wird ihnen nicht gerecht. Ihre Blütezeit im zeitigen Frühjahr macht sie wertvoll für früh fliegende Insekten, und ihr Pollen bestäubt die Kulturäpfel der Umgebung. Die niedlichen Früchte sind nicht nur essbar, sondern dienen auch als Grundstoff für viele Cider-Spezialitäten. Erfahre hier, was tatsächlich in einem Zierapfel steckt und warum diese Bäume häufiger in Gärten gepflanzt werden sollten.

Größenvergleich von verschiedenen Zierapfelsorten

Herkunft und botanische Einordnung

Alle Äpfel (Malus) gehören zur Gattung Malus in der Familie der Rosengewächse. Wildäpfel finden sich in mindestens 30 Arten auf der Nordhalbkugel im gemässigten Klima. Viele moderne Zierapfelsorten stammen von asiatischen Wildäpfeln ab, die im 19. Jahrhundert eingeführt wurden. Der Ursprung des modernen Apfels liegt hauptsächlich in einem Hotspot für Wildäpfel im Tian-Shan-Gebirge in Kasachstan. Über Jahrtausende hinweg haben Menschen mit diesen fernöstlichen Obstbäumen Züchtung betrieben.

Wuchs und Erscheinungsbild

Zierapfel-Bäume haben einen aufrechten, buschigen Wuchs. Ihre Triebe sind teilweise stacheliger als der gewöhnliche Speise-Apfel, und erinnern daran, dass sie ihren wilden Vorfahren nahe stehen. Oft zeigen die Zierapfel-Sorten ein attraktives, feuriges Herbstlaub. Die duftenden weissen, rosa, karminroten oder violetten Blüten erscheinen früh im Jahr, und in auffälligen Massen. Einige Sorten haben, typisch für Rosengewächse, fünfblättrige Blüten. Inzwischen gibt es aber auch viele halbgefüllt blühende Sorten mit 6-10 Blütenblättern, oder gefüllte mit mehr als 10 Blütenblättern. Die auffälligsten Zierapfelblüten blühen an Sorten der Japanischen Zieräpfel. Sie gehören daher, nicht nur in Asien, zu den beliebtesten winterharten Zierbäumen.

Blüte und Bestäubung

Die duftenden weissen, rosa, karminroten oder violetten Blüten erscheinen früh im Jahr, und in auffälligen Massen. Für gewöhnlich sind Zieräpfel selbstfruchtbar, und benötigen keine Befruchtersorte. Die Bäume werden häufig in kommerziellen Obstplantagen angepflanzt, da sie aufgrund ihrer langen Blütezeit ein hervorragender Bestäubungspartner für Kulturäpfel sind. Zur Blütezeit findet man unzählige Bienen und Hummeln in ihren blühenden Kronen. Seitdem dienen die auffälligen, duftenden Blüten in Obstgärten der Vereinigten Staaten der Bestäubung der Kultur-Äpfel.

Früchte und ihre Verwendung

Nach einer üppigen Blüte bildet ein Zierapfelbaum seine kleinen, ausserordentlich hübschen Früchte aus. Ab Spätsommer tragen die Bäume kleine, leuchtend-bunten Früchte, die sich bis in den Winter hinein in der Krone halten. Die moderne Wissenschaft definiert einen Zierapfel anhand seiner geringen Fruchtgrösse. Die Definitionen sind nicht immer einheitlich. Die Gehölze zählen nicht zu den Speise-Äpfeln, obwohl die Früchte im Prinzip essbar sind. Ein wenig Säure, Bitterkeit und Adstringenz von den Früchten der wilden Verwandtschaft ist bei manchen Zieräpfeln erhalten geblieben. Die Früchte können gebraten und mit Fleisch serviert oder zu Cider verarbeitet. Beliebte Zubereitungsarten sind Gelees, Soßen, eingelegte Äpfel und Marmeladen. Keltereien, die Apfelwein (Cider) herstellen, nutzen die Crabapple-Früchte, um ihren Wein mit mehr Säure oder Tannin zu versehen. Manchmal werden sie auch pur vergoren.

Nahaufnahme von kleinen, bunten Zieräpfeln an einem Ast

Ausgewählte Zierapfelsorten

  • 'Brandy Magic': Eine wüchsige Sorte, die durch ihre üppige rosa Frühjahrsblüte, ihre dekorativen Früchte und bronzefarbenes Herbstlaub überzeugt. Die rosa Blüten sind groß und halbgefüllt. Die kleinen, leuchtend bunten Äpfel verströmen einen intensiven Apfelduft.
  • ‘Tina’: Ein dicht verzweigter, ausladender Zwergstrauch. Die rosafarbenen Knospen öffnen sich im Frühjahr zu einer üppigen Blüte aus duftenden, weißen Blüten. Die erbsengroßen Früchte sind lange haltbar und attraktiv für Vögel.
  • ‘Red Sentinel’: Ein ausgezeichneter, bis 7 m hoher Hausbaum mit weissen Blüten und grossen Büscheln tiefroter Früchte ab August.
  • 'Gorgeous': Blüht weiss und ist eine gute Wahl für alle, die sich besonders viele Äpfelchen am Baum wünschen, denn diese Züchtung ist bekannt für ihren reichen Ertrag.
  • 'Coccinella': Zur Blüte ein wahres Blütenmeer aus kräftig violetten Blüten, die mit dem dunklen Laub eine perfekte Harmonie bilden.
  • 'Golden Hornet': Ein Zierapfel, der aus dem England des 19. Jahrhunderts stammt.
  • 'Hillieri': Wurde in der Baumschule Hillier & Sons in Winchester, England, selektiert und 1928 eingeführt. Ein spät blühender Baum mit breiter, ovaler Krone und etwas hängenden Ästen.
  • 'Eleyi’: Wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts gezüchtet. Benannt zu Ehren von Charles Eley in Suffolk, England. Eine attraktive Sorte mit tiefroten Knospen, gefolgt von duftenden, violett-rosa Blüten und violettem Laub.
  • ‘Columbia’: Eine Kreuzung zwischen der sibirischen Wildart Malus baccata und dem Hausapfel Broad Green.
  • ‘Adirondack’: Ein kleiner, krankheitsresistenter Baum mit aufrechten Ästen. Im Frühjahr öffnen sich die roten Knospen zu weißen, rosa gefärbten Blüten, gefolgt von kleinen, beständigen roten Früchten. Er ist einer der am üppigsten blühenden Crabapple-Sorten überhaupt. Die Früchte sind rot bis orangerot und halten sich bis weit in den Dezember hinein.
  • 'Rudolph': Wurde 1954 von F.L. Skinner in Kanada gezüchtet und ist überaus frosthart. Der Baum kann eine Höhe von 7 m erreichen.

Der heimische Holzapfel (Malus sylvestris)

Der in Europa heimische Holzapfel (Malus sylvestris) ist ein Wildapfel-Baum, der im Frühjahr massenhaft Blüten trägt. Auch wenn die kleinen Holzäpfel uns Menschen nicht gut schmecken, sind die Bäume doch von grossem Wert. Die zierlichen Holzapfelbäume eignen sich für kleine Gärten. Sie werden traditionell als Bestäubungspartner für Kultur-Apfelbäume gepflanzt. Unter Wildobst versteht man Obst, das gar nicht oder wenig züchterisch bearbeitet worden ist. Der heimische Holzapfel (Malus sylvestris) ist demnach zum Wildobst zu zählen. Leider schmecken seine Früchte hart, sauer, adstringierend, und für Menschen wirklich unangenehm. Sie schmecken vor allem den Vögeln, die sich im Winter davon ernähren. In Grossbritannien gilt der heimische Holzapfel, auch als Crabapple bezeichnet, als Symbol für Fruchtbarkeit in der Ehe. Er gilt als Zeugnis der Vergangenheit und des einfachen Landlebens. Das rosafarbene Holz hat eine gleichmäßige Textur und ist ein gutes Schnitz- und Drechselholz. Es eignet sich auch als süsslich duftendes Brennholz. Inzwischen zählt er wegen seiner kleinen Apfelfrüchte zu den Zieräpfeln. Er wird wegen seines hohen ökologischen Werts jetzt auch häufiger in die Gärten gepflanzt.

Zieräpfel im Vergleich zu Kulturäpfeln

Der Grund, warum die Früchte von Wildäpfeln aus Asien uns meist deutlich besser schmecken als die heimischen: Die grossen Wildtiere Asiens, wie Bären und Pferde, haben über Jahrtausende den Geschmack der Früchte beeinflusst. Anders als die Vögel, legen diese Grosssäuger wert auf saftig-süsse und grosse Früchte - genau wie wir Menschen. Bevor sich die Wissenschaft in die Apfel-Züchtung einzumischen begann, wurde jeder Apfel, der aus Samen gepflanzt wurde, als Wildapfel angesehen. Diese aus Samen vermehrten Äpfel hiessen in englischer Sprache Crabapple. Wer einen Apfelbaum aussäen wollte, musste auf Überraschungen gefasst sein, auch wenn der Samen von einem Kulturapfel stammte. Man erhielt mit einiger Sicherheit einen Apfelbaum, der wegen seiner schönen Blüte durchaus als Zierapfel anerkannt werden konnte. Genetische Studien belegen: Der moderne Kulturapfel stammt von mindestens vier wilden Apfelarten ab, die entlang der Seidenstraße wuchsen. Archäologische Funde von Äpfeln entlang dieser Handelsroute deuten darauf hin, dass Obstbäume zu den transportierten Waren gehörten. Im Gegensatz dazu ist ein Zierapfel züchterisch wenig bearbeitet. Einige Zierapfelsorten gehen auf asiatische Wildäpfel zurück, die im 19. Jahrhundert aus Kasachstans Wildnis eingeführt wurden. Der Wildapfel-Wurzelstock Malus baccata ist winterhart bis USDA-Zone 2, und wird in kalten Regionen als Unterlage für die Kulturäpfel genutzt. Manche der kältetoleranten Crabapple-Sorten sind robust genug, um in Alaska angebaut zu werden, und dort guten Apfelwein ergeben. Da sich die asiatischen Wildäpfel gerne mit anderen Apfelarten und -sorten kreuzen, dienten sie auch zur Züchtung neuer Sorten. Die Wildapfelfrüchte sind im Vergleich zu Kultur-Äpfeln winzig, was die Ernte zu einer Herausforderung macht.

Anbau und Pflege

Zieräpfel gedeihen am besten in voller Sonne und sind sehr krankheitsresistent. Sie passen sich an unterschiedliche Böden an, auch an sandige und lehmige, solange der Standort im Winter nicht unter Staunässe leidet. Zieräpfel sind selbstfruchtbar, das heisst, sie benötigen keinen anderen Baum zur Bestäubung. Erhalte die natürliche Wuchsform deines Zierapfelbaums. Wir raten zu einem minimalen Rückschnitt im Spätwinter oder Frühjahr. Dabei werden beschädigte, kranke oder störende Triebe entfernt. Pflanze die Gehölze sonnig und nicht zu dicht neben andere Bäume und Büsche, so dass ihr Laub nach Regen schnell abtrocknet.

Ökologischer Wert und Gartengestaltung

Durch das Naturgarten-Interesse geraten auch neuere Zierapfelzüchtungen in den Fokus. Sie werden wegen ihres hohen ökologischen Werts jetzt auch häufiger in die Gärten gepflanzt. Ihre Blütezeit im zeitigen Frühjahr macht sie wertvoll für früh fliegende Insekten, und ihr Pollen bestäubt die Kulturäpfel der Umgebung. Der Japanische Zierapfel wurde schon im 19. Jahrhundert aus Japan eingeführt. Es handelt sich um eine beinahe wilde Apfel-Art mit unglaublich schöner Blüte. Der Japanische Zierapfel bildet einen prächtigen, zierlichen Baum von 5 m Höhe. Die Krone ist breitausladend, dicht verzweigt und besitzt überhängende Triebe.

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