Dieses Paket bietet eine umfassende Sammlung von Übungen zur Wassergewöhnung, die ideal für den Beginn von Schwimmeinheiten im Nichtschwimmerbereich geeignet sind. Sie richten sich speziell an Schwimmanfänger*innen mit geringer Wassererfahrung und zielen darauf ab, Ängste und Unsicherheiten abzubauen. Durch vielseitige Erfahrungen im Wasser können die Kinder die Grundlage für grundlegende Schwimmfähigkeiten erlernen.
Warum ist Wassergewöhnung wichtig?
Die Wassergewöhnung ist ein entscheidender Schritt, um Kindern die Angst vor dem Wasser zu nehmen und ihre Sicherheit im und ums Wasser zu gewährleisten. Ein frühzeitiges Kennenlernen des Elements Wasser fördert das Vertrauen und die motorischen Fähigkeiten der Kinder. Dies erleichtert auch den späteren Schwimmunterricht und trägt zu einer positiven Einstellung zum Schwimmen und zur Wassersicherheit bei. Kinder, die früh Vertrauen ins Wasser gewinnen, fühlen sich in der Badewanne, im Planschbecken und später im Schwimmbad sicherer.

Erste Schritte im heimischen Badezimmer
Bereits zu Hause können Eltern ihre Kinder spielerisch an das Wasser gewöhnen. In der Badewanne fängt es an, denn lange vor dem Schwimmenlernen kommt die Wassergewöhnung. Hier erfahren die Kinder das Wasser und lernen das unbekannte Element kennen. Sie spüren, wie sich Spritzer im Gesicht anfühlen, wie das Wasser Druck ausübt, aber auch, wie es sie trägt. Ängste verschwinden langsam oder können gar nicht erst entstehen, wenn man sich im Wasser wohlfühlt.
Gallitz rät, in der Wanne ohne Seife oder Schaumbad beim Baden zu üben. Hier können schon die ganz Kleinen mit warmem Wasser begossen werden, erst die Beine, später der Bauch oder die Haare. Anfangs reichen die Tropfen aus einem Waschlappen. Etwas ältere Kinder dürfen sich selbst mit einer Gießkanne, einer kleinen Wasserspritze oder einem Becher begießen. Eine Mutprobe: Wer traut sich, das Wasser übers Gesicht zu schütten?
Spielerische Übungen für die Badewanne und Dusche
- Wasserspiele in der Dusche: Lassen Sie das warme Wasser sanft über das Gesicht Ihres Kindes laufen, während es die Augen geschlossen hält. Ermutigen Sie es, das Wasser zu spüren und zu erkennen, dass es nicht bedrohlich ist. Verwenden Sie wasserfeste Spielzeuge oder farbige Becher, um das Interesse zu wecken.
- Blubbern lernen: Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es wie ein kleiner Motorboot-Kapitän ins Wasser pusten kann. Stellen Sie sich vor ein Waschbecken oder setzen Sie sich in die Badewanne. Pusten Sie Tischtennisbälle auf der Wasseroberfläche vorwärts.
- Tauchen mit Spielsachen: Verstecken Sie bunte Tauchringe oder kleine Tiere kurz unter Wasser und ermutigen Sie Ihr Kind, sie aufzuheben.
- Geburtstagskerze pusten: Verwandeln Sie Ihre Daumen in eine Geburtstagskerze. Pusten Sie die Kerze stark und möglichst lange aus, indem Sie sie sich vor den Mund halten. Während des Auspustens kann warmes Wasser über den Kopf des Kindes gegossen werden.
Erste Erfahrungen im Schwimmbad
Kinder nähern sich dem Element Wasser sehr unterschiedlich. Manche sind schon mit zwei, drei Jahren richtige Wasserratten, trauen sich zu tauchen und versuchen erste Schwimmbewegungen. Andere sind vielleicht noch im Vorschulalter eher ängstlich und vorsichtig und genießen es, am flachen Ufer zu spielen oder sich gestützt von Papas oder Mamas Hand auf den Rücken zu legen und im Wasser zu schweben. Egal ob Wasserratte oder wasserscheu: "Es geht darum, das Element Wasser wirklich zu erleben", sagt Gallitz. Was hilft: viel Geduld und Übung.
Übungen zur Wassergewöhnung im Nichtschwimmerbereich
Die folgenden Übungen können dabei helfen, den Aufenthalt im Wasser positiv zu erleben und bereiten ein lebenslanges sicheres Bewegen im Medium vor. Es ist wichtig, dass die Schwimmflächen und die Wassertiefe zur Wassergewöhnung geeignet sind.
Bewegung und Körpergefühl im Wasser
- Kreise mit den Armen: Kreise deine Arme wie eine Wassermühle. Für eine größere Herausforderung: Kreise deine Arme möglichst schnell!
- Hampelmann im Wasser: Mache den Hampelmann im Wasser. Für mehr Intensität: Mache den Hampelmann möglichst schnell!
- Fuß- und Handberührung: Berühre abwechselnd mit der rechten Hand den linken Fuß und umgekehrt. Steigere die Schwierigkeit, indem du dabei mit deinem Oberkörper möglichst weit nach unten gehst.
- Spritzer machen: Mache möglichst große Spritzer! Für eine größere Herausforderung: Mache möglichst große Spritzer mit deinen Füßen!
- Schnelles Laufen: Laufe möglichst schnell durch das Wasser! Steigere die Schwierigkeit, indem du schnell durch das Wasser läufst und deine Arme dabei nach oben streckst.
- Hüpfen im Wasser: Hüpfe beidbeinig durch das Wasser! Für eine größere Herausforderung: Hüpfe einbeinig durch das Wasser!
- Hocke und Sprung: Gehe in die Hocke und springe möglichst hoch! Steigere die Schwierigkeit, indem du im Sprung eine halbe Drehung um die Längsachse machst.
- Drehungen im Sprung: Springe hoch und mache eine halbe Drehung um die Längsachse! Für eine größere Herausforderung: Schaffst du auch eine ganze Drehung? Oder sogar mehr als eine ganze Drehung?
- Abtauchen und Rolle: Springe hoch und tauche anschließend mit deinem Kopf zuerst ab! Für eine größere Herausforderung: Mache unter Wasser eine Rolle!

Interaktion mit dem Wasser und Gegenständen
- Wellen erzeugen: Stelle dich an den Beckenrand und ziehe dich mit den Händen nach vorn und schiebe dich zurück, sodass Wellen entstehen. Versucht es synchron zu zweit für mehr Herausforderung.
- Hangeln am Beckenrand: Hangle dich mit deinen Armen am Beckenrand entlang, ohne mit deinen Füßen den Beckenboden zu berühren! Für mehr Geschwindigkeit: Bewege dich möglichst schnell am Beckenrand entlang!
- Gegenstände mit Füßen/Händen holen: Hole die Gegenstände mit deinen Füßen aus dem Wasser! Oder hole die Gegenstände mit deinen Händen aus dem Wasser!
- Tischtennisball pusten: Puste den Tischtennisball auf dem Wasser durch das Becken, ohne den Ball zu berühren! Für mehr Geschwindigkeit: Puste den Ball so, dass er sich möglichst schnell bewegt!
- Tennisball treiben: Treibe den Tennisball durch das Wasser, ohne ihn zu berühren! Für mehr Geschwindigkeit: Treibe den Ball möglichst schnell durch das Wasser!
- Transport auf dem Schwimmbrett: Stelle einen Becher oder lege einen Wasserball auf das Schwimmbrett und transportiere ihn, ohne dass er herunterfällt! Für mehr Herausforderung: Laufe dabei möglichst schnell durch das Wasser!
Erfahrungen mit Auftrieb und Schweben
- Schwimmnudel-Übungen: Klemme die Schwimmnudel unter deinen Achseln ein und umfasse mit deinen Händen deine Oberschenkel. Lasse dich treiben! Für mehr Herausforderung: Versuche dich nicht zu bewegen! Setze dich auf die Schwimmnudel und paddle mit deinen Füßen oder Armen rückwärts durch das Wasser. Versuche möglichst schnell zu paddeln!
- Rückenlage und Bauchlage: Lege dich mit dem Rücken auf das Wasser und schaue nach oben. Versuche dich möglichst wenig zu bewegen oder dich so schnell wie möglich durch das Wasser zu bewegen! Lege dich mit dem Bauch auf das Wasser und halte ein Schwimmbrett in deinen Händen über deinem Kopf. Bewege deine Beine auf und ab, sodass du dich nach vorne bewegst! Versuche möglichst schnell durch das Wasser zu gleiten!
- Blubberblasen und Augen öffnen: Puste so ins Wasser, dass Luftbläschen entstehen! Für mehr Herausforderung: Tauche dabei deinen kompletten Kopf unter Wasser und versuche unter Wasser deine Augen zu öffnen. Mache große und kleine Blubberblasen!
- Unterstütztes Treiben: Eine Person legt sich auf den Rücken und die andere Person unterstützt sie dabei, dass sie an der Wasseroberfläche bleibt. Für mehr Herausforderung: Versuche ohne Unterstützung auf dem Wasser zu treiben!
- Schieben und Ziehen im Wasser: Eine Person legt sich mit dem Rücken auf das Wasser. Die andere Person hält sie an den Schultern und schiebt sie vorsichtig nach vorne. Schiebt euch schneller durch das Wasser! Eine Person legt sich mit dem Bauch auf das Wasser, die andere fasst sie an den Händen und zieht sie durch das Wasser. Schiebt euch schneller durch das Wasser! Eine Person legt sich mit dem Bauch auf das Wasser. Die andere Person hält sie an den Knöcheln und schiebt sie vorsichtig nach vorne. Schiebt euch schneller durch das Wasser!
- "Huckepack" und Schultertragen: Eine Person nimmt die andere Person „Huckepack“ oder auf die Schultern. Haltet euch an den Händen! Für mehr Herausforderung: Taucht immer für 10 Sekunden unter!

Die Rolle der Eltern und professionelle Unterstützung
Eltern können das Schwimmenlernen ihrer Kinder aktiv unterstützen. "In der Badewanne fängt es an", sagt Alexander Gallitz vom Deutschen Schwimmlehrerverband. "Mama und Papa können dafür im heimischen Badezimmer oder im Pool im Garten viel tun." Wichtig ist, dass Eltern das Tempo ihres Kindes berücksichtigen: "Wenn das Kleine nicht möchte, Angst zeigt oder mehr Übung braucht, ist eine Pause gut. Beim nächsten Mal geht es weiter."
Für Eltern, die sich unsicher sind oder zusätzliche Unterstützung wünschen, gibt es verschiedene Angebote. Online-Schwimmschulen bieten Schritt-für-Schritt-Anleitungen in Videos, die zeigen, wie Kinder sich ans Wasser gewöhnen, im Wasser atmen lernen und die richtigen Schwimmbewegungen üben. Auch Vereine wie die DLRG bieten online Videos mit Elterntipps zu Wassergewöhnung und ersten Schwimmversuchen.
Strukturierte Übungsreihen für Eltern
- Gemeinsam beginnen: Gehen Sie gemeinsam in das Becken, wo Sie noch gut stehen können. Nehmen Sie Ihr Kind auf Ihren Rücken. Die Beine des Kindes umklammern dabei zunächst Ihren Oberkörper, seine Hände halten sich an Ihren Schultern fest. Sichern Sie anfangs seine Beine mit Ihren Händen. Laufen Sie vorwärts und ermutigen Sie Ihr Kind, mit den Beinen zu strampeln.
- Den Blick suchen: Nehmen Sie Ihr Kind vor sich. Umgreifen Sie es mit beiden Händen seitlich am Oberkörper. Spielen Sie Verstecken, indem Sie ein Tuch über eine gespannte Leine hängen und das Kind mal darüber, mal links oder rechts davon heben.
- Vorwärts strampeln: Legen Sie die Daumenballen aneinander und unter den Brustkorb des Kindes. Ihre Finger umgreifen die Körperseiten. Gehen Sie rückwärts, sodass Ihr Kind in Bauchlage gelangt. Ziehen Sie Ihr Kind durch das Wasser wie eine Seeschlange.
- Die Füße fliegen lassen: Ihr Kind lehnt in Sitzposition an Ihrem Oberkörper, sein Hinterkopf liegt auf Ihrer Schulter. Sie umgreifen die Waden und trommeln mit den Füßen auf das Wasser. Rufen Sie "Alle Füße fliegen..." und ziehen diese bei "...hoch" in Richtung Schulter. Fassen Sie dann mit Ihrer Hand unter den Rücken des Kindes und spielen Sie "Alle Bäuche fliegen hoch".
- Balance halten: Formen Sie Ihre Hände zu einer Schale und halten Sie diese für die Füße Ihres Kindes unter Wasser, so dass es mit dem Rücken zu Ihnen darin stehen kann. Heben Sie Ihr Kind aus dem Wasser.
- Kräftig wirbeln: Ihr Kind ist Ihnen zugewandt und hält sich an Ihren beiden Daumen fest. Drehen Sie sich singend und ziehen Sie Ihr Kleines in einem großen Kreis um sich herum.
- Enten schnappen: Halten Sie Ihr Kind im Trophäen-Griff in der Taille. Das Kind soll das Spielzeug am Beckenrand schnappen. Schieben Sie Ihr Kleines dazu nach vorne und ziehen es immer wieder zurück, sodass es sich strecken muss.

Das Seepferdchen: Ein wichtiger Meilenstein
Das Seepferdchen ist für kleine Schwimmerinnen und Schwimmer ein heiß ersehntes Ziel. Die Prüfung besteht in der Regel darin, 25 Meter im Wasser zurückzulegen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Kind bereits richtig schwimmen kann, sondern dass es im Notfall nicht gleich ertrinken würde. "Kinder können noch nicht abschätzen, wie weit ihre Kräfte reichen werden", warnt Gallitz. Daher gilt im Schwimmbad, am See und am Meer: "Lassen Sie Ihre Kinder niemals allein im Wasser." Ertrinken ist ein stiller Prozess ohne Hilferufe. Es ist wichtig, mit den Kindern zu sprechen und ihnen zu vermitteln, dass sie im Wasser abtreiben oder ertrinken können. Das Aufsuchen einer bewachten Badestelle wird empfohlen, wo im Notfall schnell Hilfe zur Stelle ist.
Schwimmhilfen: Nutzen und Risiken
Schwimmhilfen wie Schwimmflügel, Schwimmgürtel oder Poolnudeln können zwar den Auftrieb unterstützen, sind aber keine Rettungswesten und können sogar schaden. Sie verhindern oft, dass Kinder wirklich spüren, wie sie sich im Wasser bewegen. Beim Schwimmenlernen ist es am besten, auf Schwimmhilfen zu verzichten und stattdessen als Elternteil immer nur eine Armlänge vom Kind entfernt zu bleiben, um bei Problemen sofort zugreifen zu können.
Wasser lieben - Leben retten (DLRG Wassergewöhnung)
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