Die Auszeichnung als "Babyfreundliche Klinik" ist ein bedeutendes Gütesiegel, das Einrichtungen für Geburtshilfe und Kinderheilkunde für ihre herausragende Betreuungsqualität nach internationalen Standards von WHO und UNICEF verleiht. Ziel dieser Initiative ist es, die Eltern-Kind-Bindung, die Entwicklung der Kinder und das Stillen zu fördern.

Die "Babyfreundlich"-Initiative: Ein internationaler Standard
Die WHO/UNICEF-Initiative "Babyfreundlich" ist ein weltweites Programm zur Zertifizierung von Kliniken. Sie basiert auf den "Zehn Schritten zur babyfreundlichen Einrichtung", die sich auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie internationalen Vorgaben von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) stützen. Diese Schritte bilden die Grundlage für die Zertifizierung und werden kontinuierlich weiterentwickelt.
In Deutschland wird die Initiative von der Initiative Babyfreundlich in Zusammenarbeit mit der akkreditierten Zertifizierungsstelle ClarCert verantwortet. Diese Stelle prüft die Einhaltung der Inhalte und erteilt die Zertifikate für Geburts-, Perinatal- und Kinderkliniken.
Der Weg zur Zertifizierung
Der Prozess zur Erlangung des "Babyfreundlich"-Zertifikats ist umfassend und erfordert das Engagement des gesamten Klinikpersonals. Zunächst wird die interessierte Klinik Mitglied im Verein und kann fortan die Angebote der Initiative und der BFHI-Akademie (Fortbildungen und Webinare) nutzen.
Viele Kliniken wünschen sich zudem eine erfahrene Patin oder einen Paten an ihrer Seite oder buchen entsprechende Beratungsleistungen. Sind die Abläufe etabliert, alle Teams geschult und die Datenerfassungen erfolgreich geführt, meldet sich die Klinik mit den erforderlichen Unterlagen zum Erstzertifizierungsaudit an. Dieses Audit wird von der unabhängigen medizinischen Zertifizierungsstelle CLARCERT durchgeführt.
Die Zertifizierungsanforderungen, die im sogenannten Anforderungskatalog festgelegt sind, basieren auf den "Zehn Schritten für eine Babyfreundliche Geburtsklinik". Von einer zu zertifizierenden Klinik wird im Vorfeld des Zertifizierungsaudits detailliert dargelegt, wie und in welchem Umfang die gestellten Anforderungen erfüllt werden.

Kernprinzipien einer babyfreundlichen Klinik
Eine babyfreundliche Klinik legt besonderen Wert auf die Förderung der Eltern-Kind-Bindung, die gesunde Entwicklung des Kindes und das erfolgreiche Stillen.
Förderung der Eltern-Kind-Bindung
Ein zentrales Element ist die Stärkung der Bindung zwischen Eltern und Kind, bereits unmittelbar nach der Geburt. Dies beinhaltet insbesondere:
- Hautkontakt nach der Geburt: Ununterbrochener Hautkontakt zwischen Mutter und Neugeborenem direkt nach der Entbindung, um eine gegenseitige Kennenlernen und Verliebtheit zu ermöglichen. Dieser Hautkontakt stabilisiert den Zustand des Neugeborenen und unterstützt seine physiologische Anpassung.
- Rooming-in: Mütter und ihre gesunden Neugeborenen bleiben Tag und Nacht zusammen auf den Wochenstationen. Eltern werden ermutigt, Hautkontakt zu halten und über die ersten Tage hinaus zu pflegen. Bei Maßnahmen wie Wiegen oder Blutabnahme sind die Eltern stets dabei.
- Bonding-Angebote: Spezielle Programme, die die Bindung fördern, auch nach Kaiserschnitten (Sectio-Bonding) oder bei Frühgeborenen auf der Kinderintensivstation.
Hautkontakt nach der Geburt
Stillförderung und Stillberatung
Das Stillen wird als essenziell für die Gesundheit von Mutter und Kind betrachtet. Babyfreundliche Kliniken unterstützen dies durch:
- Stillfördermaßnahmen: Umfassende Unterstützung und Anleitung für stillende Mütter.
- Stillambulanz und Wochenbett-Sprechstunde: Nachsorgeangebote, die auch nach der Entlassung zur Verfügung stehen.
- Fachkompetenz: Eine hohe Dichte an qualifizierten Stillberaterinnen (IBCLC), die eine beispiellose Muttermilch-Fachkompetenz in der Region bieten.
- Aufklärung über Vorteile: Information über die zahlreichen gesundheitlichen Vorteile des Stillens für Mutter und Kind, wie z.B. geringeres Risiko für verschiedene Krankheiten und eine verbesserte Immunabwehr.
- Beratung zu künstlichen Saugern: Aufklärung über mögliche Nachteile von Flaschensaugern, Schnullern und Brusthütchen, die den Stillprozess stören können. In babyfreundlichen Kliniken werden keine Beruhigungssauger ausgegeben.
- Kolostrum-Nutzung: Förderung der Nutzung des Kolostrums als erste Nahrung, entweder durch Stillen oder durch Gewinnung und Fütterung von Hand.
- Stillfreundliche Fütterungsmethoden: Bei notwendiger Zufütterung werden Methoden wie Zufüttern an der Brust, mit Spritze, Löffel oder Becher angewendet.
- Einhaltung des WHO-Kodex: Keine Werbung für Muttermilchersatzprodukte, um Eltern vor Einflussnahme zu schützen.

Maximale Sicherheit und umfassende Versorgung
Das Konzept der babyfreundlichen Klinik verbindet die Förderung der Bindung und des Stillens mit maximaler Sicherheit für Mutter und Kind. Dies wird durch die Wand-an-Wand-Versorgung ermöglicht, bei der Kreißsaal, Mutter-Kind-Station, Kinderintensivstation und die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin eng zusammenarbeiten.
Diese enge Kooperation gewährleistet eine breite Palette an Versorgungsmöglichkeiten: von der natürlichen Geburt nach individuellen Vorstellungen bis hin zu einer bestmöglichen medizinischen und pflegerischen Kompetenz, falls die Situation es erfordert - auch für die kleinsten und kränksten Kinder.
Das "Babyfreundliche" Konzept in der Praxis: Ein Beispiel
Das Klinikum Saarbrücken, insbesondere der Winterberg, wurde als erste und einzige Geburts- und Kinderklinik im Saarland mit der hochrangigen Auszeichnung "Babyfreundliche Perinatalklinik" geehrt. Dies unterstreicht das herausragende Engagement des Teams für die Umsetzung der babyfreundlichen Leitgedanken.
Elternstimmen zur babyfreundlichen Betreuung
Die positiven Erfahrungen von Eltern spiegeln die Wirksamkeit des Konzepts wider:
- "Das Team gibt uns Sicherheit."
- "Einfühlsame und kompetente Beratung während des Pränatalgesprächs."
- "Väter stehen hier nicht im Abseits."
- "Rooming-in wird umgesetzt, als Begleitperson ist man hier sehr gut aufgehoben."
- "Wir waren lange in der Klinik, bei Entlassung reißt der persönliche Kontakt nicht ab."
- "Dem Personal ist es genauso wichtig wie mir, wie mein Kind geboren wird."
- "Die Eltern stehen im Fokus und Väter/Partner nicht im Abseits."
Die Gutachterinnen hoben bei der Zertifizierung des Klinikums Saarbrücken hervor, dass das Team einen geschlossenen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen habe und die Begleitung auf dem babyfreundlichen Weg für beide Seiten sehr bereichernd gewesen sei. Sie lobten insbesondere das Bonding-Konzept, die Stillfördermaßnahmen, die Stillambulanz, die Angebote der Elternschule sowie die hervorragende Fortbildungsquote der Mitarbeitenden als ein überzeugendes "Familien- und Gesamtpaket".
Besondere Merkmale der Zertifizierung
Das Klinikum Saarbrücken zeichnet sich durch folgende Aspekte aus:
- Erste und einzige babyfreundliche Perinatal- und Kinderklinik im Saarland.
- Zweites Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe Level 1 deutschlandweit mit dieser Auszeichnung.
- Umfassendes "Bonding"-Konzept, einschließlich Sectio-Bonding und Bonding von Frühgeborenen.
- Frauenmilchbank zur Unterstützung der Stillförderung.
- Hohe Fachkompetenz mit 13 Stillberaterinnen (IBCLC).
- Enger interdisziplinärer Austausch ("Wand an Wand und Hand in Hand") für maximale Sicherheit.
- Authentische Rückmeldungen von Eltern, die das Gefühl von Sicherheit und Ernstgenommenwerden betonen.
- Vorbildliche Umsetzung der "10 Schritte" der WHO/UNICEF-Initiative.
Die Auszeichnung "babyfreundlich" ist somit weit mehr als nur ein Zertifikat; sie repräsentiert ein ganzheitliches Konzept, das das Wohl von Mutter, Kind und der gesamten Familie in den Mittelpunkt stellt.
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