Warum Geschlechtsverkehr bei tief liegender Plazenta vermieden werden sollte

Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, ist ein lebenswichtiges Organ, das sich während der Schwangerschaft in der Gebärmutter entwickelt. Sie ist über die Gebärmutterwand mit dem mütterlichen Blutkreislauf verbunden und versorgt das Kind über die Nabelschnur mit Sauerstoff, Nährstoffen und Hormonen. Während der Schwangerschaft wächst die Gebärmutter, und die Plazenta wird mit ihr nach oben gezogen. Idealerweise befindet sie sich im oberen Bereich der Gebärmutterwand, weit entfernt vom Muttermund, der den Geburtskanal für das Baby darstellt.

Eine Plazenta praevia liegt vor, wenn die Plazenta so tief in der Gebärmutter sitzt, dass sie den Muttermund teilweise oder vollständig bedeckt. Diese Lage wird üblicherweise zwischen der 18. und 21. Schwangerschaftswoche mittels Ultraschall diagnostiziert. In vielen Fällen, insbesondere bei einer tief liegenden Plazenta, besteht die Hoffnung, dass sie im Laufe der Schwangerschaft noch nach oben wandert. Dies geschieht bei etwa 90% der Schwangeren. Sollte die Plazenta den Muttermund jedoch weiterhin bedecken, ist in der Regel ein geplanter Kaiserschnitt notwendig. Selbst bei einer nur tief liegenden Plazenta, bei der eine vaginale Geburt prinzipiell möglich ist, kann es bei plötzlichen Blutungen zu einem Notkaiserschnitt kommen.

Ultraschallbild einer tief liegenden Plazenta im Vergleich zu einer normal sitzenden Plazenta.

Risiken einer tief liegenden Plazenta

Eine tief liegende Plazenta oder Plazenta praevia birgt verschiedene Risiken für Mutter und Kind. Das Hauptrisiko sind Blutungen, die ab der 20. Schwangerschaftswoche auftreten können. Diese Blutungen sind in der Regel schmerzlos und hellrot. Sie entstehen durch kleine Verletzungen der Plazenta, die durch das Wachstum der Gebärmutter oder die Bewegungen des Kindes verursacht werden. Starke Blutungen können sowohl für die Mutter als auch für das Kind gefährlich werden und im schlimmsten Fall eine Frühgeburt erzwingen.

Weitere potenzielle Risiken einer Plazenta praevia umfassen:

  • Eine unvollständige oder fehlende Plazentalösung nach der Geburt.
  • Die Verwachsung der Plazenta mit der Gebärmuttermuskulatur.
  • Eine verminderte Durchblutung der Plazenta (Plazentainsuffizienz).
  • Eine vorzeitige Plazentaablösung.
  • Die seltene, aber gefährliche Komplikation einer Vasa praevia (Gefäße der Nabelschnur liegen vor dem Muttermund).

Warum Geschlechtsverkehr vermieden werden sollte

Bei einer tief liegenden Plazenta oder Plazenta praevia wird häufig ein Sexverbot ausgesprochen. Die Gründe dafür sind vielfältig und zielen darauf ab, das Risiko von Blutungen und vorzeitigen Wehen zu minimieren.

Mechanische Reizung und Blutungen

Während des Geschlechtsverkehrs kann es zu mechanischen Reizungen im Bereich des Muttermundes und der Plazenta kommen. Dies kann, insbesondere wenn die Plazenta sehr nah am Muttermund liegt, zu kleinen Rissen und damit zu vaginalen Blutungen führen. Einige Frauen berichten, dass selbst Orgasmen, die zu Kontraktionen der Gebärmutter führen, Blutungen ausgelöst haben. In Fällen, in denen es bereits zu Blutungen gekommen ist, wird oft ein vollständiger Verzicht auf Geschlechtsverkehr und sogar auf das Einführen von Gegenständen in die Scheide empfohlen, um jegliche Reizung zu vermeiden.

Grafik, die den Geburtskanal und die Position einer Plazenta praevia zeigt.

Einfluss von Spermien

Ein weiterer Aspekt, der Bedenken aufwirft, sind die Spermien. Spermien enthalten Prostaglandine, natürliche Hormone, die dazu beitragen können, den Muttermund zu erweichen und Wehen auszulösen. Bei einer Schwangerschaft mit einer tief liegenden Plazenta, bei der das Risiko für vorzeitige Wehen oder Frühgeburten erhöht ist, kann dies problematisch sein. Daher wird in einigen Fällen geraten, Kondome zu verwenden, um den direkten Kontakt von Spermien mit dem Muttermund zu vermeiden, oder ganz auf Geschlechtsverkehr zu verzichten.

Orgasmus und Gebärmutterkontraktionen

Ein Orgasmus führt zu einer Kontraktion der Gebärmutter. Bei einer tief liegenden Plazenta können diese Kontraktionen potenziell dazu beitragen, dass sich die Plazenta weiter löst oder Blutungen ausgelöst werden. Daher wird auch hier zur Vorsicht geraten. Die Meinungen darüber, ob nur das Eindringen oder auch der Orgasmus selbst problematisch ist, variieren. Einige Frauen berichten von Blutungen nach einem Orgasmus ohne Penetration, während andere nur bei Penetration Blutungen hatten. Im Zweifel ist es ratsam, diesbezüglich ärztlichen Rat einzuholen.

Individuelle Unterschiede und ärztliche Beratung

Es ist wichtig zu betonen, dass jede Schwangerschaft individuell verläuft. Während bei manchen Frauen mit tief liegender Plazenta ein striktes Sexverbot besteht, erlauben andere Ärzte unter bestimmten Bedingungen wie beispielsweise der Verwendung von Kondomen oder bei einer Plazenta praevia marginalis (die den Muttermund nur leicht berührt) sexuelle Aktivität. Dies hängt stark von der genauen Lage der Plazenta, dem Vorhandensein von Blutungen und der allgemeinen Risikobewertung durch den behandelnden Arzt ab.

Offene Kommunikation mit dem Frauenarzt ist entscheidend. Frauen, die unsicher sind, ob und in welchem Umfang sexuelle Aktivität möglich ist, sollten dies unbedingt mit ihrem Arzt besprechen. Der Arzt kann basierend auf der individuellen Situation, dem Ultraschallbefund und der Krankengeschichte die sichersten Empfehlungen geben.

Webinar Plazenta Praevia - Frau Prof. Irene Hösli

Einige Erfahrungsberichte von Frauen zeigen, dass sich eine tief liegende Plazenta im Laufe der Schwangerschaft noch nach oben verschieben kann. Dies gibt Anlass zur Hoffnung, dass ein Verzicht auf Geschlechtsverkehr nur vorübergehend notwendig ist. Dennoch ist bei jeglichen Blutungen oder Schmerzen während der Schwangerschaft immer ärztlicher Rat einzuholen.

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