Wenn der Geburtstermin verstrichen ist und das Baby keine Anstalten macht, auf die Welt zu kommen, wünschen sich manche werdende Mütter, die Wehen liessen sich beschleunigen. Methoden gibt es viele, wirksam sind sie aber erst, wenn das Kind reif ist und der Körper der Mutter optimal auf die Geburt vorbereitet ist.

Was ist Wehentee?
Wehentees sind Kräutertees, die traditionell zur Unterstützung des Geburtsprozesses verwendet werden. Sie werden oft in den letzten Wochen der Schwangerschaft getrunken, um den Körper auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten.
Zusammensetzung und typische Inhaltsstoffe
Normalerweise setzt sich ein Wehentee aus verschiedenen Kräutern zusammen, denen eine wehenfördernde Wirkung nachgesagt wird. Zu den häufigsten Zutaten gehören:
- Himbeerblätter: Sie gelten als effektive Unterstützung zur Auslösung der Geburt und zur Vorbereitung des Gebärmuttergewebes.
- Eisenkraut (Verveine, Eisenwurz): Dieses Kraut wird ebenfalls häufig zur Geburtsvorbereitung eingesetzt.
- Zimtstangen: Sie werden für ihre wärmende und potenziell wehenfördernde Wirkung geschätzt.
- Gewürznelken: Ähnlich wie Zimt werden Nelken traditionell verwendet.
- Ingwer: Bekannt für seine wärmenden Eigenschaften und kann ebenfalls die Geburt unterstützen.
- Brombeerblätter
- Schafgarbe
- Frauenmantel
- Wermutkraut
- Salbei
- Kräuterkümmel
- Thymian
- Anis
- Fenchel
- Liebstöckel
Ein Beispiel für eine mögliche Zusammenstellung für einen Wehentee ist:
- 1 Zimtstange
- 10 Gewürznelken
- 1 Stück Ingwer
- 1 EL Eisenkraut

Anwendung und Dosierung
Die richtige Anwendung und Dosierung von Wehentee ist entscheidend, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden. Es gibt hierzu verschiedene Empfehlungen:
- Zeitpunkt des Beginns: Wehentees sollten in der Regel erst ab der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) oder näher am errechneten Geburtstermin (ET) getrunken werden. Manche Empfehlungen raten sogar erst ab ET. Eine Rücksprache mit der Hebamme ist hier ratsam.
- Tägliche Menge: Die empfohlene Menge variiert, liegt aber oft bei 2-3 Tassen pro Tag. Einige Quellen nennen bis zu vier Tassen täglich oder sogar bis zu einem Liter über den Tag verteilt. Es ist wichtig, die Packungsbeilage des gekauften Tees zu beachten oder die Anweisungen der Hebamme zu befolgen.
- Zubereitung: Frisch aufgebrüht ist der Tee oft am wirksamsten. Die Kräuter werden mit heißem Wasser übergossen und ziehen gelassen.
Erfahrungen und Wirkung
Die Erfahrungen mit Wehentee sind sehr unterschiedlich. Viele Frauen berichten, dass der Tee geholfen hat, die Wehen einzuleiten oder zu verstärken, insbesondere wenn der Körper bereits geburtsreif war. Andere Frauen haben keine Wirkung bemerkt, auch wenn sie den Tee regelmäßig getrunken haben.
Einige Frauen beschreiben den Geschmack des Tees als eklig oder widerlich, besonders wenn stark aromatische Kräuter wie Ingwer, Zimt oder Nelken enthalten sind. Dies kann zu Magenreizungen oder sogar Übelkeit führen.
Es gibt auch die Meinung, dass Wehentee nur dann wirkt, wenn das Kind und der Körper der Mutter bereits bereit für die Geburt sind. Wenn das Kind noch nicht reif ist, wird der Tee wahrscheinlich keine Wirkung zeigen.

Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
Bei der Anwendung von Wehentee sind einige Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:
- Magenprobleme: Insbesondere scharfe oder stark aromatische Kräuter wie Ingwer, Zimt und Nelken können bei übermäßigem Verzehr zu Magenreizungen, Übelkeit, Bauchschmerzen oder sogar Durchfall führen.
- Hautausschlag: In seltenen Fällen kann es zu Hautausschlägen kommen.
- Wirkungseintritt: Der Zeitpunkt, wann die Wirkung des Wehentees eintritt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Manche berichten von einer Wirkung innerhalb eines Tages, andere erst nach ein bis zwei Tagen oder gar keiner Wirkung.
- Nicht bei vorzeitigen Wehen: Bei frühzeitigen Wehen wird von der Einnahme von Wehentee abgeraten.
- Medizinische Interventionen: Wehentees dürfen nicht als Ersatz für medizinische Interventionen angesehen werden. Wenn medizinisches Fachpersonal zur Einleitung der Geburt rät, ist Wehentee allein möglicherweise nicht ausreichend.
- Individuelle Beratung: Es ist wichtig, vor der Anwendung von Wehentee Rücksprache mit der Hebamme oder dem betreuenden Arzt/Ärztin zu halten.
Alternative Methoden zur Wehenförderung
Neben Wehentee gibt es eine Reihe weiterer Methoden, die zur Förderung der Wehen eingesetzt werden können:
Natürliche Methoden
- Geschlechtsverkehr: Prostaglandin in der Samenflüssigkeit kann den Gebärmutterhals weich machen und Oxytocin wird freigesetzt, was Wehen auslösen kann. Vorsicht ist geboten, wenn die Fruchtblase bereits gesprungen ist.
- Stimulation der Brustwarzen: Dies regt die Ausschüttung von Oxytocin an. Dies kann durch Massieren oder kurzzeitiges Ansetzen einer Milchpumpe erfolgen.
- Bewegung: Aktivitäten wie Treppensteigen, Spaziergänge, Schwimmen oder Tanzen können helfen, die Wehen zu fördern.
- Warmes Bad: Ein warmes Bad, eventuell angereichert mit bestimmten Aromaölen (z.B. Eukalyptus, Ingwer, Zimt), kann entspannend wirken und die Gebärmutter stimulieren. Die Dauer sollte auf maximal 20 Minuten begrenzt sein und das Wasser nicht zu heiß.
- Bauchmassage: Sanfte Bauchmassagen mit geeigneten Aromaölen (z.B. Mandelöl mit Zimt-, Nelken-, Eisenwurz- und Ingweröl) können die Gebärmutter zum Zusammenziehen anregen.
- Scharfes Essen: Bestimmte scharfe Gewürze und Speisen wie Zimt, Nelken, Ingwer, Chili, Kardamom, Oregano, Basilikum und Thymian werden als wehenfördernd angesehen.
- Koffein- und chininhaltige Getränke: Getränke wie Bitter Lemon, Tonic Water, Kaffee, Cola und Schwarztee können durch ihr Koffein wehenfördernd wirken.

Medizinische und alternative Methoden
- Akupunktur
- Akupressur
- Fußreflexzonenmassage
- Homöopathische Mittel
- Eipollösung (Zervix-Stripping): Eine Methode, bei der die Hebamme oder der Arzt versucht, die Fruchtblase vom Gebärmutterhals zu lösen, um die Freisetzung von Prostaglandinen zu fördern.
- Eröffnen der Fruchtblase (Amniotomie): Ein medizinischer Eingriff, bei dem die Fruchtblase künstlich geöffnet wird.
- Medikamentöse Geburtseinleitung: Die Gabe von Medikamenten, die Wehen auslösen.
- Wehencocktail: Eine Mischung aus Rizinusöl, Mandelmus, Aprikosen- oder Orangensaft und Mineralwasser. Dieser kann starke Darmkrämpfe und Durchfall verursachen und sollte nur in Absprache mit der Hebamme erfolgen.
Es ist wichtig zu betonen, dass nicht mehrere Methoden gleichzeitig ausgetestet werden sollten. Welche Herangehensweise wirksam ist, kann niemand vorhersagen. Schwangere sollten immer Rücksprache mit ihrer Hebamme oder betreuenden Ärztin beziehungsweise Arzt halten.